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Gedanken über die Krise – aber haben wir die? 17. Dezember 2011

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Alle reden von Krise, sehr viele – zu viele – reden den so genannten Notstand herbei. Die Prognosen-Erfinder, deren Ausflüsse oftmals nicht das Papier wert sind, auf dem sie ausgedruckt sind, überschlagen sich in negativen Erwartungen für das Jahr 2012.

Und dann gibt es noch die „Expertisen“ der geistigen Däumlinge, die in ihren esoterischen Kalendern und anderen Berechnungen gar einen Weltuntergang herbeireden.
Ich bin sicher – so, wie es geschrieben wird, so, wie es gesagt wird, so wird keine einzige der Verkündigungen eintreffen. Alles politische Schaumschlägerei, alles Polemik, – das lehrt die Erfahrung. Mit der Angst sind gute Geschäfte zu machen, mit der Sorge um den Verlust von materialistischen Werten noch bessere und politisches Kapital durch Hetzer der Rechten.
Da kommen dann noch die VertreterInnen einer Journaille dazu, die glauben, wenn sie irgendeinen Uni-Lehrgang oder gar ein Studium mit einer „Magistratur“ abgeschlossen haben, dann verstünden sie was von Politik oder gar Publizistik – und preschen mit Skepsis und Volldampf in Fettnäpfchen des Unwissens, das keineswegs auf der Erkenntnis beruht, dass man weiß, dass man nichts weiß, sondern dass man überzeugt ist, eh alles viel besser zu wissen.
Die einzige Krise, in der wir uns generell befinden, ist jene der maßlosen Selbstüberschätzung, der grenzenlosen Indolenz und jene, dass es schon eine Krise ist, wenn man minimale Prozentsätze des Wohlstandes verliert.
Die Selbstüberschätzung betrifft die Fähigkeit zur Kritik, die – so lehrt auch die Lebenserfahrung – mit Selbstkritik und Selbsteingrenzung gelernt werden kann. Kaum tönt einer große Töne, möglichst laut und möglichst worthülsig, schon strömen die Massen zu und erkennen nicht, dass sie nur benützt werden, um die Werte, die erkämpft wurden, von den so genannten Altvorderen, zu zerstören. Das ist die eine Seite: die Überschätzung von einem selbst.
Die zweite Krise wird durch Indolenz herbeigeführt: Gleichgültigkeit, Lässigkeit, Trägheit des Denkens – die Ablenkung von der Wirklichkeit und damit die Zerstörung des eigenständigen Denkens hat überhandgenommen. Die Krise wird durch das Abnicken von markanten Sprüchen, die in ihrer Inhaltslosigkeit nicht mehr zu übertreffen sind, verstärkt.
Und jenes dritte Phänomen, dass es im Leben immer wieder Zeiten gibt, in denen man auf ein bisschen was vom Wohlstand verzichten muss, weil dieser ohnedies schon überbordet, ist gänzlich in Vergessenheit geraten. Der Konsum von Marken, die die Welt nicht braucht und für die man ungeheuer viel bezahlt, nur dass der Schriftzug oben steht, ist nur ein Beispiel. Da geht es nicht um Qualität und Haltbarkeit, da geht es nur um ein Zeichen. Ohne Bedeutung. Ein Nichts.
Das Miteinander ist verloren gegangen. Der Egoismus ist zum Maß des Da-Seins geworden. Der Idealismus, Werte, die es zu leben gilt, Familiensinn, Gemeinsamkeit, Ethos des Miteinander.
Der Verlust des Wertes, dass wir alle eine Gemeinschaft sind und für alles eine Mitverantwortung zu tragen haben, ist im Grunde jene Krise, von der wir reden.
Wir leben nämlich nach wie vor wie die Maden im Speck, wir leben mit Menschenrechten, die anderswo mit Füßen getreten werden und wir konsumieren mehr denn je.
Ich habe es schon einmal geschrieben: Wir brauchen keine Wut, wir brauchen Mut. Um gegen jene aufzutreten, die sich weltweit auf Kosten der Allgemeinheit bereichern. Auch in Europa, aber in einem unmenschlichen Maß in den Staaten der Dritten und Vierten Welt, also der Entwicklungs- und Armutsländer.
Um den dazu noch aufkeimenden Diktaturen und schon ihre Fratze zeigenden neuen Faschisten Widerstand zu bieten, dazu bedarf es des Mutes hierzulande.
Wut ist zwar ein schönes Wort, aber mit Wut verändert man nichts und macht sich zum Mitläufer.
Und genau das hatten wir doch schon einmal . . .
Überwinden wir also die Wut, wandeln wir sie zu Mut und – es gibt keine Krise. Ja, so einfach ist es.
Winfried Werner Linde

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Kommentare

1. Aniversum - 17. Dezember 2011

Sehr wahr geschrieben. Ich hoffe, dass die Menschheit bald aufwacht…sonst sieht es glaub ich wirklich düster aus. Nicht für die Lebensbedingungen, sondern in den Menschen. Und es gibt leider schon viel zu viele, die als leere Hüllen herumlaufen….


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