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Gedanken-Nachlese zu einem Wettbewerb 10. Juli 2012

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Gedanken zu einem Wettbewerb.

Ingeborg Bachmann schrieb, was zum Gemeinplatz wurde: Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. Ein Satz, dem der nach ihr benannte Wettbewerb der Wörter-Aneinanderreihungen nur mehr in Bruchteilen gerecht wird.

Das Schlimmste an der Literatur ist die Flucht aus der politischen Wirklichkeit in die Albträume des Grauens, in das pervertierte Denken von Tierzerstörung als Metapher für die Selbstzerstörung und das daraus resultierende Weglassen des Wesentlichen: Die Innen-Beschau des Bajazzohaften mit dem Motto: Seht her, ich bin’s – das ist das gegenwärtige Übel  nach den Geistversuchen in Kriminalromanen oder der Flucht in die Pseudo-Esoterik, die nur mit dem Geheimwissen über sich selbst, aber nichts mit dem Werden und Vergehen von Prozessen innerhalb der Globalisierung und Manipulation gemein hat. Allesamt Ablenker von der Wirklichkeit und deren Grauen, das auch durch die Gewalt der Medien im Zusammenhang mit der Meinungsmanipulation nicht schöngeredet werden kann.

Wozu dann schreiben? Die eigene Sprachlosigkeit zu definieren hat nichts gemein mit der Aufgabe des Autors, den Sprachlosen Sprache zu verleihen, hat nichts zu tun mit Standpunkten, nicht einmal mit Unterhaltung, sondern ausschließlich mit der Tatsache, dass das Nachplappern von Expertenmeinungen zum Unwesentlichen das Wesentliche auch nicht herbeizaubert, sondern, um es assoziativ zu sagen, das Herbeizaudern der Angst, eine eigene Position und Meinung zu haben,  zum Maß der Dinge an sich, der Wörter in sich und der Phrasen der Schullehrbücher zu machen.

Weg mit dem Denken. Denken ist in der Leere der Lehre von heute verboten und könnte ja dazu führen, dass man wieder die eigene Kulturgeschichte entdeckt – was wiederum der Oberflächlichkeit der political correctness widerspricht.

Die Literatur schafft sich ab.

Winfried Werner Linde

http://bachmannpreis.eu/de

 

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