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Sotschi 2014 und die kulturelle Wunderwaffe Tarrolls. 17. Oktober 2013

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Die kulturelle Wunderwaffe Tirols.

Smeili Techtelmechtel, wort- und brotloser Akrobat der Verzerrung von Wörtern und Tönen, ist überglücklich: Endlich, ja endlich, nach all dem völlig unverständlichen Gesudere um Koalitionen, Kopulationen und Kleinbeigebungen ist es gelungen, in Tarroll die „Drei Bergtenöre“ als Aushängeschilder des Landes der Schluchten und Bergisel-Schlachten zu gründen.
Die Bekanntgabe in den üblichen Hofberichts-Organen erfolgte mit vielen Bildern – und dem Anlass der Gegebenheit entsprechend – ohne viel Worte.
Smeili Techtelmechtel wird ab 2014 im Rahmen einer Welt-Tournee Seite an Seite mit dem „Sechziger, der sich wie ein Dreißiger aufführt“, Hansi Ha, und dem mittlerweile nächst Hall in Tirol, wo die Münzreichen Tradition haben, angesiedelten Neo-Milsers Semino R., früher bekannt als Omar Ernesto Semino,
Italo-Argentinier und Erfinder des legendären Selbstlaut-Belcantos (Liiiiiiiiiiiiiiiiiiiibe, ROOOOOOT sind die ROOOOOSEN), absolvieren.
Als erster Auftritt ist eine Galanacht des Tarrolla Selberbrenntn mit dem Markennamen „Sotschwodka“ im russischen Wodka-Ort Sotschi geplant, wo neben Feten der Oligarchen auch noch Olympische Winterspiele stattfinden sollen. Eine Nacht mit dem Titel: Tarroll, wo die Herzen pochen und die Barkassen klingeln . Techtelmechtel: „Eine echte Alternative zu dem Flügel-Verleih-Dingsda, weil miar setzn aufn Roten Adler, Read Eagle, vasteasch.“
Ein Mini-Musical, das ein bekannter Ischgler Hotelier schrieb, mit dem Titel: „Ich war noch nie ein Russen-Bär, aber Affen habe ich schon viele tanzen lassen“, soll das Festprogramm ergänzen.
Die „Drei Bergtenöre“ sollen bekannte Tarrolla Arien darbieten. Neben dem obligaten Treueschwur dem Land Tarroll wird der Sensations-Hit „Zenzi, i hol di mitn Traktor o“ gemeinsam mit „Mach dei ZImmertür auf, sonscht tret i sie ein, weil i bin gamsig wie der Fiffi von der Nachbarin“ gesungen.
Smeili Techtelmechtel „isch häppi wia da Beppi“: „Wos glabsch, wia dö Hasn auf uns abfahrn, bei die Russn und weltweit. Mei Bett werd echt internazional“, freut er sich schon auf „a überdrüber geile Zeit.“

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Exklusiv: Geheime Aufzeichnung von den ersten Dreh-Versuchen der neuesten Folge des „Älpler-Docs“, vormals Bergdoktor. 2. August 2013

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Exklusiv: Geheime Aufzeichnung von den ersten Dreh-Versuchen der neuesten Folge des „Älpler-Docs“, vormals Bergdoktor.

Der neue Hauptdarsteller Gebi Müller, vormals Mair, hält eine Rede. In der Folge wird er als G. bezeichnet.
Produzent und Regisseur schauen zu. Eine Reihe von Kleindarstellern aus dem Gremium des Tarrolla Landestages stehen um G. herum.

G: Wir haben den Platter-Sitz geübt in steiler Wand . . .
Alle: Bravo! Platter-Sitz, dös isch guat.
G: Aufsteigen und Abseilen. Der Dülfer-Sitz ist retro passé, unsere Seilschaften üben den Platter-Sitz. Der Sichernde am Karabiner, oder die Sicherndin, alle sind, je nachdem, gut aufgestellt. (hebt die Stimme leicht) Der Brandjoch-Südgrat wurde unsererseits in LH-Fraumann-Retrograt umbenannt und am Gipfelkreuz umgetauft, allen Gewalten zum Trotz. (spricht normal weiter, eher flüchtig) Die Akkus unserer Dienstbikes sind aufgeladen, die Dienstwägen vollgetankt. (hebt wieder leicht die Stimme). Was wichtig ist: Die Versprechungen sind den Vorbesprechungen gewichen, unter Klubobmenschen, mit dem Rückgrat der Basis. Die Konkurrenz liegt gelbrot und blaubraun darnieder. Die Roten . .
Ein Herumstehender: Rosaroten . . .
G: . . . äh, ja, nein, ja. Die Rosaroten liegen darnieder, erschöpfen sich in Machtkämpfen . . .
Eine Grüne: Ohn-Machokämpfe. Hahaha.
G: Die Gelben sind ein Nichts und die Blaunen zerspalten . . .
Ein Grüner mit Sonnenhut und Eispickel: Derspalten, wie die Gletscher, voller Spalten.
G: Nur wir haben die Eckis und Kantis und sorgen für Ausgleichinnen der Gesetzinnen.
Ein Linker (erkennbar ein seinem Mao-Leiberl und einem Sonnenhut mit künstlicher roter Nelke): Schwarzgrün wie Wacker, in der letzten Minute der Ausgleich, hahaha (lacht, sehr gekünstlt)
Ein Pensionisten-Kleindarsteller (erkennbar an Lederhose und Hansi-Hinterseer-Sticker): Red lauter. (zu sich) I versteh nix.
G: Häng dir die Hörgeräte ein, Opa.
Pensionist: D a s hab ich aber gehört, aber gehört, aber gehört, Teifi eini no amol.
(An dieser Stelle schreiten Produzent, P., und Regisseur, R., ein)
P (zu R.) Was isn des? Steht das im Drehbuch?r Is des a Probe oder a Kasperltheater oder san mir statt in den Alpen im Wanderzirkus im Bundesrat, oder was? Das kostet Geld, Geld, Geld, wenn die da quatschen und quatschen.
R: Also los. Noch einmal von vorne. Und zum Teufel. Es gibt a Drehbuch, in dem steht alles drinnen. Gebi, vergiss das nicht. Und fall net immer aus der Rolle, sondern bleib drinnen. Klar und deutlich und ohne Wenn und Aber. Sprich nur den vorgegebenen Text.
(zur Sekretärin): Hat der Malaun schon die Änderungen geliefert, die ihm die Hofschranzen vorgeschrieben haben? (Keine Antwort, nur Schulterzucken)
Ja, is eh egal. Noch einmal von vorne und ohne Politik. Wir sind da nicht im Affentheater, sondern bei Dreharbeiten. Capisco?
G: (zerknirscht) Aber das war ja nicht Absicht und nur Übung.
R: Übungen kannst woanders machen. Da nicht.
—–
An dieser Stelle ist die Geheimaufzeichnung unterbrochen. Es erscheint das Innsbrucker Landhaus-Logo. Mit dem Insert: Wir bitten um Geduld. Kurze Unterbrechung. Die Beratungen gehen gleich weiter.
(WWL)

Exklusiv: Tatort-Kommissare und Bergdoktor-Änderungen. Nach den Berichten der Tagespresse exklusiv im Zeitzünder. 31. Juli 2013

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Die geheimen Aufzeichnungen des Kasermandls als Abhör-Spezialist bei diversen TV-Vorbesprechungen. Inklusive exklusiver Story-Teller.

Kommissar 1 und Kommissar 2 beim Wandeln in den düsteren Tarrolla Bergen.
Beide schnaufen.
1: Hast an Fall?
2: Auf alle Fälle!
1: Was für einen?
2: Einen Durchfall . . .
1: Ich hab einen Reinfall . . .
2: Soll ich dir meinen abtreten . . .
1: Auf jeden Fall . . . Nein . . . Auf keinen Fall.
2: Ich meine nur für den Fall der Fälle.
(Die Beiden gehen in die untergehende Sonne)

2. Szene
Innen. Gasthaus. Der Produzent und der Regisseur.

P: Wir müssen den Bergdoktor umbesetzen.
R: Aber der läuft ja gut, in dieser Besetzung.
P: Aber im Interesse der Landtagsförderung durch die Älpler-Werbung müssen wir . . .
R: Der Sigl ist ja Tarrolla . . .
P: Aber zu wenig . . .
R: Wen sollen wir dann nehmen . . .
P: Einen Giganten der Felswände, einen Akkuauflader auf den Dreivierteltausendern . . .
R: Wer ist denn sowas?
P: Ein Gebi Mair, so heißt der. Ein Landtagsklubobmann. Ein echter Tarrolla. Ein Umweltschützer. Ein Grüner – oder was halt die Älpler so darunter verstehen.
R: Wie schaut der aus.
P: Na ja. Gigantisch. Mit seinem begnadeten Körper, angezogen mit einem Leiberl oder einem T-Shirt . . .
R: Einen Doktor mit einem gestrickten Netzleiberl. Is ja zum Speiben, ehrlich. . .
P: Und mit der Aufschrift: Tarroll . . .
R: A echtes product placement – no jo, wenns was bringt. Und wenn wir es senden können . . .
(Es entsteht eine kurze Pause)
R: Ist noch was?
P: Ja. 35 neue Hauptdarsteller und Nebendarsteller müssen wir auch nehmen. Und die weibliche Hauptrolle umbesetzen.
R: Das ist aber arg als Änderung.
P: Ja, eine Frau Landeshauptfrau will unbedingt die neue Liebe vom Bergdoktor spielen. Bevor dich aufregst: Die Dirndlfotos von der san super . . .
R: Und woher nehmen wir die anderen neuen . . .
P: Alle aus dem Landtag. Alle Abgeordneten. Entweder als Bauern, als Psychologinnen oder halt als Menschen vom Land, vom Dorf, als Skilehrer, Hoteliers und natürlich auch als Bergkraxler, die in Bergnot geraten . . .
R: Und wer soll sich das anschauen, bitte . . . .?
P: Der ORF hat schon einen Vorvertrag . . .
R: Ich weiß nicht . . .
P: Aber der Sigl darf eh a mitspielen. Als Geretteter.
R: Also, wenn ich mir das so überleg, was da entstehen soll, dann ist er tatsächlich ein Geretteter . . .
(Die Sekretärin kommt durch die gepolsterte Zimmertüre)
Sekretärin: Ein gewisser Gebi Müller ist da. Zum Vorsprechen.
P: Mair . . .
Sekretärin: Ja, schon. Aber er will nur mit einem Künstlernamen spielen.
P: Na ja. (Zum Regisseur) Lassen wir ihn uns vorspielen . . .
R: Mir bleibt nix erspart, heute ist nicht mein Tag, na, heute nicht.
P: Gewisse Notwendigkeiten erfordern auch den Umgang mit der Ungewissheit. Denk an den Sponsor-Vertrag.
R: Bei dem neuen Aufsteiger werd ich, glaub ich, zum Aussteiger . . .
P: (zur Sekretärin) Herein mit ihm.
(zum Regisseur): Schluss jetzt. Klappe. Das ist ein Herr Abgeordneter mit besten Beziehungen und frisch aufgeladenen Batterien . . .
(Der Gebi tritt auf.)
Gebi: Wenn wir erklimmen, schwindelnde Höhen, steigen dem Gipfelkreuz zu . . .
P: Können Sie ein Besteck halten . . .
G: . . . mit Seil und Haken, alles zu wagen. Klar kann ich das . . . Hängen wir in steiler Wand. . .
P und R (unisono): Danke. Danke. Danke.
P: Die Folge, in der wir mit Ihnen beginnen, hat den Drehbeginn in fünf Jahren. Titel: Wie ich den Landeshauptmann und mir den Sessel rettete. Sitzgurte zum Abseilen inklusive.
Gebi: Hollodero. Frisch auf, Berggefährten, der Morgen der graut . . . (ab)
P und R: Na servas. San de olle so deppat? Jetzt brauchen wir nur noch den Strache in der Soko Donau als versteckten Asylwerber und den Spindelegger samt den Kurz im Tatort, der im Parlament spielt – dann hammas alles . . .
Sekretärin: Das war es für heute. Der Herr Faymann als Alt-Bergdoktor kommt morgen . . .
Beide: Servas Schatzi. Servas. (sie stutzen.) War das jetzt sexistisch?
(Überblendung)

In Amt und Unwürden – Randbemerkung zu einem Anfang in Schwarzgrün 26. Mai 2013

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Kleinen Kindern beim Hopsen zuschauen. Tirol ist Waldorf oder Bewegungszentrum und ein Dorf.
Gulaschsuppe essen und Bier dazu trinken.
Kleinen Kindern beim Hopsen zusehen – ist ja so lieb und so viel Kultur und überhaupt so ganz neu und ganz anders. Wir sind Waldorf, wir sind Bewegung, wir sind Waldlauf, wir sind Masse, die sich bewegt, irgendwie . . .
Vorher die dicht geschlossenen Reihen mit verschlossenem, ja, verkniffenen Lächeln abmarschieren.
Gerührt, aber nicht berührt und schon gar nicht nachdenkend die Hymne anhören. Olls isch Trädischn.
Gesenkte Fahnen, gesenkte Blicke, leicht gesenktes, kurz verbeugtes Haupt.
Salut. Tarroll isch lei oans. Du bischt dös Lond, dem i die Treie holte.
Die Träne quillt, die Macht, die hat uns wieder und olles isch beim Oltn, eh kloar.
Bier. Gulasch. Und ein Modeschmuckring (siehe Nobert K. Pleifer in Facebook) mit dem Friedenszeichen am Finger der neuen Landeshauptmann-Stellvertreterin, der 2. LHStvin., wohlgemerkt, weil der 1. LHStv. ist auch ein Mann, muss ein Mann sein, einer vom Bauernbund, weil: Wo kommen miar denn sonscht hin.
Modeschmuck. Bobo-Symbol. Protest ohne Protest, Zeichen ohne Zeichen, Show statt Aktion, Oberfläche statt Tiefe.
Man braucht in Christiane Rösingers Lied nur Berlin mit Inns’bruck austauschen oder einfach, der Silben wegen, Tirol sagen, dann passt das. Bestens. Ja, bestens. Berlin statt Tirol und das passt. Nur der Geist ist ein anderer, aber das was so sonst noch so überall läuft: Paaaasssst. Wir sind Weltdorf. Keine Weltstadt, keine Region, in der die Welt ihre Probe hält, sondern wir sind die Probe. Und das ist schon was.
Den Tiroler Grünen sei Dank, aber kein Lob, denn das Loben heißt in Tirol etwas gut machen, was schlecht ist und manchmal auch umgekehrt: Etwas schlecht machen, was gut ist. Was immer schlecht und gut sei. Wer weiß das schon.
Berlin

Wenn die Sonne fehlt, wenn der Regen läuft
Wenn die Unterschicht das Kindergeld versäuft
Wenn die Hunde wachen, ihre Haufen machen
Ja, dann sind wir wieder in Berlin

Wenn die Fahrradfahrer uns vom Bordstein fegen
Die Verrückten in der U – Bahn wieder laut mit sich selber reden
Wenn die Stressercliquen dann ihr Zeug verticken
Ja, dann sind wir wieder in Berlin

Wenn die Autofahrer kurz am Amok streifen
Und die Hostelhorden durch die Straßen geifern
Wenn die Gullis stinken und die Pärchen winken
Ja, dann sind wir wieder in Berlin

Wenn die Freiberufler die Cafés besetzen
Und die Laptopposer sich auf’s Neu vernetzen
Mit den Kreativen und den ganz Naiven
Ja, dann sind wir sicher in Berlin

Wenn die Parkausflügler dann die Schwäne füttern
Und die Allerblödsten es gleich weiter twittern
Wenn wir zum Vorglühen durch die Spätis ziehen
Ja, dann sind wir alle in Berlin

Wenn die Ökoeltern sich zum Brunchen treffen
Und die Arschlochkinder durch die Cafés kläffen
Wenn der Service hinkt und‘ s nach Babykotze stinkt
Ja, dann sind wir wieder in Berlin

Wenn die Technoleichen zur Afterhour schleichen
Und nur die Halbverstrahlten Contenance behalten
Wenn die Druffis taumeln und die Durchis jaulen
Ja, dann sind wir wieder in Berlin.

(Copyright: Christiane Rösinger, Berliner Liedermacherin, Autorin, Denkerin und noch viel mehr).
Und aus Wien tönt schon wieder Korruption.
Sozial? Was ist denn das?
Korruption, das zieht. Das ist das Wort, aus dem die Machtträume sind.
So wie: Wir schützen Adler und keine Pleitegeier. Damit Tirol grün bleibt.
Wir schaffen die Jahreszeiten ab. Es muss ja grün bleiben.
Und Obama telefoniert mit Putin und zeigt sich schockiert: What, the hell, is going before over the sea in a little country with name Teiroll.
Oder so ähnlich.
Und die Taliban studieren in Massen und pauken die Tiroler Revolution anno 1809 gegen den Fortschritt, gegen Aufklärung, gegen Demokratie und Menschenwürde. Gegen Freiheit.
What the hell is . . .
Nastrovje, Mister President. How do you do?
Und in Tarroll nimmt alles seinen bierseligen Würschtl-mit Saft oder Gulaschsuppen-Lauf. Hoch an.
Wir sind oben, in Tirol, das grün bleiben muss.
Wir trinken nicht Wodka, wir nippen a Schnapsal. Fürs Gnapserl während der Landtagssitzungen, die uns bevorstehen.
Guten Tag, Tarroll.
Guten Tag, Welt.
Tarroll isch lei oans.
(wird fortgesetzt)

Zufalls-Wahrheit, mitgehört . . . 13. Mai 2013

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Zufalls-Wahrheit über Tirol-Politik

Zugegeben – ich mag Zufälle. Wenn mir etwas zufällt.
So geschehen am 13.5.2013 zu Mittag in den Innsbrucker Rathaus-Galerien, wo ich nur einen schnellen Kaffee trinken wollte.
Im Café setzten sich zwei Männer an den Nebentisch, von denen ich einen flüchtig als VPler kannte, den anderen nicht.
Der, den ich nicht kannte, fragte den anderen: Na, wie ist es gelaufen.
Wunderbar.
Wirklich?
Wunderbar sage ich dir. Es war einfach. Die haben sich über den Tisch ziehen lassen und die Hosen hinuntergelassen bis zum gehtnichtmehr. Die wollten unbedingt regieren.
Der Zweite lachte.
Dann: Wenn’s durchgeht.
Sicher, es geht durch. Bei uns sowieso und bei den anderen auch, da bin ich mir sicher. Da ist so vieles bestens formuliert.
(Beide lachten)
Hier enden fürs Erste meine Notizen. Weil ich die folgenden Wörter meines Stenogrammes nicht mehr lesen kann.
Doch dann folgte etwas, das ich sehr wohl lesen kann.
Der Nicht-VPler, also der mir Unbekannte, fragte: Und wieso ist das mit den Sozis nichts geworden.
Na, das ist wohl klar. Der Reheis hat sich als Landeshauptmann plakatieren lasse und dann der Absprung vor den Wahlen im Landtag. Na, mehr hast nicht gebraucht. Da waren alle sauer. Da war klar, dass da nichts mehr geht. Vielleicht hätt sich der Günther noch überzeugen lassen, wenn die Schiessling den Reheis beerbt hätte, aber so geht gar nichts.
Na. Ist es alles klar.
Sowieso.
——-
Wie gesagt, ein reiner Zufall.
Vielleicht hat sich einer wichtig gemacht, vielleicht.
Ich weiß es nicht. Aber ich denke, da hat einer einfach seine Eindrücke geschildert. Leicht gekürzt und auf den Punkt gebracht, ohne Floskeln.
Winfried Werner Linde

König Stronachs Glück und Ende im Kampf mit dem wilden Bergvolk in Tirol 4. April 2013

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Bei den Tiroler Landtagswahlen, die am 28. April stattfinden werden, wird auch eine Liste Stronach antreten. Eine einzige.
Das hat beileibe nicht immer so ausgesehen, denn es gab einmal drei Listen und letztlich noch immer zwei und übrig geblieben ist eine, von der sowohl der Multimilliardär als auch seine österreichischen Statthalter nichts wissen wollen.
Pech gehabt. St.Ronach oder der seinerzeit noch Strohsack heißende Senior, der von Kanada aus die kleine Welt in Österreich regieren will, hat mit der Bauernschlauheit des wilden Bergvolkes hinter den Alpen in Tirol nicht gerechnet. Seine Mitstreiter im Land im Gebirge haben das Motto der Müller vergessen: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Die Müller sind und waren ja ein ehrenwerter Beruf, der mit Wasserrädern agierte und mit dem Bauernstand zusammen arbeitete. Und die beiden Genannten sind durch die Tiwag und den Bauernbund ja die wahren Machthaber im Land Tirol. Sie kümmert das Wollen des Ex-Steirers und Niederösterreichers im fernen Kandada keinen Deut, Milliarden hin, Geldsäcke für den eventuellen Kauf von Mandataren her. Was keine Verdächtigung sein soll.
Tatsächlich scheint die Entscheidung der Landeswahlbehörde, der neben Parteien-Vertretern auch drei absolut Rechtskundige aus dem Richterstand angehören, rechtens zu sein. Und dieses Recht lautet: Bei Namensgleichheit gilt die als Erstes eingebrachte Liste als gültig, die andere gilt als unrechtmäßig und ungültig eingebracht. Die notariell oder vom Gemeindeamt bestätigten Unterstützungserklärungen oder die Unterschriften von drei Landtagsabgeordneten werden überprüft.

Und dann nimmt die Veröffentlichung ihren Lauf: Im Boten von Tirol und in Zeiten des Internet auch in letzterem.
Wenn sie zwei streiten, freuen sich, diesfalls, die anderen zehn Listen. Noch dazu, wo eine von Stronach unterstützte offizielle Liste für einige Prozente Stimmenanteil gut gewesen wäre – wenn man den Kaffeesudlesern der Meinungsumfragenden vertraut.
Die Tiroler Volkspartei wird sich freuen, weil sich der Protest nicht zu St. Ronach kanalisiert und die Gefahr nur mehr von Vorwärts Tirol um den Ex-SP-Landesrat Hans Lindenberger und Ex-Landesrätin Anna Hosp, von Für Tirol um den Ex-Wirtschaftsbündler Patrick Pfurtscheller und vom Bürgerforum um Fritz Dinkhauser ausgeht, wenn es um die bürgerlich-bäuerlichen Protestwähler geht. Und vielleicht noch ein bisschen von Fritz Gurgiser und seinem Team, aber der fischt eher schon im Teich der Grünen.
Doch das ist eine andere Geschichte.
Das Team Stronach tritt also an. An der Spitze ein Rechtskundiger, ein Rechtsanwalt, Herr Dr. Mayr. Der wird wissen, was zu tun ist, wenn Unterlassungsklagen wegen der Namensführung oder gar eine Verfassungsklage gegen die Entscheidung der Landeswahlbehörde kommen sollte. Weil ein Milliardär hat ja auch ein Recht, dass sein Name nicht von anderen missbraucht wird. Streit hin, Gesetz her. Irgendetwas muss die Stronach-Truppe aus dem Osten Österreichs ja im Gebirge tun, sonst können sie auch im Herbst nicht bei den Nationalratswahlen als Liste Stronach in Tirol kandidieren.
Da das Fell des Bären nicht vor dem 28.April, dem Wahltermin, und auch nicht vorher bei Unterlassungsklagen u.a. oder eventuell drohenden Einstweiligen Verfügungen auf Unterlassung der Namensführung verteilt werden soll, kann der Mensch in Tirol, dem Land, das sich gerne als älteste Festland-Demokratie nennt (zu Unrecht, denn die Besitzlosen waren bis vor 100 Jahren vom Wahlrecht und damit dem Landtag ausgeschlossen), einer Komödie oder Tragödie zuschauen.
Das Volk staunt und wird wütend. Damit wird die Szene zum Tribunal, wie Schiller sagte.
Wie hieß es eingangs: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Womit wir bei den Mühlsteinen angelangt wären, die um den Geist der Demokratie gehängt werden – in einem Spiel der Mächte, in denen der betroffene Bürger mehr denn je zum Opfer dieses Dramas wird.
Aber – es kann ja alles anders werden (sein). Derzeit kann allerdings man ein Polgar-Wort gebrauchen: Die Ratten betreten das sinkende Schiff. Die Sache Stronach-Partei ist nur ein Beispiel dafür.
Winfried Werner Linde

 

Update 5.4.2013

Warum die Wahlbehörde nicht den § 30 der Landtagswahlordnung angewendet hat, bleibt vorerst ein Rätsel. Öffnet aber weitere Rechts-Türen für Wahlanfechtungen.

http://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrT&Gesetzesnummer=20000504

Radioprogramm des Senders Immerfroh aus Tirol 28. Oktober 2012

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Dada-Radioprogramm des Tarrola Senders Immerfroh:

6 Uhr: Grüß Göttin in Tirol – mit einer Sonderreportage: So bereiten Tirols Frauen das Frühstück für die Männer, Wetterbericht, gesponsert von der Tirol-Werbung. Musik von der Heimatgruppe: Ziga-zaga-Zechenkas. Satelliten-Schaltung zu Buddin in Sotschi: So sehr bin ich mit dem Karl befreundet.

8 Uhr: Handy-Online mit Gewinnspiel: TirolerInnen telefonieren sich zsamm, was sie zu Mittag kochen sollen. Pizza oder Kebap? Voting.

Dazwischen Psycho-Tipps: Was tun, wenn sich Männer und Freundinnen  in Widersprüche verwickeln? Bange Fragen über echte und unechte Überstunden und andere Sonderausfälle bei Ausritten.

Live-Einstiege: Hausmänner unter sich. Mit einem Beitrag aus dem Stammbeisl: Stets bereit zu neuen Taten mit der Burgl.

11 Uhr: Neues aus dem Landhaus – Hofberichterstattung, gesponsert von der Tiwag und der Hypo, abwechselnd. Sonder-Report: Mehr Kohle – der Wunschzettel der Parteien, Interviews mit den Vorsitzenden. Die Sendung ist gesponsert von den Agrargemeinschaften.

Live-Einstieg aus dem Innsbrucker Stadtsenat: Die Verwaltung und Regierung übersiedelt in den Pema-Turm, weil die Tété dort näher ist.

12 Uhr: Mittags-Rotzglocken – Die Heimkehr der Volksschüler, mit Spezial-Report und ExpertInnen-Runde: So hole ich mein Kind richtig vom Kindergarten ab. Voting: Mittagsschlaf oder nicht? Anrufen erlaubt.

Dazwischen Live-Einblendung von der Diskussion mit St.Rache: So vermittle ich auch Asylwerbern Heimatgefühl – Affichieren von Wahlplakaten, aber richtig, ehrlich.

13 Uhr: Ein Stünderl mit dem Obmann der Agrargemeinschaft Oberkurzstampfen und dem Präsidenten des Tarrola Gemeindeverbindens. Direktübertragung aus der Arena des Tiroler Landtages.

14 Uhr: Kurzgeschichte der preisgekrönten Autorin Moidl Hinterwaldner, gelesen von der Kultur-Landesrätin: Wer hat da hinten KUUUUUUUUUUUnigunde geflüstert?

Dazwischen: Musik-Einblendungen von der Blaskamm-Kapelle aus Nationalparkien. Gämsenmärsche und Pirschganglien der Tarrola Adler. Ein Schweigemarsch.

15 Uhr: Tiroler Kriminalromane – eine unendliche Geschichte über die Langeweile unter dem Herrgottswinkel.

16 Uhr: Aui aufs Beik, eini in die Alm: Die Nachmittags-Live-Sendung von der Alm, von und mit Hofrat Immerfrei-Immertermin. Mit Verlosung einer Sonderverkostung. Zu beantworten ist die Frage: Flüssiges Obst – in Maßen genossen: Gesund oder ungesund?

18 Uhr: Abendliches Waidwerk mit dem Landesjägermeister: Trinkscht oan, oder trinkscht koan? Anleitungen zum Schießen und Abgeschossen-Werden mit dem Tarrolla-Landeshäuptling und seinen Ministranten-Indianer-Rosarothäuten. Mit einem Sonderbeitrag: Saufen bis alle blau werden.

19 Uhr: Befehlsausgabe in den Redaktionen für den nächsten Tag. Freie Wahl der Termine für freie Mitarbeiter unter dem Motto: Du muascht, der Chef hot gmoant, mir solltn und dürfn dürfn miar dös a.

Musik aus der Medienorgel, einer Sonderanfertigung aus der Werkstatt der Marketing- und PR-Fachleute in Korruptistan.

20 Uhr: Direktübertragung aus der Tiwag mit Blätterrauschen um die Talbäche samt einem Erlebnisbericht vom Radlschiabn quer durch Amerika im Sinne der Cross-Border-Magnaten aus Delaware.

Diskussion mit anschließendem gleichzeitigen Umtrunk aus mehreren Spezial-Abfüllungen von Weinen und anderen Menschen. Thema: Wieviel koschtet a Glasl?

22 Uhr: Nachtprogramm mit Springinsbild, moderiert aus dem Glashaus Grassovski: „Steine werfen nur die anderen, wir leben in Ruhe unser Glück“. Eine Adabeigewesen-Sendung für Anspruchslose.

0 Uhr bis 6 Uhr: Nachtprogramm mit einer Unendlichschleife von Melodien von Hansi H., inklusive Indiskretionen aus der Zentrum der Macht: Sekretärinnen erzählen ihre Lebensgeschichten – Manchmal wars fein, manchmal nit. Aber alleweil spendabel.

Ab zwei Uhr: Russische Milliardärinnen schildern ihr höchstes Erlebnis unter dem Motto: Bergverführer in den Dreitausender-Liften.

Stündliches Abspielen der Lieder: Tirol isch lei oans und Du bischt dös Lond, dem i die Treie holte, gesungen von Ditschi Lautstark im Ötzidorf.

Goldbühel – Morgen-Gedanke am Feuerhügel 19. August 2012

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Goldbühel

 

Stille. Unerträglich wird das Leise der Erinnerung.

Aus der Vergänglichkeit wachsen verbrannte Steine,

Feuerzeichen der Heiligkeit von Mahnungen.

Ein Vogel krächzt  Warnungen vor dem Menschen.

 

Die Priesterinnen schreiten zum Tanz des Euphorischen,

Sekundentode lang, bis die geheiligten Wasser in Bechern

in der Runde kreisen. Es schweigt aus dem Tal der  Sill.

Feuer lodert um die ekstatischen Körper. Es ist Schrei geworden.

 

Krieger tauchen aus den Handelsflotten der Vernichtung,

die drohend ihre Bahnen durch die Alpen ziehen.

Der heilige Siebenzacken-Berg zeugt neue Schöpfungen,

Fels für Fels, Stein für Stein. In den Schründen endet Leben.

 

Doch neues Leben wird gezeugt – die Schwestern gebären

neue Göttinnen. Der Rat der Weisen erlauscht sinnend die Botschaft.

Feuer reinigt alles, verbrennt Schuld und Sühne.

Alles ist unerträglich leise Erinnerung an Vergänglichkeit.

 

Winfried Werner Linde, 19.8.2012

Da, wo noch Stille des Lebens ist 16. Juli 2012

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aus dem Zyklus: Heimatgefühl – Betrachtungen zu Tirol

Da, wo noch Stille des Lebens ist.

Das Schmirntal, ein Seitental des Wipptales, das von Innsbruck nach der Brennergrenze führt,  ist wie ein letztes Tal der Idylle. Da tost der Bach, bringt Geröll und Steine  mit, wenn es gewittert. Da klappert noch eine Mühle und da schmiegen sich die Holzhäuser in Kasern an den Hang.

Im Winter waten sich von dort die Menschen auf die Straßen, die Wege. Ducken sich unter der Drohung der Natur  – aber dabei spielt die Jahreszeit keine Rolle.

Wenn man mit einigen der Menschen spricht, dann bekommt man als einfache Art ein Nicken und ein „Jo, s’isch hort, obr es muass sein.“ Und: „Es isch mei Hoamat. Do tat i nia weggiahn, vasteasch?“

Vor 100 Jahren noch gehörte das heute reiche Tux, drüben, über dem Berg, hinter dem  (Tuxer-) Joch, zu Schmirn.  Von da aus wurden die Tuxer ja besiedelt. Was die Tuxer wagten (ja, irgendwann war die Erschließung von Gletschern noch ein Wagnis und wurde dann erst mit dem Aussterben der Idealisten, der Pioniere, zur materialisierten  Naturvernichtung), wollten die Schmirner nach der Trennung nicht. Sie lieben das Leise.

Ihre Wellnessanlage ist jene  im Naturbach, ihre Sauna ist das Heueinbringen, das natürliche Schwitzen,  und ihr Reichtum ist die Stille und Beschaulichkeit.

Viele pendeln aus, von den Schmirnern, kehren am Morgen dem Tal den Rücken und am Abend finden sie dort Heimat wieder.

Langeweile gibt es nicht.

Das tägliche Fernsehen bringt die Blüte im eigenen Garten, das Verhalten der Tiere im Stall, das Gackern der Hühner und die Hörspiele sendet die Fauna aus dem Zirkus der Vögel.

Manchmal sieht man Adler und Habichte, öfter Geier  – und diese stoßen zu, im Tiefflug, gegen Mäuse, gegen kleine Tiere. Natur pur und Auslese der Schöpfung.

Natürlich hat diese Sicht auf Heimat auch eine Kehrseite. Nur: Es weiß sie keiner zu formulieren. Ja, ein Supermarkt, ein Geschäft, ein Laden, in dem alles billig ist, vielleicht.

Aber der Supermarkt der Natur bietet alles, die Eigenproduktion ist vom Feinsten und das Korn ist voll und reif und das Grauvieh auch, vor allem der Ochs von der Alm mit seinem Fleisch.

Manchmal sieht man Bauern wie den alten Grutz in Karl Schönherrs „Komödie des Lebens“ mit dem Titel „Erde“ über die Fluren schreiten. Mit weit ausholenden Schritten. Jeder Schritt ein Besitz ergreifen von der Natur, jeder Atemzug das Riechen von dampfender Erde.

Manchmal ist auch Mist dabei. Ja. Auch das.

Und drüben im Tuxertal, dem alten Schmirn, in dem man bei der Erforschung der Menschen und deren Aussehen (durch die pathologischen Studien der Innsbrucker Mediziner) auch den Einschlag von Sarazenen fand (o ja, Türken aus den alten Zeiten im hintersten Tiroler Tal, das gibt’s und ist wissenschaftlich erwiesen!), also drüben im Tuxertal, da  pulst das Leben.

Holladero, am Gletscher. Früher war der Olperer eine ernste Ostalpen-Ersteigung wert, heute wagen sich Dutzende von der Bergstation der Lifte auf den Gipfel. Wenn früher, in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts, die Bergführer die Haken aus den Felsen entfernten, musste man schon sehr geübt sein, um über die Platten zu kommen.

Früher, ja.

Das Holladero gab’s manchmal im Spannagelhaus, das von Schmirn aus erreichbar ist, aber nur bis 22 Uhr. Um zwei Uhr morgens musste man ja aufbrechen, zum Olperer-Gipfel oder zum Fußstein.  „Höher Kameraden“, so lautet der Refrain eines (fast vergessenen) Liedes. –

Für die Schmirner von heutzutage  keine Frage: Bergtouren sind gut, Bauernarbeit ist besser.

Für die Tuxer, wie gesagt, drüben auf der anderen Wohlstandsseite, sind die Lifte unabdingbar. Die Globalisierung der Bergwelt schreitet fort. Immer weiter.

Nur manchmal, wie in Schmirn, erinnert man sich noch an den Mythos Berg und an die Hütten(zauber).  Und wenn dann einer erzählt, dann bekommt so ein Riesenhotel im hinteren Tal eine ganz andere Dimension, – jene  des Erdrückens.

Und man versteht die Schmirner, warum sie lieber  zur Arbeit pendeln als zum älperischen Wellnesshotel Nummer 500 und dem tirolerischen Skilift Nummer 1000   wanken.

Und warum es in Schmirn noch sowas wie den aufrechten Gang gibt, ohne Liebedienerei um jeden Cent Nebenausgaben der Pauschalgäste . . .

Winfried Werner Linde

Das Unbehagen im Herrgottswinkel Europas 26. Juni 2012

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Tirol ist ein Transitland ebenso wie ein Urlaubsland. Ein Land, das Heimat ist und Gastfreundschaft bis in die höchsten Gipfel der hintersten Talwinkel bietet.

Nichts Neues also in der Europaregion?

Nun denn: Die Sozialdemokraten waren im Herrgottswinkel Europas immer der Albtraum für die Konservativen, die sich damals, als die Sozialdemokratie noch eine solche war, aus Klerikalen und Konservativen zusammensetzten und dem seit Jahrhunderten unterdrückten Pofl (kommt von Pöbel und wiederum von peuple, frz.) entgegentraten – mit allen Mitteln. Die revolutionären Gedanken und Konzepte des aus Kreisen der Mächtigen zum Volk übergelaufenen Bauernführers Michael Gaismair wurden über Jahrhunderte tot geschwiegen, ja denunziert, und selbst der mit dem Heiligenschein der Konservativen ausgerüstete Andreas Hofer wurde erst wieder entdeckt, als die Traditionalisten fürchteten, im Sog der neuen revolutionären und geistigen Erneuerungsbewegungen nach 1848 unterzugehen.

So weit, so Vergangenheit.

Von der Trennung des Landes nach 1919, von Austrofaschismus und dem Nationalsozialismus ganz zu schweigen. Hier müsste man sich als aufrechter Schwarzer in Tirol durchducken, um in der Gegenwart zu landen und dort allerorten wieder die Spuren von damals zu finden. Die Konservativen in Tirol tragen nämlich nicht das Feuer des Denkens weiter sondern hüten die Asche, ohne sich diese auf das Haupt zu streuen, wie dies am Aschermittwoch der Katholiken üblich ist und die ganze Zeit einer Erkenntnis über üblich sein sollte.

So weit, so Rückblick.

Gegenwart ist in Tirol – politisch gesehen – folgendes: Bis in die hintersten Täler ist das Land durch die Diskussion um die Agrargemeinschaften und deren aus Gemeindegut (woher denn sonst?) entstandenes Eigentum bzw. den Besitz von Grund und Boden und Landschaft und Bergbahnen und Schotterabbaugebieten und Seilbahntrassen und Skiabfahrten und überhaupt allem im Land zerrissen. In den Dörfern kandidieren für die Gemeinderatssitze viele konservative Listen, nicht nur aus demokratischen Erwägungen heraus, sondern weil viele Dorfgemeinschaften zerstritten sind.

Die Volkspartei ist zwar noch die allmächtige Partei im Land, aber in sich nicht nur bündisch zerrissen und von Machtspielen eben der Bünde-Mächtigen zerfleddert sondern auch von hinterwäldlerisch anmutenden Intrigen und anonymen Postern in den neuen Blogs und sozialen Medien sowie in den Zeitungen von Feigheit durchsetzt: Man will es sich ja mit denen da im Innsbrucker Landhaus nicht verderben und gleichzeitig auch nicht alles gefallen lassen.

Trotz ständigem Bashing von Landeshauptmann Günther Platter liegt die Volkspartei noch immer bei Meinungsumfragen über 40 Prozent.

Die Sozialdemokraten, die sich nach dem 2. Weltkrieg immer an der Regierung beteiligten, sind von der einmal angepeilten 30-Prozent-Marke weit entfernt und dümpeln derzeit bei rund 15 bis 18 Prozent in Meinungsumfragen. Der seit zehn Jahren im Amt befindliche Parteivorsitzende Hannes Gschwentner trat am vergangenen Montag zurück. Der Sozial-Landesrat und ehemalige Imster Bürgermeister Gerhard Reheis folgt ihm interimistisch nach.

Die Sozialdemokraten sind nicht nur im Landtag sondern auch im Innsbrucker Gemeinderat ein Mehrheitsbeschaffer für ein schwarzgelb-grünes Bündnis, das durch die SP als Innsbrucker Ampel-Koalition bezeichnet wird – eine Bezeichnung, die irgendwann erfunden wurde und nur deshalb interessant ist, weil die (als gelb bezeichnete) Bürgermeister-Fraktion Für Innsbruck eine Spaltung der ÖVP ist und die Stamm-ÖVP nunmehr in der Opposition verweilen muss.

Im Tiroler Landtag verweilen auch noch die zum Teil aus VP-Dissidenten um den Ex-AK-Präsidenten Fritz Dinkhauser bestehenden Mandatare des Bürgerforums, die ihrerseits wieder gespalten sind, weil sich von diesem Fritz Gurgiser, der Chef des Transitforums und als „Vomper Eisenschädel“ bekannt, und der ehemalige (SP-)Bürgermeister von Ehrwald, Thomas Schnitzer, mit dem neuen Bürgerklub Tirol trennten.

Die Freiheitlichen erreichten in Innsbruck bei den Gemeinderatswahlen außer einem Skandal um ein hetzerisches Wahlplakat kaum Beachtung und Zuwächse, sind ebenfalls intern zerstritten und zerrissen, von Parteiausschlüssen zerrieben und leben von der Präsenz des Parteiführers Strache. Mehr nicht.

Auch im Falle der FP spaltete sich ein Mandatar ab. Damit wurden die seit Jahrzehnten gelebte Zerrissenheit und Machtkampf-Athmosphäre weiter fortgesetzt. Zumal sich eine weitere als freiheitlich apostrophierte Gruppe ehemaliger FP-Mitglieder ebenfalls abgesondert hat.

Die Tiroler Grünen ihrerseits präsentierten mit Ingrid Felipe die neue Spitzenkanditatin für die Wahlen 2013 und sind derzeit mit der Suche nach der Zukunft einiger Funktionäre beschäftigt. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Sollten die Piraten in Tirol kandidieren, so bieten auch sie derzeit, nach dem Einzug in den Innsbrucker Gemeinderat, ein Bild der Zerrissenheit und Alexander Ofer, Gemeinderat in Innsbruck, gehört schon offiziell oder halboffiziell nicht mehr zur Parteiführung, derweil sein Gemeinderats-Stellvertreter sich mit diversen Anleger-Geldgeschäften zu profilieren sucht. Was auch nicht gerade der reinen Piraten-Ideologie entspricht – soferne man über die Grenzen schaut.

Fazit: Die Chance für eine einige SP in Tirol war selten so groß wie jetzt.  Eine Reform der SP und eine Neupositionierung jenseits des Mehrheitsbeschaffer-Modus in Stadt und Land und eine klare Standpunkte- und Programm-Erklärung wäre dazu notwendig. Ebenso wie die längst überfällige Entfernung aus Knebel-Koalitionen in Stadt und Land.

Das wird allerdings für Gerhard Reheis sehr schwierig sein, denn innerparteilich muss er einige Hürden nehmen. Die schwierigste Aufgabe dürfte wohl sein, die ansonsten öffentlich schweigsamen, doch in der Partei immer lauthals agierenden Damen zu beruhigen. Gender-Machtspiele sind das eine, Programme für eine Partnerschaft aller Tirolerinnen und Tiroler das andere.

Die Zukunft Tirols hängt nicht von einer Quote ab, sondern von dem, was für alle Generationen jeden Geschlechtes zu realisieren sein wird – mit den Menschen gemeinsam, über Parteikader-Denken hinweg.

Die Themen liegen auf der Straße. Man braucht nur auf das Volk zu hören und nicht nur auf Schlagzeilen zu schielen. Denn letztere sind Verdünnungen des Geistigen, benötigt aber werden Verdichtungen des Gemeinsamen und nicht des Trennenden. Soziale Gerechtigkeit, der Kampf gegen die massive Teuerung und Lohn-Ungleichheiten sind nur kurze Schlagworte. Tirol ist nämlich eine teure Heimat, für alle.

Solange das erwähnte Gemeinsame und Soziale nicht Alltag ist, wird es das Unbehagen im Herrgottswinkel geben. In diesem Winkel allerdings versammeln sich die Familien in Tirol, um miteinander Zeit zu verbringen und einen Dialog zu führen. . . .

Auch das ist Politik, aus der man Lehren ziehen könnte.

Winfried Werner Linde