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Dichtung – der Vergessenheit entrissen 4. April 2011

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Abend-Nachdenken in Innsbruck
Randbemerkung zu einer Lesung am 3.4.2011

Dem Mimen und den Dichtern flicht die Nachtwelt keine Kränze, so kann man wie Schiller sagen. Es ist daher ein besonderer Verdienst, denn kleine, aber feine, vor allen Dingen aber Kunst engagierte Institutionen oder Vereinigungen wie das „Verbale“ in Innsbruck sich bemühen, Poesie vom Feinsten zu bringen und damit einen Dichter der Vergessenheit zu entreißen.
Dies ist besonders in einer Zeit wichtig, in der das Unzulängliche das Maß der Dinge wird und damit gleichzeitig einzelne Glanzlichter mit der Dämmerung des Geistes zudeckt.
Zum Anlass:
Und stumm
vollzog sich
des Traumes Schändung
Da sich zitternde Hände
die Nacht hereinholten
und sie wahllos
und sieglachend
in die Ecke trieben
Dort stand sie
bleich und missbraucht
und ließ alles zurück
Die Süße – den Trank
den Durstschrei
und die Erstarrung des Meilers
– in ihm sich
ein geborstenes Kreuz
langsam niederbeugte —-

Dieses Gedicht stammt aus dem 1989 im Ennsthaler-Verlag, Steyr, erschienenen Band „Unser Leben ist Sehnsucht“ von Rudolf Vogl, der 1934 geboren, im vergangenen Jahr verstorben ist. Es ist dem Verbale Forum in Innsbruck (Innstraße 55) hoch anzurechnen, dass es gemeinsam mit der Familie des Dichters zum 77. Geburtstag eine Lesungsreihe an sieben Abenden Im Innsbrucker Stadtteil St. Nikolaus, die auch „Koatlackn“ genannt wird, veranstaltet(e).
Rudolf Vogls Dichtung ist nicht nur hochsprachliche Lyrik, sondern vor allem Mundart-Dichtung. Mit tiefgründigem Humor zeichnet er die Welt des Alltäglichen, der Schwächen der Menschen, augenzwinkernd, mit einem verständnisvollen Blick auf eben diese Schwächen. Mit dem bloßen (Dialekt-Sprach-)Finger, der nicht verletzend in die Verwundungen und Missstände gelegt wird, weist er auf das Geschehen zwischen den Menschen, mit diesen und auch in diesen hin.
Das Werk des Dichters weist über das Regionale hinaus, trotz der Mundart. Aber gerade zum Schutz der regionalen Sprachen ist unsere Zeit aufgerufen. Und zur Bewahrung und weiteren Förderung einer Identität von Menschen, die in einer Region leben, die, wie in diesem Fall im Herzen des Europa und seiner Regionen zuhause sind.
Rudolf Vogls Dichtung (er schreibt ja auch, wie das eingangs erwähnte Beispiel zeigt, in Hochsprache) ist Beweis dafür, wie wichtig es ist, dass die Dichter zu allen Zeiten den Sprachlosen Sprache geben (wwl)

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