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Aufbruch zu neuen Inn-Ufern oder Was ist los in Innsbruck? 14. September 2010

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Dieser Beitrag stammt vom September 2010: Er ist mittlerweile durch die Wirklichkeit überholt. Aber aus der Zeit geschrieben. 26.4.2011.

 

In Innsbruck schlagen die Polit-Wellen hoch, obwohl der Inn-Fluss ruhig dahin säuselt, wie ein herbstlicher Lokal-Augenschein zeigte. Neueste Meldung der uninformierten und vermutenden wie auch auf die Rathaus-Wandelgang-Dialoge lauschenden Journaille aus dem Rathaus: Der sozialdemokratische Stadtrat Walter Peer verlässt die Politik und kehrt wieder in die Wirtschaft zurück. Am Freitag soll es offiziell werden und dann – spätestens – steht ein Nachfolge-Peer-Spiel bei der SPÖ an und damit der schon obligate Gender-Disput. Sei’s drum. Die einzige Alternative zu Walter Peer in Sachen Verkehr und Verkehrskonzept wäre der IVB-Betriebsrat Helmut Buchacher, aber den werden die Gender-Besessenen halt nicht wählen. Es leben die selbsternannten ExpertInnen. . .

Mit dem prognostizierten Ausscheiden von Walter Peer ist ein Quartett voll, das aus der ursprünglichen Stadtregierung weg ging:

Bürgermeisterin Hilde Zach (Für Innsbruck) und VP-Vizebürgermeister Eugen Sprenger, die über Jahrzehnte die Geschicke der Stadt politisch mitbestimmten, sind ebenso ausgeschieden wie der Bürgermeister-Vize Christoph Platzgummer Opfer von nicht gerade von der Gedanken Blässe angekränkelten Angriffe gegen seine Person in Zusammenhang mit Sport-Bauten und dazugehörigen Großereignissen wurden.

Eineinhalb Jahre vor den Gemeinderatswahlen im Frühjahr 2012 sind die Ecken und Kanten der Polit-VertreterInnen, die über Jahre wenigstens für Spannung und Diskussionen sorgten, der Farb- und Belanglosigkeit gewichen, der Konzeptlosigkeit über den Zukunftsweg der Stadt.

Mit ausgebauten Kreuzungen und neuen Schienenwegen ist keine moderne Verkehrspolitik zu machen, mit dem ständigen Gezeter, es gäbe zu wenig Radwege und zu viel innerstädtischen Automief, keinen (oder nur wenig) Vorrang für die Öffis und der staatstragenden Debatte darüber, ob man in Grünflächen des Hofgartens liegen oder nicht liegen dürfe, schon gar keine Lebensqualität herbeizujammern.

In den letzten Jahren wurde die Stadt neu designt, denn mehr als Design sind die Zaha-Hadid-Bauten am Bergisel und an der Nordkette nicht, das Museum am Bergisel samt den schnapsseligen und lederhosenverwetzten Kaiserjägern und Kaiserschützen und dem schrillen und düsteren Andreas Hofer sind Attribute und Konzessionen an einen vorgestrigen Geist. Ein Blutberg ist keine Stätte des Mahnens und das Altarbild des Erinnerungstempels an das Jahr 1809 hätte man im verfallenden Rundbau an der alten Hungerburg-Talstation lassen können.

Ein Riesenrundgemälde im Bergisel-Museum, das von KünstlerInnen aus den Staaten, die gegeneinander Kriege führten, gemeinsam gestaltet würde – das wäre eine Lösung gewesen.

Innsbruck ist eine Kulturstadt, nur wissen es zu wenige, Innsbruck ist eine Sportstadt, nur nehmen es viel zu wenige wahr, Innsbruck ist eine Stadt inmitten von Bergen, doch diese sind nur Foto-Objekte und engen sonst das Blickfeld ein. Doch das ist mittlerweile ein Gemeinplatz.

Innsbruck ist aber auch eine Europastadt, ein Zentrum des Alpenraumes. der Sitz der Alpenkonvention (des Büros), Innsbruck ist die Stadt des Goldenen Dachls und der Schwarzen Mander (die Figuren in der Hofkirche, für alle nicht Innsbrucker). Statt aber weltweit mit diesen Einzigartigkeiten zu werben, bewähren sich die Touristiker in Innsbruck wie auch im ganzen Land Tirol als Bettenverkäufer und nicht als Image-Träger für ein einzigartiges Land mit einer Hauptstadt, in der u.a. Dürer, Macchiavelli, Mozart und Goethe wie auch Maximilian I Europageschichte schrieben. Das Einzige, was den Kleingeistern eingefallen ist, scheint ein Gelage-Fest zu sein, so als müsse man die Gegenwart der Bankette mit der Vergangenheit entschuldigen oder zumindest begründen.

Sightseeing für die PolitikerInnen darf aber nicht das Repräsentieren bei Festen sein (zumindest nicht nur), sondern muss vor allem der Besuch von Innenhöfen und der dortigen höfischen Feste sein, in denen sich Nachbarn begegnen. Doch diese sind – ein Unterschied zu den hochsubventionierten höfischen Festen der Vergangenheits-Schau – meistens verboten.

Das war ein kurzes Abschweifen in die Wirklichkeit.

Und mündet in die Frage: Wohin, o Innsbruck, gehst du künftig? Und wer wird dich regieren? Der Biertischlamentierer und Freibier-Stimmenkäufer gibt es genug, wenn’s drauf ankommt. Die Schreier und Ausgrenzer machen mobil, Rassisten und Populisten allenthalben wollen an die Macht. Dem gegenüber steht natürlich auch die Frage, ob sich Innsbruck durch die Aufgabe seiner kulturellen Identität als Hauptstadt eines Landes im Gebirge selbst abschafft und die geistigen Traditionen eines Ludwig von Ficker, die Identität durch die Stätten der Alten Musik, die Geburtsstätte des die Menschen verbindenen SOS-Kinderdorf-Gedankens eines Hermann Gmeiner aufgibt – zu Gunsten einer alles nach unten nivellierenden Sprachlos-Gesellschaft. –

Es wird, so spekuliere ich halt einmal, im Frühjahr 2011 ein neuer Gemeinderat gewählt. Und das ist gut so. Denn man hätte schon nach dem Abgang von Hilde Zach und Eugen Spreger und dem Zach-Stellvertreter und seinerzeit designierten „Kronprinz“ Christoph Platzgummer zu Neuwahlen aufrufen sollen.

Jetzt ist dazu Gelegenheit. Die nächsten Jahre werden budgetär sehr, sehr schwierig, – die Krise ist noch lange nicht überwunden, die Europa an den Rand des Wirtschaftsabgrundes geführt hat. Jetzt ist Zeit, die Besten zu versammeln und ihnen Aufgaben anzuvertrauen, die über Baumschutz, Radfahrwege und Liegewiesen hinausgehen in jene dunklen Räume, in denen noch immer viele darben und der Satz Brechts gilt, dass man nur jene sieht, die im Lichte stehen. Es geht aber um jene im Dunkeln.

Und diese sozialen und Bildungs-Fragen, diese Fragen der Lebensqualität und des Miteinander und der Nachbarschaft betreffen alle Generationen. Alle.

Es geht, letztlich, um die Wiederentdeckung eines bürgerlich-liberalen und toleranten Geistes, der die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts annimmt. Und dieser Herausforderungen gibt es viele. Für die derzeit Regierenden scheinbar zu viele.

Winfried Werner Linde

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Kommentare

1. Kordula Rainer - 14. September 2010

Politische Posten und damit unser aller Interessensvertretung werden nicht wegen der entsprechenden Kompetenz vergeben, sondern sind meistens Vitamin-B-Spielchen. Dadurch sitzen dann leider Leute an verantwortlichen Posten, die ihren Aufgaben nicht gewachsen sind…. man hat immer öfter den Eindruck, als ginge es denen nur um die eigenen Interessen, die eigene finanzielle sowie gesellschaftliche Absicherung und nicht um das Allgemeinwohl, was ihr Job wäre.


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