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Die besseren Bundeskanzler 14. April 2011

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Die besseren Bundeskanzler

Liest man die Kommentare der Granden der Medienmenschen, die sich mit Innenpolitik beschäftigen, so hat man seit Jahren den Eindruck, hier seien die besseren Politiker am Werk. Alle fühlen sich berufen, das vorzugeben, was Polit-Sache ist. Allesamt sind sie die besseren Bundeskanzler, Vizekanzler, Finanzminister und die Zeitungen sind, so könnte man meinen, insgesamt auch die besseren Parteien und in ihnen scheint auch die bessere Demokratie, die noch bessere Volksnähe inne zu wohnen.
Viele sind berufen, wenige sind auserwählt. Die Erkenntnis ist zum Gemeinplatz geworden ebenso wie die Tatsache, dass die schlechten „Vernichtungs“-Nachrichten die besseren sind als jene, die jenseits der Stammtisch-Weisheiten auf einem gewissen Wissen um das eigene Gewissen basieren. Um das Wissen um den Idealismus, die Ideale, die vorgelebt werden müssen, um ein kleines Maß an Glaubwürdigkeit zu vermitteln, wenn es um die Vertretung des Volkes, also der Wählerinnen und Wähler, geht.
Es gibt Sachzwänge, zugegeben. In Zeiten wie in diesen, das hat schon Bruno Kreisky gewusst und auch danach gelebt, ist es wichtig, dass man jene Prioritäten setzt, die der Wirklichkeit des Lebens der Menschen und nicht der Unwirklichkeit von Lebensmenschen, wie heutzutage, entsprechen.
Kreisky hat seine Mehrheiten mit einem Bündnis mit jenen fünf Prozent der Wählerinnen und Wähler geholt, die sich nicht nach Lagern, sondern nach Freiheiten orientieren, nach sozialen Grundsätzen und Werten, die sowas wie Ehre und Pflicht beinhalten. Kreisky folgte seinerzeit mit seiner Alleinregierung (nach einem kurzen Bündnis seiner Minderheits-Periode mit der damaligen FPÖ, die noch einen liberalen Flügel und nicht nur Alt- und Neu-Nazis in ihren Reihen hatte) einer desolaten ÖVP-Alleinregierung zwischen 1966 und 1970. Der Höhepunkt damals: Der Plan des Finanzministers Stephan Koren sah vor, Gelder von der Förderung der damals wichtigen Wirtschaft mit den Arbeitsplätzen hin zu den Bauern zu verlagern – und damit dem Bauernbund nachzugeben und diesen zu hofieren.
Im Jahre 2011 und überhaupt im letzten Jahrzehnt scheinen sich die letzten Denker aus der Volkspartei zu verabschieden, die noch eine Ahnung und auch ein Wissen um die Zeit damals haben. Erhard Busek ist einer von ihnen, er gehörte zu der damals so genannten Schnuller-Brigade der VP unter Taus und Busek und war schon damals gegen die Stahlhelm-Fraktion der CV-Schwarzen chancenlos.
So wie Andreas Khol dann vor zehn Jahren darauf drängte, die SP aus der Regierung zu drängen und die VP (als drittstärkste Kraft) in ein Bündnis mit der FP um Haider zu drängen: Eine verhängnisvolle Affäre, wie sich herausstellte, denn die FP hatte schon damals nur eine – auch geistig – sehr beschränkte Personal-Reserve, in der sich die Quereinsteiger und Opportunisten tummelten.
All dies muss einem ja auch als Kommentator der so genannten staatstragenden Medien bekannt sein. All dies muss auch den durchwegs politologisch angekränkelten Besserwissern und Analysten bekannt sein.
Wenn also die Kommentar-Verfasser, durchaus ehrenwerte Leute und angeblich von allen Kapital-Einflüssen unabhängig, die besseren Bundeskanzler, Minister, Landeshauptmänner oder Bürgermeister sein sollten, dann muss man sich die Frage stellen, warum sie sich nicht schon lange auf dem langen Marsch durch die Instanzen und damit auf dem Marsch zur Macht in der Politik und in staatstragenden Ämtern befinden. Denn von der 4. Macht im Staate kann wohl derzeit nur die Rede sein, wenn man die investigativen Beiträge über Machenschaften berücksichtigt. Von Analysen der Gegenwart, die in die Zukunft weisen könnten, ist längst keine Rede mehr in dieser sich nach Schlagzeilen orientierenden Polit-Welt.
Die Politiker scheinen sich wie Schauspieler und Sänger zu verhalten, die nach einer Premiere gebannt die Kritiken lesen und dann behaupten, sie würden noch nie eine Kritik gelesen haben, weil diese allesamt alles immer falsch darstellten und die Kritiker sowieso nur die besseren Künstler sein wollen. Im Klartext: Die Politiker regieren nach Schlagzeilen. Und intern wird vorgegeben: Wer öfter in der Zeitung oder im Fernsehen vorkommt, ist der bessere. Womit der Schein zum Sein abseits jeder Wirklichkeit wird.
Dies alles betrifft nicht nur die ÖVP sondern natürlich auch die SPÖ wie auch die Grünen. Davon profitieren wieder einmal nur jene, die einfach nur maulen und kritisieren, die auf die Stammtisch-Jammereien hören und diese verbrämt bis unverschämt zu einem Polit-Programm machen, das jenseits dessen ist, was in ihrem Titel steht, jenseits der Freiheit eben. Denn Ausgrenzung ist allemal keine Freiheit, sondern Teil der Unfreiheit der Menschen, bei den einen im Denken, bei den anderen im täglichen Erleben.
Wenn die Volkspartei nun einen neuen Vorsitzenden hat, wäre dies eine Chance, sich wieder der Werte und Ziele zu besinnen: Christliches Denken, kulturelle Freiheit, dem Nächsten dienen. Und letztlich ein Bündnis der Generationen, der Menschen aller Altersgruppen, anzustreben, das eine Gesellschaft fördert, in der das DU und damit der Nachbar und Partner, eben der „Nächste“ wieder im Mittelpunkt steht. Und Idealismus statt schrankenloser Materialismus gelebt wird.
Denn die Gewinn-Maximierung muss die Bildung betreffen, muss die soziale Ausgewogenheit betreffen und nicht das Kapital.
Einen Blick in die Zukunft zu werfen, würde auch den Kommentatoren gut tun. Denn es ist egal, wie der oder die Nachfolger heißen – was ist schon das Nachhecheln von Namen -, es wäre wichtig, eine geistige und soziale Welt vorzugeben.
Von den Grünen, bei allem Respekt vor Persönlichkeiten wie Alexander van der Bellen oder Peter Pilz, wird das in Österreich nicht zu erwarten sein: Nur Negatives in allem zu sehen, das ist nicht das Maß der Zukunfts-Dinge.
Wenn ich über die Grenze nach Deutschland blicke, so wird das ja täglich vorgelebt: Rot gegen Grün und Rot gegen Rot und Schwarz mit Gelb oder Schwarz gegen Gelb. Diese Zeit würde, überall, die Konzentrationsregierungen brauchen, die aus Idealisten nicht aus Partei-Apparatschiks bestehen.
Der Lobbyismus muss für das Volk gemacht werden. Für nichts anderes.

Winfried Werner Linde

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