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Grausame Jagd – damit es nicht vergessen wird. Eine Anmerkung. 26. August 2013

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http://www.filedropper.com/gamsjagdtierquaelereischarnitzjoch2013-08-26
Das gesamte Video, das gelöscht wurde, zum Downladen.

DerAuszug aus dem TT-Artikel: http://www.tt.com/Überblick/7071927-6/das-lange-leiden-einer-gams-youtube-video-sorgt-für-entsetzen.csp
und dann das gesicherte Video:

http://vimeo.com/73199351

Damit es nicht vergessen wird.

Dort, wo Ludwig Ganghofer seine Jagd- und Wilderer-Romanzen und andere Geschichten schrieb, in der Tiroler Leutasch nächst des so genannten Scharnitzjoches, spielte sich am Feiertag, 15. 8., Maria Himmelfahrt 2013, die oben stehende Szene ab.
Ein Jäger schleift eine Gams, die durch seinen Schuss nicht getötet wurde, über steiles Felsgebiet zu Tode. Ohne dem Tier den Gnadenschuss zu geben oder es weidmännisch zu töten. Nein. Das Tier lebt und das Grauen dieser Szenen spricht für sich.
Erst ein anderer Jäger tötet das Tier.
Und überreicht den Schleifer den Gamsbart als Trophäe.
Unterhalb des Geländes beobachten einige andere Jäger die ganze Szene und keiner erhebt seine Protest-Stimme.
Das ist, meiner Meinung nach, aber ich bin kein Jäger, völlig unweidmännisch – und das Zuschauen bei einer Tierquälerei ohnegleichen.
Es wurden zwar seitens der Jägerschafts-Oberen Konsequenzen angekündigt, aber welches milde Ausmaß diese haben werden, ist abzusehen. Verwarnung oder Rüge oder was immer und den Entzug der Jagdberechtigung auf Zeit.
Jäger urteilen eben anders.
Nun denn: In diesem Fall geht es um eine Gams.
Vor 31 Jahren, am 8. September 1982, war ein so genannter Wilderer hinterrücks in Karlkstein, Osttirol, erschossen worden. Pius Walder lag ein seinem Blut. Und, nach den Protokollen, hielten zwei Jäger, nach der Jagd auf ihn, Nachschau und ließen den Schwerstverletzten einfach liegen, bis sie, nach Beratungen, Hilfe anforderten: Es sei ein Unfall passiert. Nach Stunden!
Hier war eine Beratung der Jäger-Gemeinschaft vorausgegangen, dass man mit allen Mitteln den Wilderer stellen werde. Samt Drohungen und allem Drumherum.
Auch hier gab es einen Schuldspruch wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang – ein Urteil, das großteils von Jägern als Richter und Geschworenen, die auch Jäger waren, gefällt wurde.
Warum daran erinnert wird?
Weil der Vorfall in Leutasch und das Verhalten der Jäger aufzeigen, welches schlichte und teilweise grausame Gemüt den Jagdgenossen eigen ist.
Wie gesagt, ist nur meine Meinung. Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung und das Gesetz als solches.
Aber schreiben musste ich dies.
Winfried Werner Linde, kein Jäger.

PS: Laut neuestem Stand, ORF-Tirol, 27.8.2013, 8.20 Uhr, handelt es sich angeblich um einen russischen Jagdgast.
http://tirol.orf.at/news/stories/2600127/

Und ein neuer Skandal wurde ruchbar.
Update: 28.8.2013.
http://www.dietiwag.org/blog/index.php

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Ein Prozess – erstes Finale 30. September 2012

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Ein Prozess . . .

Hermann Walder wurde verurteilt.

Das Vorzeigen eines Artikels aus einer Zeitung, in dem geschildert wurde, dass ein Mensch, der sich von der Obrigkeit zu Unrecht verteilt und verfolgt fühlte, durchdrehte, ganz woanders, nicht in Tirol, war gefährlich Drohung. Die Strafe: 1.200 Euro sind zu zahlen.

Bedroht wurde, nach Ansicht des Gerichtes, die Frau Bezirkshauptmann von Lienz.

Der Rechtstaat hat gesprochen.

Vorerst. Ob es zu einer Berufung kommt, steht nicht fest.

Hermann Walder protestierte und verteidigte sich lauthals im Gerichtssaal. Er wurde von zwei Polizisten, die vorsorglich anwesend waren – man kennt ja bei Gericht seine Pappenheimer – nach dem Urteilsspruch aus dem Gericht begleitet.

So weit, so Recht.

Dennoch bleiben Fragen offen, abseits der persönlichen Meinung des Schreibers dieses Beitrages, dass Proteste, auch wenn sie lauthals und emotionsgeladen vorgetragen werden, nicht zu einer Diagnose über die Psychopathologie eines Menschen führen dürfen

Hermann Walder kämpft seit 30 Jahren gegen ein denk- und merkwürdiges Urteil in einem Prozess, in dem der sinnlose Tod seines Bruders Pius, der hinterrücks von einem Jäger erschossen wurde (nachdem ihn ein zweiter aus seinem Versteck hinter einem Busch mit drei Schüssen vertrieben hatte). Pius hatte, angeblich, gewildert.

Drei Jahre Freiheitsentzug, von denen nur die Hälfte verbüßt werden musste, seien zu wenig, so Hermann Walder. Er wird nicht müde werden, immer wieder auf das von ihm so apostrophierte Unrechtsurteil hinzuweisen.

Das ist sein Recht als Bürger und sein Anliegen als Bruder. Und natürlich hat die Obrigkeit kein Interesse, aus einem toten Wilderer einen Märtyrer zu machen. Natürlich hat die Obrigkeit kein Interesse daran, dass ständig die Fehler bei der Untersuchung des Falles, beim Verhalten eben dieser Obrigkeit im Rahmen der Ermittlungen und der Voruntersuchung und des Gerichtsverfahrens, zur Sprache gebracht werden.

Der erschossene Pius Walder wurde mittlerweile, nicht zuletzt wegen der Aktionen von Hermann Walder, zu einer Legende. Die Öffentlichkeit mag Wilderer-Legenden, scheut aber die psychischen wie auch sozialen Wahrheiten, die meistens hinter diesen stehen.

Wildern ist Eingriff in fremdes Jagdrecht, ein Strafdelikt, hat aber immer noch den Hauch des Romantischen, des Starken, des Widerständigen. Und nichts ist für die meisten Menschen interessanter, als eben dieser mythisch verbrämte Hauch des Geheimnisvollen, des durch Berg und Kare streifenden Wilderers.

Die Legende lebt.

Der Kampf von Hermann Walder und dessen Emotionen wie auch Suche nach dem letztendlichen Recht, ist verständlich.

Und wer sich vor einem Zeitungsartikel, der voll von Emotionen als Beispiel für den Zustand eines Menschen nach dem noch immer nicht vergessenen sinnlosen Tod eines Bruders gezeigt wird, fürchtet, sollte sich, meiner bescheidenen Meinung nach, überlegen, ob er als oberstes Verwaltungsorgan eines Bezirkes, der noch immer archaische Elemente in den Tälern besitzt, am richtigen Platz ist.

Aber das ist eben nur eine persönliche Meinung. Und nichts anderes.

Winfried Werner Linde

Plötzlicher Tod eines Adlers – 30 Jahre Walder Saga 8. September 2012

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Es ist der 8. September 2012. 20 Uhr. Um diese Zeit, vor 30 Jahren, lag der Wildschütz Pius Walder, schwerst verletzt in seinem Blut in der Hölleitn in Kalkstein/Innervillgraten in Osttirol.

Zwei Jäger hatten auf ihn Jagd gemacht. Einer traf ihn mit einem gezielten Schuss in den Hinterkopf.

Der meuchlings Getroffene lag eineinhalb Stunden, bis Hilfe kam.

Die Jäger sprachen von einem „Unfall“. Der Todesschütze wurde nicht wegen Mordes, sondern wegen Schwerer Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.

Die Macht der Jäger reichte bis in die höchsten Instanzen des Gerichtes in Innsbruck.

Zum Gedenken eine Szene aus meinem Werk „Plötzlicher Tod eines Adlers“.

Das Folgende ist eine Rückblende.

 

Szene Dämmerung

Pius Walder liegt getroffen da.

Sein Stimme aus dem Off:

Über die Kare zieht Nebel.

Ich rieche die Erde, die Gräser, die Nadeln der Bäume.

Moderndes Laub.

Merkwürdig, dass ich nichts spüre, nichts sehe, nichts. Nichts.

Die Kugel rast in mir. Im Kopf.

Zu oft geschossen, zu oft das Pulver gerochen, zu oft den Knall gehört.

Im Kopf.

Der Wind bringt keine Kühlung.

Der Nebel verdeckt nichts.

Hilft mir jemand.

Keine Schnitte, keine Bewegung, kein Knacken des Holzes unter den Schritten. Nichts.

Ich muss atmen. Wer nicht atmet, ist gestorben.

Ich will nicht sterben.

Du bist so lustig, Leben, du bist so lustig, Pius, sagen die Leute.

Holladero, Anna, tanz mit mir. Flieg mir mir. Im Walzertakt, sagen sie, liegt das Leben. Ein, zwei, drei.

Eins zwei drei. Atmen.

Warum ist es so still geworden?

So dunkel?

Es war doch eben erst Abenddämmerung.

Ich spüre keine Zeit mehr.

Nur Dunkelheit.

Die Mutter ruft die Schwestern und Brüder.

Heimgehn. Es ist Zeit für den Abend. Zeit für die Nacht. Das Spiel ist zu Ende. Vorbei.

Die Mutter ruft die Schwestern und Brüder.

Atmen. Atmen.

Spüre ich etwas, spüre ich Leben, spüre ich . . .

Tod . . .

Nein, das nicht.

Atem.

Über die Kare zieht Nebel.

Abends schreien die Bergdohlen und manchmal krächzt ein Rabe.

Ein Jochgeier schreit.

Beute.

Ja, Beute.

Sie haben mich getroffen.

Ein, zwei drei, im Walzertakt und dann der Knall und der Schlag und die Dunkelheit.

Ich bin wach und spüre nichts. Nichts.

Das Öffnen der Augen – nein, geht nicht.

Dunkelheit eben.

Irgendeiner hat geschrien: Schieß. Sonst lauft er ums Eck. Schieß endlich.

(Schluss des Auszuges)

RIP Pius Walder.

Auch nach 30 Jahren darf man nicht über das, was damals geschah und wie es geschah, schweigen.

Der Gerechtigkeit wegen. Und damit aus Widerstand gegen Machtmissbrauch und Manipulation.

Winfried Werner Linde

Autor der „Walder Saga“, erschienen im Berenkamp Verlag, Wattens. Im Buchhandel erhältlich.

Das Buch ist eine Dokumentation über die Vorgänge und Prozesse (samt Protokollen und Gutachten) von damals. Es ist das einzig authentische Werk.