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Sturz eines Landeshauptmannes oder: Wahre Freundschaft soll nicht (sch)wanken 16. September 2010

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Der Tiroler Alt-Landeshauptmann Alois Partl, der als Nachfolger der Legende Eduard Wallnöfer 1987 Tiroler Landes-„Chef“ wurde und der 1993 in und nach einer so genannten „Nacht der langen Messer“ der Tiroler Volkspartei aus der Politik ausschied (ausscheiden musste), scheint erneut ein Opfer der langen Messer seiner „Freunde“ geworden zu sein.
Zum Sachverhalt: Im Juli tauchten Medienberichte auf, nach denen Partl nach einer Feier am Landes-Feiertag, dem 19.März, in einem Treppenabgang der Landhaus-Tiefgarage gegen 15.30 Uhr gestürzt sei und dort bis 21.18 Uhr bewusstlos gelegen habe. Keiner habe dem Hilflosen geholfen, erst nach sechs Stunden sei die Rettung alarmiert worden. Der Alt-Landeshauptmann trat dann selbst an die Öffentlichkeit und schilderte u.a. auch in einem ORF-Tirol-Gespräch seine Hilflosen-Situation.
Eine Tatsache, die erschüttert hat: Das liegt ein Mensch stundenlang auf einer Treppe und keiner hilft ihm. Was ist das für ein Land und was sind die TirolerInnen bloß für Menschen, das fragten sich viele. Und es tauchten auch erste Zweifel auf, dass der Sachverhalt nicht so, wie von Alois Partl geschildert, gewesen sei. Vielmehr habe der Alt-Landeshauptmann mit Freunden in einer Bar eines nahen Luxushotels gefeiert und sei erst gegen neun Uhr abends aufgebrochen. Er sei also nur kurz nach seinem Sturz hilflos gewesen und sofort versorgt worden – die Rettung war schnell zur Stelle.
Über Alkohol-Spiegel und ähnliches konnte nur spekuliert werden, doch sollen die Partner Partls an diesem Nachmittag Männer gewesen sein, die ihrerseits als trinkfest anzusehen wären.
Warum Partl also Monate später seine Story von der Hilflosigkeit erzählte, bleibt ein Rätsel, das nun, durch ein Attest des weltweit renommierten Uni-Klinik-Neurologen Poewe gelöst scheint, wie die Tiroler Tageszeitung offenbart und auch der ORF-Tirol aufklärte. Poewe attestiert eine antero- und retrograde Amnesie bei Alois Partl, Jahrgang 1929, auf Grund dessen Gehirnerschütterung bzw. der Kopfverletzung. Etwas sehr Bedauernswertes also.
Im Grunde also hatte Partl eine Art von selektiver Wahrnehmung, was ja bei Politikern (nicht nur der Tiroler Volkspartei) nichts Neues ist. So sei es denn.
Der wahre Skandal an dieser Geschichte ist aber jener der Freundschaft. Spätestens nach dem Partl-Statement im Juli hätten die Freunde, mit denen Partl gefeiert hatten, diesen aufklären sollen.
Nun weiß man, dass einige der Beteiligten eben die traditionelle selektive Wahrnehmung haben, wenn es um Konflikte geht und dass die Kraftmeier der Tiroler VP-Polit-Granden eben die Nacht der langen Messer immer wieder praktizieren. So wurde Partl zum zweiten Mal zum Opfer: Einerseits war es seine selektive Wahrnehmung der Wirklichkeit an seinem Un- und Umfall-Tag, andererseits aber haben ihn seine Freunde schmählich im Stich gelassen: Hätten ihn seine Freunde nämlich – auch verspätet und nach seinem Gang an die Öffentlichkeit – über die wahren Zeit-Punkte der Feier aufgeklärt, so hätte Partl immer noch alles richtig stellen können. Denn Irrtümer sind bekanntlich uns allen eigen und damit menschlich, wie ein Gemeinplatz sagt.
So aber blieb der von Gott und der Welt im Stiegenabgang einer Tiefgarage verlassene schwer verletzte Alois Partl über Wochen Wirklichkeit. Trotz der Zweifel, die der Tiroler Schriftsteller und Tiwag-Kritiker Markus Wilhelm auf seiner Homepage http://www.dietiwag.org über den Vorfall äußerte.
Nun ist die Kuh aus dem Stall, wie es in Tirol heißt. Partl ist auch den neuen Raffls (so heißt der Verräter Andreas Hofers) zum Opfer gefallen, nach seinem Fall über die Stiege.
Und die moralinsauren und wehleidigen Kumpane, die einmal Freunde Partls (und auch Weggefährten in der Politik über Jahre) waren, haben nicht nur den „Luis“ verraten, sondern auch den Nimbus der Tiroler. Denn denen wird ja der Mut zum aufrechten Gang nachgesagt.
Auch wenn dieser manchmal schwankend ist.

Fest steht allerdings: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.
Winfried Werner Linde

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