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1. 11.2010: Aus dem Stück „Ediths Brief“ von Winfried Werner Linde 1. November 2010

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Edith Steins
Meditation I zur Kupferstich-Passion von Albrecht Dürer
Aus dem Stück „Ediths Brief“ von Winfried Werner Linde

Unsäglicher Anfang des Aufschreis
mitten in einer Maschinenpistolensalve aus Lügen.
Sie sprechen noch immer,
noch immer!, Freunde,
von i h r e r Hoffnung,
nicht der unseren.

Sie nehmen die Geißel der Angst,
drücken sie sanft, aber mit dem Zynismus von Berserkern der Grausamkeiten,
in unsere Hände und sagen:
Leide!

Leide leise!
Schreie nicht auf, wenn sie dir die Dornenkrone ihrer Unzulänglichkeit,
ihres wahnwitzigen Materialismus,
ins Gehirn drücken,
uns einflüsternd:
Fühle dich bestens!

Das Buch mit den sieben Siegeln ist offen.
„Wir besitzen alle Wahrheiten“, sagen sie,
jene, die in der Vergänglichkeit die Ewigkeit suchen,
die sich im Verstecken offenbaren,
herbstlich zerfressen in den vermodernden Gehirnen,
scheiternd an den Hoffnungslosigkeiten
veralteter Ideologien und Ideale des Materialismus.

Die versklavenden Gott-Verneiner
speien
ihren Sumpf
in die Gegenwart.
Besserwisser als Stichwortgeber für Schimpfworte.

Das Wort stand am Anfang
und wird auch am Ende sein,
wenn eure Materialismus-Sümpfe an ihrer Erbärmlichkeit ersticken.

Diese sind die einen, in der Politik um ihrer selbst.
Jene sind die anderen, die sich weltflüchtig aus sich selbst gebären
und schreiend,
in den Emotionen:
„Wir sind die Sprecher Gottes“ sagen.

Sie alle quälen noch immer,
IHN,
den Christus,
den Barmherzigen,
geboren aus Maria und Gabriel,
IHN,
den Einen,
den Allumfassenden,
den Allbarmherzigen,
der ihnen verzeiht.

Die Pharisäer seiner Botschaft,
die nicht die Seine ist,
verschieben die Gelder da oben,
damit ihr da unten nicht belastet seid, sagen sie,
die sich die christlichen Kapitalisten nennen,
auf dieser einen göttlichen Welt,
die sie zerstören.

Die Broker der Grausamkeit wahnsinniger Börsen,
globalisieren sich in die Unendlichkeit eines Nichts,
das sie uns als Alles verkaufen.

Die leeren Hände,
an denen die Hungrigen mit ihren Skorbutzähnen nagen,
erhaschen keine Brosamen,
von denen sie sagen können:
Leide nicht mehr, wenn dein Magen knurrt,

Mitleidig blickt die Macht des Heiligen Geistes,
personifiziert in der Unzulänglichkeit
von ohnmächtigen Frauengesichtern,
aufständisch,
egoistisch, trotz des Sanftblickes,
auf deine Wunden.

Wenn Gott an der Säule des Irrsinns von unendlichen Turmbauten
von Glaspalästen,
gefesselt,
SEINE Hände verschränken muß,
dann schließt Christus die Augen und wird zum Pilatus:
Ecce Homo.

Darüber schwebt die Jordantaube:
Seht her, das ist mein vielgeliebter Sohn,
das ist meine vielgeliebte Menschheit.

Und eine Horde von ausweglosen Gescheiterten
verflüchtigt sich in die Zeilen persönlicher Offenbarungen,
während die Engel mit den sieben Siegeln
noch immer auf die Zeit warten,
in denen sich das Wasser blutig färbt,
von den Gedanken,
die einer denkt, der gerade einige Dutzend Schlaftabletten im Wasser auflöst,
trinkt,
wartet auf die Müdigkeit, mit der der Schmerz vergeht,
während du am Pranger der zehntausend Vorwürfe stehst,
in der das Sein nur ein Teil dessen ist,
das der Vollendung entgegengeht.

Oh Dürer,
du Wanderer zwischen der Macht und der Ohnmacht,
wieviel Missverständnis liegt in deinem Bild mit dem bärtigen Gott,
den nichtssagenden Frauen,
von denen eine die Mutter dessen ist,
der als Gott noch immer stirbt.
Als Urwaldmensch im Scheiterhaufen des Regenwaldes
oder im Sumpf der Exxon Valdes.

Darüber legt sich Auschwitz,
der sprachlose Ort,
in dem heute noch die Schreie zu hören sind,
die die Schmerzenskinder,
die Schmerzensfrauen,
die Schmerzensmänner,
auftönen ließen
in der Ton-Ekstase des letzten Walzers:
Oh Tote! So klein,
in Asche verbrannt,
Oh Leben! Im Sein,
von allen verkannt.

Wollt ihr das noch hören, ihr da drunten, unter dem Pranger,
an den ihr IHN gestellt habt?
Wollt ihr es noch hören, das Wort:
Seht her, ein Mensch!
In euren perversen Phantasien erkennt ihr im Schweigen der anderen
die Einsamkeit nicht mehr.

SS-Schergen trampeln noch immer durch die Geschichte,
und die sieben Kronleuchter des Lichtes leuchten nur dann,
wenn ihr nicht schweigt,
wenn neben euch einer sagt:
Scheiß auf die Sandler und Juden. . . .

Oder habt ihr euch noch immer nicht
bei diesen geheimen Gedanken ertappt?
Um euch dann zu sagen:
So ist’s halt – wir sind eh ganz anders.
Verschränkt also die Hände,
so wie Jesus,
damit ihr mit ihnen nicht Menschen schlachten könnt.

Das ist unsere Hoffnung,
du Schmerzensmann.
Die Verschränkung der Arme
und das Eine:
Gott existiert.
Trotz alledem.

(Ende des Prologs)

Schlussbemerkung:

Das gesamte Werk wurde im Rahmen einer szenischen Lesung vor fünf Jahren bei der Edith-Stein-Kapelle in Patsch durch die Schauspielerin Stephanie Brenner uraufgeführt.

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Kommentare

1. Ulla Vilkman - 1. November 2010

Danke!
Mehr fällt mir jetzt nicht ein. Muss auch nicht sein.


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