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Ein Prozess – erstes Finale 30. September 2012

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Ein Prozess . . .

Hermann Walder wurde verurteilt.

Das Vorzeigen eines Artikels aus einer Zeitung, in dem geschildert wurde, dass ein Mensch, der sich von der Obrigkeit zu Unrecht verteilt und verfolgt fühlte, durchdrehte, ganz woanders, nicht in Tirol, war gefährlich Drohung. Die Strafe: 1.200 Euro sind zu zahlen.

Bedroht wurde, nach Ansicht des Gerichtes, die Frau Bezirkshauptmann von Lienz.

Der Rechtstaat hat gesprochen.

Vorerst. Ob es zu einer Berufung kommt, steht nicht fest.

Hermann Walder protestierte und verteidigte sich lauthals im Gerichtssaal. Er wurde von zwei Polizisten, die vorsorglich anwesend waren – man kennt ja bei Gericht seine Pappenheimer – nach dem Urteilsspruch aus dem Gericht begleitet.

So weit, so Recht.

Dennoch bleiben Fragen offen, abseits der persönlichen Meinung des Schreibers dieses Beitrages, dass Proteste, auch wenn sie lauthals und emotionsgeladen vorgetragen werden, nicht zu einer Diagnose über die Psychopathologie eines Menschen führen dürfen

Hermann Walder kämpft seit 30 Jahren gegen ein denk- und merkwürdiges Urteil in einem Prozess, in dem der sinnlose Tod seines Bruders Pius, der hinterrücks von einem Jäger erschossen wurde (nachdem ihn ein zweiter aus seinem Versteck hinter einem Busch mit drei Schüssen vertrieben hatte). Pius hatte, angeblich, gewildert.

Drei Jahre Freiheitsentzug, von denen nur die Hälfte verbüßt werden musste, seien zu wenig, so Hermann Walder. Er wird nicht müde werden, immer wieder auf das von ihm so apostrophierte Unrechtsurteil hinzuweisen.

Das ist sein Recht als Bürger und sein Anliegen als Bruder. Und natürlich hat die Obrigkeit kein Interesse, aus einem toten Wilderer einen Märtyrer zu machen. Natürlich hat die Obrigkeit kein Interesse daran, dass ständig die Fehler bei der Untersuchung des Falles, beim Verhalten eben dieser Obrigkeit im Rahmen der Ermittlungen und der Voruntersuchung und des Gerichtsverfahrens, zur Sprache gebracht werden.

Der erschossene Pius Walder wurde mittlerweile, nicht zuletzt wegen der Aktionen von Hermann Walder, zu einer Legende. Die Öffentlichkeit mag Wilderer-Legenden, scheut aber die psychischen wie auch sozialen Wahrheiten, die meistens hinter diesen stehen.

Wildern ist Eingriff in fremdes Jagdrecht, ein Strafdelikt, hat aber immer noch den Hauch des Romantischen, des Starken, des Widerständigen. Und nichts ist für die meisten Menschen interessanter, als eben dieser mythisch verbrämte Hauch des Geheimnisvollen, des durch Berg und Kare streifenden Wilderers.

Die Legende lebt.

Der Kampf von Hermann Walder und dessen Emotionen wie auch Suche nach dem letztendlichen Recht, ist verständlich.

Und wer sich vor einem Zeitungsartikel, der voll von Emotionen als Beispiel für den Zustand eines Menschen nach dem noch immer nicht vergessenen sinnlosen Tod eines Bruders gezeigt wird, fürchtet, sollte sich, meiner bescheidenen Meinung nach, überlegen, ob er als oberstes Verwaltungsorgan eines Bezirkes, der noch immer archaische Elemente in den Tälern besitzt, am richtigen Platz ist.

Aber das ist eben nur eine persönliche Meinung. Und nichts anderes.

Winfried Werner Linde

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Kommentare

1. tirolpower - 30. September 2012

die wahrheit hört/findet niemand gerne, besonders wenn sie vom rechtssystem verschleiert wird


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