jump to navigation

Der Schriftsteller als Bürger (sehr verkürzte Gedankengänge) 10. März 2017

Posted by wwlinde in Allgemeines.
Tags: , ,
comments closed

Der Schriftsteller als Bürger (sehr verkürzte Gedankengänge)

Günther Grass, deutscher Nobelpreisträger für Literatur, hat in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts einen längeren Aufsatz unter dem Titel „Der Schriftsteller als Bürger“ veröffentlicht. In diesem Werk steht ein Plädoyer für die Kunst und deren Verantwortung für die Entwicklung der Gesellschaft. Für eine Solidarisierung zwischen allen Menschen guten Willens, für die Sicherheit des Lebens in Form von bezahlter Arbeit und Umverteilung von unten nach oben. Soweit das Grundsätzliche von Grass. –
Es ist Aufgabe des Autors, den Sprachlosen Sprache zu verleihen und den bloßen Finger auf Vorgänge in der Gesellschaft zu legen, die – aus der Sicht des Schriftstellers – unannehmbar sind. Jeder Bruch der Menschenrechte, jede Einschränkung der freien Meinungsäußerung, jede Diffamierung, jeder soziale Missstand – die Einsamkeit der Menschen bei ihrem existenzbedrohenden Kampf gegen Windmühlen in dieser Welt, die vom Globalisierung und Liberalisierungswahn ausgelöst und notwendig werden, muss aufgezeigt und auch politisch mit dem Wort und, wenn notwendig, mit der Tat bekämpft werden. Ein Schriftsteller ist nur seinem Gewissen verantwortlich, denn er kämpft auch mit dem Menschenrecht auf Freiheit der Kunst und der Artikulation gegen diese Missstände.
Seit dem Werk von Günther Grass, das damals auch im Interesse der SPD-Regierung, insbesondere von Willi Brandt und später Helmut Schmidt verfasst wurde, sind über 30 Jahre vergangen. Verändert hat sich nichts – im Gegenteil. Die Lage der Arbeitnehmer, der Familien, der auf soziale Hilfe angewiesenen Menschen hat sich verschärft und das Geld aus den Gewinnen der Unternehmen (der Mehrwert) floss nicht in die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, sondern in die Spekulation durch Makler. Die das Geld mittels der neuen Medien, vornehmlich des Internet, erst gar nicht mehr nach unten, in die Investitionen in neue Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen, fließen ließen. Sondern in die Spekulation. Welcher Art auch immer. Das Ergebnis haben wir seit über einem Jahr: Krise.
Es ist kalt geworden in Europa. Sozial kalt. Millionen Menschen frieren schon. Nicht nur wegen der schleichenden oder ganz offenen Armut, sondern auch wegen ihrer Einsamkeit. Die Isolation des Einzelnen, der nicht am Wohlstand teilnehmen kann, ist eine der Erscheinungen des Egoismus im globalisierten Kapitalismus.
All das ist mittlerweile schon zu Gemeinplätzen geworden, jeder weiß es, doch die politischen Handlungen fehlen. Es geht derzeit einzig und allein darum, die Krise des Kapitalismus durch neue, diesem entsprechende Blasen zu schließen. Diese Blasen werden in spätestens drei Jahren endgültig platzen. Was dann?
Das ist eine der brennenden Fragen in Europa? Oh nein..
Wir Europäer glauben immer noch daran, dass wir Geschäfte mit Staaten wie Russland oder China oder Größen in der so genannten 3. Welt, die längst zu einer Vierten Welt geworden ist, machen können. Und dabei wird übersehen, dass von dort genau jene Produkte kommen (werden), mit denen Europa bisher handelte.
Wie schnell Kapital-Seifenblasen platzen können, offenbart sich in Dubai und der dortigen Großmannssucht. Dabei tut sich zweifellos der Vergleich mit dem Turmbau zu Babel auf und der babylonischen Sprachverwirrung. Diese hat auch darin bestanden, dass sich die Menschen nicht mehr verstanden und keine Gemeinsamkeiten setzten, weil die Egoismen ausuferten und alle Menschlichkeit überwucherten.
Aber das wird alles negiert. Die Börsen reagieren, nicht die Regierenden. Die Kurse der Aktien und anderer Scheine müssen gehalten werden, sonst gibt es Sturzflüge bei den Werten der auf Sand gebauten Finanztransaktions-Türme.
In Österreich will der Bundeskanzler 70 Millionen Euro für den Arbeitsmarkt flüssig machen, damit 2010 nicht noch mehr als die derzeitigen 350.000 Menschen ohne Arbeit und Brot dastehen. 70 Millionen sind ein Pappenstil: Diesen Betrag soll allein die Tiroler Hypo durch Finanzgeschäfte und Finanzierungen verloren haben und die Hypo Alpe Adria baute ein Minus von 1,2 Milliarden Euro – Beträge, die in keinem Verhältnis zu den 70 Millionen Euro für den Arbeitsmarkt stehen.
Fazit: Die Schriftsteller als Bürger werden noch viel bewusst machen müssen. Aber auch dann wird offen bleiben, ob der Sturm des Widerstandes der Menschen sich in Demokratie äußert. Mangels Alternativen droht eher eine weitere Verweigerung der Menschen bei Wahlen und damit ein faschistisches Potenzial für einen starken Mann, wie immer er heißen mag.
Das ist die Situation derzeit. Auf zum Nachdenken und Handeln. Bevor es zu spät ist. (WWL)

Advertisements