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Mut statt Wut 25. September 2011

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Mut statt Wut.

Bertolt Brecht sagte, dass sich nur die dümmsten Kälber ihre Schlächter selber wählen und meinte auch in einem Atemzug damit die Tatsache, dass die Regierenden hingehen und sich ein anderes Volk wählen.

Die Sätze sind ebenso Geschichte wie sie brandaktuell sind: Da schwätzen und stammeln, da schreien zuweilen auch die Nachkommen der Faschismus-Diktaturen und KZ-Errichter (das Vorstehende ist geistig gemeint, denn der Schoß ist ja fruchtbar noch, ein weiteres Zitat) von System-Medien und „linken Zurufen“ – und keiner, der solcherart Beschimpften oder Abqualifizierten schreibt oder sagt ein Wort dagegen. Österreich ist zu einer Republik verkommen, in der das Schweigen der Lämmer, das Stöhnen der von Armut Betroffenen und dessen Negieren, zum Maß der Politik geworden ist. Wir schaufeln Milliarden von virtuellem Spielgeld in den Rachen der Spekulanten – durch unsere Regierung – und starren gebannt wie das Kaninchen auf die Schlange auf die Tatsache, dass das virtuelle Spielgeld, das die da oben bekommen von uns da unten bezahlt werden muss. Dass dieses Geld allerorten dann im Sozialen fehlt, dass die Polit-Verwaltungs-Blähungen durch Aufblähungen immer mehr den Gestank der Unschuldvermutungen annehmen, die zum Unmut beitragen, wird geflissentlich übersehen.
Die da oben, wir da unten – und keiner sagt was. Selbst die, die von den letzten sozialen Maßnahmen profitieren und denen durch die Öffentliche Hand geholfen wird, gehen nicht einmal mehr zu Wahlen hin, um wenigstens den Status quo ihrer Existenz zu retten, bevor die Strachtleristen und deren kleinbürgerliche Handlanger die Macht übernehmen und sich das Blau endgültig wie alles Verottende und Verrottete wieder zu jenem Braun verwandelt, das letztlich alles mit Blut und einem Meer der Tränen verwandelt hat.
Die Märe, dass auch nur einer der Effen ein „lieber Kerl“ ist, deckt selbst denkende Demokraten aus allen geistigen Richtungen, ob Mann oder Frau, mit der braunen Scheiße zu, die aus ihren salbungsvollen und ausgrenzenden Reden quillt. Je lauter, je lieber hat es das Volk, je mehr da einer die Meinung der Stammtische zum Maß der Politik macht, umso mehr tönt das Gebrüll der Masse
Wenn wir Menschen, wie Shakespeare im „Sturm“ schreibt, aus jenem Stoff gemacht sind, aus dem die Träume sind, so hat sich dies längst, wie jede Literatur, die zum Gemeinplatz geworden ist, gewandelt. Das Volk ist aus jenem Stoff gemacht, aus dem die Alpträume geschaffen wurde, die Wutbürger bekommen Zulauf und keiner merkt, dass auch derlei schon im Wort die neue gesellschaftliche Gewalt in sich trägt. Wut ist und war noch nie ein guter Ratgeber. Und schon gar kein Mittel, Neues zu denken und neues Denken zu manifestieren, sodass es in eine Zukunft führt, in der alle, gleich welchen Ansehens und gleich welchen Standes, e i n Volk sind, in der einen Welt, der solidarischen, in der alle Menschen zu Brüdern und Schwestern werden, wie dies Schiller beschrieb. Der Dichter schrieb nicht von Wut, sondern vom „sanften Flügel“ – das ist der Unterschied. Und wäre ganz einfach zu erkennen.
Es ist absehbar, was im Jahre 2012 kommt: Nicht der Weltuntergang, aber der Untergang der BürgerInnen-Gesellschaft, in denen sich noch Spuren von geistigem Liberalismus halten und in der es Eintracht gibt zwischen Sozialismus und Christentum. Nur in einem Bündnis der letzten Beiden liegt überhaupt eine Lösungsmöglichkeit für die Konflikte; in Nächstenliebe und Solidarität, im wehrhaften Geist des Widerstandes und nicht in der Gewalt.
Vieles ist noch zu sagen und vieles wird noch zu sagen sein. Die politische Entwicklung ist beängstigend, aber die Angst darf nicht in Schweigen münden.
Mut statt Wut. Widerstand statt Schweigen. Und letztlich: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit.
Venceremos.
Winfried Werner Linde

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