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Nicht mehr Zuschauer 8. Juni 2011

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Nicht mehr Zuschauer

Mann betrachtet sich. Immerzu. In der Liebe gilt immer mehr das Gesetz des Ich – das gilt ja auch im Beruf – und nicht mehr jenes des Du.
In der Gesellschaft breitet sich Egomanie aus, Angst begründet meinen die Psychologen und sprechen von Burnout. Dabei wäre es leicht zu erkennen, dass es Angst vor der Nähe ist und die verzweifelte Suche nach dem, was Leben bedeutet, gibt immer mehr Viktor Frankl recht, der dieses Leiden am sinnlosen Leben zu einer Maxime seiner Erkenntnisse über die Menschheit machte. (Zitiert:  http://www.lesekost.de/deutsch/au/hhlau08.htm)
Dieses Leiden am sinnlosen Leben ist das Leiden an sich selbst. Die Erkenntnis, dass die Widerspiegelung des Ich nicht Wahrheit per se sein kann und dass das Du Angst macht. Ein Freund von mir sagte es kürzlich bei einem gemeinsamen Essen: Wir schlemmen und erkennen nichts mehr dabei. Und es ist aber so schön.
Schön? Ästhetik des Lebens? Schönheit des Lebens – etwas anderes? Das Leben ist schön? Steckt dahinter, hinter den Fragen nicht auch Verzweiflung. Also Zweifel. Woran aber? An wem? An sich selbst?
Wir sind zu Zuschauern geworden. Das Leben ist schön, aber es geht vorüber an uns. Wir sind Zuschauer und applaudieren, ohne uns selbst zu sehen und uns selbst, vornehmlich aber dem Du, zu applaudieren.
In der Politik ist das für die meisten Exponenten der verbalen Eitelkeiten in den Sonntagsreden zur Selbstverständlichkeit geworden. Wie weiland im Obersten Sowjet applaudieren sich heutzutage PolitikerInnen überall auf der Welt, egal in welchen politischen System oder Parteien, selbst. Ja, selbst am Theater ist es üblich geworden, dass die Akteure zum Schluss den Zuschauern oder sich selbst applaudieren.
Die Hoffart des Ich hat die Maxime des Du zum Verschwinden gebracht und das Brennen vor Zuwendung oder Liebe ist dem Burnout gewichen.
Wir brauchen, so meine ich, endlich das, was fast schon gemeinplätzig klingt: Die Rückkehr zum Du.
Die Rückkehr zum Idealismus und die Abkehr vom Materialismus, wenn wir konsumieren, spekulieren wir mit und nehmen an einer unsozialen Geldverbrennung teil, die ihresgleichen sucht. In der „Zeit“ steht zu lesen, dass sich immer mehr Menschen ihre Nahrungsmittel in Kleingärten selbst pflanzen, aus Angst vor der Krise. Das ist in einer Welt, die durch die Überproduktion immer mehr vergiftet wird, durch chemisch provoziertes und nicht natürliches Wachstum, eine bedankenswerte Tat, wenn nicht dahinter auch Angst vor der nächsten Krise stehen würde.

http://www.zeit.de/2011/09/Aussteiger-Endzeitstimmung/seite-1

Wir Zuschauer.
Wir müssen heraus aus dieser Schein- und Im-Stich-gelassenen Welt.
Wir brauchen uns, das Wir, das Du.
Wir sind die Welt, so wie wir das Volk sind.
Das sei den Polemikern und Populisten, deren Dummheit nur noch durch ihre Indolenz übertroffen wird, ins Stammbuch geschrieben.
Wir müssen heraus aus dem Zuschauer-Dasein. Wir sind die Welt. Jeder von uns ist die ganze Welt, weil er Teil davon ist, im großen Mosaik des befristeten Da-Seins auf dieser Erde.
Wir haben nur diese eine Welt. Dieser Satz ist ein Gemeinplatz geworden. Und ist Anlass für Krokodilstränen der alten und neuen Polit-Gruppen. –
Seien wir nicht Zuschauer, sondern machen wir was draus. Jeder und jede an seinem/ihren Platz. Ohne Wenn und Aber.
Dann gibt es nämlich keine Angst mehr und plötzlich wird das Du wieder Teil des Ich.
Winfried Werner Linde

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