jump to navigation

Offener Brief der IG AutorInnen an die ORF-Entscheider 5. März 2014

Posted by wwlinde in Allgemeines.
Tags: , , , , , ,
trackback

Den nachfolgenden Offenen Brief unterstütze ich selbstverständlich! WWL

An den ORF-Stiftungsrat zu seiner Sitzung am 6.3.2014 – Offener Brief

Sehr geehrter Herr Zentralbetriebsrat Gerhard Berti, Sehr geehrte Geschäftsführerin Frau Andrea Brem, Sehr geehrter Herr Generaldirektor Mag. Thomas Drozda, Sehr geehrter Herr Mag. Wilfried Embacher, Sehr geehrter Herr Dr. Rudolf Ertl, Sehr geehrter Herr Mag. Dipl.-Ing, Dr. Alexander Hartig, Sehr geehrte Präsidentin Frau Margit Hauft, Sehr geehrter Herr Mag. Dietmar Hoscher, Sehr geehrter Frau Zentralbetriebsrat Christiana Jankovics, Sehr geehrter Herr Zentralbetriebsrat Stefan Jung, Sehr geehrter Herr Direktor Norbert Kettner, Sehr geehrter Herr Dr. Josef Kirchberger, Sehr geehrter Herr Prof. Mag. Alberich Klinger, Sehr geehrter Herr Ing. Mag. Peter Koren, Sehr geehrter Herr Dr. Franz Krainer, Sehr geehrter Herr Präsident Dr. Franz Küberl, Sehr geehrte Frau Brigitte Kulovits-Rupp, Sehr geehrter Herr DI Matthias Limbeck, Sehr geehrter Herr Dr. Franz Medwenitsch, Sehr geehrter Herr Univ.-Prof. Dr. Siegfried Meryn, Sehr geehrter Herr Dr. Edelbert Meusburger, Sehr geehrter Herr Zentralbetriebsrat Dr. Gerhard Moser, Sehr geehrter Herr Mag. Werner Muhm, Sehr geehrter Herr Siggi Neuschitzer, Sehr geehrter Herr Josef Resch, Sehr geehrter Herr Mag. Rainer Rößlhuber, Sehr geehrter Herr Mag. Alexander Scheer, Sehr geehrte Frau Maga. Andrea Schellner, Sehr geehrter Herr Dr. Norbert Steger, Sehr geehrter Herr Generaldirektor Alois Sundl, Sehr geehrte Frau Bernadette Tischler, Sehr geehrter Herr Prof. Gerhard Tötschinger, Sehr geehrte Frau A.o.Univ.-Profin. Drin. Beate Wimmer-Puchinger, Sehr geehrter Herr GD-Stv. Mag. Thomas Zach, Sehr geehrter Herr Zentralbetriebsrat Robert Ziegler,

Sehr geehrte Damen und Herren des ORF-Stiftungsrates!

Die Vorstellung, man könnte auf ein zentral gelegenes ORF-Funkhaus auch verzichten und statt dessen mit einem entlegenen Newsroom sein Auslangen finden, ist so absurd, daß sie nur jemand mit einer rein rechnerischen Phantasie nicht erschrecken kann. Eine solche Vorstellung hat in einem öffentlich-rechtlichen Sender keinen Platz.

Es ist auch keine Frage der Zeit, ob es gleich unmittelbar zur Umsetzung einer solchen Phantasie kommt oder erst in 10 bis 20 Jahren. Es ist auch keine Frage der besseren Kommunikation einer Geschäftsleitung mit einer Belegschaft, die nicht gern auf lieb gewordene Gewohnheiten verzichtet.

Ob und wie ein ORF-Funkhaus besteht, das den einzigen eindeutigen Nachweis im Hörfunkbereich für die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags erbringt, in dem die Information und die Kultur die Hauptrollen spielen und das zudem mit einem Veranstaltungskomplex, dem Radio-Kulturhaus, über ein hauseigenes Kultur-Veranstaltungsprogramm verfügt, ist eine zentrale Angelegenheit des ORF. Es ist eine zentrale Aufgabe des ORF, wenn es um die Versorgung mit hochwertigen eigenständigen Programmen in diesen Bereichen geht und nicht nur um das aufbereitete Durchschleusen von Informationen oder Kulturprogrammen von überallher.

Gerade in den Beziehungen zu Kunst- und Kulturschaffenden, auch zu den prominentesten, lebt der ORF von Sympathiewerten. Er erhält von ihnen gratis Leistungen für die in deutschen Sendern gezahlt wird, er erhält sie vor allem auch deshalb, weil das Funkhaus eine geistvolle, räumliche und persönliche Nähe zu ihnen und ihren Einrichtungen hält. Gibt er diese Nähe auf, gibt er auch die Beziehungen mit ihnen auf und verliert einen wesentlichen Bestandteil seines Programms, den der geschenksweisen Mitarbeit von Kunst- und Kulturschaffenden als Interview- und Gesprächspartner, Diskussionsteilnehmer, Auskunftspersonen u.v.a.m. Das Funkhaus ist für sie die Verkörperung des kulturellen ORF, des informativen ORF, des redaktionell eigenständigen ORF, des ORF, zu dem sie ihre ständigen Beziehungen haben und der zu ihnen ständige Beziehungen hat.

Kulturell hochwertiger Hörfunk ist keine Frage der multifunktionellen Raumausstattung, er ist eine Frage hochwertiger Hörfunktechnik und von hochwertigen Programmen, beides ist im ORF-Funkhaus vorhanden, in ihm wird also nicht auf sich überlebt habenden Grundlagen Hörfunkprogramm gemacht, sondern auf der Höhe unserer Zeit.

Der Hörfunk hat durch die Digitalisierung eine neue größere eigenständige Bedeutung erhalten und seine Position gefestigt, das Fernsehen muß erst seine Neupositionierung in der digitalen Welt und der vielfältig möglich gewordenen Konkurrenz sowie der für es selbst vielfältig möglich gewordenen neuen Ausdrucksmöglichkeiten finden. Es gelten für den Hörfunk und das Fernsehen mehr denn je völlig verschiedene Ausgangsvoraussetzungen, die nicht mit Zwangszusammenlegungen beantwortet werden können. Der Hörfunk kann bei einer solchen Zwangszusammenlegung nur verlieren, während das Fernsehen dabei nichts gewinnt. Und ganz nebenbei verschwindet der ORF aus dem städtischen Erscheinungsbild.

Ö 1 und das Funkhaus haben in den zurückliegenden Jahren stets als Nachweis für einen seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag nachkommenden ORF gedient. Wird das Funkhaus aufgegeben, wird also auch der Nachweis für die Einhaltung des öffentlich-rechtlichen Auftrags nur noch schwer zu erbringen sein, wenn nicht gar unmöglich werden. Es kann in niemandes Interesse sein, eine solche Standortentscheidung zu treffen, die perspektivisch nur auf die Selbstauflösung des ORF hinauslaufen kann.

Wir ersuchen Sie daher dringend: Verweisen Sie die Pläne der Absiedlung des ORF-Funkhauses ins Reich der Phantasie. Verweisen Sie die Pläne eines Verkaufs des Funkhauses und seiner Rückanmietung als nur auf Zeit setzende Variante seiner Auflösung ebenfalls dorthin.

Gerhard Ruiss
IG Autorinnen Autoren
Wien, 5.3.2014

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: