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Plötzlicher Tod eines Adlers – 30 Jahre Walder Saga 8. September 2012

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Es ist der 8. September 2012. 20 Uhr. Um diese Zeit, vor 30 Jahren, lag der Wildschütz Pius Walder, schwerst verletzt in seinem Blut in der Hölleitn in Kalkstein/Innervillgraten in Osttirol.

Zwei Jäger hatten auf ihn Jagd gemacht. Einer traf ihn mit einem gezielten Schuss in den Hinterkopf.

Der meuchlings Getroffene lag eineinhalb Stunden, bis Hilfe kam.

Die Jäger sprachen von einem „Unfall“. Der Todesschütze wurde nicht wegen Mordes, sondern wegen Schwerer Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.

Die Macht der Jäger reichte bis in die höchsten Instanzen des Gerichtes in Innsbruck.

Zum Gedenken eine Szene aus meinem Werk „Plötzlicher Tod eines Adlers“.

Das Folgende ist eine Rückblende.

 

Szene Dämmerung

Pius Walder liegt getroffen da.

Sein Stimme aus dem Off:

Über die Kare zieht Nebel.

Ich rieche die Erde, die Gräser, die Nadeln der Bäume.

Moderndes Laub.

Merkwürdig, dass ich nichts spüre, nichts sehe, nichts. Nichts.

Die Kugel rast in mir. Im Kopf.

Zu oft geschossen, zu oft das Pulver gerochen, zu oft den Knall gehört.

Im Kopf.

Der Wind bringt keine Kühlung.

Der Nebel verdeckt nichts.

Hilft mir jemand.

Keine Schnitte, keine Bewegung, kein Knacken des Holzes unter den Schritten. Nichts.

Ich muss atmen. Wer nicht atmet, ist gestorben.

Ich will nicht sterben.

Du bist so lustig, Leben, du bist so lustig, Pius, sagen die Leute.

Holladero, Anna, tanz mit mir. Flieg mir mir. Im Walzertakt, sagen sie, liegt das Leben. Ein, zwei, drei.

Eins zwei drei. Atmen.

Warum ist es so still geworden?

So dunkel?

Es war doch eben erst Abenddämmerung.

Ich spüre keine Zeit mehr.

Nur Dunkelheit.

Die Mutter ruft die Schwestern und Brüder.

Heimgehn. Es ist Zeit für den Abend. Zeit für die Nacht. Das Spiel ist zu Ende. Vorbei.

Die Mutter ruft die Schwestern und Brüder.

Atmen. Atmen.

Spüre ich etwas, spüre ich Leben, spüre ich . . .

Tod . . .

Nein, das nicht.

Atem.

Über die Kare zieht Nebel.

Abends schreien die Bergdohlen und manchmal krächzt ein Rabe.

Ein Jochgeier schreit.

Beute.

Ja, Beute.

Sie haben mich getroffen.

Ein, zwei drei, im Walzertakt und dann der Knall und der Schlag und die Dunkelheit.

Ich bin wach und spüre nichts. Nichts.

Das Öffnen der Augen – nein, geht nicht.

Dunkelheit eben.

Irgendeiner hat geschrien: Schieß. Sonst lauft er ums Eck. Schieß endlich.

(Schluss des Auszuges)

RIP Pius Walder.

Auch nach 30 Jahren darf man nicht über das, was damals geschah und wie es geschah, schweigen.

Der Gerechtigkeit wegen. Und damit aus Widerstand gegen Machtmissbrauch und Manipulation.

Winfried Werner Linde

Autor der „Walder Saga“, erschienen im Berenkamp Verlag, Wattens. Im Buchhandel erhältlich.

Das Buch ist eine Dokumentation über die Vorgänge und Prozesse (samt Protokollen und Gutachten) von damals. Es ist das einzig authentische Werk.

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