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Fortsetzung einer unendlichen Geschichte um Heimkinder – Ein Briefverkehr 4. März 2012

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Mit Erlaubnis von Erwin Aschenwald darf ich folgenden Briefverkehr veröffentlichen, der den Umgang mit Geschädigten der diversen Heimerziehungsmaßnahmen im Herrgotwinkel Österreicht, ich meine: Tirol, offenbart.
Ich denke, dass hier eine rasche Klärung erforderlich ist. Einfach des Rechts wegen und des geringsten Maßes an Menschlichkeit, auf das alle Anspruch haben.
Ich zitiere, ohne zusätzlichen Kommentar. Möge sich jeder ein Bild selbst machen.

Sehr Geehrte,

zur nachstehenden Korrespondenz, die mittlerweile auch schon wieder ein Jahr zurückliegt, wäre ich sehr an einer Information zum Stand der gepflogenen Erhebungen interessiert, die in dem Antwortschreiben Ihrer Fachabteilung – siehe Beilage – genannt werden.

In den vergangenen Monaten fanden sich in den Akten mehrerer Zöglinge der Bubenburg ebenfalls Belege, die auf die Existenz von Kinderpatenschaften hinweisen. Hinweise auf eine bestimmungsgemässe und korrekte Abwicklung sucht man in der Regel vegeblich.

Im Rahmen mehrerer Gespräche mit Vertretern der Klasnic-Kommission – vor allem mit Frau Dörr und Frau Konrad – wurde vereinbart, dass man dort auf der Basis vereinzelter Akten-Fundstücke, wie sie uns Betroffenen vorliegen, eine Entscheidung zu einer allfälligen Entschädigung finden könne. Ich erklärte mich bereit, eine diesbezügliche Koordination zu übernehmen.

Bei einem Gespräch am 14. November 2011 in Innsbruck konnten die Damen Dörr und Konrad hinsichtlich zweckdienlicher Aktivitäten zum Thema Patenschaften seitens des Landes Tirol jedenfalls nichts berichten.

Kurz nach diesem Termin erfuhr ich – eher zufällig, im Rahmen eines Kaffeehausgesprächs – dass Frau Prof. Michaela Ralser vom Institut für Erziehungswissenschaften vom Land Tirol mit der Sichtung von Akten im Tiroler Landesarchiv beauftragt wurde.

Angesichts der knappen Auskunft Ihrer Abteilung, dass keine Akten verfügbar seien, darf ich meine Bestürzung, Verwunderung und Empörung ausdrücken, dass diese Information hinsichtlich eines Aktenbestandes im Tiroler Landsesarchiv verschwiegen wurde. Auch konnte mir Frau Dr. Ralser auf Nachfrage nicht bestätigen, seitens des Landes Tirol mit der Suche nach „Patenschaftsakten“ der Abteilung Vb beauftragt worden zu sein.

Dass wir Betroffene von – um es sehr, sehr milde zu formulieren – „Unzulänglichkeiten“ im Bereich der Tiroler Jugendwohlfahrt der 1960er- bis 1980er-Jahre selbst und zum Nulltarif um die Sichtung von Beweismaterial kümmern sollen, kann so nicht länger hingenommen werden.

Am Tag der offenen Tür, am vergangenen Nationalfeiertag, brachte ich auch diesen Sachverhalt der vermutlich unterschlagenen bzw. veruntreuten Kinderpatenschaften dem Herrn Landeshauptmann zur Kenntnis.

Ich darf daher, auch im Namen unserer Betroffenengruppe „Bubenburg 1960/80“ anregen, Herrn Univ.Doz. Dr. Horst Schreiber mit der Recherche dieser Sache zu beauftragen, zumal Herr Dr. Schreiber im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit hinreichende Erfahrung und Ergebnisse zur Thematik „systematischer Diebstahl und Betrug zu Lasten von Fürsorgezöglingen“ anbieten kann.

Hier noch ein Link zu einem Bericht des Kurier zum Thema:

http://bubenburg.blogspot.com/2011/11/raubmonche-heute-wurde-man-kriminelle.html

Ein Wort noch zu Herrn Jenewein vom Büro des Landesrates Reheis: den ‚lieben Erwin‘ möge er mir, bitte, künftig ersparen

Mit freundlichen Grüßen

Erwin Aschenwald

——– Original-Nachricht ——–
Datum: Thu, 17 Feb 2011 11:15:30 +0100
Von: JENEWEIN Manfred
An: „\’erwin.aschenwald@gmx.at\'“
Betreff: AW: URGENZ: Patenschaften „Rettet das Kind“

Sehr geehrter Herr Aschenwald, lieber Erwin

Deine Anfrage wird bearbeitet, Anwort erfolgt, sobald wir von der Abteilung eine Rückmeldung bekommen.

Schöne Grüße

Mag. Manfred Jenewein
Büro Landesrat Gerhard Reheis
A-6020 Innsbruck, Eduard-Wallnöfer-Platz 3
Tel: +43 (0)512 508 2074
Mobil: 0676 – 88 508 2074
manfred.jenewein@tirol.gv.at

—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: erwin.aschenwald@gmx.at [mailto:erwin.aschenwald@gmx.at]
Gesendet: Donnerstag, 17. Februar 2011 11:00
An: #Büro LR Reheis
Cc: Opferschutzanwaltschaft ; Opferschutzanwaltschaft
Betreff: URGENZ: Patenschaften „Rettet das Kind“

Sehr Geehrte!

Ein Monat ist vergangen, nachdem ich das nachstehende Schreiben an Sie richten durfte.

Auf eine Antwort warte ich seither vergeblich.

Nach einer Telefonauskunft des Seraphischen Liebeswerkes konnte mir bislang auch nicht bestätigt werden, daß sich das Büro des Landesrates oder eine sonst zuständige Abteilung der Tiroler Landesjugendwohlfahrt um eine Abschrift jener Sachverhaltsdarstellung bemüht hätte, die der GF des SLW, Herr Mag. Tichy, der Staatsanwaltschaft Innsbruck in dieser Sache schon vor geraumer Zeit übermittelte.

Um eine Beantwortung – vor allem der in den Absätzen 3, 5 und 6 des zitierten Schreibens thematisierten Fragestellungen – darf ich neuerlich höflich ersuchen.

Hilfreich wäre, wenn man zumindest den Erhalt meiner Nachricht(en) bestätigen würde.

Mit freundlichen Grüßen

Erwin Aschenwald

Sehr geehrter Herr Landesrat, lieber Gerhard,

in der Anlage übersende ich mein heutiges Schreiben an Frau Mag. Atalar von der Jugendwohlfahrt, betreffend den Verbleib bzw. die Abwicklung von Zahlungen aus einer Kinderpatenschaft der „Österreichischen Gesellschaft Rettet das Kind“.

Weiters übermittle ich einige beispielhafte Auszüge aus der mir vom Seraphischen Liebeswerk zur Verfügung gestellten Aktenkopie der SLW-Wohngemeinschaft-R19.

Ich bitte jedenfalls um eine Rückmeldung, insbesonders zu der Frage, ob aus der Sicht des Landes Tirol auch allfällige finanzielle Malversationen, die nicht zuletzt durch eine korrekte Vorgehensweise der Organe des Landes Tirol wohl zu verhindern gewesen wären, auch in die „Zuständigkeit“ der Klasnic-Kommission fallen.

Klartext: es steht der dringende Verdacht der nicht ordnungsgemäßen Verwendung von Mündelgeldern zur Diskussion. Ein Sachverhalt, der zwischenzeitlich vom Geschäftsführer des SLW der Staatsanwaltschaft Innsbruck übermittelt wurde. Zumindest in einer strafrechtlichen Übungsklausur wäre hinsichtlich Unterschlagung, Veruntreuung oder Betrug zu prüfen.

Zur Frage einer allfälligen Verjährung sei angefragt, ob auch das Land Tirol, wie in ähnlichen Fällen auch von kirchlichen Einrichtungen erklärt, sich vorstellen kann, allfälligen Ersatz von Vermögensschäden bei Verzicht auf die Einrede der Verjährung zu leisten.

Dazu erlaube ich mir wiederum, eine amtswegige Erledigung anzuregen bzw. zu beantragen.

Ich bedanke mich herzlich für eine rasche Antwort, entschuldige mich auch dafür, dass meine Aktivitäten wohl als ‚lästig‘ empfunden werden, muss aber doch ganz deutlich darauf hinweisen, dass mich persönlich keinerlei Verschulden daran trifft, was seinerzeit in der Bubenburg und im Verwaltungsbereich des Landes Tirol praktiziert wurde.
Mit freundlichen Grüßen

Erwin Aschenwald

Ende der Zitate.

Der Rest ist (betretenes) Schweigen.

Winfried Werner Linde

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