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Aschermittwoch – eine Nachlese 19. Februar 2015

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Während sich der eine, Strachtler, vor geballtem Kleinbürger- und Dumpfbackentum bierselig zu den üblichen Plattheiten und Worthülsen bekannte, gab es im Innsbrucker Congress, weit abseits von Ried und der Germanen-Jahn-Halle ein poetisches Feuerwerk für Frieden und Freiheit, für die Solidarität mit allen Schwachen und Ausgegrenzten.
Konstantin Wecker was here (für alle Heimatseiten-Deutschdümmler: Konstantin Wecker verkündete mit seiner Poesie und seinem Widerstand das, was Demokratie und Vielfalt mit sich bringt). Die Gedanken sind eben frei – und das Publikum sang mit.
Der Willi lebt, sagte Konstantin Wecker und alle applaudierten. Der Willi, den die Rechten und Neonazis, die Ewiggestrigen und die auch die so genannten Isten-Vertreter (Stalinisten, Trotzkisten u.a.) erschlagen haben – im Lied, das wie ein Symbol aus der Vergangenheit in die Gegenwart klang: Eingangs des Abends, mit dem einsamen Poeten am Klavier, der dann 40 Jahre seines Lebens am Publikum in Wort und Ton vorüberziehen ließ.
Konstantin Wecker, der Linke, der Anarchist, der Beschimpfte und der Dichter, dessen Lieder in den TV-Sendern und Radio-Jodeldodlern nicht gesendet werden.
Da war er. Konstantin der Große.
Und da war er, der andere, zu sehen am nächsten Morgen mit hassverzerrtem Gesicht im Frühstücksfernsehen bei puls4 und bestätigte genau das, was Konstantin Wecker ein paar Stunden zuvor, gegen Mitternacht, nach standing ovations und mehreren Zugaben, immer wieder angekreidet hatte: Den rechten Wahnwitz, der sich in der Gesellschaft immer mehr breit macht.
Klar, so wie in Ried die Rechten, so konnten im Congress die Linken alles abnicken, was da gesagt wurde. Nur die Art, wie es gesagt wurde, mit welchen Worten und welchen Emotionen, unterschied alles – und nur das zählt.
Strachtler ist ein Primitivkopf der Biertisch-Einsamen, Wecker ist einer, der um die Einsamkeit weiß, die eigene und diejenige, die in der Gesellschaft inne wohnt.
Beim Weg zum Konzert in Innsbruck, von der Haltestelle Museumstraße aus, muss man durch den Franziskaner-Bogen gehen. Ein Durchgang, der die Hofburg mit der Hofkirche und dem Franziskaner-Kloster verbindet.
Es war kalt, eisig, minus fünf Grad herrschten an diesem Innsbrucker Abend und durch den Bogen pfiff ein eisiges Lüfterl – eine Zugluft des Unbehagens.

In diesem Durchgang lag ein Mann, mitten in seinen wenigen Habseligkeiten, ein Obdachloser, und schlief. Es war 19.30 Uhr, – und neben dem Mann lagen keine Bierdosen, lagen keine Weinflaschen – nur eine Wasserflasche.
Mir klangen die Rechten-Worte in den Ohren und brüllten sich in den Kopf und die Gedanken: Sozialschmarotzer.
Ich informierte mich kurz: Der will in keine Unterkunft, der will das so, wurde mir gesagt.
Eine Stunde später drang die Widerstands-Poesie in mein Herz und mit dieser kamen die Erinnerungen an die vielen Geschichten meines Lebens: Sag Nein, sang Konstantin Wecker und sein Trio, mit wunderbaren Musikern, intonierte es. Schwermütig mit Cello-Tönen.
Sag Nein.
Da liegt einer in der Kälte und schläft – und du gehst zum Konzert, um all das zu hören, wovon du eh weißt. Oder doch nicht, weil kein Mensch angesichts der Manipulation, der weltweiten, der Mächte, die alles, auch die Meinung und die Freiheit dominieren, wissen kann, was in einem anderen Menschen vorgeht, was inwendig ist, in dieser kalten Zeit.
Einer lag da – in der Kälte.
Einer sang und spielte über diese Kälte.
Und einer brüllte, dass mir im Nachhinein kalt wird, wenn ich die Berichte lese.

Ach ja: Konstantin Wecker war da.
Schön, dass es ihn gibt, den Poeten des Empört euch und den Nein-Sager, zu dem man Ja sagen muss.

Winfried Werner Linde