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Offener Brief 4. Januar 2012

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Offener Brief
Herrn
Bundespräsident
Dr. Heinz Fischer
Hofburg
WIEN

via Email

 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident!

Mit tiefer Besorgnis und im Wissen, dass wir alle Menschen mit Fehlern sind, wende ich mich an Sie, sehr geehrter Herr Bundespräsident, mit der Bitte, ein paar mahnende und aufklärende Worte zur Sache zu sprechen.
De mortuis nil nisi bene – dieser Satz gilt für alle Humanisten, aber er hat dort seine Gültigkeit verloren, wenn durch Nachrufe und Nachreden, wie am Beispiel von Dr. Otto Scrinzi durch den Bundesparteiobmann Heinz Christian Strache geschehen, Grauen der Vergangenheit und Maßnahmen der NSDAP gegen Menschen und damit Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die seit den Nürnberger Prozessen und den österreichischen Gesetzes-Maßnahmen als schwerste Delikte gelten, im Nachhinein noch beschwichtigt werden.
In einer OTS-Aussendung, die ich im Folgenden inhaltlich vollständig zitiere, schreibt Herr HC Strache:
Strache tief betroffen über Ableben von Otto Scrinzi
Utl.: Leistungen für die FPÖ werden immer unvergessen bleiben =

Wien (OTS) – Tief betroffen über das Ableben von Dr. Otto Scrinzi
in der Nacht von 1. auf 2. Jänner 2012 zeigte sich
FPÖ-Bundesparteiobmann HC Strache. „Scrinzi war jemand, den man mit
Fug und Recht als freiheitliches Urgestein bezeichnen konnte und der
die Werte unserer Gesinnungsgemeinschaft immer gelebt hat“, so
Strache. Seine Leistungen für die FPÖ würden unvergessen bleiben.
„Otto Scrinzi war zweifellos stets eine tragende Säule der
Freiheitlichen. Wir werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren.“
Otto Scrinzi wurde am 5. Februar 1918 in Lienz geboren. 1949 wurde er
Gründungsmitglied des VdU, dessen Obmann er von 1950 bis 1953 war.
Von 1949 bis 1956 gehörte er als Abgeordneter dem Kärntner Landtag an
und war dort Klubobmann.
Vom 30. März 1966 bis 4. Juni 1979 war Scrinzi
Nationalratsabgeordneter. Er war dort Vorsitzender des
Gesundheitsausschusses, außenpolitischer Sprecher des Freiheitlichen
Parlamentsklubs, Südtirol-Sprecher und kurze Zeit auch Sprecher für
Soziales. Außerdem war er Mitglied im Europarat Straßburg.
1968 wurde Scrinzi zum stellvertretenden Bundesparteiobmann der FPÖ
gewählt, 1977 wurde er stellvertretender Klubobmann. 1986 kandidierte
er bei den Wahlen zum Bundespräsidenten.
14 Jahre lang war Dr. Otto Scrinzi Delegierter in der Beratenden
Versammlung des Europarates und in der Generalversammlung der
Vereinten Nationen und Vorstandsmitglied der
Österreichisch-Koreanischen Gesellschaft.
Er erhielt das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die
Republik Österreich.
Rückfragehinweis:
~
Freiheitlicher Parlamentsklub
Tel.: 01/ 40 110 – 7012
presse-parlamentsklub@fpoe.at

http://www.fpoe-parlamentsklub.at
http://www.fpoe.at

(Ende des Zitates).
Herr Strache schreibt also offiziell, dass jene Werte, die Herr Scrinzi gelebt hat, auch die Werte seiner Gesinnungsgemeinschaft, damit ist die FPÖ gemeint, gelebt hat.
Und das sind die Werte, die Herr Scrinzi lebte:
Zitate aus Wikipedia:
Scrinzi besuchte das Gymnasium, machte 1936 Matura, studierte in Innsbruck, Riga, Königsberg und Prag und promovierte 1941. Er war SA-Sturmführer und Mitglied der NSDAP(Mitgliedsnummer 7897561), ebenso war er auch Mitglied des NSD-Studentenbundes. Ab 1940 arbeitete er als Assistent am Institut für Erb- und Rassenbiologie der Universität Innsbruck. Seit 1950 arbeitete er als Nervenfacharzt und war von 1955 bis 1983 Primararzt (Chefarzt) an der psychiatrischen Männerabteilung des Landeskrankenhauses Klagenfurt. 1973 wurde er Lehrbeauftragter an der Universität Graz.
Scrinzi war rege publizistisch tätig, unter anderem schrieb er Artikel für „Die Aula“, bei der er auch als „Schriftleiter“ fungierte [2], dem „Eckartboten“, den „Fakten“, der „Deutschen National-Zeitung“, der „Deutschen Wochen Zeitung“, den „Kärntner Nachrichten“, der „Neuen Freien Zeitung“, der „Neuen Ordnung“ usw. Er veröffentlichte auch eine Reihe von Büchern, unter anderem im Leopold Stocker Verlag.
Bekannt war er auch für Aktivitäten in der europäischen rechtsextremen Szene. Unter anderem beteiligte er sich an der jährlichen IJzerbedevaart in Flandern, die damals mit Versuchen rechtsextremistischer Unterwanderung zu kämpfen hatte. Mehrfach war er Referent bei der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) und der „Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik“ (AfP), die 2005 laut Verfassungsrechtler Heinz Mayer „massiv gegen die Bestimmungen des Verbotsgesetzes verstoßen“ hat.
Dazu möchte ich noch ein Zitat aus dem KURIER anführen:
1976 führte ein Referat Scrinzis über die „Minderheitenfrage“ an der Universität Wien zu Tumulten. Das DÖW führt Scrinzi auch als Unterzeichner des Aufrufs der „Deutschen National-Zeitung“ für eine Generalamnestie für NS-Verbrecher. Dass er eine solche gefordert habe, wies Scrinzi jedoch zurück. Auch gegen den Vorwurf, rechtsextrem zu sein, wehrte sich Scrinzi.
(Ende der Zitate)
Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
Wenn der Obmann einer österreichischen Partei sich deutlich positiv zu jenen Werten ausdrückt, wie sie der verstorbene Herr Dr. Scrinzi vertreten hat und sie klar zu jenen „seiner Gesinnungsgemeinschaft“, also der FPÖ, die im österreichischen Parlament vertreten ist, macht und als solche bezeichnet, so taucht bei mir, mit Verlaub gesprochen, Unbehagen und Abscheu auf und auch die Aufforderung: Wehret den Anfängen!
Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Ich bitte Sie, den Vorsitzenden der FPÖ zu sich vorzuladen – zu einem klärenden Gespräch und ihn darüber aufzuklären, dass die Werte, die er als die seiner Gesinnungsgemeinschaft bezeichnet, klar unter das Verbotsgesetz und gegen die Demokratie-Legitimierung einer Partei verstoßen.
Es ist an der Zeit, die Grenzen der Beschwichtigung von Nazi-Verbrechen und auch jene der ständig von Exponenten der FPÖ, vornehmlich deren Obmann, betriebene Verhetzung gegenüber Menschen aus anderen Nationen, klar anzuprangern.
Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Sie sind die oberste Instanz dieser Republik und vom Volk demokratisch auch als solche legitimiert. Bitte sprechen Sie ein Machtwort der Menschlichkeit und der demokratischen Anständigkeit sowie eines gegen jede Form von Beschwichtigungen von Nazi-Taten und Verbrechen.
Ich bitte Sie herzlich.
Mit dem Ausdruck meines tiefen Respekts und
freundlichen Grüßen

Prof. Winfried Werner Linde

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Kommentare

1. herbstrith - 4. Januar 2012

Ich bin fassungslos. Zuerst Assistent am Institut für Erb- und Rassenbiologie der Universität Innsbruck. und dann über viele Jahre Primararzt (Chefarzt) an der psychiatrischen Männerabteilung des Landeskrankenhauses Klagenfurt. Was heißt psychische Gesundheit vor so einem Wertehintergrund???

2. Mahiat - 4. Januar 2012

Auf Facebook habe ich Herrn Strache auf seine Aussagen zum Tode Scinzis angesprochen. Strache machte sehr deutlich, dass Scinzi in seinen Augen kein rechtsextremer Politiker war. Er betonte dessen Unbescholtenheit und stellte fest, dass Scinzi in seinen Augen die Demokratie stets geachtet hat.
Darüber hinaus war leider kein vernünftiges Gespräch mit ihm möglich. Er bezeichnete mich und alle anderen Kommentatoren, die auf den durch dessen Aktivitäten, die er bis zum Tode verfolgte, dezidiert festzustellenden Rechtsextremismus von Scinzi hinwiesen, pauschal als linksextrem. Nach dieser Diffamierung hat er sich (zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt) aus der Diskussion zurückgezogen.

3. Dennis - 16. Januar 2012

Wahnsinns Artikel.Habe einige frische Gedankenanstoesse bekommen. Freue mich schon auf weitere Beitraege zum Thema.


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