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Es fängt schon wieder an: Tritt gegen jüdische Mitbürgerin 15. Dezember 2011

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Mitten in der Weltstadt oder Miar werdn ka Richterin brauchen.

Es gibt Erzählungen und Prozesse, die ganz gewöhnlich sind, auch wenn sie unfassbar scheinen und kaum wahr genommen werden.
In Wien gibt es derzeit einen Prozess, der gestern wieder vertagt wurde. Der Sachverhalt ist einfach: In der U-Bahn telefoniert eine judische Wiener Mitbürgerin in ihrer Fremdsprache und einer beschimpft sie und tritt ihr gegen das Bein, sodass sie verletzt wird. Sie verlässt die U-Bahn und fährt mit dem Lift hoch. Ausgestiegen, protestiert sie gegen das, was mit ihr geschehen ist. Die Rettung naht.
Während des Wartens offenbaren sich ihr ein paar ehemalige Kriegsteilnehmer und beschimpfen sie als Jüdin und noch mit anderen Ausdrücken, die ich hier nicht wieder zu geben vermag. Ein Dame kratzt die Verletzte im Gesicht. Später wird man keine Kratzer feststellen, weil die Beschimpfte diese mit Schminke überdeckt hat. Die Polizei nimmt den Vorfall auf, aber ein Zeuge (ebenfalls ein jüdischer Mitbürger) wird nicht ins Protokoll genommen.
Vor Gericht steht die Misshandelte als Opfer. Es scheint aber so, als habe s i e falsch und unmenschlich gehandelt. Niemand hat was gesehen, niemand hat etwas festgestellt und überhaupt . . . Die Richterin glaubt dem Opfer nicht, das jetzt von der Gegen-Anwältin zur psychiatrischen Untersuchung zitiert wird, ob sie nicht just zum Zeitpunkt ihrer Beschimpfung und weder vorher noch nachher unzurechnungsfähig gewesen sei. Nur zum Zeitpunkt des Vorfalls sei sie unzurechnungsfähig gewesen . . .
Mitten in der Welt. Mitten in Österreich und mitten in Wien.
Ich frage mich, wie weit entfernt und wie bewältigt die Zeit ist, in der man jüdische MitbürgerInnen zum Gehsteig-Putzen zwang, um sie anschließend in ein Todeslager zu transportieren.
Ich habe viele Fragen, zugegeben und ich darf mich nicht, so wird mir gesagt, in ein laufendes Verfahren einmischen. Es gäbe noch viel zu sagen. Sehr viel.
Und ich werde auch nicht schweigen. Egal, wie die Frau Richterin urteilt und egal, was da ein paar alte Kameraden zusammen sagen.
Nie mehr Schweigen. Nie mehr Wegschauen. Nie mehr Vergangenheit. Nie mehr die rechten Gerechten an der Macht. Nie mehr.
Venceremos.
Winfried Werner Linde

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Kommentare

1. Lois Seidl - 15. Dezember 2011

Schon Schweigen wäre Betrug. Bleib am Ball. Danke Winfried.


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