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Dada. Opernball, Lollo. 3. Februar 2013

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Der Opernball (nach Gustav Schwab „Das Gewitter“)

Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
In Lugners Loge versammelt sind;
Es lächelt das Kind, der Mörtel sich bückt,
die Lollo, sie spinnet, mit Schminke bestückt.
Sie sitzt vorne, ganz vorne, blickt ins Gewühl,
Wie wehen die Schampus-Düfte so kühll!

Das Kind spricht: „Ich möchte aufs Tanzparkett,
Ich finde die jungen Männer so nett,
Wie will ich shaken und kreisen so toll,
im Gewühl da fühl ich mich wirklich wohl.
Dem Jungen, da drunten, dem bin ich hold.“
Hört ihrs, wie der Mörtel grollt?

Die Mutter spricht: „Morgen ist auch noch ein Tag,
Da feiern wir alle ein echtes Gelag,
Ich jauchze, zieh an mein schönstes Kleid,
wenn ich nicht tanze, tut mir das wenig leid.
Es glänzet an Lollos Finger das Gold.
Hört ihrs, wie der Mörtel grollt?

Lollo spricht: „Morgen ist neuer Tag“
Lollo hat heute Freudentag,
Sie genießet das Mahl, sie bekleckert ihr Kleid,
Sie eilet zum Orte, zu dem es nicht weit;
Rein kommt sie zurück, sie es sein sollt! –
Hört ihrs, wie der Mörtel grollt?

Lollo spricht: „Morgen ist Feiertag,
Am liebsten ich niemals sterben mag:
Ich kann zwar nicht singen und scherzen mehr,
Ich kann nicht sorgen und schaffen schwer,
Doch so ein Leben mir immer gefällt.“ –
Seht ihr, wie der Foto-Blitz dort fällt?

Die Fernseh-Reporter betreten die Loge,
der Mörtel führt sich auf wie der Doge.
Es flammet die voll Scheinwerferlicht.
Die Lollo berührt das alles nicht.
Sie blickt kurz auf und lächelt leise:
Ein Reporter rufet: Wie ist sie doch weise.
Und weil sich wieder alle trollen,
hören sie den Mörtel nicht mehr grollen. , , ,
Winfried Werner Linde

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