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Radioprogramm des Senders Immerfroh aus Tirol 28. Oktober 2012

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Dada-Radioprogramm des Tarrola Senders Immerfroh:

6 Uhr: Grüß Göttin in Tirol – mit einer Sonderreportage: So bereiten Tirols Frauen das Frühstück für die Männer, Wetterbericht, gesponsert von der Tirol-Werbung. Musik von der Heimatgruppe: Ziga-zaga-Zechenkas. Satelliten-Schaltung zu Buddin in Sotschi: So sehr bin ich mit dem Karl befreundet.

8 Uhr: Handy-Online mit Gewinnspiel: TirolerInnen telefonieren sich zsamm, was sie zu Mittag kochen sollen. Pizza oder Kebap? Voting.

Dazwischen Psycho-Tipps: Was tun, wenn sich Männer und Freundinnen  in Widersprüche verwickeln? Bange Fragen über echte und unechte Überstunden und andere Sonderausfälle bei Ausritten.

Live-Einstiege: Hausmänner unter sich. Mit einem Beitrag aus dem Stammbeisl: Stets bereit zu neuen Taten mit der Burgl.

11 Uhr: Neues aus dem Landhaus – Hofberichterstattung, gesponsert von der Tiwag und der Hypo, abwechselnd. Sonder-Report: Mehr Kohle – der Wunschzettel der Parteien, Interviews mit den Vorsitzenden. Die Sendung ist gesponsert von den Agrargemeinschaften.

Live-Einstieg aus dem Innsbrucker Stadtsenat: Die Verwaltung und Regierung übersiedelt in den Pema-Turm, weil die Tété dort näher ist.

12 Uhr: Mittags-Rotzglocken – Die Heimkehr der Volksschüler, mit Spezial-Report und ExpertInnen-Runde: So hole ich mein Kind richtig vom Kindergarten ab. Voting: Mittagsschlaf oder nicht? Anrufen erlaubt.

Dazwischen Live-Einblendung von der Diskussion mit St.Rache: So vermittle ich auch Asylwerbern Heimatgefühl – Affichieren von Wahlplakaten, aber richtig, ehrlich.

13 Uhr: Ein Stünderl mit dem Obmann der Agrargemeinschaft Oberkurzstampfen und dem Präsidenten des Tarrola Gemeindeverbindens. Direktübertragung aus der Arena des Tiroler Landtages.

14 Uhr: Kurzgeschichte der preisgekrönten Autorin Moidl Hinterwaldner, gelesen von der Kultur-Landesrätin: Wer hat da hinten KUUUUUUUUUUUnigunde geflüstert?

Dazwischen: Musik-Einblendungen von der Blaskamm-Kapelle aus Nationalparkien. Gämsenmärsche und Pirschganglien der Tarrola Adler. Ein Schweigemarsch.

15 Uhr: Tiroler Kriminalromane – eine unendliche Geschichte über die Langeweile unter dem Herrgottswinkel.

16 Uhr: Aui aufs Beik, eini in die Alm: Die Nachmittags-Live-Sendung von der Alm, von und mit Hofrat Immerfrei-Immertermin. Mit Verlosung einer Sonderverkostung. Zu beantworten ist die Frage: Flüssiges Obst – in Maßen genossen: Gesund oder ungesund?

18 Uhr: Abendliches Waidwerk mit dem Landesjägermeister: Trinkscht oan, oder trinkscht koan? Anleitungen zum Schießen und Abgeschossen-Werden mit dem Tarrolla-Landeshäuptling und seinen Ministranten-Indianer-Rosarothäuten. Mit einem Sonderbeitrag: Saufen bis alle blau werden.

19 Uhr: Befehlsausgabe in den Redaktionen für den nächsten Tag. Freie Wahl der Termine für freie Mitarbeiter unter dem Motto: Du muascht, der Chef hot gmoant, mir solltn und dürfn dürfn miar dös a.

Musik aus der Medienorgel, einer Sonderanfertigung aus der Werkstatt der Marketing- und PR-Fachleute in Korruptistan.

20 Uhr: Direktübertragung aus der Tiwag mit Blätterrauschen um die Talbäche samt einem Erlebnisbericht vom Radlschiabn quer durch Amerika im Sinne der Cross-Border-Magnaten aus Delaware.

Diskussion mit anschließendem gleichzeitigen Umtrunk aus mehreren Spezial-Abfüllungen von Weinen und anderen Menschen. Thema: Wieviel koschtet a Glasl?

22 Uhr: Nachtprogramm mit Springinsbild, moderiert aus dem Glashaus Grassovski: „Steine werfen nur die anderen, wir leben in Ruhe unser Glück“. Eine Adabeigewesen-Sendung für Anspruchslose.

0 Uhr bis 6 Uhr: Nachtprogramm mit einer Unendlichschleife von Melodien von Hansi H., inklusive Indiskretionen aus der Zentrum der Macht: Sekretärinnen erzählen ihre Lebensgeschichten – Manchmal wars fein, manchmal nit. Aber alleweil spendabel.

Ab zwei Uhr: Russische Milliardärinnen schildern ihr höchstes Erlebnis unter dem Motto: Bergverführer in den Dreitausender-Liften.

Stündliches Abspielen der Lieder: Tirol isch lei oans und Du bischt dös Lond, dem i die Treie holte, gesungen von Ditschi Lautstark im Ötzidorf.

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Kalt in mir – Nachdenken über Korruptistan 11. Oktober 2011

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Kalt in mir.
Der Titel stammt aus einem Lyrik-Band des viel zu früh, in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts, verstorbenen Tiroler Dichters Norbert C. Kaser – er sagt aber genau aus, was ich sagen möchte:
Die ersten Opfer des globalisierten Kleinbürgergeistes, dem nichts wichtiger ist als Sex and Crime und bei dem das Fressen über der Moral steht (frei nach Bertolt Brecht), die ersten Opfer dieses Denk-Nichts, worüber man im Grunde nur schweigen müsste (es aber nicht tun darf, weil man sonst dem Wahnwitz noch mehr Raum gibt), werden die jungen Forscher und Wissenschaftler ebenso wie die KünstlerInnen sein. Denn bei beiden dominiert das Denken und das Suchen nach Lösungen – wer aber will diese in einer Zeit der Manipulation durch Werbung, in einer Zeit, in der das Marken-Unwesen zum Maß der Mode- und Lebens-Dinge wird, in einer Zeit, in der Unsummen für hässliche Taschen und Täschchen, für grausam aussehende Mode und andere Damen-Schönheiten ausgegeben wird, wer will da das Denken?
Das Denken ist nicht bunt, schreit nicht, lebt in der Stille und der oder diejenige, die nachdenkt, fühlt eben das, was Norbert C. Kaser formulierte: Die Kälte in einem selbst. Da nützen die bunten Bildchen, die plakativsten Tussies und männlichen Schönlinge nichts, da gibt es keine Lösung von Versace oder anderen Mode-Schnickschnack, den man bzw. frau angeblich haben muss, um jeden Preis, auch jenen der immer klarer aus der Ferne auftauchenden Armut. Kein Wunder, dass sich da die Agenten der Inserate immer bestechlicher zeigen, dass da Zeitungen nur mehr zu Hofberichterstattungs- und Adabei-Blättchen mutieren, aus denen jeder Gedanke, jede Kritik, eliminiert wurde. Und die, die sich im Glanze des Adabei-Seins sonnen, weil es immer wieder Promis der dritten und vierten Kategorie gibt, die sich in bunten Bildchen selbst betrachten und die paar Zeilen, die über sie geschrieben sind, sind das Einzige, was sie je lesen, weil die Tage so kurz und die Nächte so lang und der edle Tropfen so unheilvoll durch die Kehle in die geschundene Leber rinnt.
Am Ende stehen dann Schönheits-Operationen, Lid-Korrekturen, Aufspritzungen von Lippen – der fast schon medial geklonte Mensch, der in seiner Hässlichkeit, die als Schönheit ausgegeben wird, nicht mehr zu über bieten ist.
Die Kleinbürger sind zu Kälbern geworden, die sich als die Dümmsten unter der Sonne ihre Schlächter, meistens Rechtspopulisten, in der Politik selbst wählen oder die sich längst von den Gewählten abgewendet und der Scheinwelt des TV-Couchings und des Alkohols zugewandt haben.
Die HofberichterstatterInnen, die ihre Medienarbeit dazu benützen, zusätzlich noch Markenartikel zu Sonderpreisen zu lukrieren, die abends am Tisch der so genannten guten Gesellschaft fein dinieren, leben während des Tages von einer Wurstsemmel und einem Automaten-Getränk, meistens Kaffee, der die Geschmacksnerven beleidigt. Aber Abends dann . . .
Korruptistan fängt hier an und hört ganz oben auf. Korruption fängt bei den zehn Euros Trinkgeld für Herrn X in der Werkstatt für die schnellere Reparatur an und hört bei den so genannten Mächtigen und jenen, die über sie berichten, auf. Die Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Ja, es gibt Ausnahmen. Alle sind nicht so und Verallgemeinerungen sind unzulässig. Aber die Mentalität der meisten Kleinbürger in Korruptistan ist eben: Nimm, was du kannst, auch wenn es ein kleines bissel, eh nur ein kleines bissel korrupt ist. 

Mein Gott, das bissel angefüttert werden, die kleine Goldkette für die junge Dame, die sich dann irgendwie dankbar erweist, eh schon wissen – augenzwinkernd.

Geiz ist geil, wird geplärrt und jeder, der anders denkt, ist ein Blödmann. Diese Tendenz kennzeichnet die Gesellschaft der Gegenwart.-

Kalt in mir.

Ja, eiskalt. In den Sozialläden mehren sich die KundInnen, immer mehr Menschen werden psychisch krank (die meisten lassen es sich nicht anmerken und weinen heimlich, daheim, und sperren sich in ihrer Single-Welt hermetisch ein) und das Leiden am sinnlosen Leben wirkt sich auch auf die körperlichen Krankheiten aus. Das ist ein düsteres Bild, zugegeben, düster und zuge- und überspitzt, ja.

Aber es ist auch Teil dieses kleinbürgerliches Geistes, der sich längst schon im Bildungsbürgertum niedergelassen hast, in den Familien, bei Müttern und Vätern und Kinder und die große Freiheit endet dort, wo Sonntags-Ausflüge und Fahrrad- und Öffi-Benützung gepredigt, aber der Diesel-Flitzer oder „Nobelhobel“ praktiziert wird.
Wir leben in einer Scheinwelt und erkennen sie nicht mehr als solche. Und wir verträumen uns in Konsum-Gelüste und Shopping-Ersatzhandlungen, an deren Ende dann das Ergebnis steht: Außer Spesen nichts gewesen.

Kalt in mir.

In wenigen Wochen ist das Jahr wieder vorbei und was steht als Ergebnis fest? Sind neue Modetaschen, Accessoires, neue Gesichtsoperationen, neuer Schein statt Sein, neue Traumwelt statt Wirklichkeit, neue Korruption und der kurze Augenblick, der zum langen Abschied von den Gefühlen führt, wirklich alles?
Ein Ergebnis, das zur Kälte führt. Zur Kälte in einem selbst?
Das soll alles sein? Diese Hoffnungslosigkeit?
Der globalisierte Wahnwitz frisst Forschung und Kunst. Beide sind Zukunft. Beide sind keine Scheinwelt, sondern haben Abbild der Wirklichkeit zu sein, sonst sind sie hölzern und sinnentleert.

Die Kunst ist das Einzige, das die Welt zu verändern vermag. Deshalb wird sie von dem herrschenden Kleinbürgergeist auch so unterdrückt, ja verachtet.

Die neue Mut-Gesellschaft muss auch eine Kunst-Gesellschaft werden. Damit sind nicht künstliche Lippen, aufgestülpte Gesichtsveränderungen und Mode-Schnickschnack-Albernheiten gemeint. Die Kunst-Gesellschaft muss den Mut zur Veränderung der Welt beinhalten.
Denn wir brauchen eine andere Welt, die nur durch uns alle geschaffen werden kann.

Durch uns Kleinbürger, denen manchmal kalt ist. Sehr kalt.
Winfried Werner Linde, Schriftsteller, Innsbruck

Mut statt Zensurscheren im eigenen Kopf. 27. September 2011

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Das Ungesagte ist das Maß der Gesellschaft,
das Gesagte ist zum Geschwätz verkommen.

Ich möchte ja nicht ungerecht sein: Manchmal, aber immer seltener, kann ich aus der Aussage eines Politikers bei Parlaments-Übertragungen wie auch bei Ausschnitten aus Presse-Konferenzen und den dazu gehörigen Presse-Aussendungen etwas geistig Substanzielles heraushören oder herauslesen. Manchmal. Aber leider immer seltener.
Das Ungesagte ist zum Maß der Gesellschaft geworden, das Geschwätz und die auswechselbaren Floskeln sind das Gesagte und damit das, was nicht einmal über das Schweigen hinausgeht.
In den frühen Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts, als unsereiner politisch zu denken begann (nicht altersbedingt, sondern weil vorher die Schule alles zudeckte, mit den Ex-Nazis, die sich mit den Ex-KZlers als Lehrer zuweilen deftigste Auseinandersetzungen leisteten, ohne dass etwas an die Öffentlichkeit drang), in den frühen Sechzigerjahren also, gab es eine Satire unter dem Motto: Vorlage einer Wahlkampfrede, – in der Stehsätze nur ergänzt zu werden brauchten, je nachdem, für welche Partei man das Konzept benötigte.
Heutzutage würden die ersten Sätze nach der Begrüßung etwa so lauten:
Für die SPÖ: Unsere Partei hat den Wohlstand gebracht
Für die FPÖ: Unsere Partei wird den Wohlstand bringen.
Für die ÖVP: Wir sind der Garant für Wohlstand.
Für die Grünen: Nur ökologisches Wirtschaften garantiert Wohlstand.
Und so weiter.
Austauschbare Phrasen, mehr nicht.
Noch viel schlimmer als das Nichtssagende ist das Feige. Durchducken und schweigen, weil man ja Rücksicht nehmen muss, im Namen der Demokratur, in der wir uns gerade befinden. Aus dem offen Gesagten könnte ja der „Konkurrent“ um die Macht Kapital schlagen, sprich: WählerInnen-Stimmen lukrieren. Dass die WählerInnen längst wegen der fehlenden politischen Aussagen und damit der nicht vorhandenen Spannung weggeschlafen, ja fluchtartig weggelaufen sind, wird am Wahltag bemerkbar. Aber dann sucht man die Gründe nicht im eigenen Bereich der Parteien, sondern bei den Wählern selbst.
Und die Politologen üben sich im Schamanen-Kleinholz-Werfen und raspeln Süßholz von der Politik-Müdigkeit und dem Unverständnis der Politik durch die Masse als solche. Mit Stehsätzen, die man als aufmerksamer Zuhörer bei diversen Diskussionen seit Jahren immer wieder gehört hat –gleicher Inhalt, andere Floskeln. Die Politologen machen es den Politikern, die ja gebannt auf deren Aussagen hören, nach.
Gute Nacht Demokratie. Aufwachen in der Diktatur. Von wem auch immer.
Der Mut darf nicht müde werden, um Rilkes Cornet sinngemäß zu zitieren, wenn die Sehnsucht nach Erkenntnis, nach Freiheit, nach Akzeptiert-Werden, bei den Menschen zu groß wird.
Ohne Mut geht gar nichts. Schweigen ist kein Mut-Ausdruck. Schweigen ist Schweigen. Stille. Mehr nicht.
Bei den derzeitigen Medientagen in Wien ist das Thema „Mut“. Sehr gut. Dann können die Medien gleich alle damit anfangen – und die mutigen Mitarbeiter nicht ständig mit Existenzängsten versorgen, damit deren Zensurschere im Kopf immer aktiver wird.
Mut. Ja. Ja!!!! Und nicht: Ja, aber . . .
Winfried Werner Linde

Die besseren Bundeskanzler 14. April 2011

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Die besseren Bundeskanzler

Liest man die Kommentare der Granden der Medienmenschen, die sich mit Innenpolitik beschäftigen, so hat man seit Jahren den Eindruck, hier seien die besseren Politiker am Werk. Alle fühlen sich berufen, das vorzugeben, was Polit-Sache ist. Allesamt sind sie die besseren Bundeskanzler, Vizekanzler, Finanzminister und die Zeitungen sind, so könnte man meinen, insgesamt auch die besseren Parteien und in ihnen scheint auch die bessere Demokratie, die noch bessere Volksnähe inne zu wohnen.
Viele sind berufen, wenige sind auserwählt. Die Erkenntnis ist zum Gemeinplatz geworden ebenso wie die Tatsache, dass die schlechten „Vernichtungs“-Nachrichten die besseren sind als jene, die jenseits der Stammtisch-Weisheiten auf einem gewissen Wissen um das eigene Gewissen basieren. Um das Wissen um den Idealismus, die Ideale, die vorgelebt werden müssen, um ein kleines Maß an Glaubwürdigkeit zu vermitteln, wenn es um die Vertretung des Volkes, also der Wählerinnen und Wähler, geht.
Es gibt Sachzwänge, zugegeben. In Zeiten wie in diesen, das hat schon Bruno Kreisky gewusst und auch danach gelebt, ist es wichtig, dass man jene Prioritäten setzt, die der Wirklichkeit des Lebens der Menschen und nicht der Unwirklichkeit von Lebensmenschen, wie heutzutage, entsprechen.
Kreisky hat seine Mehrheiten mit einem Bündnis mit jenen fünf Prozent der Wählerinnen und Wähler geholt, die sich nicht nach Lagern, sondern nach Freiheiten orientieren, nach sozialen Grundsätzen und Werten, die sowas wie Ehre und Pflicht beinhalten. Kreisky folgte seinerzeit mit seiner Alleinregierung (nach einem kurzen Bündnis seiner Minderheits-Periode mit der damaligen FPÖ, die noch einen liberalen Flügel und nicht nur Alt- und Neu-Nazis in ihren Reihen hatte) einer desolaten ÖVP-Alleinregierung zwischen 1966 und 1970. Der Höhepunkt damals: Der Plan des Finanzministers Stephan Koren sah vor, Gelder von der Förderung der damals wichtigen Wirtschaft mit den Arbeitsplätzen hin zu den Bauern zu verlagern – und damit dem Bauernbund nachzugeben und diesen zu hofieren.
Im Jahre 2011 und überhaupt im letzten Jahrzehnt scheinen sich die letzten Denker aus der Volkspartei zu verabschieden, die noch eine Ahnung und auch ein Wissen um die Zeit damals haben. Erhard Busek ist einer von ihnen, er gehörte zu der damals so genannten Schnuller-Brigade der VP unter Taus und Busek und war schon damals gegen die Stahlhelm-Fraktion der CV-Schwarzen chancenlos.
So wie Andreas Khol dann vor zehn Jahren darauf drängte, die SP aus der Regierung zu drängen und die VP (als drittstärkste Kraft) in ein Bündnis mit der FP um Haider zu drängen: Eine verhängnisvolle Affäre, wie sich herausstellte, denn die FP hatte schon damals nur eine – auch geistig – sehr beschränkte Personal-Reserve, in der sich die Quereinsteiger und Opportunisten tummelten.
All dies muss einem ja auch als Kommentator der so genannten staatstragenden Medien bekannt sein. All dies muss auch den durchwegs politologisch angekränkelten Besserwissern und Analysten bekannt sein.
Wenn also die Kommentar-Verfasser, durchaus ehrenwerte Leute und angeblich von allen Kapital-Einflüssen unabhängig, die besseren Bundeskanzler, Minister, Landeshauptmänner oder Bürgermeister sein sollten, dann muss man sich die Frage stellen, warum sie sich nicht schon lange auf dem langen Marsch durch die Instanzen und damit auf dem Marsch zur Macht in der Politik und in staatstragenden Ämtern befinden. Denn von der 4. Macht im Staate kann wohl derzeit nur die Rede sein, wenn man die investigativen Beiträge über Machenschaften berücksichtigt. Von Analysen der Gegenwart, die in die Zukunft weisen könnten, ist längst keine Rede mehr in dieser sich nach Schlagzeilen orientierenden Polit-Welt.
Die Politiker scheinen sich wie Schauspieler und Sänger zu verhalten, die nach einer Premiere gebannt die Kritiken lesen und dann behaupten, sie würden noch nie eine Kritik gelesen haben, weil diese allesamt alles immer falsch darstellten und die Kritiker sowieso nur die besseren Künstler sein wollen. Im Klartext: Die Politiker regieren nach Schlagzeilen. Und intern wird vorgegeben: Wer öfter in der Zeitung oder im Fernsehen vorkommt, ist der bessere. Womit der Schein zum Sein abseits jeder Wirklichkeit wird.
Dies alles betrifft nicht nur die ÖVP sondern natürlich auch die SPÖ wie auch die Grünen. Davon profitieren wieder einmal nur jene, die einfach nur maulen und kritisieren, die auf die Stammtisch-Jammereien hören und diese verbrämt bis unverschämt zu einem Polit-Programm machen, das jenseits dessen ist, was in ihrem Titel steht, jenseits der Freiheit eben. Denn Ausgrenzung ist allemal keine Freiheit, sondern Teil der Unfreiheit der Menschen, bei den einen im Denken, bei den anderen im täglichen Erleben.
Wenn die Volkspartei nun einen neuen Vorsitzenden hat, wäre dies eine Chance, sich wieder der Werte und Ziele zu besinnen: Christliches Denken, kulturelle Freiheit, dem Nächsten dienen. Und letztlich ein Bündnis der Generationen, der Menschen aller Altersgruppen, anzustreben, das eine Gesellschaft fördert, in der das DU und damit der Nachbar und Partner, eben der „Nächste“ wieder im Mittelpunkt steht. Und Idealismus statt schrankenloser Materialismus gelebt wird.
Denn die Gewinn-Maximierung muss die Bildung betreffen, muss die soziale Ausgewogenheit betreffen und nicht das Kapital.
Einen Blick in die Zukunft zu werfen, würde auch den Kommentatoren gut tun. Denn es ist egal, wie der oder die Nachfolger heißen – was ist schon das Nachhecheln von Namen -, es wäre wichtig, eine geistige und soziale Welt vorzugeben.
Von den Grünen, bei allem Respekt vor Persönlichkeiten wie Alexander van der Bellen oder Peter Pilz, wird das in Österreich nicht zu erwarten sein: Nur Negatives in allem zu sehen, das ist nicht das Maß der Zukunfts-Dinge.
Wenn ich über die Grenze nach Deutschland blicke, so wird das ja täglich vorgelebt: Rot gegen Grün und Rot gegen Rot und Schwarz mit Gelb oder Schwarz gegen Gelb. Diese Zeit würde, überall, die Konzentrationsregierungen brauchen, die aus Idealisten nicht aus Partei-Apparatschiks bestehen.
Der Lobbyismus muss für das Volk gemacht werden. Für nichts anderes.

Winfried Werner Linde