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Offener Brief an Landesrätin Palfrader, Tirol 24. Januar 2012

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Offener Brief
Sehr geehrte Frau Landesrätin,
Zensur in Tirol hat zwar seit Jahrhunderten, vornehmlich unter den absoluten Herrscherinnen und Herrschern, Tradition und hat immer wieder auch Künstler als Opfer gefordert. Ich nenne keine Namen, weil IHNEN diese ohnedies nichts sagen würden.
Aber der neueste Fall der Zensur in der Sache von Projekten der Tiroler Kulturinitiativen gestattet mir, Ihnen einfach – statt Zitronen-Überreichungen – die Bitte zu übermitteln: Treten Sie zurück!
Geben Sie bitte Ihr Amt ab. Es überfordert die Dame, die Dichterin, die es ausübt, anscheinend beträchtlich. Sie würden der Freiheit des Denkens, Fühlens und Handelns in unserem Land Tirol und darüber hinaus auch der Welt, die sich zuweilen hier zu Lande auch kulturell trifft, sehr dienlich sein, wenn Sie dem Herrn Landeshauptmann, der ja auch einmal Kulturreferent des Landes Tirol war (und wissen müsste, was dieses Amt bedeutet) einfach sagen: Bitte suche Dir eine andere als Kulturreferentin.
Das wäre wahrhaftig eine große Tat.
Denn, sehr geehrte Frau Landesrätin, andernfalls wäre dies ein Beweis dafür, dass sich in Tirol wieder der unerträgliche Konservativismus breit macht, der den freien Geist der Kunst mit Stacheldrahtverhauen obrigkeitshörigen Denkens ummantelt.
Es geht nicht um den Einzelfall oder die Fälle als solche, es geht nicht um persönliche Geschmacksfragen und schon gar nicht um politische Fragen, nein, es geht um die in der Bundesverfassung festgeschriebene Freiheit der Kunst.
Und wer sich gegen die Verfassung stellt, in welcher Form auch immer, ist für ein Regierungsamt – und hier werden Sie mir beipflichten, zumal Sie ja einen Eid auf diese Verfassung geschworen haben – einfach nicht die richtige Frau oder der richtige Mann.
Zensur ist immer abzulehnen. Wir brauchen keinen Ungeist der Obrigkkeits- oder gar der Ständestaats-Mentalität. Tirol ist ein freies Land mit freien Menschen und diese Freiheiten wurden auch durch kritische Geister (und nur durch diese) hart und mit demokratischen Mitteln erkämpft.
Treten Sie also zurück! Geben Sie damit den Raum für Freiheit und Kunst.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Winfried Werner Linde
Innsbruck-Igls.

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