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Kein Schweigen, aber auch kein Zeigefinger 4. Juni 2011

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Kein Schweigen, aber auch kein Zeigefinger.

Nein, nein. Nein.
Es gibt keinen moralischen Auftrag, der dieses Magenbitterliche in das Gesicht weht. Es gibt nicht das Auf-und-Ab-Gehen, mit dem ständig erhobenen Zeigefinger, unter dem Motto: Ich kritisiere die anderen, weil ich will, dass ihr mich wie Bajazzo behandelt – Seht her, ich bin’s.
Nein, nein. Nein.
Die Besserwisserei muss dem Zuhören und dem Argumentieren weichen. Sonst ist jeder Einsatz für Menschlichkeit, jedes Engagement für eine bessere Zukunft, jedes Wort über ein Miteinander eine so genannte Phrasendrescherei, die nur dem Besserwisser dient. Dort, bei denen, die immer alles besser wissen, herrscht die Betulichkeit und nicht die Radikalität – das soll keine Wertung sein, ist aber durchaus auch als solche möglich.

Die Welt braucht Denker, nicht Besserwisser, ein Miteinander der Geschlechter und keine Genderei, die längst zu einem Treppenwitz der Politik geworden ist. Mann getraut sich ja fast nicht mehr allein mit einer Dame in einen Lift zu steigen, weil da könnte ja, oben angekommen, die Beschuldigung irgendeiner Belästigung auftauchen. Je nachdem. Und das ist, zugegeben, überspitzt ausgedrückt.
Nein, nein. Nein.
Was es aber geben muss, ist das viel zitierte Trockenlegen der Sümpfe. Nicht nur in Österreich, nein, weltweit.
Die derzeitigen Sumpfblüten zeigen nämlich nicht natürliche Pracht, sondern die Tatsache, dass die Blablabla-Schreier nur einmal das Wort Korruption oder Ausländer oder Asylwerber oder Euro oder Griechenland, zum Beispiel, aussprechen, und schon jubeln die herbeigekommenen frustrierten, sich als vom Leben als zu kurz gekommene Sehenden und kreischen nach starken Männern. Brüllen die Diktatur geradezu herbei. In dieser können sie dann, so denken sie, es denen da oben (wer immer das auch sei) einmal so richtig zeigen.
Die unverhohlen agierenden Schreier in der Opposition, vornehmlich jene aus der Richtung, die sich (völlig zu Unrecht, weil schon viel zu weit von den Grundlagen entfernt) „freiheitlich“ nennen, haben, wie mehrfach zu lesen war, Volksmassen als Zuströmende.
Nein, nein. Nein.
Das ist kein moralinsaures Effen-Bashing. Aber man darf nicht schweigen, wenn unverhohlen die Ratten das sinkende Schiff betreten, um es mit Karl Kraus zu sagen. Dieses Nicht-Schweigen gilt aber nicht nur nach der politisch rechten Seite, es gilt auch für jene, die glauben, mit dem sich seit Jahrzehnten in Katerstimmung befindlichen Kommunismus Lösungen parat zu haben. Außer Gulags, der Berliner Mauer und gegenwärtig anarchistischen Gewaltorgien, die sich gegen das Volk als solches (zu dem zählen ja bekanntlich alle), Diktaturen wie Weißrussland oder China, hat diese pseudomarxistisch-leninistische Sekte der Stalin-Nachfahren kaum etwas erreicht, was historisch erwähnenswert wäre. Mich schaudert vor den Nationenkerkern der Gegenwart ebenso wie vor jenen der Vergangenheit.
Mich schaudert angesichts der derzeitigen Griechenland-Finanzdiskussion davor, dass bei all diesem Gezetere, das kleinbürgerliches Denken offenbart, die Gedankenwelt von Platon und Sokrates, der olympische Gedanke der Vereinigung von friedlichem Sport und Kunst-Geist, den viel zitierten Bach hinuntergeht, der dann in einem geistigen Multikulti-Wischiwaschi und der Nivellierung nach unten endet. Obwohl alle, die predigend die kulturelle Vereinigung verkünden, wissen sollten, dass es nur eine einzige Kultur gibt: Die Gemeinsame, aber dennoch eigenständige jedes Volkes, egal in welchem Teil der Welt es lebt. Die Weltkultur eben.
Budda, Ghandi, Tagore, Aristoteles, Aristophanes, Goethe und Schiller, John Steinbeck, Günter Grass, Brecht und Beckett trennt nichts.
Warum wird aber jetzt zwischen den Kulturen der Völker unterschieden, warum bricht kein internationaler solidarischer Sturm los, wenn Künstler und Andersdenkende überall eingesperrt werden, nur weil sie der so genannten Macht und deren Exponenten widersprechen. China, Iran (das Land des Zoroaster!!!), die Türkei, diverse russische Teilrepubliken, Afrika und Nord- und Südamerika sind ebenso betroffen wie Europa. Beispiele von Schreib- und Lehrverboten gibt es genug, selbst für jene, die sonst für andere diese propagieren. Auch das ist ein Treppenwitz.
Nein, nein. Nein.
Das soll kein erhobener Zeigefinger sein, nein. Aber wenn derzeit eine Aufteilung der Welt nicht nur in Arme und Reiche sondern auch in Spekulanten und denen, die unter Währungskrisen leiden erfolgt, dann muss möglichst rasch, schon morgen, ein Umdenken erfolgen.
Neue Lösungen müssen her. Neue BürgerInnen-Bewegungen. Nicht der Druck der Straße (auch so ein Gemeinplatz (!), sondern der Druck aus den Häusern, den Wohnblocks, der Solidarität unter den Familien.
Das wäre: „Wir sind das Volk.“
Daher: Überlassen wir nicht das Handeln anderen, handeln wir selbst.
Das ist eine Bitte in diesem Beitrag.
Bitte.

Winfried Werner Linde, 4.6.2011

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