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Fortsetzung folgt – seit Jahren . . . 17. Dezember 2015

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Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen, schrieb der Philosoph Wittgenstein.
Es war ein Jahr der Sprachlosigkeit, das jetzt zu Ende geht. Ein Jahr, in dem das Grauen zu Bildern mutierte.
Ein Jahr, in dem viele Fragen unbeantwortet blieben.
Ein Jahr der Flucht und Weltflucht. Ein Jahr des Sich-Abwendens und der Ausgrenzung, aber auch des Mitleids ohne Mitleiden.
Die seit Jahrzehnten real existierende Gefühllosigkeit des Kapitalismus und der Ausgeburten von Ausbeutung der Länder der Dritten und Vierten Welt wurde sichtbar.
Man konnte – und kann noch immer – erahnen und sehen, warum es Völkerwanderung gab und gibt und was die Suche nach Hoffnung mit sich bringt.
Nur: Kinderaugen und Ertrunkene sind nur ein geringer Teil dessen, was Ausdruck der Unmenschlichkeit des kapitalistischen Systems eines immer noch ausufernden Imperialismus ist: Die Reichen werden immer noch reicher und die Armen immer noch ärmer.
Und die Verdammten der Erde- und dazu gehören auch die meisten Menschen auf Grund der Armut in der sogenannten Wohlstandsgesellschaft – sind sprachloser denn je.
Die Internationalität der Solidarität erschöpft sich in brennenden Gedächtniskerzen und Spendenaufrufen.
Das ist eine Seite der aktuellen Lage.
Die andere Seite ist jene, dass die Frage offen bleibt, wie sich die Millionen, die geflohen sind und die jungen Männer in eine Gesellschaft integrieren sollen, in der es an den nötigen Partnerinnen, den Frauen, fehlt.
Der Klassenkampf wandelt sich auch in den der Geschlechter. In den sexuellen Wünschen, in der Raserei der Frustration und der Geilheit, die von Land zu Land wandert und die sich in der sinnlosen Suche nach Erfüllung und damit auch in der Gefahr der zunehmenden Gewalt gegen die Schwachen.
Eine Gesellschaft wie die mitteleuropäische kennt den Schutz der Schwachen, die Achtung vor den Frauen. Aber wie steht es mit den Werten, die die Asylwerber vertreten?
Ehret die Frauen, schützt die Kinder, strebt nach den Idealen des Humanismus und der Menschenrechte, so lautet die Maxime.
Aber gibt es diese in Eritrea, in Somalia, in Nigeria, in den Resten des Irak und den Ländern, die vom IS terrorisiert werden?
Fast ein jeder redete in diesem Jahr wieder von Werten.
Wer von Werten spricht, der rechtfertigt den Krieg um diese.
Werte erzeugen Krieg – was für ein Doppelsinn.
Die gescheffelten Werte auf Bankkonten der Waffenproduzenten erzeugen weiterhin Krieg und, das noch Schlimmere: Sie erzeugen Tod, Flucht, Grausamkeit und mit diesen allen gekaufte Meinungen und Desinformation, die von den dafür geschulten Kräften der Desinformation in den Geheimdiensten ausgehen. Es geht um Ausbeutung im doppelten Sinn: Die Ressourcen der dritten Welt und jener Länder, in denen derzeit – seit Jahrzehnten allerdings – Zerstörung herrscht, werden weiter ausgebeutet – durch genau jene, die jetzt den Krieg gegen den Terror führen.
Sie haben diesen selbst verursacht.
Und auch finanziert, durch ihre Geheimdienste.
Als die Verdammten der Erde aufwachten, donnerten die Raketenwerfer und Bomber über ihre Köpfe hinweg und vernichteten alles, was das Leben lebenswert macht: Nahrung, Wohnung, Bildung in Schulen, Menschen, die liebten und geliebt wurden.
Die Verdammten dieser Erde wurden nicht nur arm, nein, wie wurden auch heimatlos.

Es läuft alles geheim ab.
Freiheit wurde zur Worthülse.
Gleichheit zum verfemten Wort und zum Sprachgebrauch der Denunziatoren der sozialen Gerechtigkeit, die als Werte zerstörend und ideologisch verbrämt dargestellt wird.
Brüderlichkeit ist verschwunden – die Entsolidarisierung der Gesellschaft der Willhabenden und Manipulierten durch Marketing-Strategien, der Marken-Fetischisten im Heer der Namenlosen und deren Taten, die unsäglicher nicht sein könnten wie in der Gegenwart der im Kaufrausch dahintaumelnden Masse.

Von den Idealen der französischen Revolution und der Aufklärung auf der einen Seite und des Christentums mit dessen revolutionär-tödlichen Ursprung durch Jesus von Nazareth auf der anderen Seite ist nichts geblieben außer ideologischen Fragmenten, deren Leere Parallelen zu den Todesbotschaften so genannter Revolutionäre hat, die seit Lenin den Terror zur Maxime ihres Handelns erkoren haben.
Schöne, grausame neue Welt.
(Work in progress)
Winfried Werner Linde

Dada oder der Geist der Stadt. Eine Besichtigung. Wörterfetzen. 19. August 2015

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Dada. Wörterfetzen in der Stadt.

Kinder gehen vorbei.
Es ist kühl im Garten.
Sie singen: Es rauschet die Mühle am ratternden Bach.
Alle lachen.
Es herbstelt, sagt eine Dame im Vorübergehen.
Sie schüttelt den Kopf.
Die Kinder: Das Wasser das rattert da
zur rauschenden Mühle und mahlet das neue Korn.
Sie lachen wieder.
Verkehrte Welt am lauten Verkehr,
sagt ein alter Mann und schüttelt sein Philosophenhaupt.
Wir sind die Moorsoldaten, erinnert sich eine Bettlerin am Eck.
Autos hupen. Motorräder dröhnen.
Die Karawane der Stadtbewunderer zieht weiter.
Wo ist das golden roof?
Gott die Erde erschuf, behauptet ein Zeuge Jehovas.
Es ist kühl. Kühler als vor vier Tagen.
Schnupfenzeit im Hot pant.
Wir lagen vor Madagaskar – nein!!!
Im Kreuzfahrtschiff bei Kos.
Heute ist wieder nichts los.
Kino und Oper.
Zeltfest und Tanz.
Hans H. ist überall.
Bier saufen im kleinen Café am Eck.
Wir müssen hier lang,
sagt ein Mann zu seiner Familie.
Es rauschet die Mühle . . .
Nach rechts.
Nein. Nach links.
Egal wohin.
Dada lebt.
Dada schuf Gott und die Welt,
auf dass alle darüber schweigen.
Krimi lesen.
Krimi im TV schauen.
Im Smartphone chatten.
Lieber Elvis, komm zu mir,
mach einen echten Starken aus mir.
Es war, als hätt‘ der Himmel – was?
Wir gehen auf ein Shakes-Beer.
Cheers.
Bittä einen Euro.
Oder Cents.
Oder nichts.
Wegschauen.
Die Mühle rauschet noch immer im Alltag
des ratternden Baches.
Wir sind die Menschheit auf dem Weg zum Shakes-Beer.
Prost. Mahlzeit. Hunger.
Ars moriendi.
Ars vivendi.
Geschüttelt, nicht gerührt.
GLS bringt ein Paket neuer Wünsche.
Es rauschet die Mühle.
Ein Tourist studiert mit Begleiterin die Speisekarte,
die auf einer Tafel vor dem Gasthaus-Eingang steht.
Haben die auch Tiroler Klöße?
Weiß nicht.
Der Wunsch ist immer der Vater der Gedankenlosigkeit.
Wir lagen vor Kos.
Wir lagen im Lager.
Es rauschet die Mühle.
Es klappern die Zähne.
Ein T-Shirt gegen die kühle Luft.
Mag nimmer, sagt ein Kind.
Es rauschet die Mühle, so singen die anderen.
Die Karawane der Smartphones zieht weiter
in die Sprachlosigkeit.
Ein Smiley für die Liebe, oder was sonst?
Der Ausweg liegt in der rauschenden Mühle
am klappernden Bach.
Perry Rhodan ist wieder gekehrt,
auf dass er Eistee trinke,
geschüttelt und nicht gerührt.
Es rattert der Bach an der rauschenden Mühle.
(Dada lebt. WWL)

Aus „Panoptica“ der Frauen-Kulturzeitschrift des Landes Tirol. Als Quotenmann habe ich diesen Beitrag verfasst. 10. Juni 2015

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Aus der Anonymität heraustreten. Jetzt. Ja- und Nein-Sagen. Selbstbestimmt.
Anmerkungen zum Thema: „Die transparente Frau“ – oder mediale Begegnungen der vermeintlich dritten Art.
Von Winfried Werner Linde

Das Charakterbild des Menschen schwankt nicht nur in der Geschichte, wie Schiller schrieb. Es schwankt auch in den Medien und insbesondere dann, wenn es um Frauenrecht und Selbstbestimmtheit geht. Der transparente Zustand des Menschen als solcher und diesfalls jener der Frauen ist in der Vergangenheit ein Alb-Traum gewesen und in der Gegenwart durch die virtuelle Welt und die sozialen Medien zu einer beängstigenden Wirklichkeit geworden.
Es gibt keine Durchsichtigkeit, von keinem Menschen.
Es gibt das Geheimnis des Mensch-Seins von Frau und Mann.
Es gibt die Verschlossenheit des Innenlebens nach außen.
Die Magnetresonanz zeigt den materiellen, nicht den geistigen Zustand.
Geschriebene Sätze oder gefilmte wie fotografierte Szenen in den Medien zeigen eine Situation, nicht die Gesamtheit der Lebensfaktoren. Das ist die Lüge in der Gegenwart: Scheinwelten werden aufgebaut, indem man bestimmte Situationen festhält, Aussagen aus dem Zusammenhang reißt.
Bilder verzerren – der Urschrei im Urwald, in den Menschen zwischen Schaben. Spinnen, Schlangen und ihren inneren Ängsten ist drehbuchgerecht gestaltet. Das Bild der Frauen, die sich diesen Situationen ausliefern ist die gleiche wie jene, die um die Gunst eines so genannten Bachelors buhlen oder sich mit dem Landleben (angeblich) anfreunden, weil ein Bauer eine Frau sucht. Die Traumreisen von Model-Männern, die sich mit einem Dutzend so genannten Schönheitsköniginnen auf einer Insel treffen, sind verfälschte archaische Muster. Längst weiß man aus der Verhaltensforschung, dass nicht die Männer, sondern die Frauen die Auswahl treffen und die Kriterien sind so vielfältig wie die Gedanken der Macher solcher TV-Quotenbringer einfältig sind.
Das ist die eine Seite – und diese ist ebenso düster wie die andere.
Denn es gibt auch das Aufzeigen von Leben an solchem, von Lebensfreud und Leid, von Atemlosigkeiten, von Ängsten und Erkenntnissen.
Flüchtlingslager, Frauen mit Kindern vor dem Erfrieren, die allein erziehende Mutter, die in Armut lebt, längst eingeholt von den ständigen Ängsten ums Überleben. Zwischen den Flüchtlingslagern im Libanon oder anderswo, zwischen den Müttern in Lampedusa und jenen, die im Wohlstands-Inferno irgendwo in Mitteleuropa in ständiger Angst leben, gibt es keine Unterschiede.
Die Frau ist dem Voyeurismus ausgeliefert und dies besonders medial – in der Nahaufnahme. Alles wird sichtbar.
Die Menschenfrau als Bajazzo: Seht her, ich bin’s.
Wir leben in einer psychologisierten Gesellschaft, in der die Allwissenheit über das Menschhafte die Menschlichkeit des friedvollen Lebens abgelöst hat. Jede und jeder für sich und Gott gegen alle.
Die mediale Wirklichkeit hat das Geheimnisvolle zerstört, Quotenfrauen sind Quotenmännern gewichen, das Gewordene ist der Zerstörung gewichen und das ist gut für das Verhalten der Mehrheit, also der Frauen, die sich wie eine Minderheit verhielt und sich duckte, ja – selbstzerstörerisch ducken musste.
Bis in die Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts, also in einer Zeit, in der es angeblich die politische Aufklärung gab, mussten die Frauen, die Männer um Erlaubnis fragen, wenn sie einer Arbeit nachgehen wollten. Ohne die Einwilligung des Mannes keine Selbstständigkeit, weder im Privaten noch in der Gesellschaft.
Bis die Befreiung postuliert wurde.
Das war 1969 im Suhrkamp-Kursbuch 17. Die Autorin Luc Jochimsen schrieb ein Essay unter dem Titel „Die Mehrheit, die sich wie eine Minderheit verhält“ und wies erstmals auf die demokratischen wie auch demographischen Mehrheitsverhältnisse hin. Es gibt mehr Frauen in der Gesellschaft als Männer, aber weder in der politischen Vertretung noch in der Bezahlung für ihre Arbeit schlägt sich dies nieder. Damals, 1969, keine Spur von Gleichheit.
Luc Jochimsen wurde als Tochter eines Speditionskaufmanns 1936 in Nürnberg geboren. Die Schulzeit in Frankfurt am Main beendete sie 1956 mit dem Abitur. Sie studierte Soziologie (bei Helmut Schelsky und Heinz Kluth), Politikwissenschaft (bei Siegfried Landshut) und Philosophie an der Universität Hamburg. 1961 folgte ihre Promotion zur Dr. phil. bei Schelsky an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster mit der Arbeit Zigeuner heute – Untersuchung einer Außenseitergruppe in einer deutschen Mittelstadt.
Jochimsen, die später für die Linke politisch aktiv war und auch als Bundespräsident-Kandidatin nominiert wurde, zeigte damals, im Nachbeben des Jahres 1968 ein Tabu auf, worüber man nicht sprach – schon gar nicht in den politischen Diskussionen.
Das war damals.
Und heute: „Jetzt tritt sie ins Licht. Die neue einsame Frau lebt mittendrin, zwischen all den anderen erfolgreichen, attraktiven, sozial erfüllten jungen Menschen. In ihrem Milieu ist es unmöglich geworden, sie zu erkennen: Auch sie lebt in urbanen Ballungszentren, arbeitet in Agenturen, wird Lehrerin oder Professorin, stellt in Galerien aus, schreibt Bücher oder Blogs, designt Mode oder Websites und trägt ein ständig vibrierendes Handy mit sich herum. Ein Premiumsingle, ein potenzieller Elitepartner, genau wie die Werbung sie anpreist, allererste Ware, die nach spätestens elf Minuten nicht mehr auf dem Markt sein dürfte.“(Die Zeit, 21.12.2014).
Wenn die Quotenfrau zwei Mal klingelt, in den politischen Parteien und die politologisch verbrämten Medien-AnalystInnen ihre angeblich nicht aus dem Kaffeesud gelesenen Prognosen abgeben, fehlt die Wirklichkeit der Ausgrenzung der Frauen in den Nebenschauplätzen abseits des medialen Wirbels völlig. Das Ausgeliefert-Sein an die Wirklichkeiten der Gegenwart, die Ängste wie auch das Entsetzen des Erlebens der realen Welt, fehlen gänzlich.
Ganze Generationen verlieren sich irgendwo in einem Nebensatz.
Die Senioren, beispielsweise, sieht man nicht – und meistens sind die Frauen davon betroffen.
Ein gesellschaftliches Phänomen? Es geht nicht anders in der Quotenwelt? Wir haben eh die Regierungsbeteiligung der Frauen? Und seit damals, den späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts hat sich alles verändert?
Wer spricht heute noch vom Ausstattungsbeitrag, der damals üblich war: Frauen, die bis zur Verheiratung gearbeitet hatten, ließen sich ihre Pensionsansprüche abgelten. Sie verzichteten zu Gunsten der Ehe und der „Obsorge“ des Mannes auf ihre Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Doch das war damals, sagen fast alle.
Das hat sich geändert, meinen viele – immer wieder in Diskussionen. In der Masse – damit sind nicht die zehn Prozent Gebildeten gemeint, die sich mit der Wirklichkeit auseinandersetzen. Von dieser wollen aber die Wenigsten etwas wissen: Die Frau als Objekt oder als Mittel zur Unterhaltung ohne Rücksicht auf die Würde – in den Medien, vornehmlich den bunten Blättern und den Privatsendern, ist die selbstverständlich. Die Unterhaltung deckt die Sorge um den Unterhalt zu, die Wahrheit ist keine pluralistische, sondern weiterhin eine eindimensionale Sicht auf die Dinge.
Der Mensch ist in der Welt der Transparenz durch die mediale Berichterstattung längst zu einem Mittel zum Zweck der Erreichung von Reichweiten und Quoten verkommen und was hinter den Fassaden der Häuser und den Äußerlichkeiten von Scheinbildern der Modewelt vor sich geht interessiert nur am Rande. Liebschaften und Liebeleien, Flirts und Bussi-Bussi – die Seitenblicke-Gesellschaft hat die Tiefblick-Gesellschaft längst überrundet.
In der „taz“ erschien folgender Beitrag, der in den sozialen Medien rasch die Runde machte und x-Mal kommentiert wurde:

Es folgt: ein kleiner Nachrichtenüberblick der letzten Tage.
• Julia Klöckner will Burkas verbieten. Vollverschleierung steht für „ein abwertendes Frauenbild“, sagt sie. „Burka geht gar nicht“, findet auch Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion. „Dass Frauen sich nur komplett verhüllt im öffentlichen Raum bewegen dürfen, kann ich nicht akzeptieren.“ Wohlgemerkt: „dürfen“. Von „wollen“ kann nicht die Rede sein, das würde die betroffenen Frauen ja als Subjekte outen, und dann wär’s komplizierter.
• Kompliziert ist es auch mit der „Pille danach“. Was haben sie sich gesträubt bei der CDU, damit die Pille danach nicht rezeptfrei wird, und jetzt wird sie es doch, der EU sei Dank. Da ärgert sich Jens Smartieboy Spahn und twittert: „Wie wäre eigentlich ne ,Pille anstatt‘ statt einer ,Pille danach‘…? “ Ja, wie wäre das? Und wie wäre „Denken statt Twittern“ statt „Denken danach oder gar nicht“?
Weiter im Newsfeed.
• In Großbritannien gibt es neue Regeln für Pornos, die man per Video on Demand gucken kann. Diese dürfen jetzt bestimmte Sexpraktiken nicht mehr zeigen, unter anderem weibliche Ejakulation. Männliche Ejakulation bleibt erlaubt.
Nächste Nachricht:
• Die ungarische Polizei will Vergewaltigungen verhindern und dreht dafür ein Video, in dem sich junge Frauen in kurzen Röcken betrinken. Die Botschaft am Ende: „Du kannst etwas dafür, du kannst etwas dagegen tun.“
Und sonst so? Madonna zieht sich für das Magazin Interview aus. „Madonna wieder nackt: Muss das sein?“, fragt das Rolling-Stone-Magazin. Nö, weißte was, muss nicht.
Man kann das alles auch etwas kürzer zusammenfassen: Liebe Frauen, denkt bloß nicht, dass euer Körper euch selbst gehört. Euer Körper ist ein Kampfplatz mit Brüsten. Doch, klar sollt ihr euch hübsch machen. Denn ja, natürlich werdet ihr nach eurem Äußeren bewertet. Ja, natürlich mehr als Männer. Falls ihr eine Burka tragen wollt: bloß nicht! Zeigt mehr Haut! Falls ihr gerade nackt seid: Zieht euch gefälligst was an, ihr Schlampen!
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ihr intuitiv das Richtige tut. Eine meiner Lieblingstitelseiten hatte die InTouch vom letzten März: „Mager-Schock“ heißt es da über Heidi Klum und „Kilo-Frust: Sie wird immer dicker“ über Britney Spears, die ein Eis leckt. Die einen so, die anderen so, Hauptsache, falsch.
In der Öffentlichkeit essen sollt ihr sowieso nicht, jedenfalls nicht in der U-Bahn, sonst posten fremde Menschen von euch Fotos in der Facebookgruppe „Women who eat on tubes“ und 32.600 Leute lachen euch aus.
Diese Woche gab es wieder eine der berühmten „Victoria’s Secret“-Shows in London: Die besten Models der Welt präsentieren mit Engelsflügeln neue BHs und Schlüpper, und jedes Jahr träumen Tausende Mädchen davon, das auch zu dürfen. Scheiße, Mädels, hört auf zu warten. Sägt euch mit der Kettensäge Flügel aus Spanplatten oder schneidert euch welche aus leeren Pommespackungen und macht die ganze beschissene Welt zu eurem Laufsteg, denn für die allermeisten von euch wird Heidi nie ein Foto haben, und das ist etwas, worüber ihr echt froh sein könnt.(Ende des Zitates).
Das ist nur ein Auszug. Er zeigt aber, dass es bis zur Würde noch ein weiter Weg ist – in der so genannten Medienwelt und deren Objektivität der Betrachtung.
Es sind Begegnungen der dritten Unart in der medialen Welt und die Transparenz dient vornehmlich dem Voyeurismus und nicht der Empörung über Normen, die noch immer vorgegeben scheinen – von Blatt- und TV-Machern. –

Die derzeitige Diskussion anno 2015 über Adoptionen durch Paare, die nicht aus Frau und Mann bestehen, ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Gesellschaft immer noch durch den Alltagsfaschismus oktroyiert ist – ein Fortschritt im Denken für mehr Freiheit und Gleichheit und Selbstbestimmtheit ist nicht abzusehen.
Die Frau in der medialen Wirklichkeit: Noch immer ein durch den Männerblick gezeigtes Objekt der Begierde. Diese ist die dritte Unart – eine negative Ausgeburt der Transparenz der Frau. (WWL)
(Schluss)

Aschermittwoch – eine Nachlese 19. Februar 2015

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Während sich der eine, Strachtler, vor geballtem Kleinbürger- und Dumpfbackentum bierselig zu den üblichen Plattheiten und Worthülsen bekannte, gab es im Innsbrucker Congress, weit abseits von Ried und der Germanen-Jahn-Halle ein poetisches Feuerwerk für Frieden und Freiheit, für die Solidarität mit allen Schwachen und Ausgegrenzten.
Konstantin Wecker was here (für alle Heimatseiten-Deutschdümmler: Konstantin Wecker verkündete mit seiner Poesie und seinem Widerstand das, was Demokratie und Vielfalt mit sich bringt). Die Gedanken sind eben frei – und das Publikum sang mit.
Der Willi lebt, sagte Konstantin Wecker und alle applaudierten. Der Willi, den die Rechten und Neonazis, die Ewiggestrigen und die auch die so genannten Isten-Vertreter (Stalinisten, Trotzkisten u.a.) erschlagen haben – im Lied, das wie ein Symbol aus der Vergangenheit in die Gegenwart klang: Eingangs des Abends, mit dem einsamen Poeten am Klavier, der dann 40 Jahre seines Lebens am Publikum in Wort und Ton vorüberziehen ließ.
Konstantin Wecker, der Linke, der Anarchist, der Beschimpfte und der Dichter, dessen Lieder in den TV-Sendern und Radio-Jodeldodlern nicht gesendet werden.
Da war er. Konstantin der Große.
Und da war er, der andere, zu sehen am nächsten Morgen mit hassverzerrtem Gesicht im Frühstücksfernsehen bei puls4 und bestätigte genau das, was Konstantin Wecker ein paar Stunden zuvor, gegen Mitternacht, nach standing ovations und mehreren Zugaben, immer wieder angekreidet hatte: Den rechten Wahnwitz, der sich in der Gesellschaft immer mehr breit macht.
Klar, so wie in Ried die Rechten, so konnten im Congress die Linken alles abnicken, was da gesagt wurde. Nur die Art, wie es gesagt wurde, mit welchen Worten und welchen Emotionen, unterschied alles – und nur das zählt.
Strachtler ist ein Primitivkopf der Biertisch-Einsamen, Wecker ist einer, der um die Einsamkeit weiß, die eigene und diejenige, die in der Gesellschaft inne wohnt.
Beim Weg zum Konzert in Innsbruck, von der Haltestelle Museumstraße aus, muss man durch den Franziskaner-Bogen gehen. Ein Durchgang, der die Hofburg mit der Hofkirche und dem Franziskaner-Kloster verbindet.
Es war kalt, eisig, minus fünf Grad herrschten an diesem Innsbrucker Abend und durch den Bogen pfiff ein eisiges Lüfterl – eine Zugluft des Unbehagens.

In diesem Durchgang lag ein Mann, mitten in seinen wenigen Habseligkeiten, ein Obdachloser, und schlief. Es war 19.30 Uhr, – und neben dem Mann lagen keine Bierdosen, lagen keine Weinflaschen – nur eine Wasserflasche.
Mir klangen die Rechten-Worte in den Ohren und brüllten sich in den Kopf und die Gedanken: Sozialschmarotzer.
Ich informierte mich kurz: Der will in keine Unterkunft, der will das so, wurde mir gesagt.
Eine Stunde später drang die Widerstands-Poesie in mein Herz und mit dieser kamen die Erinnerungen an die vielen Geschichten meines Lebens: Sag Nein, sang Konstantin Wecker und sein Trio, mit wunderbaren Musikern, intonierte es. Schwermütig mit Cello-Tönen.
Sag Nein.
Da liegt einer in der Kälte und schläft – und du gehst zum Konzert, um all das zu hören, wovon du eh weißt. Oder doch nicht, weil kein Mensch angesichts der Manipulation, der weltweiten, der Mächte, die alles, auch die Meinung und die Freiheit dominieren, wissen kann, was in einem anderen Menschen vorgeht, was inwendig ist, in dieser kalten Zeit.
Einer lag da – in der Kälte.
Einer sang und spielte über diese Kälte.
Und einer brüllte, dass mir im Nachhinein kalt wird, wenn ich die Berichte lese.

Ach ja: Konstantin Wecker war da.
Schön, dass es ihn gibt, den Poeten des Empört euch und den Nein-Sager, zu dem man Ja sagen muss.

Winfried Werner Linde

Berg-Sage der Gegenwart – Wehret der Vernichtung der Landschaft in Tirol 5. September 2014

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Die Sage von den Kögeln aus Kalk mitten im Urgestein.

 

Es war der Tag, als alle Quellen versiegten, weil sie dem großen Meer Platz machen mussten und in diesem aufgingen. Sie blieben Quellen, weil die Quellenkönigin, die Mutter aller Quellen, den Wassertropen befohlen hatten, ihren Tanz weiter zu leben und ihre leisen Melodien auch im großen Wasser weiter zu singen.

Es war der Tag, als König Serles die Unermesslichkeit seiner Macht ausübte und nur mehr seine Krone aus dem Wasser ragte.

Befiehl den Stürmen, dass sie die Wogen aufpeitschen lassen und jede Gischtkrone soll zu einer Zinne deiner Burg werden, sagte der Geist über den Wässern und aus den Zinnen sollen die Quellen sprudeln und das Wasser den Boden netzen, auf dass dieser eine Blume zeuge, die edles Weiß und nichts anderes in sich trägt.

Der König Serles baute sich seine Burg und nannte ihre Teile nach Menschen und Tieren. So entstand die Ochsenwand und neben ihnen die Schlicker Zinnen und noch heute erinnert die Schlicker Seepsitze an die Zeit, als dies alles geschah. Da die Tiere des Königs untergebracht werden mussten, ließ er den hohen Burgstall bauen und für das Jungtier gab es den niederen Burgstall.

Die Mutter der Quellen mahnte den König Serles: Vergiss nicht, dass die Höhen die Kälte bringen und alle Wärme brauchen. So wurden auch Schafe gezüchtet und der Widdersberg erinnert noch bis in die Gegenwart daran, dass der Schutz vor den Unbillen der Witterung überlebenswichtig für alle ist. Selbst die Edelweiß, wie die Blume genannt wurde, erhielten eine wollige Hülle.

Als sich das große Wasser verzogen hatte und die Burg des Königs Serles ihre stolzen Umrisse zeigte, entstand eine wunderbare Landschaft, die der Garten des Königs Serles und das Reich der Mutter der Quellen wurde. Die Tänzerinnen des Wassertropfenballetts wurden zu Blumen und die Kare und Schründe der Burg wurden Kalkkögel genannt, obwohl der Kalkstein sonst größtenteils nur jenseits des großen Flusses zu finden waren.

Der sonst sehr kriegerisch gesinnte König Serles ließ das Band der Gipfel zu einem Garten des Friedens werden, in dem er keinen Streit geben solle.

Doch erhoben sich die Menschen, die mit der Zeit alles besiedelten und störten den Frieden. Die Beschaulichkeit sollte weichen und die Schönheit Geld bringen. Vergnügen und Lust lösten die Nachdenklichkeit ab und die neuen Herren der Welt in den Dörfern stritten sich und waren sich uneins über die Teilung des Gartens des Königs und der Mutter der Quellen.

Wir lassen die Quellen versiegen und die Felsen sollen zu Gesteinslawinen werden, beschlossen der König und die Mutter der Quellen.

Das Einzige, was wir dulden, ist, dass ihr, die ihr euch die Dorfkaiser nennt, den Menschen die Schönheiten der Landschaft zeigt und sie lehrt, das Natürliche zu schützen. Wenn ihr zwischen den Tälern des großen Landes eine Verbindung haben wollt, die dem Vergnügen dient und dem Lebensgenuss, so soll dieser auch zeigen, wie alles entstand und warum es so wurde wie es ist.

Und wie zur Drohung wurden die Zinnen brüchig und die Quellen versiegten für kurze Zeit.

Alles drohte zu veröden.

Doch die Hoffnung lebt: Der König Serles versprach den Menschen einen großen Schatz in seinem Bergreich, wenn sie umdenken und im Einklang mit dem, was sie Erschauen können, leben.

 

So habe ich die Sage von meinen Vorfahren gehört und wie ich sie überliefert bekommen habe, so schreibe ich sie nieder.

Wer immer diese Aufzeichnungen findet – der solle sie weitertragen und in seinem Herzen bewahren. Und die ganze Kraft des Verstandes einsetzen.

Es ist alles wahr. So wahr mir Gott helfe.

 

Franz Ferdinand Senn, Hirte und Knecht am Hofe des König Serles.

 

(aufgezeichnet von Winfried Werner Linde, anno Domini 2014)                                                

 

Licht-Bilder von Brigitte Gmach -Zur Ausstellung in der Evangelischen Auferstehungskirche Innsbruck-Reichenau 24. März 2014

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Eine Ausstellung von Kunst in einem sakralen Raum verlangt die Gedanken des Sakralen, des Religiösen, in diesem Fall des Christentums. Es werde Licht und es ward Licht steht nicht nur im 1.Buch Mose, der Schöpfungsgeschichte.
Das ist natürlich wichtig, weil es der Ursprung ist. Aber es gibt Jesus, den Christus, und dessen Botschaft und es gibt Paulus, den Apostel, der der Welt verkündete:

Im Korintherbrief steht:
Denn Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, daß durch uns entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi

Doch ich bin nicht hier, um zu predigen – dazu sind andere berufen. Es geht um die Kunst von Brigitte Gmach, die hier, in der Auferstehungskirche zu sehen ist.
In aller Vielfalt auch der Kulturen und der Welt, unter dem Eindruck der Welt, in der sie groß wurde und der Welt Afrikas und der Staaten Westafrikas.
Es sind die Welten, die aufrüttleln, erschüttern, aber aus denen Licht fließt – der Erkenntnis, dass die Schöpfung viele Facetten hat, in denen sich das Licht wiederspiegelt.
Brigitte Gmach schreibt Texte wie Abschiedsgedanken und Neubeginn.
Sie malt Bilder wie Lichtspuren in der manchmal überwältigenden Dunkelheit des Erlebens.
Dazwischen keimt Hoffnung und Wiederkehr und diese Wiederkehr ist es, die sich in Kunstwerken materialisiert.
Das Werden eines Bildes ist Wiederkehr. Das Werk ist Da-Seins-Zeuge.
Und sie ist auch Keramikerin. Dazu muss man sagen, dass es Keramiken sind, die in der Kunstgeschichte der Menschheit immer wieder den Ursprung des Schaffens der Menschen aufzeigen. Die Vielzahl der archäologischen Funde zeugt davon.
Bei Brigitte Gmach bedeutet Keramik aber:
Feuer – Katharsis – Licht
und damit:
Reinigung
Dass sich die Künstlerin mit dem Thema Engel beschäftigt, ist angesichts ihres Denkens selbstverständlich. Engel sind, nach der uralten Mystik, Lichtwesen, die Gott umgeben und damit auch die Eigenschaften des Göttlichen in sich bergen. Liebe, Barmherzigkeit, Demut, Weisheit sind nur einige davon.
(WWL)
Info:
Brigitte Gmach VITA
Geboren 1943 in Wien
Aufgewachsen in Bregenz und Bludenz / Vorarlberg
Sprachstudien und Lehrerausbildung in Wien
Lebt seit 1971 mit ihrer Familie in Breitenbach/Tirol
Ausbildung in Keramik: Artdidakta – Innsbruck
Schweiz, Italien und Ungarn
Öffentliche Ankäufe: Totenkapelle Kundl
Kath. Kirche Breitenbach am Inn
Ev. Gemeindezentrum Wörgl
Krankenhaus Kufstein u.a.m.
Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland u. a:
2010 – Ausstellung im Stadttheater Arnstadt – Thüringen („Häuser“)
Ausstellung in der Kulturscheune Mühlberg – Thüringen
Ausstellung in der Alten Försterei Ilmenau – Thüringen (Transparentobjekte)
2011 – Ausstellung Benediktinerstift Fiecht („Behaust – Unbehaust“)
Kunst und Kost – Breitenbach
Ausstellung „Engel, wo bist Du?“ Landhotel Hirschen – Schwarzenberg
2012 – RAIBA MUT Brixlegg – „Lichthäuser“
DVD „Engel, wo bist Du?“
2013 – DVD „Reisebilder“ Texte aus „Seelenhäuser“ mit Musik, Landschaft und Skulptur. (in Arbeit)
2013 – DVD „Pilgergeschichten – in Wort, Bild und Musik“
„Klausbergtexte – Erinnerungen an eine Kindheit am Lande“
Ausstellung sakraler Objekte in der Trinitatskirche Großbreitenbach / Thür.
Reisen zur Kunst der Frauen nach W-Afrika (Ghana, Burkina Faso, Mauretanien)
Mitglied von Schreibwerkstatt Breitenbach und Kunstverein ARTirol
Langjährige Kursleiterin für Keramik in der Erwachsenenbildung
Therapie mit Ton im Rehab-Zentrum Bad Häring
Teilnahme am Kunstsymposium in Kleinbreitenbach /Thüringen 2008
Pilgerwege in Europa von Nord nach Süd und West nach Ost.

Anmerkung zum Faschings-Ende 2. März 2014

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Masken und Spiegel

Rosenmontag und Faschings-Dienstag: Viele Menschen maskieren sich als solche, die sie einmal gerne gewesen wären oder sein wollen.
Faschings-Treiben ist ein Vertreiben der Wirklichkeit und ein Versteckspiel – damit eine Erlösung von der Qual des realen Lebens. Das ist gut so, sagen die einen. Das ist schlecht so, meinen die anderen.
Die, die es für gut halten, schätzen Unterhaltung als Entspannung vom Thrill des Alltags in allen Bereichen. Abseits von Horrormeldungen von Kriegsschauplätzen, von Verbrechen, vom Bruch der Menschenrechte, abseits von Unfreiheit: Die Hofnarren durften seinerzeit des Mächtigen die Meinung sagen, heute scheint jede Meinung eine Narretei, weil die Mächtigen nicht einmal mehr darüber lachen.
Die es für schlecht halten vergleichen die Situation mit Luigi Pirandellos Spiegel- und Maskentheater, in der die Menschen auf der Suche nach einem Regisseur sind, der ihnen ihre Identität zeigt und wieder gibt, die im Gemetzel des Alltags der Familien und der Berufe verloren ging. Der Traum vom einen Spiegelbild, in dem man sich so sieht, wie man ist und nicht so, wie man gezwungen ist zu sein.
Apropos Italien: Wenn man die Masken in Venedig sieht, so erkennt man in ihnen Gleichmut und Hoheit, das Erhabene der Erkenntnis ebenso wie die Nachdenklichkeit darüber, dass mitten im Leben der Tod lauert und dass dem Heiteren die Eishand des Unerbittlichen, des Todes, treffen kann. Jederzeit.
Der Fasching hat seinen Höhepunkt überall auf der Welt. Der Samba in Rio oder die Redouten hierzulande, die Närrinnen und Narren im Rheinland oder wüsten archaischen Fasnachtsbräuche in den Alpen, wo aus der Natur die Gestalten sich erheben, um für kurze Zeit Teil der Gesellschaft zu werden.
Es ist Vergänglichkeit, die im Faschingsende ihren Ausdruck findet. Nicht wegen der dan folgenden Fastenzeit, sondern wegen der Vergänglichkeit des heute noch Wesentlichen, das morgen schon im Gestern liegt.
Das Unzulängliche wird zum Maß der Dinge – und damit auch zum Maß des Endes. Einmal noch der Schrei der Lust und Heiterkeit – komme, was da wolle.
Fasching ist Loslösung von der Wirklichkeit, die uns alle früh genug wieder auf den Boden der Fasten-Gedanken und der grauenhaften Schlagzeilen-Meldungen zurückwirft.

Winfried Werner Linde

Begegnung am Bahnhof der Tram Number Six in Igls – Kurznotiz über eine außergewöhnliche Begegnung 30. Januar 2014

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Die Stimme einer Frau sagt: Heite ist kein guta Tag, fir nix.
Dann sehe ich sie.

Die Drei sitzen da, auf einer Bank, auf kleinen Sitzunterlagen.
Zwei Mädchen, etwa acht und zehn Jahre alt und eine Frau um die Dreißig, wahrscheinlich ihre Mutter.
Sie spielen Blockflöte und Klarinette. In der Kälte.
Heite ist kein guta Tag, fir nix.
Vor dem Trio sitzen die einzigen Zuhörer. Drei Hunde, unterschiedlich groß. Undefinierbar ihr Stammbaum. Hunde eben. Sie hören dem Spiel zu, blicken manchmal hinter sich oder seitlich, ob sich irgendjemand nähert und lauschen dann wieder.
Gespitzte Ohren. Nur die Schwanzspitzen bewegen sich.
Es ist kalt.
Heite ist kein guta Tag für nix, sagt die Frau wieder, während die beiden Mädchen weiter spielen. Es ist eine langsame Melodie, wie voller Trauer und Nachdenken.
Sehnsucht klingt aus den Tönen.
Nach einem guten Tag, für etwas, mit etwas, mit Freude, mit Liebe, mit Wärme.
Jetzt sitzen sie da, auf einer Bank, beim Bahnhof in Igls, bei dem stündlich die Tram Nummer Sechs abfährt.
Keiner wartet auf den Bahn-Wagen.
Heite ist kein guta Tag, fir nix.
Ich suche nach meiner Geldtasche.
Die Frau bemerkt es.
Wir nix betteln, wir nur spielen, sagt sie.
Nur spielen. Freude. Vastehen Sie? Wir wohnen in Heim. Wir haben alles. Gut. Aber wir wollen Musik machen. Nur spielen. Aba heite ist kein guta Tag, fir nix . . .
Nach einer Pause sagt sie, wie entschuldigend: Wir sind Sokci, aus Wojwodina. . .
Ihr Sätze haben den Rhythmus von Finali diverser Musikstücke: Ta tatata tata tamtam . . .
Sie schaut mich an. Dann fragt sie: Gehören Hunde ihnen?
Nein, sage ich.
Sie waren da. Plötzlich. Einfach da. Und hörten. Und sitzen. Und schauen, sagt sie verwundert.
Tiere lieben Musik, sage ich, Schwingungen, Töne . . .
Menschen auch, sagt sie. Danke, fir hören. . . .
Ja.
Dann spielen sie weiter.
Plötzlich ertönt ein lauter Pfiff.
Die Hunde richten sich auf und spitzen die Ohren.
Dann gibt er Größte von ihnen Laut. Drei Mal bellt er. Drei Mal.
Dann wieder ein Pfiff, diesmal näher und dann biegt schon ein Mann in einem Rollstuhl um die Ecke und legt die letzte Strecke zum Bahnhof sehr rasch zurück.
Da seid ihr, sagt er. Und dann: Waren sie lästig?
Die drei Musikerinnen schüttelten den Kopf und ich sage: Nein, sie hörten nur zu.
Es ist manchmal arg mit ihnen, sagt der Mann im Rollstuhl. Ich muss auf sie aufpassen und wenn sie irgendwoher Musik hören, dann hauen sie ab und gehen den Tönen nach. Ihr Ahnherr muss wohl von den Bremer Stadmusikanten gewesen sein, sagt er lachend. Und fährt weiter, den Hunden winkend, die ihm folgen. Sie blicken noch ein paar Mal zurück. Abschied eben. Von Tönen.
Die Tram Nummer 6 fährt ein.
Die Drei packen ihre Sachen ein, ihre Instrumente. Sorgfältig, wie Kostbarkeiten.
Auf Wiedersehen, sagt die Mutter.
Ich stehe auf und verbeuge mich. Dann drücke ich ihr einen Schein in die Hand: Für den Eintritt, für das Konzert. Eine kleine Gage, sage ich.
Sie schüttelt den Kopf: Wir nix betteln. Wir nur spielen.
Ja, sage ich. Und: Danke für das Spiel und das Konzert.
Dann sage ich: Steigen sie ein. Gute Fahrt und viel Glück.
Glick ist da zu sein und spielen, sagt sie und geht zur Tram. Dann: Dank und viel Glick fir Sie. Gesundheit und alles.
Dann steigen sie ein, die Drei.
Irgendwie und von irgendwo her scheint noch alles zu klingen.
Kälte, was ist das?
Ich höre Hunde bellen.
Einen Pfiff.
Dann stehe ich auf und gehe langsam nach Hause.
Irgendwie war das ein guter Tag, für alles. Ein guter Tag.
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Sotschi 2014 und die kulturelle Wunderwaffe Tarrolls. 17. Oktober 2013

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Die kulturelle Wunderwaffe Tirols.

Smeili Techtelmechtel, wort- und brotloser Akrobat der Verzerrung von Wörtern und Tönen, ist überglücklich: Endlich, ja endlich, nach all dem völlig unverständlichen Gesudere um Koalitionen, Kopulationen und Kleinbeigebungen ist es gelungen, in Tarroll die „Drei Bergtenöre“ als Aushängeschilder des Landes der Schluchten und Bergisel-Schlachten zu gründen.
Die Bekanntgabe in den üblichen Hofberichts-Organen erfolgte mit vielen Bildern – und dem Anlass der Gegebenheit entsprechend – ohne viel Worte.
Smeili Techtelmechtel wird ab 2014 im Rahmen einer Welt-Tournee Seite an Seite mit dem „Sechziger, der sich wie ein Dreißiger aufführt“, Hansi Ha, und dem mittlerweile nächst Hall in Tirol, wo die Münzreichen Tradition haben, angesiedelten Neo-Milsers Semino R., früher bekannt als Omar Ernesto Semino,
Italo-Argentinier und Erfinder des legendären Selbstlaut-Belcantos (Liiiiiiiiiiiiiiiiiiiibe, ROOOOOOT sind die ROOOOOSEN), absolvieren.
Als erster Auftritt ist eine Galanacht des Tarrolla Selberbrenntn mit dem Markennamen „Sotschwodka“ im russischen Wodka-Ort Sotschi geplant, wo neben Feten der Oligarchen auch noch Olympische Winterspiele stattfinden sollen. Eine Nacht mit dem Titel: Tarroll, wo die Herzen pochen und die Barkassen klingeln . Techtelmechtel: „Eine echte Alternative zu dem Flügel-Verleih-Dingsda, weil miar setzn aufn Roten Adler, Read Eagle, vasteasch.“
Ein Mini-Musical, das ein bekannter Ischgler Hotelier schrieb, mit dem Titel: „Ich war noch nie ein Russen-Bär, aber Affen habe ich schon viele tanzen lassen“, soll das Festprogramm ergänzen.
Die „Drei Bergtenöre“ sollen bekannte Tarrolla Arien darbieten. Neben dem obligaten Treueschwur dem Land Tarroll wird der Sensations-Hit „Zenzi, i hol di mitn Traktor o“ gemeinsam mit „Mach dei ZImmertür auf, sonscht tret i sie ein, weil i bin gamsig wie der Fiffi von der Nachbarin“ gesungen.
Smeili Techtelmechtel „isch häppi wia da Beppi“: „Wos glabsch, wia dö Hasn auf uns abfahrn, bei die Russn und weltweit. Mei Bett werd echt internazional“, freut er sich schon auf „a überdrüber geile Zeit.“

Sehr geehrter Herr Faymann! Ein Blog-Brief. 7. Oktober 2013

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Aber hallo, Herr Kanzler!
Da Österreich auch das Land des Viktor Adler ist,
da Österreich auch das Land des Friedrich Adler ist,
da Österreich auch das Land des Bruno Kreisky ist,
da Österreich geprägt wurde durch die sozialdemokratischen Widerstandskämpfer,
da Österreich auch das Land der roten Landa ist,
da Österreichs Arbeiter und die Sozialdemokratie lange vor den Grünen für die Umwelt kämpften, um nicht am Rauch der Schlote oder Staublungen zu krepieren,
da Österreich auch das Land der Gewerkschaftsbewegung ist, die von Frauen und Männern der Sozialdemokratie geprägt ist,
da Österreich noch immer der Willkür von Krisengewinnlern ausgeliefert ist, wie die Beispiele BAWAG und Kärntner Hypo Adria zeigen,
da man mit der Zerschlagung der BAWAG auch die Gewerkschaftsbewegung und damit den Schutz der Rechte der ArbeitnehmerInnen schwächte,
da Gewinn-Maximierung nur auf Kosten des Humankapitals (copyright Wirtschafts-Liberalismus) möglich ist, also der Menschen, die Arbeit abliefern und damit den Mehrwert für die Kapitalisten liefern,
da Österreich das Land der Gründer der Republik ist,
da Österreich das Land der Nobelpreisträger und Denkenden war und ist,
da Österreich ein Land ist, das Hilfesuchenden immer Zuflucht gab,
aus diesen und aus noch unzähligen Gründen, die Österreich ausmachen:
Keine Bündnisse mit der politischen Rechten, keine Zugeständnisse an die Vertreter des Kapitalismus und der Ausbeutung, keine Dialoge mit Denunzianten und Vorverurteilern,
kurzum: Mehr Mut bei den Regierungsverhandlungen.
Es geht um die Generationen der Gegenwart und Zukunft.
Sonst, verehrter Kanzler, hat die SPÖ nichts aus der Geschichte gelernt.
Herzlich,
Ihr
Winfried Werner Linde