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Der Traum oder: Herakles versucht, das Österreich-Parlament zu säubern. 3. Dezember 2011

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Aus:
Dada lebt, Erzählungen von Winfried Werner Linde
Alle Rechte vorbehalten.
Einleitende Bemerkung: Die nach stehende Geschichte ist vollkommen frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder bereits verstorbenen Personen ist nicht beabsichtigt und rein zufällig.

Herakles reinigt die beiden Kammern in Österreich und führt National- und Bundesratlosigkeit herbei.

Es begann alles mit einem Traum, nein eigentlich schon vorher, vor dem Traum. Der Chefredakteur des Hinterstoder Wochenblattes, Wastl Hinterzoicher, war zu einer Reportage über das österreichische Parlaments-Wesen an sich und die Tätigkeit der Abgeordneten insbesondere aus dem hinteren Mostviertel nach Wien eingeladen worden und hatte einen Tag lang aus der Presse-Lounge des Rates der Gewählten die Diskussionen verfolgt. Deren Schwerpunkt war jene über die Änderung des Textes der Bundeshymne gewesen.
Nach der Sitzung war Hinterzoicher noch von den Klubobmännern der fünf Parteien zu einem Presseheurigen eingeladen worden, natürlich getrennt, denn man wollte ja nicht hören, was der andere zu sagen hatte. Die Presse, insbesondere die lokale, ist das wichtigste in Österreich, sie ist ganz nah am Volk und berichtet über die wirklich wichtigen Vorgänge im Land. Über kleine Nachbarschafts-Streitigkeiten, falsche Grundstücks-Grenzen, mit wem der Bürgermeister gerade ein Gspusi hat und wo der Landeshauptmann seine Nächte verbringt, wenn es sie im Dorf verbringt.
Hinterzoicher war also von jedem der fünf Klubobleute eingeladen worden, auf ein Viertel Heurigen im Heurigen und auf ein Schmalzbrot, weil man ja sonst nichts hat im Leben und er hatte immer die gleichen Fragen: „No, was gibt’s Neues bei euch im Mostviertel?“ mit der ebenso selben, eines Chefredakteurs würdigen Antwort erwidert: „Nix Neues, alles bestens.“

Dann hatte er vom jeweiligen Pressereferenten einen Stapel Papiere erhalten („Damits wos zum Schreiben gibt, aber hallo!“) und war schließlich, erschöpfter als je zuvor, mit dem Taxi ins Hotel Sacher gefahren, wo sein Zimmer auf Bundeskosten reserviert war.
Na, is a langes Tagerl gewesen, Herr Chefredakteur, nicht wahr, hatte der Portier gesagt und der Wastl war zu seinem Zimmer hoch gefahren und dann, gewohnheitsmäßig, wie er es zu Hause immer nach langen abendlichen Besprechungs- und Bezechungstouren tat, mit ausgezogenen Schuhen zu seinem Zimmer geschlichen.
Er schaffte es gerade noch bis zum Bett, fiel auf es, griff zur Fernbedienung und schaltete den Fernseher ein, wo gerade ein klassischer Film über die Abenteuer des Herakles lief.-
Dann schlief er ein. Und träumte, er sei im Olymp und nicht im Sacher und Zeus befahl soeben Herakles, im österreichischen Parlament für Sauberkeit zu sorgen. Und so schwebte der Wastl mit Herakles mitten in eine Parlaments-Diskussion.
Der Gewerkschafter hatte gerade seine Wortmeldung (drei Minuten, mehr nicht) mit den Worten beendet:

Also wir, seitens der Gewerkschaft, sind für folgenden Text, aber verhandlungsbereit:
Land der Banken, Land der Raffer,
Land der braunen Strachtler-Gaffer.
Land des Genderns, grünenlike.
Alle spucken große Töne,
über Töchter und auch Söhne.
Viel zerzaustes Österreich.

Seitens der F gab es einen Zwischenruf des Ober-Effen:

Wir haben ausnahmsweis a Idee, wir von der FPÖ:

Land der Hunde, Land der Katzen,
Land der Emigrantenfratzen,
Land der Schreier, zukunftslos.
Dich regieren lauter Wedel,
haben alle nix im Schädel,
geistig armes Österreich.

Ein heiserer Effler wandte ein:
He, das kannst nicht so sagen, da fühlen sich ja viel zu viele von unsere Leut betroffen. Verstehst, wir sind die Heimatpartei. Ich plädiere für folgenden Text:

Land der Roten, Land der Schwarzen,
Land der vielen Steuerwarzen.
Land der Schmierer, zeitungslos.
Heimat, bist du großer Führer,
andre san nur Nasenstierer,
ganz korruptes Österreich.

Der Wastl wälzte sich im Schlaf und sah, wie es Herakles schauderte. Ja, es schüttelte den Halbgott regelrecht. Bevor er aber widersprechen konnte, ging die Diskussion weiter. Denn da tönte es aus den Kärntner Bundesräten:

Land der Hirschen, Land der Rehe,
steht auf einer Euro-Zehe.
Land der Jäger, ohne Schuss.
Wir stehn auf der Abschusslisten,
packen heut schon unsere Kisten,
in Sachen Alpen-Adria . . ..

Für den Götter-Untersuchungs-Ausschuss reicht es, sagte Herakles. Und wenn das Schloss am Wörthersee in diesem versinkt, es muss eine Sintflut her. Drau und Gail werden durch das Land geleitet, über die Autobahnen von Kärnten nach Wien, durch die nie gebauten Tunnels gelenkt, die ich in Sekunden öffne und wieder schließe und gerettet werden kann nur einer, der Beste, der Wahrhafteste, der Tapferste und Bravste. Und ich seh da in meiner Erinnerung nur den Würgl vom Bärental.
Jetzt wälzte sich der Wastl wieder im Schlaf, der Fernseher lief noch immer und im Traum hörte Wastl den Widerspruch von Göttervater Zeus, dessen Gestalt ihn, im Traum, an den 2. Nationalratspräsidenten erinnerte.:
Geht nicht, tönte Zeus von oben, geht nicht. Der Würgl ist im Fegefeuer und muss zur Strafe den ganzen Tag als Oberösterreicher Kärntner Lieder singen.
Ach ja, verzeih, Göttervater, aber die bringen mich voll durcheinander, sagte Herakles nervös.
Bevor er weiter sprechen konnte, tönte es aus dem Fegefeuer:
Da Summa is umma, muass bratn und leidn,
pfiat di Gott, liabe Alma, i muass von dir scheidn.

Zeus sagte von oben: Herakles, denk dich in den Wetzner . . .
Herakles erschrak: Beim Zeus, was habe ich verbrochen? O, entschuldige . . .
Zeus sagte verlegen: Denk dich in den Wetzner und schick ihn mit einem Glas Wasser zum Würgl ins Feuer Der Wetzner ist so braun, dass er nicht mehr brauner werden kann, wenn er vom Fegefeuer angebraten wird . . .
Wastl drehte sich wieder von einer Seite auf die andere. Ohne zu erwachen, träumte er weiter. . .
Herakles schaltete sein halbgöttliches Nicht-Hören ein. Während er versuchte, die Gail in die richtigen Bahnen Richtung Wien zu lenken. Die Drau hatte sich mittlerweile durch nahe AKWs in Slowenien erhitzt, blieb aber immer streng in ihrer Bahn, weil sie sich über die Autobahn bewegte.

Im Parlament meldete sich gerade die grünrote Rosl zu Wort:

Also, was is jetza mit die Textin da neien Bundeshymnin?
Land der Frauen, Land der Männer,
alles bring mir auf an Nenner.

Ein Hinterbänkler muckte auf: Dichten und reimen, Rosl. (singt) Jetzt hat ane gredet, dös hat sie ned greimt, drum wird ihr die Zungen aufn Arsch aufigleimt.
Ich erteile ihnen für das Wort Hintern einen Ordnungsruf, sagte der Nationalratsvizepräsident, der mittlerweile von seinem Dreiminuten-Döser-Schlaf wieder erwacht war.
Es regte sich Protest allerorten in den Reihen der Parlamentarier, die mittlerweile auch, vom Präsidenten motiviert, für Minuten sanft eingenickt waren: Aber er hat ja gar net, . . .. Hintern gsagt . . . Er hod Orsch gsagt, sagte ein Tiroler Schwarzer, von seinem Notebook, in dem er gerade Bilder vom letzten Schützenumzug ablaufen ließ, aufblickend.
Ich erteile Ordnungsrufe, für das Wort Hintern, äh, das andere Wort, das die Ordnungsrufe provoziert, sagte der Präsident.
Derweil setzte die grünrote Rosl ihre Wortmeldung fort:
Land der Trachten, alle gleich.
Heimat lebt für alles Schöne,
Mütter,Töchter und auch Söhne,
parfümiertes Österreich.

Aus den Reihen der Bundesrätinnen meldete sich eine Dame zu Wort, die der Chefredakteur als Nachbarin kannte:
Ich hab dem Landeshauptmann ein paar fesche Stutzen gestrickt, die kann er dann bei der Eröffnung der Hymne tragen, wenns ein besonders schönes Gebäude wird.

Allgemeines Gelächter war die Folge und im Schlaf hatte der Chefredakteur im Sacher-Bett einen Schweiß-Ausbruch.

Derweil lenkte Herakles auch die Donau quer durch Wien.
Alles rief nach der Schotter Mizzi: Wir brauchen eine neue Verbauung, hol uns genug Schotter, damit wenigstens das Parlament geschützt wird, wenn schon die ganze Ringstraße überschwemmt ist.
Herakles hatte auch die Drau und die Gail mittlerweile aus Süden mit der Mur und der Enns über das Burgenland nach Wien geleitet.
Heillos war das Durcheinander und in der Eile der Arbeit hatte er vergessen, dass er ja dem Befehl des Zeus gemäß den Wetzner mit einem Getränk zum Würgl schicken sollte. Doch so sehr er den Wetzner auch suchte, er fand ihn nicht.
Er hat sich am Clo eingesperrt, weil er sich vor dem Wasser fürchtet, klärte Zeus den Herakles auf. Es könnte ihm ja die Bräunungscreme runterspülen.
Die Schotter Mizzi hatte in der Zwischenzeit aber andere Sorgen:

Und so schließe ich meine Spar-Rede mit der neuen Hymne:
Land der Frauen, Land der Männer,
Land der Steuern-Dauerbrenner.
Land der Zahler, ohnegleich.
Alles wird jetzt eingesammelt,
das Finanzamt ist verrammelt,
Her den Schotter, Österreich.

Herakles hatte inzwischen die Flüsse gestaut und alles schwamm im Parlament, einige drohten zu ertrinken . . .
Auf diesem Höhepunkt des Traumes erwachte der Herr Chefredakteur.
Sein Bett war völlig durchnässt, sein Anzug durchgeschwitzt, er hatte einen Brand wie wenn er im Fegefeuer wäre und erkannte erleichtert, dass alles nur ein Traum war.

Am übernächsten Tag stand in seiner Zeitung folgender Leitartikel:
Herakles erschütterte die National- und Bundesratlosigkeit.
Österreich ist vor jeder Krise gerettet. Denn wie Recherchen des Hinterstoder Wochenblattes vor Ort in Wien ergaben, begibt sich das Land unter dem Euro-Schutzschirm des Herrn Zeus, der seinen Delegierten Herakles zum Großreinemachen ins Parlament geschickt hat.
Seither lagert vor diesem, dem Parlament,  genug Schotter, um über die nächsten Jahrzehnte die Bundeskasse zu schützen und zu sanieren.
Ausdruck dieser einzigartigen Tat wird eine neue Hymnin sein, in der es folgendermaßen heißen wird:
Land der Semmeln, Land der Brezel,
Land der Riesen-Finanz-Rätsel.
Land der Torten, sachergleich.
Heimat, Land der Niedriglöhne,
Heimat ohne Hymnen-Söhne.
Ganz debiles Österreich.

Der Herausgeber, der immer den Andruck der neuen Zeitung vor deren Auslieferung an die Trafikanten las, rief nach der Lektüre des Leitartikels seinen Chefredakteur an und sprach die fristlose Entlassung aus.
Seither sucht der Wastl Hinterzoicher den Herakles. Auf dass er diesen beim Ausmisten der diversen Ställe helfen könne .
Aber vergebens.
Der Halbgott hat sich mit einer Wunderfrau namens Fiona in den Olymp zurückgeflüchtet, von wo er amüsiert und aufs Beste verwöhnt, auf die Erde niederschaut. Denn Fiona ist die beste Schalmeien-Bläserin und Nektar-Kredenzerin, die es sogar dem Zeus, zum Unwillen der Hera, angetan hat. . . .

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