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Wieder so ein Prozess und was für einer . . . 28. September 2012

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Hermann Walder, der Bruder des hinterrücks vor 30 Jahren erschossenen Pius Walder, kämpft seit dieser Zeit gegen das damalige Urteil gegen den mittlerweile verstorbenen Jäger, der seinen Bruder erschoss. Drei Jahre für ein Menschenleben – wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung mit tödlichem Ausgang sind, bei einer Mordanklage wahrlich ein Urteil, bei dem man nachzudenken beginnt.

Da Tirol ein Land der Jäger ist, wo jeder und jede eine Jagdprüfung hat, um dem Hobby Jagd zu frönen, macht sich Hermann Walder nicht beliebt. Er ist ein Aufmüpfiger, dem man Verständnis entgegen bringen muss. Schon allein wegen der Frage: Wie würde man sich selbst verhalten, wenn der Bruder völlig sinnlos erschossen wird, weil er angeblich wildert?

Das geht seit 30 Jahren so. Hermann Walder eckt mit seinen Protesten natürlich an.

Nun denn: Vor wenigen Monaten betrat er die Bezirkshauptmannschaft in Lienz mit einer ungiftigen Schlage und löste dortselbst Panik aus, so, als ob er gerade mit einer Flöte spielte und eine Kobra aus dem Korb heraustanzte. Das reichte noch nicht.

Er ging zur Bezirkshauptfrau und zeigte ihr einen Zeitungsartikel über einen Angriff auf einen Beamten, mit den Worten: „So weit können einem die Behörden treiben.“

Das war’s dann schon. Er haute weder mit der Faust auf den Tisch, noch wütete er sonst irgendwie – von seiner, durch die Erregung bedingten Lautstärke einmal abgesehen.

Dennoch muss er sich nun an diesem Freitag, 28.9.2012, vor dem Landesgericht Innsbruck als Angeklagter wegen „gefährlicher Drohung“ verantworten.

Noch einmal: Da ist eine ungiftige Schlange (die längst wieder in Freiheit irgendwo in den Osttiroler Hängen herumkriecht), ein ständig von den Verwaltungsbehörden verfolgter Mann, der noch immer um seinen Bruder und dessen sinnlosen Tod trauert und ein Zeitungsausschnitt. Eine einfache Geschichte.

Die Frau Bezirkshauptmannfrau fühlte sich gefährlich bedroht.

Die Justizmaschinerie wurde in Gang gesetzt.

Ein Termin angesetzt.

Angesichts der Tatsache, dass auch höchstrangige Beamtinnen mit der Erregung von BürgerInnen umzugehen gelernt haben müssten, angesichts der Tatsache, dass der Mensch und sein Charakter und sein Anliegen im Vordergrund stehen müssten, angesichts der Tatsache, dass ein strafbarer Tatbestand auch eine Absicht zu Grunde haben müsste, angesichts einer vielleicht zu untersuchenden allgemein begreiflichen heftigen Gemütsbewegung des angeblichen Delinqenten, müsste man sich fragen: Haben wir in Österreich angesichts der Flut von Korruption, Amtsmissbrauch und anderen Delikten nicht andere Sorgen als die Angst und das Entsetzen, die ein Zeitungsartikel, der einem gezeigt wird und eine ungiftige Schlange auslösen.

Zu Tode gefürchtet, ist auch gestorben, sagt ein Gemeinplatz.

Mehr ist im Moment nicht zu sagen. Das Ergebnis der Verhandlung steht aus.

Ich werde im Zeitzünder darüber berichten.

Winfried Werner Linde, (kopfschüttelnder und damit nicht ganz objektiver) Autor der Walder Saga.

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Kommentare

1. Detlef Thomas Klose - 28. September 2012

Es gibt Fakten. Man kann Walder oder sonst wie heißen: gehörst du nicht zum „Establishment“, bist also einer von den „Menschen da draußen“, dann fehlt dir quasi ein Fuß. Und die Gerichte haben jede Menge Zeit, sich um dich zu kümmern, genug Personal und genug Termine. Ich wünschte, die Herrschaften würden in die Hände spucken und mit gleich behender Hurtigkeit gegen unsere „Granden“ vorgehen, bevor wir das selber tun müssen…


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