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Missbrauchs-Tsunami der Unmenschlichkeit – auch in Tirol 9. März 2010

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Nach dem Gesetz des Katholizismus gilt am Ende immer jenes der Barmherzigkeit, des Verzeihens, des alles überragenden Verständnisses.

 Nach dem dem Gesetz der Menschlichkeit werden immer mehr – und es ist anzunehmen, dass es eine Welle von weiteren Enthüllungen in ganz Europa geben wird – Verbrechen an Kindern offenbar, die von Geistlichen begangen wurden, die an und für sich dem Zölibat unterworfen sind und damit einer gegen das Mensch-Sein gerichteten Asexualität. In der Sendung Kulturzeit von 3sat vom 9. März war von einem „Missbrauchs-Tsunami“ die Rede.

Das Wort dürfte die Wirklichkeit ziemlich genau widerspiegeln und zeigt auf, dass die Vergangenheit der letzten Jahrzehnte geistlicher Elite- und sonstiger Erziehung immer noch nicht aufgearbeitet ist.

Neben den bereits bekannten Fällen wurde kürzlich auch offenbar, dass in der von Patern und Geistlichen geleiteten und einem Liebeswerk unterstehenden Internatsschule “Bubenburg” im Tiroler Fügen ebenfalls Missbrauchs-Fälle passierten, von denen eine qualifizierte Öffentlichkeit und auch die politischen Entscheidungsträger schon länger durch die Schreiben eines ehemaligen Schülers wissen müssten. Reaktion hat es bisher keine gegeben. Im Gegenteil: Die Internats-Schule für Schüler, die aus irgendwelchen Gründen an den Rand gedrängt wurden, erfreut sich der Förderung aus Steuermitteln und dies ohne dass jemals die genauen Details erhoben wurden.

Aus der Eigendefinition der Bubenburg:

In der Bubenburg in Fügen betreut das Seraphische Liebeswerk der Kapuziner seit mehr als 80 Jahren Burschen aus sogenannten schwierigen sozialen Verhältnissen.

Heute ist die Bubenburg ein Internat für männliche Kinder und Jugendliche (bis 16 Jahre) mit angeschlossener Volks- und Hauptschule (Sondererziehungsschule mit Öffentlichkeitsrecht). Im Jahr 2008 hat die Bubenburg 36 Kinder und Jugendliche beherbergt.

Unser Ziel ist es, die Selbstständigkeit und vor allem auch den Selbstwert dieser jungen Menschen zu stärken und dabei ihr Recht auf Selbstbestimmung zu achten. (Zitat-Ende)

 Erwin Aschenwald, ehemals in der Bubenburg in Fügen, schrieb in einem offenen Brief, für den ich die Erlaubnis des Verfassers habe, ihn in diesem Rahmen zu veröffentlichen: Bin schon etwas verblüfft und enttäuscht, wie schnell – trotz aller Aufregung um ‚NaziPater‘, ‚Kinderfi…‘, etc. und trotz aller soz.dem. Lippenbekenntnisse – die öffentlichen Fördermillionen „aber flott“ in die Taschen der Zillertaler Bubenburg-Pater flossen. Hat wohl mächtig Druck seitens des LH gegeben? Muß ich Verständnis dafür aufbringen , daß ein LR-Posten oder der Job als LH-StV wichtiger sind, als das Schicksal der dort gef*** und geprügelten Zöglinge? Soll ich Verständnis dafür haben, daß das aktuelle Leitungsgremium aber schon nicht im Traum daran denkt, sich öffentlich zu den Verfehlungen ihrer Vorgänger zu bekennen und sich von deren Geisteshaltung zu distanzieren? Ein Erzieher – ich hab ihn persönlich erlebt – war ziemlich kurzfristig nicht mehr in der Bubenburg tätig. Gerüchte gingen um, er sei ‚im Häf’n‘ oder zumindest weg aus Österreich und vor allem weg aus der Jugendarbeit. Doch die Wege mancher Herren sind oft wunderlich und sonderbar. Im Zuge einer Recherche in ganz anderem Zusammenhang stolperte ich über ein Foto samt Adresse und Telefonnummer. Ich rief ihn an, er bestätigte, jener welcher zu sein ….. Der Herr, um den es HIER geht, lebt mittlerweile im ‚östlichen Österreich‘, hat seinen Namen geringfügig verändert, ist angesehener Jugendleiter eines Sportvereins, der einen echten Prälaten zu seinen Vorstandsmitgliedern zählt.

Zum besseren Verständnis der ‚Pointe‘ möchte ich auf den folgenden Artikel verweisen: (Auszug aus Horst Schreibers Beitrag über die Bubenburg im aktuellen Michael Gaismair Jahrbuch 2010) …Dass aber Prügelpädagogen nicht als das Schlimmste erlebt werden mussten, zeigte sich am Beispiel eines anderen systemkonformen Erziehers, der zunächst einen frischen Wind ins Internat brachte, indem er erlebnispädagogische Elemente einführte und für die Abschaffung des Badehosenzwangs beim Duschen sorgte. Doch bald sollte sich die wahre Natur seines pädagogischen Eros herausstellen. Er suchte sich jeweils zwei Burschen aus, die abgesondert von den anderen ihr Geschlecht entsprechend seinen peniblen Anweisungen zu waschen hatten. Zudem präsentierte er sich als Sportmasseur, dessen Hände dorthin wanderten, wo sie fehl am Platze waren. Es dauerte aber nicht lange, bis auch er auf bewährte Erziehungsmuster der „Bubenburg“ zurückgriff: schlagen, demütigen, Denunziationen fördern. Aus dem ansonsten so ruhigen und zurückhaltenden Georg bricht es plötzlich heraus: „Mag schon sein, dass Kritik aufkommt an meiner als ‚einseitig’ empfundenen Sicht der Dinge. Aber soll ich diesem Arschloch dankbar sein dafür, dass ich ohne seine ‚Hilfe’ als Ewachsener möglicherweise nicht imstande wäre, mir den Zipfel zu waschen?“ … So – was tun? Soll dieses arme Opfer verirrter Pädophilie an den Pranger gestellt werden? Am End‘ hat er seine Sünden gebeichtet und bereut; verjährt sind seine schmierigen Übergriffe ohnehin; Soll darauf verzichtet werden, herauszufinden, wer ‚eigentlich‘ für solche ‚Vorfälle‘ verantwortlich war? Die Patres, die solche Vorkommnisse – OhNaNiemals – wahrgenommen haben, sind so gesehen fein raus – der ‚Sünder‘ wurde eh‘ entfernt ….. trotzdem liebe Grüße Erwin Aschenwald (*) Heli Deinboek – ‚Krallelujah‘

 Ende des Zitates.

 Aufklärung tut also auch in diesem Fall, wie in jedem anderen Not. Dass sich christliche Menschen, auch der Wiener Kardinal Schönborn, gegen die Kellernazi-Kandidatin für das Bundespräsidenten-Amt, die von der „Freiheitlichen“ Partei Österreichs lanciert wird, wandten, diente einigen Kellernazis dazu, den Kardinal anzugreifen.

Und zwar in einer Sprache, die anders als die Ordinärheiten jener sein mag, die sich an den Kindern vergreifen, aber dennoch aus der gleichen Verbalschule, sprich: dem Primitiv-Jargon, der jede Geistigkeit vermissen lässt, stammt (nachzulesen in den APA-Meldungen und den Tageszeitungen).

So wie jene Priester und Pater aus ihren Ämtern entfernt gehören, so gehören auch jene Mandatare, die sich einer Sprache befleißigen, die in ihrer Diktion jener des seinerzeitigen Nazi-Kampfblattes „Stürmer“ ähnlich sind, sofort aus den Ämtern entfernt. Des Images der gesamten Politik wegen – und nicht nur jener Partei, der diese Typen angehören.- 

 Fest steht, dass auch der Fall der Bubenburg in Fügen der Aufklärung bedarf und dass es an der Zeit ist, dass man im Sinne der Öffentlichkeit bei Förderungen dieser Einrichtungen auch die moralische und sittliche sowie auch die Einhaltung der Gesetze im Zusammenhang mit der Qualifikation der Mitarbeiter überprüft. Christentum bedeutet nicht nur die Erlösung durch den Tod Jesu am Kreuz, sondern auch die Erlösung der Kinder von jenen, die sie missbrauchen und über Jahrzehnte mit den psychischen Schäden und Erniedrigungen allein lassen.

Das wäre wahre Barmherzigkeit. Im Namen Jesu.

Winfried Werner Linde

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Kommentare

1. erwin aschenwald - 18. Oktober 2010

Es ist nun einige Zeit vergangen, seit dem „Offenen Brief“; eine Steuerungsgruppe wurde installiert, LH Platter bat um Verzeihung, Klasnic lobte ihn dafür und der zuständige Landesrat stellt sich seither tot – wie ein kleines Nagetier – statt Farbe zu bekennen und die Öffentlichkeit zu informieren, wer ein Interesse daran haben könnte, dass sich die Mitglieder der Steuerungsgruppe nunmehr ähnlich missbraucht fühlen können, wie die ehemaligen Heimzöglinge, für die sie eherenamtlich ihr Wissen, ihre Arbeit und ihre Zeit einsetzten.

UND SO SIEHT DAS DANN IN DER PRAXIS AUS: Für Zöglinge der Bubenburg in Fügen – einer von der Jugendwohlfahrt des Landes Tirol für geeignet befundenen und unter deren Aufsicht stehenden Erziehungsanstalt des Kapuzinerordens – fast alle dorthin gesteckt auf Veranlassung einer Tiroler Bezirkshauptmannschaft als Amtsvormund, erklärt sich das Land Tirol nunmehr als nicht zuständig. Es handle sich ja um eine kirchliche Einrichtung und für diese sei die “Klasnic-Kommission” zuständig.

Am gleichen Tag, als LH Platter seine Ansprache um Verzeihung der Öffentlichkeit präsentierte,
wurde von der Landesregierung per Beschluss die von der Steuerungsgruppe Opferschutz namhaft gemachte 3-köpfige Kommission (Landesjugendanwältin Harasser, Zivilrechtler Prof. Barta, Historiker Dr. Schreiber)abserviert. Die Kommissionsmitglieder erfuhren im September aus den Medien, dass man auf ihre weitere Arbeit keinen Wert legt. Ebenfalls im September folgte die Erklärung, was der Landeshauptmann meinte, als er sagte, die “Vorgehensweise des Landes” an die der Klasnic-Kommission angleichen zu wollen: anstatt der von der Steuerungsgruppe empfohlenen Mindestentschädigungssumme von € 15.000,– erfolgte ein ‘downgrading’ auf jene € 5.000,–, die von der kirchennahen “unabhängigen Opferschutzanwaltschaft” der Frau Klasnic als angemessen bezeichnet werden. Die Begründung hierfür ist nahezu wortident mit der Argumentation der Tiroler Steuerungsgruppe, die eine Entschädigungssumme unter € 15.000,– als unangemessen bezeichnete.

Doch nun zu meinem Antwortschreiben an
brigitte.dörr@opfer-schutz.at (bezugnehmend auf eine Nachricht der Opferschutzanwaltschaft vom 30.09.2010)mit dem ich eigentlich von einer weiteren “Zusammenarbeit” mit der Klasnic-Kommission Abstand nehmen wollte….. (doch lesen Sie selbst….)

Sehr geehrte Frau Dörr,
Ihr (Rund?)Schreiben vom 30.09.2010 habe ich erhalten. Sie schreiben darin einleitend:
„Damit sich die Aufarbeitung nicht länger verzögert, zeigen wir Ihnen nochmals unsere
Vorgangsweise auf …“
Ist es möglich, dass es gerade Ihre „Vorgangsweise“ ist, die eine „Aufarbeitung“
verzögert? (doch Spaß beiseite, die folgende chronologische Auflistung Ihrer
Opferschutz-Aktivitäten ist angesichts des doch ernsten Hintergrundes wohl kein
Scherz?)
ad a) Erstgespräch:
Dass Sie gerne für ein Gespräch zur Verfügung stehen, haben Sie bereits vor einigen
Monaten (Ihre Nachricht vom 23.Juni 2010) mitgeteilt. Meine Antwort dazu ist Ihnen
kurz darauf (am 28. Juni 2010) zugegangen:
„Von: erwin.aschenwald@gmx.at
An: “Eva Dörr”
Kopie: waltraud.klasnic@opfer-schutz.at
Betreff: Re: Opferschutzanwaltschaft – Ihr Anliegen
Datum: Mon, 28. Jun 2010 00:37:16“
Ich deponierte in dieser Nachricht, dass mir angesichts der rechtlichen Aspekte „meines
Falles“ ein Gespräch mit einem juristisch kompetenten Kommissionsmitglied sinnvoller
erschiene, als ein Besuch bei einem Psychotherapeuten.
Am 10.08.2010 erhielt ich eine Nachricht, mit welcher neuerlich angefragt wurde:
(Auszug)
„Es ist einige Zeit vergangen und ich melde mich nun um weitere Schritt
> ihres
> Falles zu besprechen.
>
> Meine Frage: Wollen sie ein Gespräch mit einem Kommissionsmitglied oder
> wäre
> dieses auch mit einem Therapeuten
>
> eine mögliche Vorstellung für sie? Von uns aus ist beides möglich, das
> Gespräch mit einem Mitglied der Kommission ist zeitlich
>
> wahrscheinlich erst in einigen Wochen möglich, einen Therapeuten können
> sie
> selber wählen oder wir schicken ihnen die Liste derer…….“
Dazu erhielten Sie von mir die folgende Nachricht: (Auszug)
——– Original-Nachricht ——–
Datum: Wed, 25 Aug 2010 09:03:50 +0200
Von: erwin.aschenwald@gmx.at
An: “Brigitte Dörr”
Betreff: Re: Opferschutzanwaltschaft
Sehr geehrte Frau Dörr, sehr geehrte Frau Hipfinger,
vielen Dank für Ihre Nachricht vom 10.08.2010.
Sehr gerne nehme ich vorerst die Gelegenheit eines Gesprächs mit einem Therapeuten wahr; dazu bitte
ich Sie um die Übersendung Ihrer Liste mit in Innsbruck ansässigen Therapeuten, mit denen Sie
zusammenarbeiten.
Zwischenzeitlich habe ich bereits mit einem Innsbrucker Psychotherapeuten telefonisch Kontakt
aufgenommen, dieser wäre jedenfalls auch bereit, ein Gespräch zu führen. Bin mit ihm so verblieben,
dass ich Ihre Information abwarte, wie und in welchem zeitlichen Rahmen ein Gespräch oder eine
Therapie stattfinden, bzw. Kosten übernommen werden könnten. Näheres dazu, sobald ich Ihre Liste
erhalten habe.
Hinsichtlich der von mir in einer meiner früheren Nachrichten angesprochenen rechtlichen Aspekte
“meines Falles” wäre ich aber auch sehr an einem Gespräch mit einem juristisch versierten
Kommissionsmitglied interessiert. ….
Am selben Tag noch erhielt ich eine weitere Nachricht, in der mir eine einstündige, für
mich kostenlose, rechtliche Beratung durch einen Anwalt meiner Wahl ‚gewährt‘ wurde:
Betreff: Re: Opferschutzanwaltschaft
Von:
Datum: Mit, 25.08.2010, 09:23
An:
Guten Morgen,
danke für Ihre Antwort.
Wenn Sie möchten, so können Sie auch mit dem Ihnen vertrauten
Therapeuten zusammenarbeiten. Geben Sie uns seinen Kontakt und wir
klären die weitere Vorgangsweise.
Trotzdem schicken wir Ihnen noch eine Liste jener Therapeuten, die wir
aus Tirol haben.
Wenn Sie es möchten, so können Sie auch eine Stunde für Sie kostenlose
rechtliche Beratung durch einen Rechtsanwalt Ihrer Wahl in Anspruch
nehmen. Auch da können wir Ihnen eine Liste senden (was wir zur
Sicherheit gleich tun werden). Bitte auch da den Namen an uns wenden,
damit wir die Zusammenarbeit klären können.
darüber hinaus steht Ihnen auch die Möglichkeit zur Verfügung, mit einem
Kommissionsmitglied zu reden.
Wir schicken also die zwei Listen und hören dann wieder von Ihnen. bis
dahin verbleibe ich mit
herzlichem Gruß
ad b) Clearing:
ad c) Kommission:
Anfang bzw. Mitte September fand nunmehr ein erstes Gespräch mit dem
Psychotherapeuten meiner Wahl statt. Wir vereinbarten, im Rahmen eines weiteren
Termins, den von Ihnen angeforderten Bericht zu verfassen. Da ich jedoch auf berufliche
Anforderungen ebenso Rücksicht zu nehmen habe wie auf meine Rolle als Partner meiner
Ehefrau, daneben auch Wert lege auf ein Privatleben und die Pflege von Freundschaften,
darüber hinaus ein nebenberufliches Studium verfolge und auch die fallweisen Treffen
unserer „Heimkinder Gruppe“ wahrnehme, sowie für zahlreiche Telefonberatungen für
Menschen, die von „Opferschutz“- und Täter- Einrichtungen beschäftigt und „im Kreis
geschickt“ werden, zur Verfügung stehe, liegt dieser Bericht eben noch nicht vor. Dies
muss aber keinesfalls bedeuten, dass Ihre Kommission nicht doch zu einer Entscheidung
gelangen könnte.
Auch möchte ich anfragen, was denn konkret im vorliegenden Fall eines „Clearings“ bedarf? Der
Wahrheitsgehalt meiner Aussagen wurde schon vor mehr als einem halben Jahr verifiziert, wurde
von der Geschäftsführung des SLW eingestanden, hielt den Recherchen des ORF-Redakteurs Franz
Normann ebenso stand wie jenen der Print-Journalisten von Tiroler Tageszeitung und dem
Nachrichtenmagazin Echo. Ein Radio-Feature im Rahmen der Sendereihe „Hörbilder“ auf OE1,
gesendet am 19. Juni 2010, war das Ergebnis einer mehrmonatigen intensiven Zusammenarbeit mit
einem Hörfunk-Journalisten, dessen guter Ruf durchaus auf Glaubwürdigkeit, Seriosität und penibler
Recherche beruht. Ganz zu schweigen vom Rückhalt seitens meiner Ehefrau und ihrer Familie sowie
dem entgegengebrachten Vertrauen durch ehemalige Zöglinge verschiedener
Erziehungseinrichtungen.
Die mir – und anderen – widerfahrene „Behandlung“ in der Bubenburg ist somit ein Faktum, die von
mir und ehemaligen Bubenburg-Zöglingen geschilderten Misshandlungs- und Missbrauchsfälle sind
evident. Denn bereits im März dieses Jahres, einen Tag vor Ausstrahlung der ORF-Sendung „Thema“
und einen Tag nach Erscheinen eines Beitrages in der Tiroler Tageszeitung bekannte der
Geschäftsführer der Bubenburg, Franz Tichy:
… Der Sprecher der Bubenburg betonte im Gespräch mit Tirol heute, dass man jene Schüler, von
deren Misshandlung man wisse, bereits eingeladen habe und nächste Woche ein Gespräch mit ihnen
stattfinden werde.(„Mein“ Gespräch fand übrigens am 16. März statt.) Die Einrichtung bittet
mögliche weitere Opfer, sich zu melden. Die Glaubwürdigkeit der Berichte stehe außer Zweifel, die
Betroffenheit innerhalb der Einrichtung sei groß … (http://tirol.orf.at/stories/429014/ vom 14.03.2010).
Über die Folgen, die Spuren und Verletzungen, die Auswirkung auf das spätere Leben der einzelnen
Opfer, welche durch die geschilderten und bestätigten Be- und Misshandlungen entstanden sind,
braucht eigentlich auch nicht weiter herum diskutiert zu werden, Sie müssen sozusagen das Rad
nicht neu erfinden; Die Folgen und Auswirkungen auf die spätere psychische, physische und auch
wirtschaftliche Existenz der seinerzeitigen Opfer ist ja mittlerweile wissenschaftliches Allgemeingut.
Einen Vorschlag zur Entschädigung , sozusagen eine Entscheidungs- und Bemessungsgrundlage für
Ihre Kommission, kam bereits Ende Juli 2010 von den Mitgliedern der „Steuerungsgruppe
Opferschutz“ beim Land Tirol, deren Arbeit erst von Frau Klasnic medial gelobt und als beispielhaft
dargestellt, kurz darauf jedoch, als die von der Steuerungsgruppe namhaft gemachte Kommission
über die individuellen Entschädigungen entscheiden sollte, diese ‚abserviert‘ wurde. Nach einer
„Entschuldigung“ von LH Platter am „Hohen Frauentag“ bestand der „Verdienst“ der Klasnic-
Kommission darin, die von der „Steuerungsgruppe“ empfohlenen Entschädigungsbeträge nach
unten lizitiert zu haben. Es darf durchaus als Hohn empfunden werden, dass die zivilrechtliche
Argumentation der „Steuerungsgruppe“, die für eine pauschale Entschädigungssumme von 15.000,–
bis 25.000,– plädierte, von der „Klasnic-Kommission“ nahezu wortident Verwendung fand, um die
„Angemessenheit“ einer Mindestentschädigung von € 5.000,– zu argumentieren.
Aber sei’s drum: ich darf davon ausgehen, dass Ihrer Kommission auch ohne einen Bericht meines
Therapeuten ausreichend Information für eine Entscheidung zur Verfügung steht. Zumindest könnte
auf dieser Basis eine Akontierung beschlossen werden. Ein allfälliger „Nachschuss“ kann dann ja
nach Vorliegen eines Berichts erfolgen. Dies wäre auch geeignet, ein Mindestmaß an Vertrauen
gegenüber Ihrer Organisation zu schaffen. Ein Vertrauen darauf, dass nicht – medienwirksam und
professionell betreut von der „public opinion GmbH“ – hingehalten und vertröstet, sondern
tatsächlich geleistet wird.
In diesem Zusammenhang möchte ich ein Gespräch erwähnen, welches ich vor ein paar Tagen mit
einem ehemaligen Kollegen, einem Opfer einer kirchlichen Einrichtung, führte. Dieser Kollege
erschien, wie von Ihnen gewünscht, zum Erstgespräch bei einem Psychotherapeuten Ihres
Vertrauens. Dort sollte er neuerlich seine Leidensgeschichte, alles, was ihm widerfuhr, alles, was ihn
schon seit Jahren belastet, alles, das er schon in unzähligen Therapiesitzungen gegenüber zahlreichen
Therapeuten preisgab, schon wieder, diesmal einem wildfremden Menschen, preisgeben. Ihr
Therapeut stellte dann schon fest, dass eine Langzeittherapie (zwei, drei Jahre) angebracht sei; er
stelle auch seine Unterstützung bei der Suche nach einem Therapeuten in Aussicht; vom Anrufer
wurde diese Situation so empfunden, als sei es „dem Therapeuten am liebsten, ich würd die Therapie
bei ihm machen“ … Dann wurde noch über finanzielle Entschädigungen gesprochen, der Anrufer
berichtete mir, dass ihm vermittelt wurde, „dass eine finanzielle Entschädigung nur die bekommen,
die es ganz dringend brauchen“ ….. einmal abgesehen davon, dass diese Vorgehensweise – und ich
habe keinen Grund, an der Schilderung des ehemaligen Heim-Zöglings zu zweifeln – an Eigenwilligkeit
in Bezug auf die Grundsätze des österreichischen Schadenersatzrechts nur schwer zu überbieten ist,
wirft dies auch ein bezeichnendes Licht auf Ihre Kirchentherapeuten. Aber lassen wir die Fakten für
sich sprechen:
Mir liegt ein Schriftstück vor, welches Ihre Organisation an Psychotherapeuten aussendet, die im
Rahmen eines Erstgesprächs bzw. dieser ominösen „Clearingphase“ tätig werden. Zunächst geht es
ja recht „normal“ los mit einer ebenso kurzen wie bündigen
„Grundinformation: Wir bezahlen € 90,- pro Stunde, Rechnung bitte an Public Opinion GmbH, 1010
Wien, Bösendorferstraße 4/18“
ABER HALLO!! Dies ist zwar ein recht interessantes Detail, doch an dieser Stelle soll gar nicht erörtert
werden, ob sich Frau Klasnic einer PR-Agentur bedient oder ob gar die Opferschutz-Anwaltschaft ein
Kardinals-PR-Gag ist. Daher stellt sich auch nicht die Frage, ob man’s mit Betrügern oder Betrogenen
zu tun hat.
So, aber nun zu diesem Schriftstück:
Bitte nicht bös‘ sein, aber dieser folgende „Wisch“ kann nur als „Anleitung zum Abwimmeln“
interpretiert werden!!
Dieses Schriftstück soll wohl ein Muster für einen „Klinisch-psychologischer Kurzbericht“ darstellen
und schildert auf eineinhalb A4-Seiten, was einem Ministranten widerfuhr, wie seine derzeitigen
Lebensumstände aussehen, beinhaltet eine „Konklusio“ („Ein kann aus klinisch psychologischer Sicht
kein kausaler Zusammenhang zwischen den sexuellen Übergriffen, ….der HIV-Infizierung, …..noch der
Arbeitslosigkeit hergestellt ….“) und „Es wird als Entschädigung der angegebenen sexuellen
Übergriffe empfohlen eine Überbrückung der finanziell angespannten Situation (ca. €600.-p. Monat)
für ca. 5-6 Monate zu bewilligen.“)
Eine Seite zuvor wünscht der Betroffene „eine Zahlung von ca. €3000.- direkt von dem Beschuldigten
persönlich. Eine Gegenüberstellung mit dem Beschuldigten wird ausdrücklich abgelehnt.“
Was musste man also als Ministrant so tun, um Jahre später in den „Genuss“ einer „Überbrückungs-
Entschädigung“ zu kommen, die ein „Klinischer- und Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut,
Wahlpsychologe für Diagnostik“ – (steht alles genau so in der Kopfzeile des „Klinisch-psychologischer
Kurzbericht“) für richtig hält?
„…Entblößen vor dem Beschuldigten … Berührungen im Genitalbereich, orale Befriedigung des
Beschuldigten bis hin zu genetaler Penetation durch den Beschuldigten mit blutenden Verletzungen
im Afterbereich des Betroffenen……….5-10x in der Sakristei…“
Dann wird noch „ …eine klinisch-psychologische oder psychotherapeutische Behandlung empfohlen,
um die eine Stabilisierung der aktuellen, psychischen Situation zu erreichen.“
Einmal abgesehen davon, dass man schon fürs Lesen Schmerzengeld fordern müsste, bleibt noch die
Hoffnung, dass dieses Schriftstück nicht repräsentativ für das Schaffen dieses Experten ist und
ebendieser nicht repräsentativ für seine Berufsgruppe sein möge. Dass jemand auch nur im Traum
daran denkt, eine psychische Situation, die wohl nicht ganz denkunmöglich dadurch zustande kam,
dass einer in der Sakristei dem armen Menschen den „Arsch aufgerissen hat“, stabilisieren zu wollen,
erscheint mir als hochgradig kranker, perfider Zynismus. „Waunsd mi wiaklich gearn hosd, daun
daschlogsd mi!“ So oder ähnlich würde wohl die Reaktion aussehen, hätte das Opfer von dieser
Expertise Kenntnis erlangt.
Ich persönlich wünsche mir jedenfalls, dass zwischen meinen Unterlagen und solchen Experten bzw.
einer solchen Vorgehensweise ein elektrischer Weidezaun gezogen oder eine Mauer errichtet wird.
Der Gedanke, vor einer Jury dieser Qualität meine Kindheitserinnerungen darzulegen und meine
Anliegen vorbringen zu müssen, ängstigt mich beinahe mehr, als die Vorstellung, Opfer „genetaler
Penetation“ zu werden.
Dass Sie mir nun in Ihrem aktuellen Schreiben wiederum mitteilen, ich könne „auf Wunsch auch eine
Erstinformation durch einen Anwalt bekommen“, freut mich sehr.
Ich darf dieses Angebot wohl so verstehen, dass Ihrerseits die Bereitschaft besteht, weitere
Beratungskosten meines Anwalts zu übernehmen, denn Mitte September konnte ich mit einem
Anwalt meines Vertrauens ein erstes Gespräch führen, wobei die von Ihnen mit Nachricht
vom 25. August 2010 (hinsichtlich Kostenübernahme) zugestandene einstündige
Rechtsberatung gerade einmal ausgereicht hätte, die Faktenlage zu schildern. (und
allenfalls allgemeines ungläubiges Kopfschütteln hinsichtlich Ihrer Vorgehensweise
auszulösen)
Ein Schreiben des Anwalts an Sie vom 17.09.2010 in welchem er eine Präzisierung der
zugesagten Kostenübernahme und eine Klarstellung im Sinne der österreichischen
Rechtsordnung begehrte, ist meines Wissens bis dato unbeantwortet geblieben.
Dass Sie mir nun neuerlich anbieten, dass ich „auf Wunsch auch eine Erstinformation
durch einen Anwalt bekommen“ könne, darf ich Sie herzlich bitten, dies auch meinem
Anwalt mitzuteilen bzw. auf sein Schreiben zu antworten.

(Innerhalb von ca. 5 Stunden, nachdem ich diese Nachricht an die Klasnic-Kommission gepostet hatte,
erhielt ich einen sehr freundlichen Telefonanruf, wurde unter anderem um Übermittlung eines Inhaltsverzeichnisses meiner Diplomarbeit gebeten, wurde informiert, dass die Kommission sich einiges vorstellen könne: z.B. Reisekostenzuschüsse für die aufwendigen Recherchen, möglicherweise auch einen Druckkostenbeitrag und auch über einen möglichen Ankauf von Teilen der Auflage würde man nachdenken; ich möge die übermittelte Zusammenfassung des Gesprächs kurz bestätigen etc.)

2. Gegen sexuelle Gewalt » Offener Brief an LH Platter Tirol…. - 3. Dezember 2010

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3. Herbert Wertschnig - 7. Dezember 2010

Erwin Aschenwald ich kann mich noch sehr gut an Schwester Benjamina und ihre Gewaltausbrüche erinnern.
Ich würde gerne mit dir darüber reden (was ich bis Jetzt noch mit niemanden gemacht habe).
Herbert Pickl
herbert@cablelink.at

4. Gegen sexuelle Gewalt » Missbrauch Tsunami… - 11. Januar 2011

[…] 9.03.2010Missbrauchs -Tsunami der Unmenschlichkeit auch in Tirol… […]


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