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Zum Tod von Vaclav Havel – Kein Nachruf 18. Dezember 2011

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Draußen scheint die Sonne und wärmt durch die Scheiben und dennoch fröstelt mich. Vaclav Havel ist gestorben. Ich bin ihm als Journalist auch begegnet: Er war in Innsbruck und ließ sich hier an der Klinik operieren – ein Notfall, den Prof. Ernst Bodner gemeinsam mit dem Patienten bewältigte.
http://www.welt.de/print-welt/article517547/Vaclav_Havel_der_klinische_Stehaufmann.html

Aber schon damals gabs die Erinnerung: 1987 im Innsbrucker Austrotel. Die einzige Solidaritätsveranstaltung in Österreich mit der Bewegung Charta 77 und den inhaftierten oder ausgegrenzten Künstlern wie Vaclav Havel. Solidarität mit Menschen hinter Eisernen Vorhängen – was für ein Wort! Aber wenn alle schweigen, dann muss man auch in der Freiheit für die Freiheit das Wort erheben.
KURIER-Tirol-Chef Herwig Schmidl, der Autor und Maler Willi Kuen, Vera Weld, heute Anwältin in Wien  und ich lasen Protest-Literatur zum Thema.  Eine Veranstaltung der Gesellschaft für Info und Medien und der Kunstkooperative Tirol – auch der Bildhauer und Maler Gotthard Obholzer präsentierte Werke zum Thema Freiheit. Niemand im Lande nahm davon Notiz, niemand von den Offiziellen. Das war auch gut so, denn so waren wir dem Geschehen rund um die Literatur der Wahrheit noch näher. Wer war schon die Charta 77, was ist schon ein Künstler in dieser Zeit? Aus der Sicht Tiroler Ignorantentums – damals wie heute. Niemand spricht mehr von der Charta, alle von der samtenen Revolution. Letztere wäre ohne die Charta 77 und deren Exponenten um Vaclav Havel undenkbar. –
Die Kommunisten sperrten damals ihre Gegner rigoros in die Gefängnisse, folterten sie und damit den Geist der Freiheit. Anderswo wurde die Freiheit halt verschwiegen. Was es nicht geben durfte, das gab es nicht. –
Die Revolution fand dann mit dem Fall der Berliner Mauer statt. Der Ostblock veränderte sich. Havel wurde Präsident. Ein Staats-Chef, der für Freiheit stand.
Heute, am 4. Advent-Sonntag des Jahres 2011, traf uns die Nachricht vom Tod des Dichters und Präsidenten. Er wurde 75 Jahre alt. Mit ihm starb ein Stück des europäischen Geistes der Freiheit. –
Das ist alles leicht geschrieben. Karge Sätze für einen, der die Sprache zur Verkündigung der Wahrheit nutzte.
Was zu sagen wäre, kann in solchen Minuten nicht geschrieben werden, weil die Unfähigkeit zu denken da ist, zu begreifen – und auch aus den Erinnerungen zu entfliehen.
Ruhe in Frieden, Vaclav Havel.
Venceremos, im Namen der – Deiner – Wahrheit.
Nie mehr Mauern!
Über deinen Tod hinaus lebt die Erinnerung – auch in Innsbruck. Dem historischen Zentrum Europas und manchmal einem Ort der Freiheit.

Der Tod eines Dichters lehrt auch: Wir brauchen eine Charta 2012. Denn Solidarität und Freiheit leben immer. In Europa und der Welt.

Winfried Werner Linde

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