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Kirche: Katakombenbrief 1965 14. Januar 2011

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Aus gegebenem Anlass und zur Erinnerung:

KONZILSVÄTER
KATAKOMBENPAKT
Für eine dienende und arme Kirche
16. November 1965
Die dreizehn Selbstverpflichtungen einer Gruppe von Bischöfen auf dem Zweiten
Vatikanischen Konzil (vgl. CONCILIUM 10/1974)
Als Bischöfe,
. die sich zum Zweiten Vatikanischen Konzil versammelt haben;
. die sich dessen bewusst geworden sind, wie viel ihnen noch fehlt, um ein dem
Evangelium entsprechendes Leben in Armut zu führen;
. die sich gegenseitig darin bestärkt haben, gemeinsam zu handeln, um nicht als
Eigenbrötler und Selbstgerechte dazustehen;
. die sich eins wissen mit all ihren Brüdern im Bischofsamt;
. die vor allem darauf vertrauen, durch die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
sowie durch das Gebet der Gläubigen und Priester unserer Diözesen bestärkt zu
werden;
. die in Denken und Beten vor die Heilige Dreifaltigkeit, vor die Kirche Christi, vor die
Priester und Gläubigen unserer Diözesen hintreten;
nehmen wir in Demut und der eigenen Schwachheit bewusst, aber auch mit aller
Entschiedenheit und aller Kraft, die Gottes Gnade uns zukommen lassen will, die
folgenden Verpflichtungen auf uns:
1. Wir werden uns bemühen, so zu leben wie die Menschen um uns her
üblicherweise leben, im Hinblick auf Wohnung, Essen, Verkehrsmittel und allem, was
sich daraus ergibt (vgl. Mt. 5,3; 6,33-34; 8,20).
2. Wir verzichten ein für allemal darauf, als Reiche zu erscheinen wie auch wirklich
reich zu sein, insbesondere in unserer Amtskleidung (teure Stoffe, auffallende
Farben) und in unseren Amtsinsignien, die nicht aus kostbarem Metall -weder Gold
noch Silber- gemacht sein dürfen, sondern wahrhaft und wirklich dem Evangelium
entsprechen müssen (vgl. Mk 6,9; Mt 10,9; Apg 3,6).
3. Wir werden weder Immobilien oder Mobiliar besitzen noch mit eigenem Namen
über Bankkonten verfügen; und alles, was an Besitz notwendig sein sollte, auf den
Namen der Diözese bzw. der sozialen oder caritativen Werke überschreiben (vgl. Mt
6,19-21; Lk 12, 33-34).
4. Wir werden, wann immer dies möglich ist, die Finanz- und Vermögensverwaltung
unserer Diözesen in die Hände einer Kommission von Laien legen, die sich ihrer
apostolischen Sendung bewusst und fachkundig sind, damit wir Hirten und Apostel
statt Verwalter sein können (vgl. Mt 10,8; Apg 6,17).
5 Wir lehnen es ab, mündlich oder schriftlich mit Titeln oder Bezeichnungen
angesprochen zu werden, in denen gesellschaftliche Bedeutung oder Macht zum
Ausdruck gebracht werden. (Eminenz, Exzellenz, Monsignore…). Stattdessen wollen
wir als „Padre“ angesprochen werden, eine Bezeichnung, die dem Evangelium
entspricht. (vgl. Mt 20, 25-28; 23,6-11; Joh 13, 12-15)
6. Wir werden in unserem Verhalten und unseren gesellschaftlichen Beziehungen
jeden Eindruck vermeiden, der den Anschein erwecken könnte, wir würden Reiche
und Mächtige privilegiert vorrangig oder bevorzugt behandeln (z. B. bei
Gottesdiensten und bei gesellschaftlichen Zusammenkünften, als Gäste oder
Gastgeber) (vgl. Lk 13,12-14; 1 Kor 9, 14-19).
7. Ebenso werden wir es vermeiden, irgendjemandes Eitelkeit zu schmeicheln oder
ihr gar Vorschub zu leisten, wenn es darum geht, für Spenden zu danken, um
Spenden zu bitten oder aus irgendeinem anderen Grund. Wir weren unsere
Gläubigen darum bitten, ihre Spendengaben als üblichen Bestandteil in Gottesdienst,
Apostolat und sozialer Tätigkeit anzusehen (Vgl. Mt 6, 2-4;
Lk 15,9-13; 2 Kor 12,4)
8. Für den apostolisch-pastoralen Dienst an den wirtschaftliche Bedrängten,
Benachteiligten und Unterentwickelten werden wir alles zur Verfügung stellen, was
notwendig ist an Zeit, Gedanken und Überlegungen, Mitempfinden oder materiellen
Mitteln, ohne dadurch anderen Menschen und Gruppen in der Diözese zu schaden.
Alle Laien, Ordensleute, Diakone und Priester, die der Herr dazu ruft, ihr Leben und
ihre Arbeit mit den Armgehaltenen und Arbeitern zu teilen und so das Evangelium zu
verkünden, werden wir unterstützen. (vgl. Lk 4,18; Mk 6,4; Apg 18,3-4; 20,33-35; 1
Kor 4,12; 9, 1-27).
9. Im Bewusstsein der Verpflichtung zu Gerechtigkeit und Liebe sowie ihres
Zusammenhangs werden wir daran gehen, die Werke der „Wohltätigkeit“ in soziale
Werke umzuwandeln, die sich auf Gerechtigkeit und Liebe gründen und alle Frauen
und Männer gleichermaßen im Blick haben. Damit wollen wir den zuständigen
staatlichen Stellen einen bescheidenen Dienst erweisen.
(vgl. Mt 25,31; 25,46; Lk 13,12-14; 33,34).
10. Wir werden alles dafür tun, dass die Verantwortlichen unserer Regierung und
unserer öffentlichen Dienste solche Gesetze, Strukturen und gesellschaftlichen
Institutionen schaffen und wirksam werden lassen, die für Gerechtigkeit, Gleichheit
gesamtmenschliche harmonische Entwicklung jedes Menschen und aller Menschen
notwendig sind. Dadurch soll eine neue Gesellschaftsordnung entstehen,die der
Würdes der Menschen- und Gotteskinder entspricht.
(vgl. Apg 2,44-45; 4,32-35; 5,4; 2 Kor 8 und 9; 1 Tim 5,16).
11. Weil die Kollegialität der Bischöfe dann dem Evangelium am besten entspricht,
wenn sie sich gemeinschaftlich im Dienst an der Mehrheit der Menschen -zwei Drittel
der Menschheit- verwirklicht, die körperlich, kulturell und moralisch im Elend leben,
verpflichten wir uns:
– Gemeinsam mit den Episkopaten der armen Nationen dringende Projekte zu
verwirklichen, entsprechend unseren Möglichkeiten.
– Auch auf der Ebene der internationalen Organisationen das Evangelium zu
bezeugen, wie es Papst Paul VI. vor den Vereinten Nationen tat, und gemeinsam
dafür einzutreten, dass wirtschaftliche und kulturelle Strukturen geschaffen werden,
die der verarmten Mehrheit der Menschen einen Ausweg aus dem Elend
ermöglichen, statt in einer immer reicher werdenden Welt ganze Nationen verarmen
zu lassen.
12. In pastoraler Liebe verpflichten wir uns, das Leben mit unseren Geschwistern in
Christus zu teilen, mit allen Priestern, Ordensleuten und Laien, damit unser Amt ein
wirklicher Dienst werde. In diesem Sinne werden wir
– gemeinsam mit ihnen unser Leben ständig kritisch prüfen;
– sie als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstehen, so dass wir vom Heiligen Geist
inspirierte Animateure werden, statt Chefs nach Art dieser Welt zu sein;
– uns darum bemühen, menschlich präsent, offen und zugänglich zu werden;
– uns allen Menschen gegenüber pffen erweisen, gleich welcher Religion sie sein
mögen. (vgl. Mk 8,34-35; Apg 6,1-7; 1 Tim 3, 8-10).
13. Nach der Rückkehr in unsere Diözesen werden wir unseren Diözesanen diese
Verpflichtungen bekanntmachen und sie darum bitten, uns durch ihr Verständnis,
ihre Mitarbeit und ihr Gebet behilflich zu sein.
Gott helfe uns, unseren Vorsätzen treu zu bleiben.
Übersetzung aus dem Spanischen: Norbert Arntz

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