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Aus Anlass des Holocaust-Gedenktages – Der Schluss meines Stückes über Edith Stein, die Europa-Heilige, die in Auschwitz ermordet wurde. 1942. Der Schluss. 27. Januar 2012

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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(Stimme: Die Nächsten.
Und dann, nach einer Pause: Weitermachen. Du. Da drinnen.)

Edith:
Wer auf das Leben hofft, der verarmt im Geiste.
Ich hoffe nicht mehr auf das Leben.
Zu oft schon sah ich in dieser Dunkelheit das Anlitz dessen, der mich gerufen hat. Der seine Gebote vom Berge verkündete.
Dem schwankenden Moses in Sinai.
Der wankelmütigen Menge am Berge.
Unüberhörbar SEINE Stimme.
Unüberhörbar für mich SEIN Ruf.

Zu oft schon bat ich den brennenden Dornbusch: Gib Gleichberechtigung auf dieser Welt.
Zwischen allen Menschen. Zwischen Mann und Frau und Kindern. Lasse nicht zu, daß es Unterschiede gibt.
Wir sind nicht geboren, um den Menschen zu dienen.
Sondern Gott zu leben. Aus unserer Stimme, die das letzte sein wird, das wir vernehmen.
Allein dem lebendigen Gott, dem Sohn, dem Geist, der am Kreuz starb, der den Tod überwand gilt es zu dienen.

Der Schmerz erfaßt den ganzen Körper.
Die Löchrigkeit ist das Maß aller Dinge.
Jedes Loch verursacht durch eine Dorne, die zustach, weil das Gesetz der Grausamkeit es befahl. Draußen in den Büschen.
Sie jäten des Unkraut und wissen nicht, daß diese unselige Arbeit dazu dient, ihnen die Zwischenzeit zwischen Leben und Tod zu vertreiben.
Immer schneller werden die Bewegungen, wie das Gesetz es befiehlt.
Immer schneller der Gang hin zum Tod.
Der Herzschlag rast.
Der Puls fliegt.
Die Augen geschlossen, damit man seine aufgeplatzten Hände nicht mehr sieht.
Wer sieht, der spürt.
Sehen vermehrt den Schmerz.
Die Erinnerungen verwehen wie die letzten eiskalten Schneeflocken in den wärmenden Sonnenstrahlen des Frühlings.
Durch die unwegsame Landschaft dieser Welt zieht die Heerschar der Geschändeten, der Verzweifelten und der Ausweglosen hinein in das Nichts.
Die Seele, die Innenwelt, spiegelt Gott nicht mehr wieder. Sondern einzig und allein das, was zwischen Nichts und Nichts stattfindet. Das große Gedankenloch im Denken: Gott scheint zum Alptraum geworden.
Von Kindheit an regiert wieder die Verneinung des Schöpfers. Weil alle nur an die eigene Schöpfung glauben. Wenn der Mensch nicht Spiegel des Schöpfers ist, was ist er dann? Ein im Windhauch vertrocknender Tautropfen, der, kaum geboren, wieder verwischt im Diesseits. Spurlos.
Ich bin ein Staubkorn in der geordneten Wüste Gottes.
Und ich kehre dorthin zurück.
Weil mich der Schöpfungssturm in sich aufnehmen wird. Der apokalyptische Reiter breitet seinen Mantel über mich.
(Sie legt ihr Kleid ab, preßt den Brief fest an sich und schreitet langsam zur Türe zur Gaskammer. Auf dem halben Wege dorthin verharrt sie, blickt zum Licht nach oben):
So sei es denn.
Zu Dir gehe ich. Ich weiß es.
Amen. Amen. Amen.
(Sie geht durch die Türe in die Gaskammer).

Epilog
(Man sieht die Bühne hell erleuchtet durch Licht, das aus der Gaskammer fällt)
Stimme der Edith Stein:
Sie spricht eine Meditation zu „Handwaschung“ aus dem Zyklus „Kupferstichpassion“ von Albrecht Dürer – vom Autor des Stückes gschrieben.)

Schütte das Blut des Gerechten
in den schmutzstrotzenden Zauberbecher
der faulenden Ausflüchte und
der geistigen Leere.
Mixe es mit der Weisheit deiner Bequemlichkeit,
zerstöre jeden Geist, der dich umgibt
und zwangsläufig ergibt sich die Gier nach Leben.

Ich wasche die Hände im Blut des Gerechten,
sprach Pilatus –
und derer mit diesem Namen sind so viele geworden in diesen Zeiten, in denen die Gnade zu einem Irrwort mutiert –
Ich wasche die Hände im Blut, nicht im Wasser.
Derer sind viele, die dürsten . . .
Zu viele.

Die Maschinenpistolenträger reinigen sich im Blut,
verunreinigen den reinen Geist,
verstoßen gegen das Gebot:
Gott existiert als gerecht auf ewig.
Seine Botschafter aber waschen die Hände im Blut
der vergänglichen Schimären,
immer dann,
wenn die Weltflucht zur Größe wird
und das Maß aller Dinge die Winzigkeit des Egoismus.

Da schwängert Aeneas Dido,
und die Geheimnacht
flüstert sich durch Troja:
Sie schreit, also existiert sie.
Daneben steht Homer, die andere Schimäre,
neben Zeus,
beide grinsen ob der Botschaften,
die aus Lügen die Wahrheit machen.

Gott existiert nicht in der Blutwaschung des Pilatus,
in den Gedanken der Unsäglichkeit.
Gott ist – scheinbar – eliminiert in den Zaubereien
schizoider Gehirne,
die ihre Ohnmacht in die Herzen der anderen tragen,
alles zerstören, was Geist ist.

Pilatus spricht nach zweitausend Jahren noch:
Gebt mir das Blut, auf daß ich rein werde.
Keiner erkennt den Wahnsinn des Kaiphas,
die Lüge des Richters Annas,
nur der Soldat, der das Kleid Jesu teilt,
wendet sich ab:
Siehe da, Volk, gaffendes, ein Blut des Gerechten.

Im Hintergrund steht der Kalvarienberg der Großstädte,
in denen sich die Menschen in ihren eigenen Höhlen überrollen,
die Hure Babylon wurde zu Gott
und ihre Verkünder beten um Reinheit vor Gott,
weil der apokalyptische Reiter
das Durchdringen ihrer Gebete zum Vater verhindert,
um diesen nicht wieder durch Satan zu beschmutzen.

Eine zweite Auferstehung vom Elend der Abwesenheit von Gott
wird es nicht geben.
Darum schweigt, ihr selbsternannen Selbsterkenner,
ihr neurotischen Inkarnierten,
denn euer Geschwätz ist Blut über das Haupt des Christus,
des Vaters,
ist Blut, das den Heiligen Geist überschwallend ersäuft,
aber es dauert nur Sekunden, bis er wieder rein wird und: Er lebt.

Denn Maria vermittelt noch immer das Werden des Einen,
der sich opfern mußte, seiner Schöpfung wegen.

Abraham sitzt vor der Türe einer Indiohütte
und wartet auf seinen Sohn Isaak,
den die manipulierenden Sklaven des Tieres
ihm zum Opfer nehmen wollen.
Nicht Gott sagte: „Opfere ihn, den Sohn!“
Es war die düst’re Stimme der selbstgewählten Offenbarung
aus dem perversen Gehirn des Menschen,
der solches Ansinnen zeugte.

Verhindert den Wahnsinn,
daß sich die vielen, die jetzt Pilatus heißen,
weiter mit Blut die Hände waschen,
um sich der Vergänglichkeit durch die Lüge ihrer persönlichen Offenbarung zu entziehen.
Denn der Vater steht über allen.
Als rächender, wenn es denn sein muß:
Verstoßen seid ihr alle, die ihr euch gerecht nennt,
sagt Gott.
Und ER ist nicht Pilatus,
geboren aus der virtuellen Welt von Computern,
deren Unzulänglichkeit spätestens dann offenbar wird,
wenn der Stecker herausgezogen wird,
aus der Steckdose,
die die Energie spendet.

Ich wasche meine Hände in Unschuld,
denn nur ich habe die wahre Erkenntnis,
kotzen sie ihren Größenwahn in die Köpfe und Herzen derer,
die, vom Geist beseelt,
mit ihrer Schwäche ringen.

Ihr, die ihr glaubt, gerecht zu sein,
seid verstoßen auf ewig.
Auch wenn das Trugbild eurer Wahrheit
den Gegensatz herbeizeugt.
Michael, flammendes Schwert des Lichtes,
wird euch in eurer virtuellen Wirklichkeit des 666
versengen.
Auf immer.
Das ist die Hoffnung:
Denn dann wird Gerechtigkeit und Liebe in die Herzen einkehren
und die Menschen aus der Manipulation duch Chimären
evakuieren in die Wahrheit,
die das Paradies verheißt

Black out

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