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Polit-Schweigen zu Nazi-Parallelen – warum? 15. Januar 2010

Posted by wwlinde in Allgemeines.
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Das ist nicht der Versuch einer Antwort auf die Eingangsfrage. Dazu bedarf es mehr als nur ein paar Worte. Und Nazi-Parallelen, gibt’s die, im heiligen Land Tirol, im Herrgottswinkel oder wie die diversen „Kosenamen“-Worthülsen für das Land im Gebirge lauten?

Die Antwort ist: Ja.

Letztes düsteres Beispiel für solche Geistes-Arterien-Verstopfungen gibt wieder einmal ein Rechter, der durch die Amis-Affäre sattsam bekannt gewordene und nach Eigendefinition als „Königstiger“ selbsternannte Hüter der Moral, der blaue Nationalratsabgeordnete Werner Königshofer, der den Tiroler Grünen-Landtagsabgeordneten Gebi Mair eine „Landtagsschwuchtel“ nannte und gleich in einem Aufwaschen auch die Frau Nationalratspräsidentin Prammer, die gegen derlei Beschimpfungen ihre Stimme erhob, in typisch rechtsrechter Manier abqualifizierte.

 Grenzüberschreitungen des Geistigen hin zu einem Ungeist, der vorgestrig ist. Herr K.  erhielt Beifall aus der in den US und in Europa agierenden Neonazi-Szene und deren Anhängern – was sonst?

Nun richten sich solche rechtsnationalrätlichen „Äußerlungen“ von selbst und man könnte getrost zur Tagesordnung übergehen, wenn es da nicht Parallelen gäbe, die doch dazu zwingen, Stellung zu beziehen:

Es war den Nazis vorbehalten, die Homosexuellen in KZs und Zwangsarbeitslager einzukerkern und viele Homosexuelle waren Opfer der Nazis, nachdem sie vorher in der Manier des „Königstigers“ ständig diffamiert und diskriminiert wurden.

Ich zitiere aus dem Berliner Tagesspiegel vom  24.6.2001:

Auf der Abschlusskundgebung des Christopher Street Day an der Siegessäule traten erstmals der Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Berlins neuer Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit auf. Bundeskanzler Gerhard Schröder richtete ein Grußtelegramm an die Feiernden.

Thierse sprach sich für ein Mahnmal für die von den Nazis verfolgten Lesben und Schwulen aus. Er erinnerte daran, dass Homosexuelle im 3. Reich deportiert, gequält und ermordet wurden. Es sei die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen, welche Lebensform er wähle und wie er damit umgehe. Weder gebe es einen Bekenntniszwang noch dürfe es einen Verheimlichungszwang geben. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass Neonazis definieren, „wer zu uns gehört und wer nicht“. Deshalb sei der Kampf gegen Rechtsextremismus so wichtig.

Klaus Wowereit trat unter großem Jubel ans Mikrofon. Sein Satz „Ich bin schwul, und das ist gut so“, war für viele Anregung für eigene Transparent-Bekenntnisse – so trugen Frauen Sticker mit der Aufschrift: „Ich bin lesbisch, und das ist noch viel besser“.

Wowereit sagte bei der Schlusskundgebung: „In Berlin gibt es keinen Platz für Intoleranz. Wir brauchen hier keinen Auflauf von Neonazis, nicht in München und auch nicht anderswo.“ Dass die Fahne mit den Regenbogen-Farben, das weltweite Symbol der homosexuellen Szene, erstmals am Roten Rathaus weht, sei kein politischer Akt, sondern eine Selbstverständlichkeit (Ende des Zitates). –

Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätten auch die rechtesten aller so genannten Gerechten, die in Wahrheit dem Unrecht und der Unfreiheit das Wort reden, begreifen müssen, dass Toleranz und Bürgerrechte über Alt-Nazi-Indoktrinierungen Marke Königshofer weit erhaben sind und diese dorthin verweisen müssen, wo sie hingehören: In die düsterste Vergangenheit der europäischen Geschichte, auf den geistigen Müllhaufen der Politik und in jenen Bereich, in dem Politiker, die sich zu solchen Verbal-Injurien versteigen, längst rücktrittsreif sind.

Und jeder aufrechte Humanist und Demokrat muss sich von solchen Äußerungen nicht nur distanzieren, sondern darf darüber nicht zur Tagesordnung übergehen.

Einer der Gründe: Der so genannte Reichsführer-SS Heinrich Himmler sagte bei einer Rede in Bad Tölz am 18.02.1937 vor höheren SS-Offizieren zur Homosexuellenfrage: „Es gibt unter den Homosexuellen Leute, die stehen auf dem Standpunkt: was ich mache, geht niemanden etwas an, das ist meine Privatangelegenheit. Alle Dinge, die sich auf dem geschlechtlichen Sektor bewegen, sind jedoch keine Privatangelegenheit eines einzelnen, sondern sie bedeuten das Leben und Sterben des Volkes, bedeuten die Weltmacht und die Verschweizerung. Das Volk, das sehr viele Kinder hat, hat die Anwartschaft auf die Weltmacht und Weltbeherrschung. Ein gutrassiges Volk, das sehr wenig Kinder hat, besitzt den sicheren Schein für das Grab, für die Bedeutungslosigkeit in 50 und 100 Jahren, für das Begräbnis in zweihundert und fünfhundert Jahren.“ –
 

Das ist also der Un-Geist, aus dem Äußerungen wie jene,  die Herr K. gegenüber von LA Gebi Mair erhob, entsprangen und immer noch entspringen.

Mehr braucht man nicht zu sagen, außer:

Es ist Zeit, dass sich die demokratische Politiker-Riege, die sich hierzulande äußerst schweigsam verhält (nicht nur in dieser Sache), endlich durchringt, solchen Tendenzen klar Widerpart zu bieten.

Hier geht es nämlich nicht um politische Gegnerschaften, sondern um Menschlichkeit, Freiheit und Gerechtigkeit, also um Pfeiler des geistigen und demokratischen wie auch rechtstaatlichen Europa.

Dass Herr K. diese Pfeiler und Geisteshaltung längst verlassen hat, liegt auf der Hand. Aber die anderen?

Wehret den Anfängen! Wie oft muss man das noch betonen, bis die K.s endlich aus der Politik verschwinden – in die geistigen Untiefen der Geschichte. Und von dort nie mehr auftauchen. . .

PS am 15.1.2010, 9 Uhr: Aus einer kurzen Notiz in der Tiroler Tageszeitung vom 15.1.2010 wurde nun doch bekannt, dass sich VP, SP und Bürgerforum bei Landtagspräsidenten Herwig van Staa für einen Protest und die Zurückweisung der Äußerungen von K. seitens des Tiroler Landtages einsetzen. Also doch: Eine späte Erkenntnis? Der Protest hätte allerdings sofort erfolgen sollen, nicht erst mit tagelanger Verzögerung . . .

Winfried Werner Linde

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Kommentare

1. Gebi Mair - 15. Januar 2010

Herzlichen Dank für den Beitrag – die gemeinsame Stellungnahme war ziemlich viel Arbeit, weil die ÖVP so lange überlegen musste, ob sie das will…

„Ungeist“ ist jedenfalls das richtige Wort für das, was da passiert…

Liebe Grüße
Gebi

2. Endlich: Reaktion auf Nazi-Parallelen des Herrn K. « zeitzünder - 3. Februar 2010

[…]  Ich habe auf diese jeder politischen und menschlichen Würde entbehrenden Angelegenheiten schon hingewiesen: https://zeitzuender.wordpress.com/2010/01/15/polit-schweigen-zu-nazi-parallelen-warum/ […]


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