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Nachtrag zum Thema Bubenburg, Misshandlung. 21. Juni 2011

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Die Misshandlungen in der Bubenburg in Fügen sind bereits bekannt. Ebenso der unermüdliche Einsatz von Erwin Aschenwald.
Nicht bekannt ist aber, dass in Tirol Zensur ausgeübt wird, wenn es um Beiträge geht, die sich mit dem Theme beschäftigen.
Daher seien einige Fakten hier publiziert.

DU HAST GELACHT!* Es war einmal ein Leserbrief und ein Brief eines Lesers an die Leserbriefschreiber(in) … eine kleine Geschichte …
von erwin aschenwald aus Innsbruck | am 16.04.2011 | 805 mal gelesen | 6 Kommentare | 0 Bildkommentare | 3 Bilder

auch lustig … Pelikan Fred hat eine Ölpest überlebt und freut sich über …Ölsardinen

no comment ….

da schaust drein …
Innsbruck: Tageszeitung | Wahrscheinlich ergeht es Ihnen oft ähnlich, charmante Leserin und geschätzter Leser meiner Beiträge: Die derzeit bearbeiteten Themen haben etwas bedrückendes, ja deprimierendes zum Inhalt. Uns beschäftigt eine wesentliche Frage: Wo bleibt der Humor, wo das verspielte, sorgenfreie, unbeschwerte und glockenhelle Kinderlachen?
Wenn man schon gar nicht mehr daran glauben möchte, überraschen uns manche Mitmenschen mit unglaublichem Sinn für Humor; plötzlich huscht ein Lächeln über unser – vor Gram zerfurchtes – Gesicht und plötzlich lachen wir lauthals auf, wie im Kino, bei einem unfreiwillig komischen Horrorfilm:

HERE WE GO!!!!!

Mitte November 2010 stolperte ich über einen Leserbrief in einer Tageszeitung …

„Kinder wurden liebevoll betreut
Thema: Bubenburg in Fügen.

Nach den Vorwürfen betreffend die Bubenburg Fügen fühle ich mich gedrängt, das viele Gute, was in diesem Haus geleistet wurde, ein klein bisschen in den Vordergrund zu stellen. Ich war von 1957–1966 als Büroangestellte in der Bubenburg tätig. Auch in diese Zeit fallen die Vorwürfe der ehemaligen Zöglinge. In neun Jahren kriegt man großteils mit, was im Haus läuft, und ich habe nichts erlebt und gesehen, das nicht in Ordnung gewesen wäre. Ich habe die Kinder im Hof laufen, schreien, spielen, sich austoben und lachen gesehen wie andere Kinder im Dorf auch. Darum schmerzt es mich aufrichtig, dass so viel Schlechtes in die Öffentlichkeit getragen wird.

Die Ordensschwestern haben ihre ganze Kraft und Liebe in die Betreuung der Kinder gesteckt. Wenn Fehler gemacht wurden, dann ist das auch menschlich. Es sind 95 Prozent, die für das Gute stehen, das die Kinder erleben und erfahren durften. Außerdem steht außer Zweifel, dass die ersten drei Lebensjahre eines Kindes im Elternhaus geprägt werden, dessen Verfehlungen nicht den späteren Betreuern angelastet werden können.

Berta Brandacher 6262 Schlitters“

Das haute mich glatt vom Hocker; irgendwie hatte ich die Bubenburg anders in Erinnerung. Ich schrieb einen Brief – einen „Leserbrief-Leser-Brief“ sozusagen…

„Liebe Frau Brandacher!
Ihr Leserbrief in der Tiroler Tageszeitung vom Mittwoch vergangener Woche machte mich beinahe sprachlos, denn Ihre Wahrnehmung der Vorgänge in der Bubenburg weicht von meinen und den Erlebnissen zahlreicher Jahrgangs- und Gruppenkollegen in dieser Erziehungsanstalt auf eine Art und Weise ab, dass man glauben möchte, man wäre im falschen Film gewesen.
Als Büroangestellte in der Bubenburg war es Ihnen, wie Sie schreiben, möglich, während Ihrer Arbeitszeit beim Fenster hinaus zu schauen. In kirchlichen Einrichtungen, vor allem in Ihrer aktiven Zeit, waren Leistungsdruck und Arbeitsleid sicherlich noch nicht so stark ausgeprägt wie heutzutage. Dennoch sei mir die Feststellung erlaubt, dass Sie wohl nicht den ganzen langen Tag beim Fenster hinaus geschaut und Ihre Aufmerksamkeit ausschließlich den spielenden Kindern gewidmet haben.
Irgendwer, eben Büroangestellte wie Sie, musste wohl den Inhalt für die zahlreichen Heimakten produzieren. Jene Heimakten, die trotz liebevoller Betreuung und sorgsamster Archivierung eines ganzen Jahrganges (1962/1963) verlustig gingen, wie auf der Homepage der Bubenburg vermerkt ist. Daneben war, davon gehe ich aus, umfangreiche Korrespondenz mit Jugendwohlfahrtsträgern wegen der Unterbringungskosten zu erledigen, Sankt-Fidelis-Blätter samt Zahlscheinen mussten verschickt und Spendengelder verbucht werden. In diesen Phasen erhöhten Arbeitsaufkommens dürfte wohl so manches Ihrer geschätzten Aufmerksamkeit entgangen sein. Keinerlei Wahrnehmungen machten Sie zudem an Werktagen von 8.00 bis 13.00 Uhr, denn da waren die Kinder in der Schule bzw. anschließend beim Mittagessen.
An den Nachmittagen zwischen 14.00 und 17.00 Uhr waren die Kinder entweder beim Fußballspiel am Fügener Sportplatz oder im Paterwald, hatten Musikprobe oder Luftgewehrschießen mit Pater Magnus, bastelten Krippen, Stricklieslschnüre für die Ordenstrachten der Pater und Nonnen mit Schwester Benjamina oder hatten im Rahmen der Lernstunde ihre Hausaufgaben für den nächsten Tag zu erledigen. Anschließend daran, liebe Frau Brandacher, hatten Sie dann wohl Feierabend im Rahmen Ihrer damals üblichen 45-Stunden Woche. An Samstagen und Sonntagen dürfte Ihr Bürofenster zum Hof wohl auch nicht durchgängig besetzt gewesen sein. Einzig Ihre Ausführung, Sie
hätten nichts erlebt und gesehen, was nicht in Ordnung gewesen wäre, erscheint mir nachvollziehbar. Wie denn auch? In Schulklassen hatten Sie ebenso wenig Einblick wie in die Speisesäle, Gruppenräume, Bastelzimmer, Musikzimmer und Schlafsäle. Dort passierten die Dinge, die Sie nicht hören, sehen und denken konnten oder wollten. Dinge, die zwischenzeitlich von zahlreichen ehemaligen Zöglingen berichtet, von ehemaligen Erziehern zugegeben und sogar von der Geschäftsführung des SLW öffentlich als glaubwürdig eingestanden wurden. Einige Fakten sind mittlerweile sogar zum Gegenstand kriminalpolizeilicher und staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen geworden. Zu Ihrer Verteidigung sei festgestellt, dass ordensinterne Nachforschungen hinsichtlich der Übergriffe von Pater Magnus und Schwester Benjamina erst nach Ihrer Zeit und auf Initiative eines Ordensbruders erfolgten. Eines Ordensbruders, der später „freiwillig“ an einen Ort fern von Fügen versetzt wurde.
Der Absatz in Ihrem Leserbrief über die ersten drei Lebensjahre eines Kindes decken sich wiederum sehr genau mit Aussagen von Pater Direktor Magnus Kerner und auch der Schwester Benjamina, an die ich mich noch sehr gut erinnern kann. „Eure Eltern, so ihr überhaupt welche habt, haben versagt und sind nicht in der Lage, anständige Menschen aus euch zu machen.“ So klang das oft, bevor man uns, stellvertretend für unsere Eltern wahrscheinlich, Unterhosen in den Mund steckte, uns mit dem Teppichklopfer versohlte, uns mit Füssen trat und mit Fäusten schlug oder uns die Ohren blutig zwickte. Aber das haben Sie ja weder gehört noch gesehen, von Ihrem Logenplatz aus.
Was ich Ihnen damit sagen will ist folgendes: Sie haben nichts, gar nichts und schon überhaupt nichts mitbekommen. Wenn ich es mir so recht überlege, empfinde ich Ihre Ausführungen als derart unglaubwürdig, dass sich alles in mir sträubt, zu glauben, Sie selbst hätten diesen Leserbrief geschrieben oder gar in die Tastatur Ihres „MacBook Air“ getippt und sodann auf elektronischem Wege der Tiroler Tageszeitung übermittelt. Allenfalls könnte ich mir vorstellen, dass Sie Ihre Unterschrift in gutem Glauben auf ein vorgefertigtes Manuskript geleistet haben. Dies ist Ihnen nicht vorzuwerfen. Einige Buben dienten in den vergangen Ausgaben des St.-Fidelis-Blattes ebenfalls als „Testimonials“ für die Bubenburg und schilderten, ohne dass auch nur einer von Ihnen selbst zum Bleistift gegriffen hätte, wieviel Gutes sie dort erfahren konnten. In einer Ausgabe des Jahres 2009 schildert etwa Toni‘, einer meiner Klassenkameraden, dass er in der Bubenburg Ende der 1970er Jahre die Bubenburg-Hauptschule absolvierte. Wahr ist vielmehr, dass Toni gemeinsam mit mir und anderen Kollegen 1976 die Bubenburg mit einem Zeugnis der St. Konrad SonderErziehungsschule, einer 8klassigen Voksschule, verlassen hat.
Schade um die schöne Druckerfarbe. Wieviel Wahrheit hätte man damit verbreiten können. Nicht wahr, Frau Berta Brandacher?
Aus Ihren Zeilen spricht eher die Wahrnehmung einer Person, die mit den Gepflogenheiten und Abläufen in der Bubenburg jener finsteren Zeit absolut nicht vertraut war. Man könnte glauben, ein ebenso gutmeinender wie schlechttreffender Gehaltsempfänger des Seraphischen Liebeswerkes habe sich an dieser ‚Fleissaufgabe‘ ebenso emsig wie dilletantisch versucht.
Nicht auszudenken allerdings, wäre der vorliegende „Leserbrief“ auf Büropapier von ‚Hofherr Communikation‘, einer auch vom SLW vielbeschäftigten PR-Agentur, verfasst. Sonderlich wundern würde mich das mittlerweile auch nicht mehr.
Herzlichst
Ihr Erwin Aschenwald
(echt und unverfälscht)

Dazu hatte ich so eine Ahnung und leitete Leserbrief samt „Leserbrief-Leser-Brief“ an ein bekanntes Tiroler Unternehmen aus dem CommUNIKATionsgewerbe weiter.
Gänzlich unerwartet erhielt ich sogar eine Antwort:

„Geschätzter Herr Aschenwald,

Sie haben uns Ihr Schreiben an Frau Brandacher zur Kenntnis übermittelt. Vielen Dank für Ihre Offenheit uns
gegenüber.

Zu Ihrer im letzten Satz des Schreibens geäußerten Vermutung, der Leserbrief von Frau Brandacher könnte von
hofherr communikation stammen, teile ich Ihnen mit, dass dies nicht der Fall ist. Ich bin bei hofherr communikation
der einzige Mitarbeiter, der im Kontakt zum SLW steht und ich kenne Frau Brandacher nicht. Ich habe weder den
Leserbrief von Frau Brandacher, noch andere Leserbriefe zu diesem Thema unmittelbar oder mittelbar initiiert oder
gar geschrieben und werde dies auch in Zukunft nicht machen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Eugen Stark“

Ganz lieb; dachte ich bei mir, diese höfliche Auskunft darf nicht unbeantwortet bleiben; so erfolgte eine ebenso höfliche wie umfassende Rückantwort …

„Sehr geehrter Herr Dr. Stark,

vielen herzlichen Dank für Ihre rasche und wertschätzende Antwort.
Selbstverständlich war es niemals meine Absicht, Ihre oder die Arbeit Ihres Unternehmens zu diskreditieren.
Der ‚Leserbrief‘ der Frau Brandacher erschien mir auf eine Art und Weise amateurhaft, dass dies keinesfalls ausgereicht hätte, ihn mit „hofherr communikation“ in Verbindung zu bringen.

Grundsätzlich dachte ich, wie beschrieben, eher an eine wohlgemeinte aber überschiessende Aktivität der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit oder eines sonstigen Mitarbeiters des SLW.

Ihr Unternehmen spielte in meinen Überlegungen erst eine Rolle, als ich realisierte, dass in der gegenständlichen Ausgabe der Tiroler Tageszeitung neben einer ganzseitigen bezahlten Anzeige einer ebenfalls in der öffentlichen Kritik stehenden Jugendwohlfahrtseinrichtung auch eine – der ausgeschriebenen Stelle unangemessene – Stellenanzeige platziert wurde. Es soll Unternehmen in unserem Lande geben, die der zu besetzenden Position etwa eines Vorstandsvorsitzenden dezentere Einschaltungen widmen.

Dies erzeugte in mir ein Bild von professioneller Stimmigkeit, was wiederum dazu führte, an die Aktivität einer PR-Agentur zu denken.
Dazu kam, dass mir aus dem Bereich des SLW zugetragen wurde, dass man sich zur Bewältigung des Image-Problemfeldes „Altlasten“ vs. „Wir bauen auf“ einschlägiger Beratung bediene.

In weiterer Folge überlegte ich, wen das Seraphische Liebeswerk wohl mit dieser Aufgabe betraut haben könnte. Nachdem das SLW bei der Auswahl der Rechtsvertretung für die Abwicklung der Akteneinsicht für ehemalige Zöglinge auf eine große, anerkannte und gewiss nicht billige Innenstadtkanzlei zurückgriff, dachte ich bei mir, dass für das sehr verantwortungsvolle Handling der corporate communication wohl auch nicht gerade der ‚billige Jakob ums Eck‘ bemüht, sondern Tirols erste Adresse in Sachen kommUNIKATion engagiert wurde.

Ihr freundliches Schreiben bestätigt nunmehr diese meine Annahme.

Mit freundlichen Grüßen
herzlichst Ihr Erwin Aschenwald“

Nachdem der Ton bekanntlich die Musik macht, erstaunte mich die darauf folgende Antwort keineswegs … in der Kürze liegt die Würze; das zeichnet Profis einfach aus …

„Vielen dank für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Eugen Stark

hofherr communikation gmbh stiftgasse 16|4. stock austria – 6020 innsbruck
t: +43|(0)512|565616|0 f: +43|(0)512|565616|16 m: +43|664|5435082
u: http://www.hofherr.com e: welcome@hofherr.com
innsbruck – bozen – wien“

*) „Du hast gelacht, Du Schwein!“ – eine ‚lustige‘ Anekdote zu Magnus Kerner ofm cap, dem „Pater Direktor“ der Bubenburg. Während der Religionsstunde nannte Pater Direktor den Finnischen Meerbusen, worauf ein Schüler kicherte und von Magnus verprügelt wurde, bis er in die Hose machte. „Jetzt hast Du Dich naß gemacht, Du Schwein! Geh nach Hause und ziehe Dich um, Du Schwein!“ Sowas geht einem halt durch den Kopf, wenn man Leserbriefe liest ….
Klar, wir Kinder haben auch gelacht; aber erst später, 1982, als Magnus von der Stadt Innsbruck mit dem Sozialverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. „Das kommt jetzt sicher in die Schuhschachtel, zu seinen Nazi-Orden, mit denen er uns immer wieder im Religionsunterricht beeindruckte!“, meinten einige von uns und lachten herzlich …..

Das war’s derweil. Fortsetzung kann folgen. Es geht um Menschlichkeit und Wiedergutmachung und dass so eine Hölle wie damals nie mehr in Gegenwart und Zukunft passsiert.

Danke Erwin – für Deinen Einsatz und Deine Unermüdlichkeit. Die Gerechtigkeit wird siegen. Venceremos.

Winfried Werner Linde

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Kommentare

1. erwin aschenwald - 21. Juni 2011

Danke, Winni!

etwas mehr dazu (und ein paar Fotos) gibt es schon – und noch mehr dazu bald – auf

bubenburg.blogspot.com

2. erwin aschenwald - 21. Juni 2011

diese Nachricht erhielt ich eben – als Referenz ist dieser Blog angeführt.

https://zeitzuender.wordpress.com/2011/06/21/nachtrag-zum-thema-bubenburg-misshandlung/

???????????????????????????????????????????????????????????????

Herr Aschenwald,

Mißhandlung hat in jeder Zeit ein anderes Gesicht. Ich halte das
locker aus.
Es wird ein Zeitpunkt kommen, wo die Vergangenheit der Vernaderung im
Internet aufzuarbeiten sein wird.

Wie immer, auch dieses Mail dürfen Sie veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen
_Eugen Stark

_STANDORT
hofherr communikation gmbh
Sparkassenplatz 2 / Top 510
6020 Innsbruck / Austria

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3. wwlinde - 21. Juni 2011

Dieser Blog dient unter anderem auch dafür, einen Journalismus von unten zu praktizieren. Je älter ich werde, umso mehr werde ich mir der Verantwortung bewusst, dass man aufzeigen muss, was, wie und warum etwas passiert. Und der Journalismus hat auch die Aufgabe, das Gras zu mähen, das über eine Sache zu wachsen droht (Zitat nicht von mir).
In diesem Sinne wirds so weiter gehen.
Herzlich
Prof. Winfried Werner Linde


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