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Brief an Innsbruck – eine Liebeserklärung zu den Wahlen 2012 24. März 2012

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Liebes Innsbruck!

Darf ich Dich so ansprechen, du Stadt meines Lebens?

Ich spreche sicher nicht davon, dass es in Deinen Stadtteilen noch immer Damen gibt, die an die geschwätzigen Bassenaweiber des Nationalsozialismus erinnern und die noch immer hetzen, wo, wann und zu welchem Thema es immer auch geht. Misanthropie und Frustration sind schlechte Gedanken-Ratgeber, aber ich erlebe das immer bei verschiedenen blauen Standeln während des Wahlkampfes. Jetzt.

Nein, ich spreche nicht davon.

Ich, Du Stadt meines Lebens, seit Geburt an, spreche auch nicht davon, dass es auch Exponenten der anderen „Reichshälfte“ gibt, die im Wahlkampf Geldkuverts plakatieren gegen die Freunderlwirtschaft in der Stadt und im Rathaus. Nein, ich spreche von diesen grünen Plakaten nicht, weil ich gegen Denunzistan und Korruptistan sowieso bin, aber ebenso  gegen die Appelle an die niederen Instinkte der Neid- und Nader-Gesellschaft und gegen das Gendern-Vergessen. Man hätte auch FreunderlInnen-Wirtschaft schreiben können, wenn man sein alltägliches Geschwätz über Gleichberechtigung, ohne die es seit Jahren keinen Paarlauf mehr im Alltag gibt, einmal geistig beiseitegelegt hätte.

Nein, davon spreche ich nicht.  Weil Verallgemeinerungen nicht meine Sache sind.

Ich spreche auch nicht davon, dass in dieser Stadt, die ich zeit meines Lebens liebe, statt der bürgerlichen Verantwortung für die Gemeinschaft, wie es einmal modern war, damals, unter Bürgermeistern wie Anton Melzer oder Franz Greiter oder vorher Wilhelm Greil, dass statt dieser bürgerlichen Verantwortung nun der schrankenlose Liberalismus und globalisierte Kapitalismus eingezogen ist. Dort regiert der Kleingeist  und der materialistische, kleinbürgerliche Krämergeist und nicht  der Geist der Freiheit, der es ermöglicht, dass es wieder eine Brenner-Denker-Gruppe gibt, eine Kunst, die sich auf Können und Arbeit gründet und nicht auf Scharlatanerie und Minimalismus.

Davon spreche ich nicht, liebe Stadt, in der auch einmal Georg Trakl lebte, nach dem ein Park benannt ist, von dem aber niemand so richtig weiß, wo er gelegen ist.

Liebe Stadt, ich könnte noch von vielen nicht sprechen, wie zum Beispiel von der Tatsache, dass in den letzten Jahrzehnten ständig der Tourismus ruiniert wurde, obwohl Du zwei Mal Olympiaort warst, davon spreche ich nicht, oder von der wunderbaren Erholungslandschaft, den Bergbahnen, mit denen man in die lichten Höhen abheben kann und ins Tal blicken, nein, davon spreche ich nicht.

Ich bin überhaupt sprachlos, immer wieder, wenn ich Deine Schönheit sehe, Deine Kulturstätten, wenn ich an die Uni und deren Forschung denke, an die Klinik, die beide weltweit renommiert sind, wenn ich an das Landestheater, die Festwochen der Alten Musik und an die alten Gaststätten denke, mit den Tiroler Köstlichkeiten, an den Graukas und das Almen-Echo, an die Hungerburg und die Pfade der ersten Liebe, ja da bin ich auch sprachlos.

Aber davon spreche ich.

Aber ich bin ja ein bissel wie die alte Stadtmauer, die jetzt am Franziskanerplatz durch ein Schaufenster zu sehen ist – eben altmodisch. Denn ich möchte auf den Stufen der Denkmäler und in einigen Parks wieder junge Menschen sehen, nicht saufend, sondern eng aneinander gemeinsam in einem Buch blätternd oder lernend oder sich auch küssend. Ja, das möchte ich.

Aber ohne die Typen, die dealen, Rauschgift meine ich, nein, ich möchte, dass wieder der Lebensraum (und auch Liebesraum) geteilt wird, ohne Hintergedanken, einfach so, weil jung sein auch fröhlich sein bedeutet. Ja, das möchte ich.

Und ich bin davon überzeugt, dass die Omis und Opis dann auch vorbeischauen und in Erinnerungen schwelgen, wie’s damals war und wie gut es doch ist, dass alles heute ganz anders geworden ist. . . .

Eben – wie damals. . .

Denn die Gefühle in einer Stadt ändern sich nicht. Wenn man sie zulässt.

Ja, liebe Stadt Innsbruck – das wollte ich Dir sagen.

Und jetzt mach, dass die besten Köpfinnen und Köpfe gewählt werden. Von denen, die Dich, liebe Stadt, ebenso lieben wie ich.

Dein alter WWL

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Kommentare

1. cvrkalrobert - 30. März 2012

Es sollen nicht nur die besten Köpfe gewählt werden sondern es soll endlich auch auf die Ängste und Meinungen der Bürger Rücksicht genommen werden. Der Bürger ist mündig und wir brauchen keine Bevormundung durch unsere gewählten politischen Vertreter. Setzen wir gemeinsam ein Zeichen für Bürgermitbestimmung, welches auch die Politik nicht übersehen kann:

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/446198_Macht-bzw.-Ohnmacht-der-Waehler.html

http://www.krone.at/forum/board11-nachrichten/board15-österreich/1083684-macht-bzw-ohnmacht-der-wähler-oder-wie-wir-den-machthabern-eins-auswischen-können/


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