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Immer mehr Gewalt gegen Frauen: Wie feige sind Männer? 28. November 2012

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Wie feige sind Männer?

Die neueste Studie des Frauen-Ministeriums offenbart, dass in Österreich die Hälfte der Frauen Gewalt innerhalb der Beziehungen bzw. der Familien ausgesetzt ist.

Noch immer, muss man sagen. Trotz gesetzlicher Änderungen, trotz der Tatsache, dass Gewalt gegen Frauen nicht mehr Privatsache ist, weil die Unterdrückungsmechanismen, die dieses Herrschaftssystem des Mannes über die Frau legitimierten, seit 40 Jahren abgeschafft wurden. Man muss es historisch sehen: Die Frau soll dem Mann folgen, was immer das heißt, lehrt die Kirche. Noch immer.

Die Frau musste den Mann in allem um Erlaubnis fragen, auch wenn sie einen Beruf ausüben wollte. Der Mann entschied, immer. Sogar in der privatesten Sphäre, der Sexualität. Die Frau hatte dem Mann zu Willen zu sein. Verweigerung im Bett war (fast) ein strafbarer Tatbestand und ein Scheidungsgrund. Zumindest eine moralische Entschuldigung für den Mann, wenn dieser „fremd ging“.

Im Alpenraum, vornehmlich in Tirol, lehrt die Erfahrung, die PsychologInnen machen, dass fast zwei Drittel der Frauen noch vor wenigen Jahrzehnten innerhalb der Familie sexuell missbraucht wurden, durch den Vater oder die Brüder oder irgendeinen sonstigen Verwandten.

Es ist noch gar nicht so lange her, da mussten sich Frauen, die ein Kind unehelich gebärten, also ein „lediges Kind“ hatten, in den Dörfern am Sonntag vor die Kirchentüre stellen, damit sie von den Kirchgängern betrachtet, verachtet und zuweilen auch angespuckt werden konnten. Im 20. Jahrhundert, nicht etwa in Urzeiten.

Von anderen Details ganz zu schweigen.

Die jüngsten Erkenntnisse über die Vorgänge in Heimen wie der Bubenburg in Fügen oder St. Martin in Schwaz (Mädchen) offenbaren Dinge, die jeder Menschlichkeit widersprechen, aber damals, vor 40, 50 Jahren, als selbstverständlich hingenommen wurden. In diesen Fällen offenbart sich der Geist nationalsozialistischer Erziehung, der sich noch Jahrzehnte in Tirol gehalten hat.

Die neueste Studie über Gewalt an Frauen stellt allerdings den nun lebenden Generationen, die alle nach der Zeit der Nazis geboren wurde, ein mieses Charakter-Zeugnis aus. Da kann nichts, aber schon gar nichts schön geredet werden, da gibt es keine Entschuldigung. Jede Gewalt gegen Frauen und Kinder ist abzulehnen, verachtenswert, strafbar.

Und sie stellt den Männern, den Untätern, ein schlechtes  Charakterzeugnis aus – vom geistigen ganz abgesehen. Alkoholismus hin, Drogen her. So kann man nicht leben.

Viele, sehr viele Männer werden anscheinend mit der Tatsache nicht fertig, dass die Frauen ihnen überlegen sind – in der Ausbildung, im Beruf, in der Bewältigung des Alltags, in allen Fragen der Verantwortlichkeit für die Familie, in den Gefühlen, in der Erziehung der Kinder und auch – und hier liegt einer der Gewaltgründe ganz offen – in ihrer Sexualität.

Der Selbstwert ist angeschlagen, weil das Ideal fehlt: Liebe.

Sexualität als Teil des Menschen hat nichts mit Freizügigkeit zu tun, nichts mit irgendwelchen Moral-Vorstellungen von vorgestern, sondern mit ganz einfachem, normalem Mensch-Sein. Mit der Ganzheitlichkeit. Und eben mit Liebe.

Liebe ist etwas, was vom Ideal her in einer Zeit des pornografischen Infotainments, der globalisierten Oberflächlichkeit, des schrankenlos materialistischen Denkens, (fast) verloren gegangen ist. Liebe ist vielfach nur mehr ein Wort.

Liebe wurde abgelöst durch Befriedigung der Eitelkeit und des Egoismus. One-Night-Stands statt Lebenspartnerschaft. Lebenslüge statt Lebensliebe. Und die Frauenhäuser haben Platzmangel . . .

Wer liebt, der schlägt nicht zu. Wer überzeugend lebt, der braucht keine Gewalt. Wer als Mann nicht Manns genug ist, die Frau in ihrer Gesamtheit zu akzeptieren, auch in ihrer Überlegenheit, der soll sich als Mann hinterfragen, ob er nicht im Grund eine feige Memme ist.

Aber ebenso feige ist es, wegzuschauen, wenn der Nachbar die Frau misshandelt. Wegzuhören, wenn jemand von Missbrauch, von Gewalt klagt und zu denken: Das geht mich nichts an.

Menschlichkeit geht alle an.

Alles andere ist feig.

Winfried Werner Linde

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Kommentare

1. wwlinde - 29. November 2012

Weil es dazu gehört, poste ich es:
Medieninformation

Wurm: „Null Toleranz bei häuslicher Gewalt!“

Die SPÖ-Frauen informierten mit einer Straßenaktion über Hilfseinrichtungen

Eine von fünf Frauen in Österreich wird Opfer von häuslicher Gewalt. Darauf machten die SPÖ-Frauen im Zuge der 16 Tage gegen Gewalt mit einer Straßenaktion vor dem DEZ in Innsbruck aufmerksam. Unter dem Motto „Gestärkt gegen Gewalt“ wurden Jausensäckchen verteilt und über die wichtigsten Einrichtungen, die Schutz und Hilfe bei Gewalt bieten informiert.

Die Zahl der polizeilichen Wegweisungen bzw. Betretungsverbote ist von 2010 auf 2011 in Tirol von 330 auf 441 angestiegen. Gewalt gegen Frauen ist keine Randerscheinung und keine Privatsache sondern ein Verbrechen. Im Tiroler Gewaltschutzzentrum wurden bis Mitte November 1046 Personen aufgenommen, 920 davon waren Frauen.

„Der Leidensweg der betroffenen Frauen ist oft ein sehr langer. Meist dauert es Jahre, bis sich die Frauen Hilfe holen“, schildert Frauenvorsitzende NRin Gisela Wurm. „Wir dürfen nicht wegschauen und müssen immer wieder auf das Thema aufmerksam machen und Aufklärungs- und Bewusstseinsarbeit leisten.“

Die SPÖ-Frauensprecherin, die sich auch im Europarat mit dem Thema auseinandersetzt und derzeit einen Bericht zu Stalking vorbereitet, verwies auf die Maßnahmen, die bereits von der Frauenministerin gesetzt wurden. So wurde beispielsweise das Budget für die Gewaltschutzzentren im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent erhöht. Darüber hinaus gebe es eine Frauenhelpline (kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 222 555 zu erreichen) und sei eine Strafgesetznovelle in Planung, die das Strafmaß für Sexualverbrechen erhöhe, für Vergewaltiger sogar verdopple. „Die SPÖ setzt sich aktiv gegen Gewalt an Frauen ein, auch sexuelle Belästigung ist kein Kavaliersdelikt!“, stellt Wurm klar.

Enttäuscht zeigt sich LT-Vizepräsidentin und Frauensprecherin Gabi Schiessling. Auf ihre Initiative hat der Landtag vor einem Jahr die Teilnahme des Landes an den Gewaltschutztagen beschlossen. Als Zeichen der Solidarität sollte dazu eine weiße Fahne am Landhaus hängen. Das ist allerdings nicht passiert. „Obwohl die Zahlen alarmierend sind und für die Vorbereitung ein Jahr Zeit war, findet man es seitens des Landes offenbar nicht der Mühe wert, ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt zu setzen“, so Schiessling.

Fotos: SPÖ / Hitthaler

Oft dauert es Jahre, bis sich von Gewalt betroffene Frauen Hilfe holen: NRin Gisela Wurm informierte mit den SPÖ-Frauen über Hilfsangebote.

Selma Yildirim (Frauenvorsitzende SPÖ Innsbruck), NRin Gisela Wurm (Frauenvorsitzende SPÖ Tirol), LT-Vize Gabi Schiessling, GRin Angela Eberl.

Mag.a Julia Hitthaler

SPÖ Tirol – Frauengeschäftsführerin / Presse

Salurnerstraße 2, A 6020 Innsbruck

Telefon: +43 512 5366-14 oder +43 664 1431730

julia.hitthaler@spoe-tirol.at | http://www.spoe-tirol.at


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