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Einfach so – zur Zeit. 11. März 2016

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Fortsetzung folgt – seit Jahren . . . 17. Dezember 2015

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Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen, schrieb der Philosoph Wittgenstein.
Es war ein Jahr der Sprachlosigkeit, das jetzt zu Ende geht. Ein Jahr, in dem das Grauen zu Bildern mutierte.
Ein Jahr, in dem viele Fragen unbeantwortet blieben.
Ein Jahr der Flucht und Weltflucht. Ein Jahr des Sich-Abwendens und der Ausgrenzung, aber auch des Mitleids ohne Mitleiden.
Die seit Jahrzehnten real existierende Gefühllosigkeit des Kapitalismus und der Ausgeburten von Ausbeutung der Länder der Dritten und Vierten Welt wurde sichtbar.
Man konnte – und kann noch immer – erahnen und sehen, warum es Völkerwanderung gab und gibt und was die Suche nach Hoffnung mit sich bringt.
Nur: Kinderaugen und Ertrunkene sind nur ein geringer Teil dessen, was Ausdruck der Unmenschlichkeit des kapitalistischen Systems eines immer noch ausufernden Imperialismus ist: Die Reichen werden immer noch reicher und die Armen immer noch ärmer.
Und die Verdammten der Erde- und dazu gehören auch die meisten Menschen auf Grund der Armut in der sogenannten Wohlstandsgesellschaft – sind sprachloser denn je.
Die Internationalität der Solidarität erschöpft sich in brennenden Gedächtniskerzen und Spendenaufrufen.
Das ist eine Seite der aktuellen Lage.
Die andere Seite ist jene, dass die Frage offen bleibt, wie sich die Millionen, die geflohen sind und die jungen Männer in eine Gesellschaft integrieren sollen, in der es an den nötigen Partnerinnen, den Frauen, fehlt.
Der Klassenkampf wandelt sich auch in den der Geschlechter. In den sexuellen Wünschen, in der Raserei der Frustration und der Geilheit, die von Land zu Land wandert und die sich in der sinnlosen Suche nach Erfüllung und damit auch in der Gefahr der zunehmenden Gewalt gegen die Schwachen.
Eine Gesellschaft wie die mitteleuropäische kennt den Schutz der Schwachen, die Achtung vor den Frauen. Aber wie steht es mit den Werten, die die Asylwerber vertreten?
Ehret die Frauen, schützt die Kinder, strebt nach den Idealen des Humanismus und der Menschenrechte, so lautet die Maxime.
Aber gibt es diese in Eritrea, in Somalia, in Nigeria, in den Resten des Irak und den Ländern, die vom IS terrorisiert werden?
Fast ein jeder redete in diesem Jahr wieder von Werten.
Wer von Werten spricht, der rechtfertigt den Krieg um diese.
Werte erzeugen Krieg – was für ein Doppelsinn.
Die gescheffelten Werte auf Bankkonten der Waffenproduzenten erzeugen weiterhin Krieg und, das noch Schlimmere: Sie erzeugen Tod, Flucht, Grausamkeit und mit diesen allen gekaufte Meinungen und Desinformation, die von den dafür geschulten Kräften der Desinformation in den Geheimdiensten ausgehen. Es geht um Ausbeutung im doppelten Sinn: Die Ressourcen der dritten Welt und jener Länder, in denen derzeit – seit Jahrzehnten allerdings – Zerstörung herrscht, werden weiter ausgebeutet – durch genau jene, die jetzt den Krieg gegen den Terror führen.
Sie haben diesen selbst verursacht.
Und auch finanziert, durch ihre Geheimdienste.
Als die Verdammten der Erde aufwachten, donnerten die Raketenwerfer und Bomber über ihre Köpfe hinweg und vernichteten alles, was das Leben lebenswert macht: Nahrung, Wohnung, Bildung in Schulen, Menschen, die liebten und geliebt wurden.
Die Verdammten dieser Erde wurden nicht nur arm, nein, wie wurden auch heimatlos.

Es läuft alles geheim ab.
Freiheit wurde zur Worthülse.
Gleichheit zum verfemten Wort und zum Sprachgebrauch der Denunziatoren der sozialen Gerechtigkeit, die als Werte zerstörend und ideologisch verbrämt dargestellt wird.
Brüderlichkeit ist verschwunden – die Entsolidarisierung der Gesellschaft der Willhabenden und Manipulierten durch Marketing-Strategien, der Marken-Fetischisten im Heer der Namenlosen und deren Taten, die unsäglicher nicht sein könnten wie in der Gegenwart der im Kaufrausch dahintaumelnden Masse.

Von den Idealen der französischen Revolution und der Aufklärung auf der einen Seite und des Christentums mit dessen revolutionär-tödlichen Ursprung durch Jesus von Nazareth auf der anderen Seite ist nichts geblieben außer ideologischen Fragmenten, deren Leere Parallelen zu den Todesbotschaften so genannter Revolutionäre hat, die seit Lenin den Terror zur Maxime ihres Handelns erkoren haben.
Schöne, grausame neue Welt.
(Work in progress)
Winfried Werner Linde

Dada oder der Geist der Stadt. Eine Besichtigung. Wörterfetzen. 19. August 2015

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Dada. Wörterfetzen in der Stadt.

Kinder gehen vorbei.
Es ist kühl im Garten.
Sie singen: Es rauschet die Mühle am ratternden Bach.
Alle lachen.
Es herbstelt, sagt eine Dame im Vorübergehen.
Sie schüttelt den Kopf.
Die Kinder: Das Wasser das rattert da
zur rauschenden Mühle und mahlet das neue Korn.
Sie lachen wieder.
Verkehrte Welt am lauten Verkehr,
sagt ein alter Mann und schüttelt sein Philosophenhaupt.
Wir sind die Moorsoldaten, erinnert sich eine Bettlerin am Eck.
Autos hupen. Motorräder dröhnen.
Die Karawane der Stadtbewunderer zieht weiter.
Wo ist das golden roof?
Gott die Erde erschuf, behauptet ein Zeuge Jehovas.
Es ist kühl. Kühler als vor vier Tagen.
Schnupfenzeit im Hot pant.
Wir lagen vor Madagaskar – nein!!!
Im Kreuzfahrtschiff bei Kos.
Heute ist wieder nichts los.
Kino und Oper.
Zeltfest und Tanz.
Hans H. ist überall.
Bier saufen im kleinen Café am Eck.
Wir müssen hier lang,
sagt ein Mann zu seiner Familie.
Es rauschet die Mühle . . .
Nach rechts.
Nein. Nach links.
Egal wohin.
Dada lebt.
Dada schuf Gott und die Welt,
auf dass alle darüber schweigen.
Krimi lesen.
Krimi im TV schauen.
Im Smartphone chatten.
Lieber Elvis, komm zu mir,
mach einen echten Starken aus mir.
Es war, als hätt‘ der Himmel – was?
Wir gehen auf ein Shakes-Beer.
Cheers.
Bittä einen Euro.
Oder Cents.
Oder nichts.
Wegschauen.
Die Mühle rauschet noch immer im Alltag
des ratternden Baches.
Wir sind die Menschheit auf dem Weg zum Shakes-Beer.
Prost. Mahlzeit. Hunger.
Ars moriendi.
Ars vivendi.
Geschüttelt, nicht gerührt.
GLS bringt ein Paket neuer Wünsche.
Es rauschet die Mühle.
Ein Tourist studiert mit Begleiterin die Speisekarte,
die auf einer Tafel vor dem Gasthaus-Eingang steht.
Haben die auch Tiroler Klöße?
Weiß nicht.
Der Wunsch ist immer der Vater der Gedankenlosigkeit.
Wir lagen vor Kos.
Wir lagen im Lager.
Es rauschet die Mühle.
Es klappern die Zähne.
Ein T-Shirt gegen die kühle Luft.
Mag nimmer, sagt ein Kind.
Es rauschet die Mühle, so singen die anderen.
Die Karawane der Smartphones zieht weiter
in die Sprachlosigkeit.
Ein Smiley für die Liebe, oder was sonst?
Der Ausweg liegt in der rauschenden Mühle
am klappernden Bach.
Perry Rhodan ist wieder gekehrt,
auf dass er Eistee trinke,
geschüttelt und nicht gerührt.
Es rattert der Bach an der rauschenden Mühle.
(Dada lebt. WWL)

Wider die Unfreiheit und die Phrasen der Rechten 16. August 2015

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Es ist Sonntag.
Ich verschnaufe im Freien, es ist angenehm kühl geworden.
Ein ganz normaler Sommertag.
Da reißt mich ein Plakat aus den Gedanken, eine plakative Schlagzeile, ja.
Die FPÖ fordert, zum wievielten Male eigentlich, den Stopp des Zuzuges von Ausländern.
Ich schließe die Augen.
Es tauchen Melodien auf, aus den Opernhäusern Österreichs, gesungen von Sängerinnen und Sängern, die aus dem „Ausland“ zuwanderten. Wunderbare Abende habe ich erlebt, in Innsbruck, im Landestheater, bei den Festwochen der Alten Musik oder in Erl bei den grandiosen Wagner-Aufführungen bei den Tiroler Festspielen von Gustav Kuhn. Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker, Regisseurinnen und Regisseure aus aller Welt.
Sie sind es, die das Land bereichern. Um die Kultur der Welt, um die Sprachenvielfalt, um das Lebens als solches, das man Kunst nennt.
Es tauchen Ballett-Aufführungen auf, mit dem Tanztheater des Tiroler Landestheaters, faszinierende Ereignisse, wunderbare Interpretationen von zutiefst menschlichen Empfindungen, zwischen Liebe und Verachtung, zwischen Inferno und Ekstase.
Die meisten von den Künstlerinnen und Künstlern kommen aus aller Welten Länder.
Stopp dem Zuzug von Ausländern?
Zurück zum Nationalismus in der Kunst?
Wie dumm diese Straches und Kickls und wie sie alle heißen, diese Kleingeister des Neides und des Nicht-Begreifens doch sind.
Den Menschen die Freiheit.
Den Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt Dank für die Erlebnisse und die Erkenntnis, dass die ganze Welt Bühne ist.
Klar: Da gibt es das Grauen Macbeth’s und die Raserei in Carmen, die Verfolgung und Ermordung von Menschen, die scheiterten.
Aber die Kunst ist frei. Immer. Und die Menschen in dieser haben frei zu sein und nicht eingeengt werden, durch die Dummheit und Hohlheit von Phrasen und den Hass, der ihnen inne wohnt.
Die ganze Welt ist Bühne, schrieb Shakespeare. Und alle Männer und Frauen spielen ihre Rollen.
Die Typen wie Strache sind die Intriganten, die Zerstörer, die mutlos machen.
Künstlerinnen und Künstler! Menschen im Theater!
Steht auf!
Macht dem Wahnwitz ein Ende.
Es lebe die Freiheit aller Menschen, die Gleichheit aller Brüder und Schwestern!
Nicht nur in der Kunst.
Diese ist nur ein Beispiel, wie eine Gesellschaft des Geistes und der Friedfertigkeit funktionieren könnte.
Winfried Werner Linde

Aus „Panoptica“ der Frauen-Kulturzeitschrift des Landes Tirol. Als Quotenmann habe ich diesen Beitrag verfasst. 10. Juni 2015

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Aus der Anonymität heraustreten. Jetzt. Ja- und Nein-Sagen. Selbstbestimmt.
Anmerkungen zum Thema: „Die transparente Frau“ – oder mediale Begegnungen der vermeintlich dritten Art.
Von Winfried Werner Linde

Das Charakterbild des Menschen schwankt nicht nur in der Geschichte, wie Schiller schrieb. Es schwankt auch in den Medien und insbesondere dann, wenn es um Frauenrecht und Selbstbestimmtheit geht. Der transparente Zustand des Menschen als solcher und diesfalls jener der Frauen ist in der Vergangenheit ein Alb-Traum gewesen und in der Gegenwart durch die virtuelle Welt und die sozialen Medien zu einer beängstigenden Wirklichkeit geworden.
Es gibt keine Durchsichtigkeit, von keinem Menschen.
Es gibt das Geheimnis des Mensch-Seins von Frau und Mann.
Es gibt die Verschlossenheit des Innenlebens nach außen.
Die Magnetresonanz zeigt den materiellen, nicht den geistigen Zustand.
Geschriebene Sätze oder gefilmte wie fotografierte Szenen in den Medien zeigen eine Situation, nicht die Gesamtheit der Lebensfaktoren. Das ist die Lüge in der Gegenwart: Scheinwelten werden aufgebaut, indem man bestimmte Situationen festhält, Aussagen aus dem Zusammenhang reißt.
Bilder verzerren – der Urschrei im Urwald, in den Menschen zwischen Schaben. Spinnen, Schlangen und ihren inneren Ängsten ist drehbuchgerecht gestaltet. Das Bild der Frauen, die sich diesen Situationen ausliefern ist die gleiche wie jene, die um die Gunst eines so genannten Bachelors buhlen oder sich mit dem Landleben (angeblich) anfreunden, weil ein Bauer eine Frau sucht. Die Traumreisen von Model-Männern, die sich mit einem Dutzend so genannten Schönheitsköniginnen auf einer Insel treffen, sind verfälschte archaische Muster. Längst weiß man aus der Verhaltensforschung, dass nicht die Männer, sondern die Frauen die Auswahl treffen und die Kriterien sind so vielfältig wie die Gedanken der Macher solcher TV-Quotenbringer einfältig sind.
Das ist die eine Seite – und diese ist ebenso düster wie die andere.
Denn es gibt auch das Aufzeigen von Leben an solchem, von Lebensfreud und Leid, von Atemlosigkeiten, von Ängsten und Erkenntnissen.
Flüchtlingslager, Frauen mit Kindern vor dem Erfrieren, die allein erziehende Mutter, die in Armut lebt, längst eingeholt von den ständigen Ängsten ums Überleben. Zwischen den Flüchtlingslagern im Libanon oder anderswo, zwischen den Müttern in Lampedusa und jenen, die im Wohlstands-Inferno irgendwo in Mitteleuropa in ständiger Angst leben, gibt es keine Unterschiede.
Die Frau ist dem Voyeurismus ausgeliefert und dies besonders medial – in der Nahaufnahme. Alles wird sichtbar.
Die Menschenfrau als Bajazzo: Seht her, ich bin’s.
Wir leben in einer psychologisierten Gesellschaft, in der die Allwissenheit über das Menschhafte die Menschlichkeit des friedvollen Lebens abgelöst hat. Jede und jeder für sich und Gott gegen alle.
Die mediale Wirklichkeit hat das Geheimnisvolle zerstört, Quotenfrauen sind Quotenmännern gewichen, das Gewordene ist der Zerstörung gewichen und das ist gut für das Verhalten der Mehrheit, also der Frauen, die sich wie eine Minderheit verhielt und sich duckte, ja – selbstzerstörerisch ducken musste.
Bis in die Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts, also in einer Zeit, in der es angeblich die politische Aufklärung gab, mussten die Frauen, die Männer um Erlaubnis fragen, wenn sie einer Arbeit nachgehen wollten. Ohne die Einwilligung des Mannes keine Selbstständigkeit, weder im Privaten noch in der Gesellschaft.
Bis die Befreiung postuliert wurde.
Das war 1969 im Suhrkamp-Kursbuch 17. Die Autorin Luc Jochimsen schrieb ein Essay unter dem Titel „Die Mehrheit, die sich wie eine Minderheit verhält“ und wies erstmals auf die demokratischen wie auch demographischen Mehrheitsverhältnisse hin. Es gibt mehr Frauen in der Gesellschaft als Männer, aber weder in der politischen Vertretung noch in der Bezahlung für ihre Arbeit schlägt sich dies nieder. Damals, 1969, keine Spur von Gleichheit.
Luc Jochimsen wurde als Tochter eines Speditionskaufmanns 1936 in Nürnberg geboren. Die Schulzeit in Frankfurt am Main beendete sie 1956 mit dem Abitur. Sie studierte Soziologie (bei Helmut Schelsky und Heinz Kluth), Politikwissenschaft (bei Siegfried Landshut) und Philosophie an der Universität Hamburg. 1961 folgte ihre Promotion zur Dr. phil. bei Schelsky an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster mit der Arbeit Zigeuner heute – Untersuchung einer Außenseitergruppe in einer deutschen Mittelstadt.
Jochimsen, die später für die Linke politisch aktiv war und auch als Bundespräsident-Kandidatin nominiert wurde, zeigte damals, im Nachbeben des Jahres 1968 ein Tabu auf, worüber man nicht sprach – schon gar nicht in den politischen Diskussionen.
Das war damals.
Und heute: „Jetzt tritt sie ins Licht. Die neue einsame Frau lebt mittendrin, zwischen all den anderen erfolgreichen, attraktiven, sozial erfüllten jungen Menschen. In ihrem Milieu ist es unmöglich geworden, sie zu erkennen: Auch sie lebt in urbanen Ballungszentren, arbeitet in Agenturen, wird Lehrerin oder Professorin, stellt in Galerien aus, schreibt Bücher oder Blogs, designt Mode oder Websites und trägt ein ständig vibrierendes Handy mit sich herum. Ein Premiumsingle, ein potenzieller Elitepartner, genau wie die Werbung sie anpreist, allererste Ware, die nach spätestens elf Minuten nicht mehr auf dem Markt sein dürfte.“(Die Zeit, 21.12.2014).
Wenn die Quotenfrau zwei Mal klingelt, in den politischen Parteien und die politologisch verbrämten Medien-AnalystInnen ihre angeblich nicht aus dem Kaffeesud gelesenen Prognosen abgeben, fehlt die Wirklichkeit der Ausgrenzung der Frauen in den Nebenschauplätzen abseits des medialen Wirbels völlig. Das Ausgeliefert-Sein an die Wirklichkeiten der Gegenwart, die Ängste wie auch das Entsetzen des Erlebens der realen Welt, fehlen gänzlich.
Ganze Generationen verlieren sich irgendwo in einem Nebensatz.
Die Senioren, beispielsweise, sieht man nicht – und meistens sind die Frauen davon betroffen.
Ein gesellschaftliches Phänomen? Es geht nicht anders in der Quotenwelt? Wir haben eh die Regierungsbeteiligung der Frauen? Und seit damals, den späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts hat sich alles verändert?
Wer spricht heute noch vom Ausstattungsbeitrag, der damals üblich war: Frauen, die bis zur Verheiratung gearbeitet hatten, ließen sich ihre Pensionsansprüche abgelten. Sie verzichteten zu Gunsten der Ehe und der „Obsorge“ des Mannes auf ihre Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Doch das war damals, sagen fast alle.
Das hat sich geändert, meinen viele – immer wieder in Diskussionen. In der Masse – damit sind nicht die zehn Prozent Gebildeten gemeint, die sich mit der Wirklichkeit auseinandersetzen. Von dieser wollen aber die Wenigsten etwas wissen: Die Frau als Objekt oder als Mittel zur Unterhaltung ohne Rücksicht auf die Würde – in den Medien, vornehmlich den bunten Blättern und den Privatsendern, ist die selbstverständlich. Die Unterhaltung deckt die Sorge um den Unterhalt zu, die Wahrheit ist keine pluralistische, sondern weiterhin eine eindimensionale Sicht auf die Dinge.
Der Mensch ist in der Welt der Transparenz durch die mediale Berichterstattung längst zu einem Mittel zum Zweck der Erreichung von Reichweiten und Quoten verkommen und was hinter den Fassaden der Häuser und den Äußerlichkeiten von Scheinbildern der Modewelt vor sich geht interessiert nur am Rande. Liebschaften und Liebeleien, Flirts und Bussi-Bussi – die Seitenblicke-Gesellschaft hat die Tiefblick-Gesellschaft längst überrundet.
In der „taz“ erschien folgender Beitrag, der in den sozialen Medien rasch die Runde machte und x-Mal kommentiert wurde:

Es folgt: ein kleiner Nachrichtenüberblick der letzten Tage.
• Julia Klöckner will Burkas verbieten. Vollverschleierung steht für „ein abwertendes Frauenbild“, sagt sie. „Burka geht gar nicht“, findet auch Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion. „Dass Frauen sich nur komplett verhüllt im öffentlichen Raum bewegen dürfen, kann ich nicht akzeptieren.“ Wohlgemerkt: „dürfen“. Von „wollen“ kann nicht die Rede sein, das würde die betroffenen Frauen ja als Subjekte outen, und dann wär’s komplizierter.
• Kompliziert ist es auch mit der „Pille danach“. Was haben sie sich gesträubt bei der CDU, damit die Pille danach nicht rezeptfrei wird, und jetzt wird sie es doch, der EU sei Dank. Da ärgert sich Jens Smartieboy Spahn und twittert: „Wie wäre eigentlich ne ,Pille anstatt‘ statt einer ,Pille danach‘…? “ Ja, wie wäre das? Und wie wäre „Denken statt Twittern“ statt „Denken danach oder gar nicht“?
Weiter im Newsfeed.
• In Großbritannien gibt es neue Regeln für Pornos, die man per Video on Demand gucken kann. Diese dürfen jetzt bestimmte Sexpraktiken nicht mehr zeigen, unter anderem weibliche Ejakulation. Männliche Ejakulation bleibt erlaubt.
Nächste Nachricht:
• Die ungarische Polizei will Vergewaltigungen verhindern und dreht dafür ein Video, in dem sich junge Frauen in kurzen Röcken betrinken. Die Botschaft am Ende: „Du kannst etwas dafür, du kannst etwas dagegen tun.“
Und sonst so? Madonna zieht sich für das Magazin Interview aus. „Madonna wieder nackt: Muss das sein?“, fragt das Rolling-Stone-Magazin. Nö, weißte was, muss nicht.
Man kann das alles auch etwas kürzer zusammenfassen: Liebe Frauen, denkt bloß nicht, dass euer Körper euch selbst gehört. Euer Körper ist ein Kampfplatz mit Brüsten. Doch, klar sollt ihr euch hübsch machen. Denn ja, natürlich werdet ihr nach eurem Äußeren bewertet. Ja, natürlich mehr als Männer. Falls ihr eine Burka tragen wollt: bloß nicht! Zeigt mehr Haut! Falls ihr gerade nackt seid: Zieht euch gefälligst was an, ihr Schlampen!
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ihr intuitiv das Richtige tut. Eine meiner Lieblingstitelseiten hatte die InTouch vom letzten März: „Mager-Schock“ heißt es da über Heidi Klum und „Kilo-Frust: Sie wird immer dicker“ über Britney Spears, die ein Eis leckt. Die einen so, die anderen so, Hauptsache, falsch.
In der Öffentlichkeit essen sollt ihr sowieso nicht, jedenfalls nicht in der U-Bahn, sonst posten fremde Menschen von euch Fotos in der Facebookgruppe „Women who eat on tubes“ und 32.600 Leute lachen euch aus.
Diese Woche gab es wieder eine der berühmten „Victoria’s Secret“-Shows in London: Die besten Models der Welt präsentieren mit Engelsflügeln neue BHs und Schlüpper, und jedes Jahr träumen Tausende Mädchen davon, das auch zu dürfen. Scheiße, Mädels, hört auf zu warten. Sägt euch mit der Kettensäge Flügel aus Spanplatten oder schneidert euch welche aus leeren Pommespackungen und macht die ganze beschissene Welt zu eurem Laufsteg, denn für die allermeisten von euch wird Heidi nie ein Foto haben, und das ist etwas, worüber ihr echt froh sein könnt.(Ende des Zitates).
Das ist nur ein Auszug. Er zeigt aber, dass es bis zur Würde noch ein weiter Weg ist – in der so genannten Medienwelt und deren Objektivität der Betrachtung.
Es sind Begegnungen der dritten Unart in der medialen Welt und die Transparenz dient vornehmlich dem Voyeurismus und nicht der Empörung über Normen, die noch immer vorgegeben scheinen – von Blatt- und TV-Machern. –

Die derzeitige Diskussion anno 2015 über Adoptionen durch Paare, die nicht aus Frau und Mann bestehen, ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Gesellschaft immer noch durch den Alltagsfaschismus oktroyiert ist – ein Fortschritt im Denken für mehr Freiheit und Gleichheit und Selbstbestimmtheit ist nicht abzusehen.
Die Frau in der medialen Wirklichkeit: Noch immer ein durch den Männerblick gezeigtes Objekt der Begierde. Diese ist die dritte Unart – eine negative Ausgeburt der Transparenz der Frau. (WWL)
(Schluss)

Aschermittwoch – eine Nachlese 19. Februar 2015

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Während sich der eine, Strachtler, vor geballtem Kleinbürger- und Dumpfbackentum bierselig zu den üblichen Plattheiten und Worthülsen bekannte, gab es im Innsbrucker Congress, weit abseits von Ried und der Germanen-Jahn-Halle ein poetisches Feuerwerk für Frieden und Freiheit, für die Solidarität mit allen Schwachen und Ausgegrenzten.
Konstantin Wecker was here (für alle Heimatseiten-Deutschdümmler: Konstantin Wecker verkündete mit seiner Poesie und seinem Widerstand das, was Demokratie und Vielfalt mit sich bringt). Die Gedanken sind eben frei – und das Publikum sang mit.
Der Willi lebt, sagte Konstantin Wecker und alle applaudierten. Der Willi, den die Rechten und Neonazis, die Ewiggestrigen und die auch die so genannten Isten-Vertreter (Stalinisten, Trotzkisten u.a.) erschlagen haben – im Lied, das wie ein Symbol aus der Vergangenheit in die Gegenwart klang: Eingangs des Abends, mit dem einsamen Poeten am Klavier, der dann 40 Jahre seines Lebens am Publikum in Wort und Ton vorüberziehen ließ.
Konstantin Wecker, der Linke, der Anarchist, der Beschimpfte und der Dichter, dessen Lieder in den TV-Sendern und Radio-Jodeldodlern nicht gesendet werden.
Da war er. Konstantin der Große.
Und da war er, der andere, zu sehen am nächsten Morgen mit hassverzerrtem Gesicht im Frühstücksfernsehen bei puls4 und bestätigte genau das, was Konstantin Wecker ein paar Stunden zuvor, gegen Mitternacht, nach standing ovations und mehreren Zugaben, immer wieder angekreidet hatte: Den rechten Wahnwitz, der sich in der Gesellschaft immer mehr breit macht.
Klar, so wie in Ried die Rechten, so konnten im Congress die Linken alles abnicken, was da gesagt wurde. Nur die Art, wie es gesagt wurde, mit welchen Worten und welchen Emotionen, unterschied alles – und nur das zählt.
Strachtler ist ein Primitivkopf der Biertisch-Einsamen, Wecker ist einer, der um die Einsamkeit weiß, die eigene und diejenige, die in der Gesellschaft inne wohnt.
Beim Weg zum Konzert in Innsbruck, von der Haltestelle Museumstraße aus, muss man durch den Franziskaner-Bogen gehen. Ein Durchgang, der die Hofburg mit der Hofkirche und dem Franziskaner-Kloster verbindet.
Es war kalt, eisig, minus fünf Grad herrschten an diesem Innsbrucker Abend und durch den Bogen pfiff ein eisiges Lüfterl – eine Zugluft des Unbehagens.

In diesem Durchgang lag ein Mann, mitten in seinen wenigen Habseligkeiten, ein Obdachloser, und schlief. Es war 19.30 Uhr, – und neben dem Mann lagen keine Bierdosen, lagen keine Weinflaschen – nur eine Wasserflasche.
Mir klangen die Rechten-Worte in den Ohren und brüllten sich in den Kopf und die Gedanken: Sozialschmarotzer.
Ich informierte mich kurz: Der will in keine Unterkunft, der will das so, wurde mir gesagt.
Eine Stunde später drang die Widerstands-Poesie in mein Herz und mit dieser kamen die Erinnerungen an die vielen Geschichten meines Lebens: Sag Nein, sang Konstantin Wecker und sein Trio, mit wunderbaren Musikern, intonierte es. Schwermütig mit Cello-Tönen.
Sag Nein.
Da liegt einer in der Kälte und schläft – und du gehst zum Konzert, um all das zu hören, wovon du eh weißt. Oder doch nicht, weil kein Mensch angesichts der Manipulation, der weltweiten, der Mächte, die alles, auch die Meinung und die Freiheit dominieren, wissen kann, was in einem anderen Menschen vorgeht, was inwendig ist, in dieser kalten Zeit.
Einer lag da – in der Kälte.
Einer sang und spielte über diese Kälte.
Und einer brüllte, dass mir im Nachhinein kalt wird, wenn ich die Berichte lese.

Ach ja: Konstantin Wecker war da.
Schön, dass es ihn gibt, den Poeten des Empört euch und den Nein-Sager, zu dem man Ja sagen muss.

Winfried Werner Linde

Uni-Wissenschaft und die Europaregion als Lösung für die Sezessions-Bestrebungen in Europa 20. Januar 2015

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Sind Europa-Regionen eine Lösung für die Bestrebungen, dass sich immer mehr Provinzen und Landesteile von den Nationalstaaten loslösen wollen?

Das war eine der Grundfragen eines Symposiums der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Innsbrucker Universität, zu dem Organisator Prof. Peter Hilpold eine Reihe von internationalen Experten aus dem Bereich des Europa- und Völkerrechts geladen hatte.

Derzeit zieht sich zwischen Schottland und Spanien in Europa ein Bogen von Selbstständigkeitsbestrebungen. Beispiele: Die Loslösung Schottlands vom Vereinigten Königreich, des Baskenlandes und von Katalonien in Spanien soll durch Volksentscheidungen erzwungen werden.

Auch die Diskussionen über die Südtirol-Frage, die Selbstbestimmung und die Frage der Rückkehr des seit 1919 zu Italien gehörenden Teiles von Tirol bildeten den Hintergrund der Referate. Der Autonomie-Status Südtirols, seit der Streitbeilegungs-Erklärung zwischen Italien und Österreich im Jahre 1992 könnte ein Modell für alle Staaten und Provinzen in Europa sein, in denen sich die politischen Exponenten auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker berufen.

Volksabstimmungen würden aber gleichzeitig zur Aufhebung der bestehenden Verträge und Grenzen führen und eine neue Zersplitterung in einem vereinten Europa führen. Das würde zu einem Widerspruch zum Friedensprojekt EU und auch den Intentionen des Europarates widersprechen.

Unter der Leitung des Rektors der Universität Bozen, Walter Lorenz, diskutierten die in Rom lehrende Rechtswissenschaftlerin DDr. Ulrike Haider-Quercia, die Südtiroler Landtagsabgeordneten Sven Knoll, Allesandro Urzi und Pius Leitner sowie der Südtiroler Landeshauptmann Dr. Arno Kompatscher darüber, ob die Südtirol-Autonomie als internationales Referenz-Modell dienen könne. Und ob die Südtiroler Errungenschaften der internationalen Absicherung dienen könnten und als allgemeines Beispiel dienen können.

Landeshauptmann Kompatscher zog für tirolimbild.TV eine Bilanz und bezeichnete die Europaregion als ein Zukunftsmodell für die friedliche und auch politische Lösung von Minderheiten- und ethnischen Konflikten.

WWL -Vorbericht
Näheres in Kürze auf tirolimbild.tv

Berg-Sage der Gegenwart – Wehret der Vernichtung der Landschaft in Tirol 5. September 2014

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Die Sage von den Kögeln aus Kalk mitten im Urgestein.

 

Es war der Tag, als alle Quellen versiegten, weil sie dem großen Meer Platz machen mussten und in diesem aufgingen. Sie blieben Quellen, weil die Quellenkönigin, die Mutter aller Quellen, den Wassertropen befohlen hatten, ihren Tanz weiter zu leben und ihre leisen Melodien auch im großen Wasser weiter zu singen.

Es war der Tag, als König Serles die Unermesslichkeit seiner Macht ausübte und nur mehr seine Krone aus dem Wasser ragte.

Befiehl den Stürmen, dass sie die Wogen aufpeitschen lassen und jede Gischtkrone soll zu einer Zinne deiner Burg werden, sagte der Geist über den Wässern und aus den Zinnen sollen die Quellen sprudeln und das Wasser den Boden netzen, auf dass dieser eine Blume zeuge, die edles Weiß und nichts anderes in sich trägt.

Der König Serles baute sich seine Burg und nannte ihre Teile nach Menschen und Tieren. So entstand die Ochsenwand und neben ihnen die Schlicker Zinnen und noch heute erinnert die Schlicker Seepsitze an die Zeit, als dies alles geschah. Da die Tiere des Königs untergebracht werden mussten, ließ er den hohen Burgstall bauen und für das Jungtier gab es den niederen Burgstall.

Die Mutter der Quellen mahnte den König Serles: Vergiss nicht, dass die Höhen die Kälte bringen und alle Wärme brauchen. So wurden auch Schafe gezüchtet und der Widdersberg erinnert noch bis in die Gegenwart daran, dass der Schutz vor den Unbillen der Witterung überlebenswichtig für alle ist. Selbst die Edelweiß, wie die Blume genannt wurde, erhielten eine wollige Hülle.

Als sich das große Wasser verzogen hatte und die Burg des Königs Serles ihre stolzen Umrisse zeigte, entstand eine wunderbare Landschaft, die der Garten des Königs Serles und das Reich der Mutter der Quellen wurde. Die Tänzerinnen des Wassertropfenballetts wurden zu Blumen und die Kare und Schründe der Burg wurden Kalkkögel genannt, obwohl der Kalkstein sonst größtenteils nur jenseits des großen Flusses zu finden waren.

Der sonst sehr kriegerisch gesinnte König Serles ließ das Band der Gipfel zu einem Garten des Friedens werden, in dem er keinen Streit geben solle.

Doch erhoben sich die Menschen, die mit der Zeit alles besiedelten und störten den Frieden. Die Beschaulichkeit sollte weichen und die Schönheit Geld bringen. Vergnügen und Lust lösten die Nachdenklichkeit ab und die neuen Herren der Welt in den Dörfern stritten sich und waren sich uneins über die Teilung des Gartens des Königs und der Mutter der Quellen.

Wir lassen die Quellen versiegen und die Felsen sollen zu Gesteinslawinen werden, beschlossen der König und die Mutter der Quellen.

Das Einzige, was wir dulden, ist, dass ihr, die ihr euch die Dorfkaiser nennt, den Menschen die Schönheiten der Landschaft zeigt und sie lehrt, das Natürliche zu schützen. Wenn ihr zwischen den Tälern des großen Landes eine Verbindung haben wollt, die dem Vergnügen dient und dem Lebensgenuss, so soll dieser auch zeigen, wie alles entstand und warum es so wurde wie es ist.

Und wie zur Drohung wurden die Zinnen brüchig und die Quellen versiegten für kurze Zeit.

Alles drohte zu veröden.

Doch die Hoffnung lebt: Der König Serles versprach den Menschen einen großen Schatz in seinem Bergreich, wenn sie umdenken und im Einklang mit dem, was sie Erschauen können, leben.

 

So habe ich die Sage von meinen Vorfahren gehört und wie ich sie überliefert bekommen habe, so schreibe ich sie nieder.

Wer immer diese Aufzeichnungen findet – der solle sie weitertragen und in seinem Herzen bewahren. Und die ganze Kraft des Verstandes einsetzen.

Es ist alles wahr. So wahr mir Gott helfe.

 

Franz Ferdinand Senn, Hirte und Knecht am Hofe des König Serles.

 

(aufgezeichnet von Winfried Werner Linde, anno Domini 2014)                                                

 

Licht-Bilder von Brigitte Gmach -Zur Ausstellung in der Evangelischen Auferstehungskirche Innsbruck-Reichenau 24. März 2014

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Eine Ausstellung von Kunst in einem sakralen Raum verlangt die Gedanken des Sakralen, des Religiösen, in diesem Fall des Christentums. Es werde Licht und es ward Licht steht nicht nur im 1.Buch Mose, der Schöpfungsgeschichte.
Das ist natürlich wichtig, weil es der Ursprung ist. Aber es gibt Jesus, den Christus, und dessen Botschaft und es gibt Paulus, den Apostel, der der Welt verkündete:

Im Korintherbrief steht:
Denn Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, daß durch uns entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi

Doch ich bin nicht hier, um zu predigen – dazu sind andere berufen. Es geht um die Kunst von Brigitte Gmach, die hier, in der Auferstehungskirche zu sehen ist.
In aller Vielfalt auch der Kulturen und der Welt, unter dem Eindruck der Welt, in der sie groß wurde und der Welt Afrikas und der Staaten Westafrikas.
Es sind die Welten, die aufrüttleln, erschüttern, aber aus denen Licht fließt – der Erkenntnis, dass die Schöpfung viele Facetten hat, in denen sich das Licht wiederspiegelt.
Brigitte Gmach schreibt Texte wie Abschiedsgedanken und Neubeginn.
Sie malt Bilder wie Lichtspuren in der manchmal überwältigenden Dunkelheit des Erlebens.
Dazwischen keimt Hoffnung und Wiederkehr und diese Wiederkehr ist es, die sich in Kunstwerken materialisiert.
Das Werden eines Bildes ist Wiederkehr. Das Werk ist Da-Seins-Zeuge.
Und sie ist auch Keramikerin. Dazu muss man sagen, dass es Keramiken sind, die in der Kunstgeschichte der Menschheit immer wieder den Ursprung des Schaffens der Menschen aufzeigen. Die Vielzahl der archäologischen Funde zeugt davon.
Bei Brigitte Gmach bedeutet Keramik aber:
Feuer – Katharsis – Licht
und damit:
Reinigung
Dass sich die Künstlerin mit dem Thema Engel beschäftigt, ist angesichts ihres Denkens selbstverständlich. Engel sind, nach der uralten Mystik, Lichtwesen, die Gott umgeben und damit auch die Eigenschaften des Göttlichen in sich bergen. Liebe, Barmherzigkeit, Demut, Weisheit sind nur einige davon.
(WWL)
Info:
Brigitte Gmach VITA
Geboren 1943 in Wien
Aufgewachsen in Bregenz und Bludenz / Vorarlberg
Sprachstudien und Lehrerausbildung in Wien
Lebt seit 1971 mit ihrer Familie in Breitenbach/Tirol
Ausbildung in Keramik: Artdidakta – Innsbruck
Schweiz, Italien und Ungarn
Öffentliche Ankäufe: Totenkapelle Kundl
Kath. Kirche Breitenbach am Inn
Ev. Gemeindezentrum Wörgl
Krankenhaus Kufstein u.a.m.
Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland u. a:
2010 – Ausstellung im Stadttheater Arnstadt – Thüringen („Häuser“)
Ausstellung in der Kulturscheune Mühlberg – Thüringen
Ausstellung in der Alten Försterei Ilmenau – Thüringen (Transparentobjekte)
2011 – Ausstellung Benediktinerstift Fiecht („Behaust – Unbehaust“)
Kunst und Kost – Breitenbach
Ausstellung „Engel, wo bist Du?“ Landhotel Hirschen – Schwarzenberg
2012 – RAIBA MUT Brixlegg – „Lichthäuser“
DVD „Engel, wo bist Du?“
2013 – DVD „Reisebilder“ Texte aus „Seelenhäuser“ mit Musik, Landschaft und Skulptur. (in Arbeit)
2013 – DVD „Pilgergeschichten – in Wort, Bild und Musik“
„Klausbergtexte – Erinnerungen an eine Kindheit am Lande“
Ausstellung sakraler Objekte in der Trinitatskirche Großbreitenbach / Thür.
Reisen zur Kunst der Frauen nach W-Afrika (Ghana, Burkina Faso, Mauretanien)
Mitglied von Schreibwerkstatt Breitenbach und Kunstverein ARTirol
Langjährige Kursleiterin für Keramik in der Erwachsenenbildung
Therapie mit Ton im Rehab-Zentrum Bad Häring
Teilnahme am Kunstsymposium in Kleinbreitenbach /Thüringen 2008
Pilgerwege in Europa von Nord nach Süd und West nach Ost.

Gedanken zur Fastenzeit, aber nicht nur – von Dr. Lothar Müller 18. März 2014

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Gedanken eines Freundes. Abseits des Mainstreams.
Dr. Lothar Müller ist Theologe, Ex-Nationsratsabgeordneter der SPÖ und Ex-Stadtrat von Innsbruck (für Soziales)

Lothar Müller

GOTT HAT SEINEN JOB GEMACHT.
Am Beispiel von Psalmversen

Du findest in den Psalmen das ganze Leben. Das gesellschaftliche und das persönliche. Freude, Leid, Zorn, Suche, Rache, Gier und Neid – einfach alles.
Das ist jetzt kein Theologenzitat – aber jede/r, die oder der sich mit ihnen beschäftigt, wird zu derselben Auffassung kommen.

Sehr vieles von und aus den Psalmen ist in die geistige Literatur und die Riten und Liturgien der christlichen Kirchen eingegangen. Von Segensgebeten
(„Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn…“ – Ps 124) über den oftmaligen Trostpsalm beim Abschiednehmen („Der Herr ist mein Hirte…“ – Ps 23) bis hin zum vergeblichen Bemühen der Bauleute wenn der Herr nicht mitmacht (Ps 127).

Dieses Herangehen an die Psalmen – bzw. Teile von ihnen – war jedoch anders motiviert: was ist ihre soziale und gesellschaftliche Hauptbotschaft? Und was haben wir – inklusive unserer Vorfahren – aus dieser Botschaft gemacht, zusammengebracht? Denn: seit der Emanzipation des Menschen von Gott und
der versorgenden Natur (Auszug aus dem Paradies) sind wir selbst für das Wohl und Wehe in der Welt verantwortlich. Von Gott kamen und kommen – dankenswerterweise – Empfehlungen. Wie Gottes – Nächsten – und sogar Feindeliebe, Bergpredigt usw. Dafür ist ihm zu danken – s. Psalm 150.
Aber: umsetzen müssen schon wir – wir woll(t)en ja die Freiheit.

Was jedenfalls der Autor der Interpretationsversuche gelernt hat:
1. „Strukturell“ ist einiges weitergegangen. Demokratie – das entspricht der
Gottesebenbildlichkeit aller Menschen. Auch die Schaffung des Internationalen
Strafgerichtshofes gehört zu den Weiterentwicklungen. Trotz allem aber: Gier,
Neid, unfaßbare Einbildung und Dummheit beherrschen wie vor Jahrtausenden
die menschliche Szene. Die Psalmen sind also hoch aktuell.
2.Gott ist ein Gott der Gerechtigkeit und des Rechts. Und er steht auf der Seite
der Schwachen. Ganz eindeutig. Es geht um Befreiung – und da mögen nicht
nur die Gegner einer „Befreiungstheologie“ nachdenken, sondern auch jene,
die Politik, Recht, Wissenschaft, Verwaltung usw. als „objektiv“ und „rein“
betrachten. Wenn sie sich zu jener Tradition und Religion bekennen, für die die
Psalmen stehen, dann müssen auch sie – wie Gott – Partei ergreifen.
3.Wer die Psalmen liest weiß wo Gott ist! Unter uns – Er ist der, der da ist.
Irgendwo anders findet man ihn nicht. Tausende Nachdenkstunden von Theo –
logen und Philosophen sind fehlinvestiert. Er ist da, wo wir sind. Und wenn wir
seine Botschaften nicht hören wollen – unser Nachteil! Er hat seinen Job ge –
macht.

Der Anlass, sich in späten Jahren mit der Interpretation von „Psalmversen“ zu befassen ist ein sozialpolitischer. Seit etwa vier Jahren besteht der Unterstützungsfonds der Arbeiterkammer Tirol. In dieser Zeit wurden tausende
Hilfsansuchen bearbeitet und es ergab sich angesichts der Zahl schon die Frage, wie sich Armut in einem Land mit christlicher Tradition stets weiterverbreiten kann. Eine Antwort findet sich in Punkt 2: Die Politik, aber auch die anderen „Bereiche“ müssen begreifen, daß sie Partei für die Schwachen ergreifen müssen. „Wir machen reine, objektive Sachpolitik“ – das ist auch ein Ausdruck von Mutlosigkeit,sogar Feigheit. Mit der Botschaft unvereinbar!

Lothar Müller

Text – Basis: Kurt Marti, Die Psalmen – Annäherungen, 2.Aufl. RADIUS – Vlg. Stuttgart, 2010.

Psalm 1

Verlässlichkeit – oder nur Marketing?

„Sie sind wie Spreu, die ein Wind verweht“

Verläßlichkeit oder nur Marketing? Das ist hier die Frage.
In einer Zeit, in der die Blasen zerplatzen.
In einer Zeit neoliberalen Hochmuts und käuflich gemachten Individualismus.
Die Rede vom verläßlichen Fruchtbringen, vom Bewährten, von Spreu und sich verlierenden Wege. Und von Gottes Leidenschaft und Lust.
„Was alles er (so ein Mensch) tut, es gelingt“.
Eine Frage der Zeit und des Durchhaltens. Nicht des Marketings.
Immer!

Psalm 2

Ein Internationaler Strafgerichtshof. Immerhin!

„Nun denn, ihr Könige,begreift`s! Seid gewarnt, ihr Richter der Erde“

Kann er sich im Menschen und in dessen Gemeinschaften irren?
Um sich dann einfach eine Zeitlang zurückzunehmen, wie Hans Jonas meint?
Und dadurch Zeiten tobender Freiheit der Starken zulassen?
Braucht es Leid und Tod und Holocaust und Völkermord, damit wir dazulernen?
Wieviele Kriege und Diktaturen hat es gebraucht, bis ein internationaler Gerichtshof gegründet wurde?
„Nun denn, ihr Könige, begreift`s! Seid gewarnt, ihr Richter der Erde“.

Psalm 3

„Tempeltheologen“

„Für den (David) gibt es keine Befreiung bei Gott“

Ein verfolgter David. Flucht vor dem eigenen Sohn und dem Volk.Das ihn „ringsum“ belagert. „Für den (David) gibt es keine Befreiung bei Gott“, meinen sie.
Er fürchtet sich nicht – beim Herrn sei ja Befreiung.
Und er braucht auch keine Rücksichten mehr zu nehmen. nicht so wie ein Flüchtling, der noch an seine Familie denken muß.
Wenn der Herr David „gehalten hat“, dann hält er sicher auch den Flüchtling. und seine Familie. Ein Auftrag!
Es gibt Menschen, bei denen selbst Gott das Halten schwerfällt.
Kurt Marti spricht in seinem Kommentar von den „Tempeltheologen“. Ein Typus, den es überall gibt. DienerInnen angeblich höherer, aber auch stets eigener Interessen.
Trotzdem – letzter Vers: „Dein Segen komme auf dein Volk“.

Psalm 4

Das leere Gerede von Hochgeachteten.

„Ihr Hochgeachteten, wie lange noch…liebt ihr Leergerede und folgt der Lüge?“

Wie verabscheue ich sie doch – auch wegen ihrer leeren Fadheit!
Das Licht meines Antlitzes weicht auch wegen dieser Fadheit von euch.
Ich werde euch auch euren Umgang mit Armen und Ausgeschlossenen nicht schenken!
Aber bedenkt – unabhängig davon – den Spruch Davids:
„Du aber, Herr, gabst mir mehr Freude ins Herz als jenen,
die reich sind an Korn und Most“.
Immer gierig, immer ruhelos und immer freudlos ist euer Leben. Und wird es bleiben. Auch in Ewigkeit.

Psalm 5

„Wehret den Anfängen!“

„Kein Böser ist bei dir zu Gast…die Lügner läßt du schwinden“.

Doch wann beginnt das Böse? Wie wird man „ein Böser?“
Anfrage an uns, die Nachgeborenen der Nazizeit.
Die jetzt in Demokratien ohne Angst Fragen stellen können. Nach SS und Polizeibataillonen, Sonderkommissionen und Sondergerichten, euthanasiebetreibender Medizin, UnterstützerInnen, MitläuferInnen.
Harald Welzer beschreibt einen Zugang – zur Normalität, „Banalität des Bösen“
(Hannah Arendt): „In einer Dienstbesprechung am letzten Samstag haben wir beschlossen, uns von nun an genau umgekehrt wie zu Hause als Beamte zu benehmen;d.h. saumäßig. Man grüßt ja an sich schon keinen Polen…. (267).
Die meisten der von Welzer beschriebenen „Normalen“ haben ihr irdisches Leben damals retten können!
Die Bewährten, die Widerstandleistenden segnet nach dem Psalm Gott:
„Er beschirmt sie mit Gnade wie mit einem Schild“.
Aber zur Bewährung braucht es schon die Anerkennung des Wortes: „Wehret den Anfängen“. Dieses Wort muß jetzt hinein in den Psalm! Deus vult.

Psalm 6

Merk`s Christ

„Im Tode gedenkt man deiner nicht,
in der Unterwelt – wer preist dich da?“

Eine Erpressung Gottes durch einen schwer Erkrankten (David)?
Mit der darauf folgenden üblichen Verfluchung der David verfolgenden „Übeltäter“.
Jenseitsgläubigkeit – das war nach Marti nicht Sache des damaligen Glaubens.
Der Verstorbene kommt noch in eine „Unterwelt“.
Martis wichtigster Hinweis kommt kurz später: „Absenz der Erwählungs – Duselei“.
Ein Auftrag ist`s, den Gott uns gibt. Und Harmonie ist nicht immer gefragt.
Merk`s ChristIn! Und fürchte dich nicht besonders! Beim Tod, da spielen „viele Sachen“ eine Rolle. Auch scheinbar kleine.
Kläre diese, dann bist du von „wunderbaren Mächten umfangen“, wie Bonhoeffer meint.

Psalm 7

Recht ist sozial – oder nicht!

„Schaffe mir Recht, Herr, nach meiner Gerechtigkeit und nach meiner Unschuld“.

Also: weder verbundene Augen noch „Fiat iustitia et pereat mundus“ – Recht um des Rechtes willen. Beides Vorstellungen, die Recht außerhalb der menschlichen und sozialen Zusammenhänge stellen wollen. Angebliche „Ideologiefreiheit“!
Recht ohne sozialen Rahmen ist stets Recht des Stärkeren! Der Rasse, des Geldes,der neoliberalen Vorstellungen, der privilegierten Positionen.

Psalm 8

Gott redet wie ein Buch!

„Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst;
und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst?“

Ja, was sind wir? Was sind wir wert, was gilt unser Leben?
Bei Katastrophen, beim Blick ins Universum, beim Wissen um unser Ende?
Sind wir nicht ein selbstbewußtes und deshalb oft auch jammerndes „Nichts?“
Das seine Vergänglichkeit zum Drama macht?

Wir versuchen, den Unendlichen mit unseren Sinnen zu fassen und zu definieren. Handhabbar zu machen. Dabei gibt es von IHM eine einzige, einfache Selbstdarstellung: „Ich bin der, der da ist“. Einfach da. Und stets spricht.
Unser Problem von Anfang an ist das Hören!

Psalm 9

Der reiche Prasser mit vollen Hosen. Widerlich.

„So wird der Herr eine Burg der Bedrängten.
Und nicht vergißt er den Schrei der Armen“.

Er hat nicht eine Burg. Er hat nicht eine Kirche. Er hat nicht ein Volk.
Gott hat nicht. Er ist.
Und ist auf einer Seite. Eindeutig.
Des reichen Prassers Kalkül reicht nur für einige wenige Jahre.
Vielleicht für einen schnell wiedervergessenen „Mann des Jahres“.
Dann steht er heulend und mitleidheischend vor der großen Kluft.
Widerlich – findet dann selbst Gott.

Psalm 10

Internet – ein „Gottesgeschenk“.

„In Hochmut verfolgen Frevler die Armen,
um sie zu fangen in Ränken, die sie ersinnen.
Denn der Frevler preist seine Gier
Und segnet seinen Profit, verachtet aber den Herrn“.

So mancher Frevler verachtet nicht nur Gott, sondern auch das weltweite Netz.
Es kann „das Begehren der Armen“ und die gierigen Ränke der Frevler weithin vernehmbar machen.
Ein Gottesgeschenk.

Psalm 11

Rechtsstaat

„Sind die Grundpfeiler (der Rechtsordnung) eingerissen,
was vermag da noch der Bewährte?“

Obwohl deutlich, so doch oft übersehen: der Zusammenhang zwischen Gottes –
glauben und Recht. Das Achten auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte.
Reinhold Stecher hat bei seinen Hinweisen auf die Nazizeit und seine Gestapohaft
immer einen Satz warnend hinzugefügt: Wer da hineinkam, der hatte keinen Verteidiger, keine Hilfe, kein Recht mehr.
Desinteresse am Rechtsstaat ist ein Schritt zum Schuldigwerden!

Psalm 12

Damals war ich ein anderer

„Lügen reden sie, einer zum anderen,
mit glatter Zunge und zwiespältigem Herzen reden sie“.

Sie sagen:
„Durch unsere Lippen sind wir mächtig,
unsere Lippen stehen uns bei, wer kann uns meistern?“

Sie produzieren die „Blasen“. Die Fassaden, den trügenden Schein und das Vorurteil.
Sie vernichten den Lohn harter Arbeit.
Sie verspekulieren das erste Geld junger Menschen.
Sie leben gut, sehr gut von ihrer Show, die sie Marketing nennen.

Man kann sie erkennen. Sie übernehmen niemals Verantwortung!
Damals, da war ich ein anderer, sagen sie dann mit glatter Zunge.

Psalm 13

Licht gegen Korruption

„Erleuchte meine Augen, damit ich nicht zum Tod entschlafe“.

Ein Psalm, kurz vor dem Ende des Lebens auf dieser Welt?
Natürlich ist er – wie so oft – umgeben von Feinden, die jubeln wenn er wankt.

Licht ist jedenfalls Voraussetzung für das Leben.
Für das persönliche und auch für das gesellschaftliche, politische.
Licht hineinbringen – das ist auch der Tod der Korruption.

Psalm 14

Die Gier – und die Angst, die lähmt.

„Haben denn keine Einsicht all die Übeltäter,
die mein Volk verschlingen wie man Brot ißt…?“

„Ach, daß vom Zion die Befreiung Israels käme!“

Die Gier. Gestern, heute, morgen. Unausrottbar. nichteinmal „anrottbar“?
Und „der Zion“: Das Ideal nützt wenig, wenn die Praxis der Tempelhüter ziemlich weit weg von ihm ist. Ihre Sprache sehr allgemein und unverbindlich wird.Die verkündete Moral nichteinmal im eigenen Kreis durchgehalten wird.

Gott ist mobil. Begleitung setzt ja Mobilität voraus.
Zions und Zentralen – das ist nur eine Sache.
Basis und Netz – die andere. In diesen steckt der Geist zur Umkehr.
Die Zions und Zentralen mögen das bedenken.

Psalm 15

Schwache Eliten

„Wer sein Geld nicht auf Zins gibt
und keine Bestechung annimmt gegen Unschuldige.
Wer so handelt, wird ewig nicht wanken“.

„…keine Bestechung annimmt!
„Aufgedrängte Vorteilsnahme“ hieß es jüngst bei einem korrupten Hochrangigen.
Zu schwach, zu gierig um Nein zu sagen. Dann feige Ausflucht.
Und dennoch will er Präsident, Führungskraft, Leistungsträger sein oder bleiben.
Mit diesen Schwächen, mit dieser Erpressbarkeit.
Ein solcher steht nicht. Er wankt von vornherein.

Psalm 16

Consultant Gott

„Ich preise den Herrn, der mich beraten,
in den Nächten mahnt mich mein Inneres“.

Beraten.
Nicht bestimmen, befehlen, vorschreiben. Beraten!
Seit dem provozierten Hinauswurf aus dem Paradies ist der Mensch mit Freiheit und Verantwortung konfrontiert. Gott berät (nur). Ist nur konsequent.
Und ER berät gut und nachhaltig.
Gibt es etwas stärkeres als „Ebenbildlichkeit“?
Gibt es etwas stärkeres als die verbundene Gottes – und Nächstenliebe?
Gibt es etwas herausforderndes und richtigeres als die Feindesliebe?
Der Rat ist da. Deutlich, allgemein bekannt und nachlesbar.

Psalm 17

Charity. Wie gut wir doch sind.

„Ihren (der Frevler) Bauch füllst du mit deinen Gaben,
daß ihre Söhne (noch) satt werden
und sie einen Rest ihren Kindern hinterlassen.
Ich aber will in Gerechtigkeit schauen dein Antlitz“.

Wiederum: Gier, Gier. Und Unverständnis über die irdische Belohnung der Frevler und ihrer Nachkommen.
Mit glatten Lippen vollführen wir Charityveranstaltungen. Schlemmen für die Armen. Und enthalten oft gleichzeitig den ArbeiterInnen gerechte Löhne vor.
Charity kann Ungerechtigkeit nicht ausgleichen.
Charity ist nicht gleich Caritas.
Charity ist nicht gleich Gerechtigkeit.

Psalm 18

„Das Elend der Intellektuellen“

„Er holte mich hinaus ins Weite…“

Des Menschen Blick ist eng. Meistens auf ein Bild, ein „Paradigma“ fixiert.
Das er fernab aller Bedenken zu umtanzen pflegt. Das Goldene Kalb.
Der Krieg sei der Vater aller Dinge, das Stahlbad heilsam für das Volk.
In einem gesunden Körper stecke automatisch auch ein gesunder Geist.
DDT, Kernkraft, Gentechnik usw. löse alle spezifischen Probleme dieser Welt.
Dazu noch Rassenwahn, Euthanasie, das Recht der Stärkeren, der Neoliberalismus,
die innere „Weisheit“ des Marktes.

Wo bleiben dabei eigentlich die Intellektuellen? Mit Steuergeldern zu Kritik, Hinterfragen, Interdisziplinarität, Gesamtsicht usw. ausgebildet.
Sie hätten die Chance zum Widerstand gegen die Verehrung Goldener Kälber.

Psalm 19

Natur. Die leise Macht.

„Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes…
Erregt sagt`s ein Tag dem andern
Und eine Nacht teilt es der andern mit.
Kein Sprechen ist`s, keine Rede,
unhörbar bleibt ihre Stimme“.

Immer größer wird unser Erstaunen über die Zusammenhänge, die Kommunikation
in der Natur. Wir nennen sie – egozentrisch – „Umwelt“. Das, was rund um uns passiert.
Noch gibt es Alte, die viel von diesen Zusammenhängen und Kommunikation wissen.
Von der Kraft und Weisheit, aber auch von der Mitleidlosigkeit der Natur.
Warum eigentlich sollte sie Mitleid mit unserer Rücksichtslosigkeit haben?

Psalm 20

Eigentum – wird zu Plunder

„Jene sind stark durch Wagen, durch Rosse,
wir aber durch den Namen des Herrn, unseres Gottes“.

Mein Gott, was so manche alles brauchen!
Den Protz einer Villa. Die Größe eines Autos.
Titel, Ehrungen, Geld, Boni ohne Risiko, Sicherheiten ohne Ende.
Und eines Tages ist sicher alles weg. Eigentum wird zu Plunder, wie Martin Walser
schreibt. Weg und vergessen.

Sie „stürzen und fallen“, die anderen aber „stehen und überdauern“.

Psalm 20

Feindesliebe. Mission possible!

„Ihre Frucht wirst du von der Erde verschwinden lassen,
ihre Nachkommen aus den Menschenkindern“.

Ein Beispiel für den sprichwörtlichen alttestamentarischen Haß.
Gott schützt unsere Waffen, hieß es dann Jahrtausende weiter.
Wir wissen: Krieg und Gewalt erzeugen immer neuen Haß, sind nicht eingrenzbar,
es gibt keine „sauberen Schnitte“.
Unser Auftrag heißt Feindesliebe. Aus Glauben und Vernunft zugleich.
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Feindesliebe.

Psalm 22

Was bleibt von uns?

„Ihm allein sollen huldigen alle,
die in der Erde schlafen,
vor ihm sich beugen alle,
die in den Staub gesunken sind,
deren Seele nicht am Leben blieb“.

Corpora dormiunt, Animae vigilant – so die Aufschrift am Krakauer Wawel.
Die Körper schlafen, die Seelen wachen.
Was bleibt denn von uns im unaufhörlichen Strom der Geschichte?
Was wissen wir wirklich von der Person, dem Leben unserer Vorfahren? Auch wenn sie Cäsar, Luther, Goethe heißen?
Eigentlich nur Chiffren, bestenfalls noch einige Jahre Familienerzählungen, Werke der Musik oder Literatur können sich einige Jahrhunderte halten. Aber die Person dahinter – Chiffre. Jahreszahlen, Stichworte.
Wir müssen uns mit unserer kurzen Zeit und unserer relativen irdischen Bedeutsamkeit abfinden. Es ist so.

Psalm 23

Gottes Risiko heißt Mensch

„Der Herr ist mein Hirte, mir mangelt nichts.
Auf grünen Auen läßt er mich lagern.
Zu ruhigem Wasser führt er mich.
Er erneuert meine Lebenskraft“.

Sicher einer der meistgebeteten und –zitierten Psalmen. Er geht auch deshalb tief, weil er meist in Stunden des Abschieds gesprochen wird.
Hirte – dieses Wort aus einer vergangenen Lebenswelt – müssen wir bedenken!
Zu diesem Bedenken gehört auch das von Marti zu Recht eingebrachte Zitat von Hans Jonas: ein Hirte teilt das Leben seiner Herde. Mit allen Risken.
Der Hirte Gott ist somit ein „gefährdeter Gott, ein Gott mit eigenem Risiko“.
Hirt heute: Lebensbegleiter, Berater, Partner, Freund – immer mit Risiko!
„Der, der da ist“.

Psalm 24

Wir kommen und gehen – mit nichts!

„Des Herrn ist die Erde und was sie erfüllt,
der Boden und die darauf siedeln“.

Uns „gehört“ gar nichts. Wir sind bestenfalls VerwalterInnen. Kommen mit leeren Händen, gehen mit leeren Händen.
„Den nächsten trägt man auch hinaus, sagt mir, wem gehört das Haus?“ – so heißt es in einem bekannten Tiroler Gasthaus.

Psalm 25

Er braucht uns!

„Der Herr zieht zu Rate die,die ihn fürchten,
und läßt sie seinen Bund erkennen“.

Ein Horror für Gottesfürchtige, „Fürchtige“ ! Er zieht Menschen „zu Rate“.
Und läßt sie sogar die Geheimnisse seines Bundes erkennen! Besonders geheim sind sie ja nicht!
Diese einmalige Chance gilt es zu nützen!
Denn Gott hat eigentlich ja nur unsere Hände, Füße, unseren Mund wie es in einem bekannten Gebet heißt.
Das ist schon einiges an Kompetenz!

Psalm 26

Anders leben. Ganz anders!

„und habe dem Herrn vertraut ohne Wanken“.

Ob Gespräch zwischen Gott und dem reichen Prasser, Feindesliebe, Bergpredigt, Samariter und vieles mehr: es wird ein ganz anderes Leben von uns gefordert.
Solidarität, Zugehen auf bisher Abgelehnte und Bekämpfte, Caritas und Diakonie, Menschenrechte und Demokratie sind gefordert, empfohlen. Dazu braucht es Mutige, nicht Wankende!
Der Einblick in die Geschichte der Menschheit – sie ist eine Geschichte voll Gewalt und Krieg – zeigt: wir wanken zuviel. Wir vertrauen nichteinmal der eigenen Erfahrung und Erkenntnis.

Psalm 27

Wer in den Himmel will….

„Eines habe ich erbeten vom Herrn,
das ist`s wonach ich verlange:
zu weilen im Hause des Herrn alle Tage meines Lebens“.

Wohliger Schauer, Trost in schlechten und sogar in guten Zeiten.
Immer bei Gott, im Paradies. Niemand kann mir – dort – mehr was anhaben.
Nestwärme wie ganz am Anfang.

Ist es Einbildung oder Hoffnung eines, der sich für gerecht hält?
Verzeiht der immer Lebendige uns alles?

Gottes Botschaft ist die Gegenthese zu den herrschenden Verhältnissen.
Und die waren und sind in der Regel gewaltbesetzt, egoistisch, böse.
Nochmals: die Uneinsichtigkeit hinsichtlich der Feindesliebe.
Das ewige Verweilen im Hause des Herrn – ohne sich seinen Gegenthesen
anzuschließen?

Psalm 28

Was hat Rache jemals gebracht?

„Gib ihnen nach ihrem Tun,
nach der Bosheit ihrer Taten“.

Spricht der sehr Selbstgerechte.
Fragt er sich schon, was Rache jemals gebracht hat? Aug um Aug, Zahn um Zahn, Leben um Leben. Das Gleichgewicht des Schreckens.
Das Wort Gott stand oft genug auf Fahnen und Koppeln. Auf beiden Seiten.
Selig – und vernünftig – die Friedfertigen.

Psalm 29

Christlich – und ein bißchen ausländerfeindlich?

„Der Herr gebe seinem Volke Kraft.
Der Herr segne sein Volk mit Frieden“.

Eines ist sicher: die Kraft und den Friedenssegen gibt es nur dann, wenn das Volk offensiv dem Bösen entsagt. Auch dem banalen, dem „bißchen“, dem „sonst sind wir eh…“.
Weltmeister des „bißchen“:
Christlich und ein bißchen ausländerfeindlich.
Christlich und ein bißchen steuerhinterziehend.
Christlich und ein bißchen mobbend, lohnhinterziehend.
Christlich und ein bißchen gegen Kinderlärm.
Christlich und ein bißchen Verständnis für Korruption.
Christlich und ein bißchen geldgierig und karrieregeil.

Die Folgen dieser „Bißchen“ münden oft in die zu späte Feststellung:
„Wenn wir das gewußt hätten“. S. Nazizeit.

Psalm 30

Der Wert unserer Gelöbnisse

„Ich sprach einst in sicherer Zufriedenheit:
Nie werde ich wanken!“

Und – was ist aus der sicheren Zufriedenheit geworden?
Welche Folgen haben die Dutzenden von Versprechen, Eiden, Gelöbnissen und Schwüren?
Unverbrüchliche Treue der Republik, stete und volle Beobachtung der Verfassung,
gewissenhafte Erfüllung der Pflichten….

Wir wanken schon beim Geloben.
Sind aber noch sicher zufrieden.

Psalm 31

Wahngebilde Neoliberalismus

„Du hassest, die sich halten an Wahngebilde…“

Wahngebilde, Götzen … von Menschen ersonnene, von Überheblichkeit und dummem Absolutheitsanspruch getragene Vorstellungen.
Oft sogar von willfährigen Wissenschaftlern „wissenschaftlich“ unterlegt.
Wahngebilde sind auch Kirchen nicht fremd – Hexenprozesse.
Eines dieser Wahngebilde heißt Neoliberalismus. Alles wird Markt, Geld.

Psalm 32

Die schlimmste Sünde

„Ich sprach: Eingestehen will ich
dem Herrn meine Übertretung.
Da hast du vergeben
die Schuld meiner Verfehlung“.

Übertretung, Verfehlung.
Ist das etwas gegen die wohl größte und schlimmste Sünde – den Neid?
Er zerfrisst das Leben bis in die letzte Stunde.

Psalm 33

Ius. Gott will Recht.

„Er liebt Gerechtigkeit und Recht“.

Gerechtigkeit, aus der Recht erwächst, Recht wird.
Nicht nur letztlich unverbindliche Diskussionen über Gerechtigkeit.

Eine Ansage gegen Unverbindlichkeit, Rückzug aus der Gesellschaft und ihren Konflikten, frömmelnde Selbstgerechtigkeit.
Gott fordert Einmischung.
Von jeder und jedem, die oder der an ihn glaubt.
Und ganz klar: „Recht“, das sich von Gerechtigkeit entfernt, ist kein Recht.

Psalm 34

Nachjagen. Nicht abwarten!

„trachte nach dem Frieden und jage ihm nach“.

Unwahrscheinlich, wieviel an Unfrieden allein durch unprofesionelle Kommunikation, Gesprächsverweigerung, falsche Zeichen und übertriebene
Selbstdarstellung entsteht. Es wird nicht nachgejagt!
Und Nachjagen – das ist mehr als nur Bemühen oder gar nur Abwarten.
Nachjagen!

Psalm 35

Hören. Nachdenken. Glauben.

„Deine Befreiung bin ich“!

Auch wenn ich nicht an Dich glaube?
Du brauchst nicht an mich zu glauben. Aber ich empfehle dir: hör auf meine Botschaften. Da steckt viel Nachdenkarbeit drinnen. Damit ihr euch leichter tut –
in den Botschaften werden auch viele Beispiele mitgeliefert. Der barmherzige Samariter beispielsweise. Der keine ethnischen und religösen Grenzen beachtete.
Ob Du glaubst oder nicht – denk wenigstens nach!

Psalm 36

Korruption – so beginnt sie

„Es sagt der Frevler: „Nicht scheue ich Schuld“.

Ein Frevler – einer, der sich ob seiner Stärke, Position, seines Reichtums und Einflussses schwere Verstöße leisten zu können glaubt. Gegen Menschen, Natur,gesellschaftliche Werte.
„Er kennt kein Erschrecken vor Gott“ – heißt es weiter. Und er ist clever:
„Denn er glättet sich selbst seinen Weg, damit seine Schuld nicht gefunden, nicht gehaßt werde“.

Eine heute sehr „erfolgreiche“ Taktik: andere durch gezielte Informationen und
formale Zustimmung von Gremien mitschuldig werden zu lassen.
Haben ja nicht widersprochen, wußten ja alles.
Einige wurden sogar „Männer des Jahres“. Vorbilder – bis zum Konkurs.

Psalm 37

Die Dummheit der „Cleveren“

„Besser das Wenige des Bewährten
als der große Reichtum der Frevler“.

Klar ist: der verantwortungslose Umgang mit Naturressourcen, unser Leben auf Kosten der Menschen in der Dritten, vierten Welt – das trifft uns alle.
Es ist struktureller Frevel! Der uns noch gewohnten Wohlstand sichert. Noch.

Der Spruch – dem frevelnden Menschen gewidmet – geht weiter:
„Aber der Herr lacht über ihn,
denn er sieht, daß sein Tag herankommt“.

Der Tag, an dem Schluß ist mit Börsenmanipulationen, Privilegien, Plagiaten, sittenwidrigen Verträgen, gekauftem Einflusses.
Schluß mit abgrundtiefer Dummheit. Dann sehnen sie sich nach dem Wenigen der Bewährten.
Es gibt ein Zu Spät.

Psalm 38

Wer hat da wen verlassen?

„Verlaß mich nicht, Herr!
Mein Gott, sei nicht ferne von mir!“

„Wo“ war er beim Holocaust?
„Wo“ ist er beim Tod eines Kindes?
„Wo“ bei Mobbing, Entlassungen, Betrug …?

Wo soll denn er sein, wenn wir nicht da sind? Wen hat er sonst?
Wo sind denn seine „Ebenbilder“?

Psalm 39

Gerüchte, Vorurteile, Mobbing

„Achthaben will ich auf meine Worte,
damit ich mich nicht verfehle mit der Zunge“.

Was einmal draußen ist, ist da. Unter uns, nicht mehr anullierbar. Und kann wirken.
Aus Gedanken werden Worte, Überzeugungen, Taten.
Das Böse nimmt seinen Lauf.

Psalm 40

Tiefe durch Hören

„…hingegen hast du mir Ohren gebohrt“
Was wird in unserer Zeit mit dem Hören?
Gefragt ist die schnelle Information, das Bild, das mehr als tausend Worte sagt.
Und dann weiter. Weiter.
Das nächste Bild, aus dem sich trefflich Paradigmen bauen lassen, geldwerte.
Der Verlust des Hörens ist der Verlust an Tiefe.
Das Bild verdrängt die Stimme.

Psalm 41

Profiteure, akademisch ausgebildete.

„Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt…
Er liefert ihn nicht der Gier seiner Feinde aus“.

Die Gier.
Das Grundübel mit ungeheuren menschlichen und sozialen Folgen.
Die effektvolle Umsetzung der Gier bedarf heute umfangreichen Know hows.
Juristisch, wirtschaftlich, PR – mäßig, strukturell, politisch…..
Viele haben deshalb auch studiert oder bedienen sich akademisch ausgebildeter Helfer. Mitmacher werden mitschuldig!

Psalm 42/43

Und ER ist doch da!

„Wo ist nun dein Gott?“

Ja, wo ist er, war er? Millionenfach im Lauf der Geschichte gefragt.
In Unterdrückung, Holocaust, beim Tod junger Menschen,bei Naturkatastrophen…

Und wie oft wird diese Frage höhnisch gestellt worden sein – von Naziverbrechern oder Diktatoren. Wo ist er denn, warum fährt er nicht wie ein Blitz daher?
Du hast niemanden. Keinen Gott, der dir zur Seite steht.

Finden wir ihn „nur“ über unsere Mitmenschen? Die einem in schwierigster Situation zur Seite stehen?
Die Bäuerin, die gegen den Widerstand ihres Mannes die fünf kleinen Kinder einer von der Gestapo verhafteten Frau aufnahm und durchfütterte? Im einfachen Sol –
daten, der sich in einem vollbesetzten Saigoner Kino auf eine ausgelöste Handgranate warf? In jenen, die etwa einen Internationalen Strafgerichtshof gegründet haben?
Er ist da – in Menschen. In vielen. Nicht in allen

Psalm 44

Ein Gott des Friedens und der Menschenrechte

„du …zogst nicht aus mit unseren Kampfscharen“.

Die Zeiten des Vernichtens der Feinde durch Gottes An – oder Eingriff scheinen vorbei zu sein.
Warum ? – der Psalm endet irgendwie ratlos, bittend.

JAHWE, Gott mit uns – dieser Kampfruf stiftete lange Zeit Identität und Motivation für die Truppe. Gott wurde von allen angerufen, herbeizitiert. Vom Verteidiger und vom Aggressor.

Gott taugt nicht zur kollektiven Identitätsgewinnung und zur Erhöhung der Kampfbereitschaft. Er steht auf der Seite der Schwachen, der Unterdrückten, der Leidenden. Die es auf beiden Seiten gibt.
Ein Gott der Menschenrechte. Nach ihnen wird er uns fragen.

Psalm 45

Es gibt kein „Reines Recht“. Vergeßt das!

„…reite für die Sache der Wahrheit, der Armut, des Rechts“!

Nach Kurt Marti ein Psalm zur Verherrlichung des Königs anläßlich seines Hochzeitsfestes.
Er soll, wie Jahrtausende später John Wayne für die gute Sache reiten.
Für seine Ideale, unbarmherzig gegen Böse und das Böse.
Wahrheit – ist schon klar, „was“ Wahrheit ist?
Armut – die zeigt sich deutlich genug.
Recht – das liebt er im Zusammenhang mit Gerechtigkeit. Ein „reines Recht“ gibt es für ihn nicht.

Psalm 46

Solidarität gegen Angst

„Darum fürchten wir uns nicht,
obgleich die Erde sich um und um wandelt“.

Furcht, Angst werden reduziert durch das Wort „Wir“.
Durch Solidarität, die zuerst den Schwächsten zu gelten hat.
Und denen, die uns nachfolgen.
Mögen sie uns nicht verfluchen (müssen)!

Psalm 47

Was genügen würde

„Er wählte für uns unser Erbland aus“.

Auserwählt. Noch dazu durch den Allerhöchsten.
Es gibt gar nicht so wenige, die das von sich behaupten.
Unser „Erbland“ ist unsere Erde. Global.
Und mit der Auserwählung ist die Chance gemeint, die er uns mit seinen Botschaften mitgibt.
Das genügt.

Psalm 48

Für immer?

„Der Herr hat sie (die Stadt Jerusalem) fest gegründet für immer“

Die Rede ist von Burgtürmen, Bollwerken, einem Ostturm, der die Tharsisschiffe
zerschmettert. Was ist davon übrig? Hat er seine Zusage zurückgenommen? Und wenn ja warum?
Fest gegründet für immer – das gilt nicht dem Materiellen. Von dem bleiben bestenfalls Reste übrig wie vom Tempel in Jerusalem oder dem Kloster Cluny.
Was lange hält, sind Gemeinden, die vom Geist der Botschaft überzeugt sind und danach leben.
Für immer?
Solange sie den Geist wirken lassen – zumindest das!

Psalm 49

Sterben oder zugrundegehen?

„Sehen hingegen muß man: Weise sterben,
Tor und Narr gehen miteinander zugrunde,
lassen anderen ihr Vermögen zurück“.

Sterben oder Zugrundegehen?
Sterben ist was anderes als zugrundegehen.
Sterben bezieht das Wort von Erich Fried mit ein: Wenn wir kommen, sind wir schon wieder am Gehen.
Was macht uns eigentlich Angst vor diesem unveränderbaren Weg?
Was?

Psalm 50

Schwache Formalisten und Zitierer

„Ich mag den Stier aus deinem Hause nicht annehmen,
noch die Böcke aus deinen Pferchen!
Denn mir gehört alles Waldgetier,
das Wild zu Tausenden auf meinen Bergen“.

Er will was anderes als die Opfer der Formalisten und Gebetszitierer. Derer die glauben, mit Opfern einfach Untaten ausgleichen zu können.
Er sagt`s diesen wenig später deutlich hinein:
Er sei ein Gott des Rechts. Die Himmel sollen seine Gerechtigkeit verkünden.

Psalm 51

Wie aus normalen Menschen Massenmörder werden

„Siehe: in Schuld bin ich geboren,
in Verfehlungen empfing mich meine Mutter“.

Die Potenz zum Bösen steckt in jeder/jedem von uns.
Und es bedarf nur ganz geringer Änderungen von Wertvorstellungen und Rahmenbedingungen. Es beginnt ganz banal. Vorurteile, Diskriminierung, Abbau von Rechten.
Und schon können aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden,wie Harald Welzer schreibt.
Wir müssen mit diesem Erbe fertig werden. Jeder und jede Generation.
Die sogenannte „Erbsünde“.

Psalm 52

Populärer Unsinn – mit Methode

An den, der sich seiner „Schurkerei“ auch noch rühmt:
„Du liebst überhaupt verderbliches Reden,
du Zunge des Betrugs“.

Das Verderben beginnt meist im kleinen, unscheinbar, durch kleine, „läßliche“ Sünden.
Neuestens etwa Plagiate. Sie sind nichts anderes als Betrug auf akademischer Ebene. Ein Plagiator ist ein Betrüger.
Und was haben die Menschen, ganze Völker und Generationen, den selbsternannten Eliten nicht alles geglaubt!
Der Krieg sei der Vater aller Dinge.
In einem gesunden Körper stecke – automatisch – auch ein gesunder Geist.
Es gebe bessere und mindere Rassen.
Flüsse müßten begradigt werden, technisch sei alles beherrschbar – vom Genom bis zum Atom.
Minderheitsmeinungen bekommen erst Gehör, wenn es schon zu spät ist.
Wenn das „verderblichen Reden“ und Schreiben schon seine Wirkung gezeigt hat.

Psalm 53 – s. Psalm 14

Psalm 54

Demokratie, Recht, Sicherheit – alles muß ständig erkämpft werden.

„Siehe, Gott ist mein Helfer,
der Herr ist der Halt meines Lebens“.

Vergänglich, alles. In steter Bewegung, alles. In gegenseitiger Abhängigkeit, alles.
Wir suchen irgendeinen möglichst unvergänglichen, „ewigen“ Halt. Sicherheit.
Für unser Leben, die Kinder, Häuser, Finanzen, Versorgung , Rechte usw.
Einiges können wir übernehmen – etwa Demokratie, Sozialversicherung. Bewährtes müssen wir solidarisch und verläßlich an unsere Nachfahren weitergeben.
Letztlich gibt es nur jenes Maß an – relativem – Halt und Sicherheit, das wir uns selbst erarbeiten und erkämpfen. Und verteidigen.

Psalm 55

Mit Geld und Marketing

„Nimmer enden auf ihrem Markte
Erpressung und Betrug“.

„Seine Worte scheinen linder als Öl
und sind doch gezückte Dolche“.

Erpressung, Betrug. Und Worte „linder als Öl“.
Ein großer Teil angeblich „wissenschaftlicher Stellungnahmen“ über wirtschaftlich attraktiv erscheinende Produkte wird von Agenturen getextet. Unterschrieben dann von willfährigen Wissenschaftlern.

Mit Worten „linder als Öl“ werden KonsumentInnen über Produktqualität, Gewichte, Leistungen getäuscht. Betrogen.
„Luftverpackungen“ mit auffallendem Design.
Systematischer Betrug – oder?

Psalm 56

Stärke

„…auf Gott hoffe ich, fürchte mich nicht.
Was kann ein Sterblicher mir antun?“

Der – oder die – Sterblichen können dir viel antun.
Nach menschlichem, also irdischen Ermessen.
Mit vielen MitläuferInnen, MitschweigerInnen, Mithandanlegenden schaffen sie viel. Vom Mobbing bis zur ethnischen Säuberung, Völkermord.
Aber: auch sie sind sterblich. Und das macht sie verletzlich, aber auch fanatisch.
Es war ein Anliegen Hitlers, den Krieg möglichst weit vor seinem 60. Geburtstag
zu beginnen.
Auch mit dieser Welt müssen wir selbst fertig werden. Und Anfängen wehren!
Aber es wird einmal anders werden – so glauben wir.

Psalm 57

Schwächlich, schlechter Gesang

„Schwinge dich über die Himmel, Gott,
über alles Erdreich deine Herrlichkeit“.
„…ich will dir singen und spielen“.

Welcher Gottgläubige müßte da nicht singen oder spielen?
Schierer Übermut müßte unter ihnen, in ihren Gemeinschaften herrschen.
Tut sie aber nicht.
Weil sie zu schwach sind, den humanistischen Auftrag Gottes zu erkennen, auf ihn geradezu stolz zu sein.Dafür gern dabei beim Jammern.
Wer schwach ist, zieht sich meist auf Statuten, Äußerlichkeiten, routinierte Riten und heiliggesprochene Traditionen zurück. Und beharrt eisern auf Privilegien.
Mit solchen Menschen ist Singen und Spielen kein Spass. Auch nicht für Gott.

Psalm 58

Wo Widerstand beginnen muß

„Ja, es gibt noch einen Gott, der auf Erden richtet“.

Das soll der Psalmist einmal einem Opfer der Shoah sagen.
Oder verhungernden Kindernin in einem von uns ausgebeuteten Land der Dritten Welt. Oder den Frauen von ermordeten Gewerkschaftern.
Wo richtet er denn „auf Erden“? Wo hat er gerichtet?
Dabei wollen sie garnicht ihre Füße baden im Blut des Frevlers, wie es in diesem Psalm auch heißt. Keiner will es.

Er hat uns den Auftrag gegeben, „auf Erden“ für Gerechtigkeit und Recht zu sorgen. In seinem Namen. In seinem Geist, der Kraft und Mut verleiht.

Einiges, weniges ist seit der Zeit des Psalmisten schon geschehen:
Wahlrecht und Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Öffentlichkeit, der Internationale Strafgerichtshof, Menschenrechtskonvention. Vieles da, noch vieles durchzusetzen.
Das Gericht auf Erden beginnt aber im eigenen Bereich.
Beim Betrug mit Gemeinschaftsgeldern, Plagiaten und Fälschungen, Andrehen schlechter Produkte, Erschleichen von Förderungen, Verständnis für ungerechfertigte Manager – Boni, Augen zu bei Erntesklaven…
Widerstand – hier muß er beginnen!

Psalm 59

Mit leeren Augen, gierig.

„Und jeden Abend kehren sie wieder,
kläffen wie Köter und umkreisen die Stadt,
streunen umher nach Fraß
und knurren, wenn sie nicht satt wurden“.

Beinhart – der Psalm über die Gierigen.
Die mit leeren Augen und ohne jede menschliche Betroffenheit Geld, Macht und Anerkennung herausreißen. Zu Lasten der Gemeinschaft. Immer der Schwächeren.

„In Solidarität kommt mein Gott mir entgegegen“ – so heißt es andernorts im Psalm. Solidarität – an ihrem Mangel erkennt man die Gier.

Psalm 60

Klimawandel: besonders Verantwortliche

„Du hast die Erde erschüttert, gespalten-
heile ihre Risse, denn sie wankt“.

Die Erde wankte – für die Verlierer der Schlachten im Zweistromland. Er habe sein Volk Hartes erfahren lassen.
Sein Volk erhoffte – da auf immer und ewig auserwählt, natürlich den Sieg. Mit Gottes Hilfe.
Vergeblich. Gott ist für Schlachtensiege nicht zuständig.
Genausowenig für die Folgen des menschlichen Fußabdruckes, der die Erde jetzt zum Wanken bringt. Umweltzerstörung, Armut, Klimawandel.
Es wäre zu allgemein, einfach „die Menschen“ dafür verantwortlich zu machen.
Es gibt schon besonders Verantwortliche.

Psalm 61

Schnelles Beten, schneller Tausch

„Auf den Felsen führe mich
– mir ist er zu hoch“.

Später ist von „gehörten Gelübden“ die Rede.
Gott habe sie gehört – und jetzt kommen die Wünsche.
Sind die Zeiten schon vorüber, in denen manche
Gottes Beistand rituell erzwingen wollten?
Sich seiner durch Tauschangebote, schnelles Beten gefügig machen wollten?
Sich seine Nähe öffentlich anerkennen lassen wollten?
Solche waren immer da.

Psalm 62

Kapitalistische Beruhigungspillen

„Wenn der Wohlstand wächst,
hängt euer Herz nicht daran“.

„Von ihm kommt mir Befreiung“ heißt es am Anfang.
Von einem Wohlstand auf Kosten anderer kommt keine Befreiung. Kapitalismus –der kann massenhaft schnell zu verbrauchende Güter liefern. Natürlich sollen wir unser Herz an dieses System hängen – will seine PR. Uns glauben machen.

Psalm 63

Halbe Freiheit gibt’s nicht

„Gott,mein Gott bist du, dich suche ich“!

Gott wär ja da. Und seine unzähligen Botschaften.
Sein „Ich bin der der da ist“ hat er uns ja mitgegeben. Nach dem Auszug
aus dem Paradies.
Als sich der Mensch erfolgreich seine Freiheit nahm, das Nest verließ.
Und damit eigentlich auch Verantwortung für sein Tun und Lassen hat.
Volle Länge!
Denn Freiheit ohne Verantwortung – das gibt`s nicht.
Da nutzt auch das Flehen zum lieben Gott nichts.

Psalm 64

Verhinderung statt Abscheu

„Verstecke mich vor dem Klüngel der Bösgesinnten…
Er läßt sie straucheln über ihre Zungen,
vor Abscheu schütteln sich alle, die sie sehen“.

David, wer immer! Bitten wir um Mut, nicht um Verstecke.
Damit statt späterer Abscheu Verhinderung werde.
Sie sollen garnicht hochkommen können.

Psalm 65

Gelübde, abbezahlt, gegen Mülldeponie

„zu dir bringt alles Fleisch
die Lasten der Sünden“.

Wir wollen sein wie Gott. Und dann fordern wir von ihm,die Mülldeponie unserer Sünden zu managen. „Dir bezahlt man Gelübde“, heißt es im Vers zuvor.
Sanierung der Mülldeponie gegen bezahlte Gelübde.
Wär ein gutes Geschäft für uns. Wenn er mitmachte!
Dumm wär er!

Psalm 66

Tipps für`s Leben

„Hätte ich`s in meinem Herzen auf Arges abgesehen,
nicht würde der Herr mich hören“.

Er hört. Schon aus Interesse an uns. Aber müssen tut er nicht.
Warum denn auch?
Wir wollten Freiheit von ihm.
Das bedeutet aber auch Distanz. Beidseitige.
Die Beziehungen auf Augenhöhe, freiwillig.
Dankenswerter Weise gibt er uns laufend Tipps für`s Leben.
Auf die wir hören können – oder nicht.
Was er sicher nicht gut verträgt ist Jammern.

Psalm 67

Leuchtsignal

„Gott sei uns gnädig und segne uns,
er lasse sein Antlitz leuchten bei uns“.

Der bekannte Aaronssegen. Oft „gespendet“, also weitergegeben.
Aber – allen SpenderInnen und „EmpfängerInnen“ sei`s gesagt:
Er ist eine Bitte. Mag er liturgisch und dramaturgisch auch noch so
ergreifend ausgesprochen werden – eine Bitte!
Das Aufleuchten seines Antlitze ist wie ein Signal. Eine Chance.
Meist ist dann Umkehr angesagt.

Psalm 68

Jetzt ist die Zeit gekommen

„Tritt nieder, die Silber lieben!
Zersprenge die Völker, die sich freuen am Krieg“.

Brutal. so soll Gott einschreiten, will es der Psalmist. Jahrtausende vor uns.
Niedertreten, Zersprengen, Zerschmettern.
Noch war nicht die Zeit, psychologisch und soziologisch über die Dummheit
von Menschen, Wirkung und Verantwortung der opinion leader und „high potentials“,angepasste und willfährige „unabhängige“ Wissenschaft,
Populismus und Manipulationsmethoden systematisch zu reflektieren.

Jetzt aber ist die Zeit gekommen.
Heute würde der Psalmist schreiben.
Tritt – mit uns – die Dummheit nieder.
Zersprenge –mit uns – diejenigen, die nur in der Masse stark, sonst aber Feiglinge sind
Zerschmettere – mit uns – die Lügengebäude
Und schütze – mit uns – die Armen.
Amen.

Psalm 69

Titanic.

„Rette mich, Gott, denn schon kommt
mir das Wasser bis an die Kehle“.

Im Psalm geht es um die Lüge, um „verlogene Feinde“ usw.
Wir nehmen die maßlose Übertreibung, die Verabsolutierung,nichteinhaltbare Versprechen dazu. Inklusive Heilsversprechen.
Das Wort „Titanic“ steht dafür.
Schneller, größer, besser – wo liegt eigentlich der Sinn?
Und Fehler dürfen ja nicht gesehen werden. Informationen darüber müssen niedergekämpft werden.
Zuerst trifft es ja ohnedies die Reisenden in den unteren Klassen.
Das Titanic – Syndrom.

Psalm 70
(nach Kurt Marti weitgehend Psalm 40 entsprechend!)

Befreien!

„Nicht willst du Schlacht – und Gabeopfer,
hingegen hast du mir Ohren gebohrt.
Brand – und Sühnopfer forderst du nicht“.

Eine klare Absage an diese Art von Opfern!
In vielen von uns steckt noch eine Gottesvorstellung, nach der er geradezu
zu Erhörungen gedrängt, eingekauft werden kann. Der Gebets – und Opferautomat. Eigentlich eine Blasphemie!
Er will:
„Es sollen sprechen: Groß ist der Herr!,
die dein Befreiertum lieben“.
Selbstprüfung ist angesagt. „Die dein Befreiertum lieben“!

Psalm 71

Wenn das Alter kommt

„Verwirf mich nicht in der Zeit des Alters“.

So wie auch wir nicht die Alten, Dementgewordenen, Hilfsbedürftigen verwerfen.
Oder?

Psalm 72

Befreiungstheologie, Befreiungsrecht, Befreiungspolitik…….

Er (der König) richte dein Volk in Gerechtigkeit
und deine Elenden mit Recht…“.

„Aus Bedrückung und Gewalt
befreit er ihr (der Schwachen und Armen) Leben,
denn kostbar ist ihr Blut in seinen Augen“.

Die Aufträge Gottes sind klar – und „befreiungstheologisch“!
Wiederum Gerechtigkeit und Recht.
Das alles gilt nicht nur für TheologInnen, KirchenvertreterInnen, sondern ebenso als Richtschnur für Politik, Recht und Rechtswissenschaften, Geschichtsforschung.
Letztere etwa über Ideale und Praxis der Französischen Revolution.

Psalm 73

Aus Großtuern werden verlachte Schattenbilder

„Denn Eifersucht auf die Großtuer ergriff mich,
als ich sah, wie es den Gottlosen so wohlerging…..
immer im Glück, häufen sie Reichtümer“.

Dann aber:
„Ja, du stellst sie auf schlüpfrigen Grund,
läßt sie der Täuschung verfallen…, verlachst du ihr Schattenbild“

Ein sehr persönlicher und operativ tätiger Gott. Der das tut, was auch wir tun sollten: hinter die Fassaden blicken, nicht mitjubeln, nur Bewiesenes „glauben“
und lachen. Über die Schattenbilder der Angeber.

Psalm 74

Widerspruch! Es gibt ProphetInnen.

„…es gibt keine Propheten mehr“.

Einspruch!
Es gab damals ProphetInnen. Und es gibt heute ProphetInnen.
Ob mit oder ohne religiösem Gewand. Zu finden meist in Minderheiten.
Woran es fehlt ist unser Hören, Nachdenken und Schlüsseziehen aus ihren Worten und Zeichen.Ob KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen, QuerdenkerInnen, alten Menschen, Geschichtsbewußten, Besorgten, engagierten Jungen, Minderheiten.
Mut zum „Aufkommen lassen“!

Psalm 75

„Hoch sollst du leben, dreimal hoch“!

„Wir preisen dich, Gott, wir preisen“.

Vor allem, weil du uns die Chance offenläßt, umkehren zu können. Immer.
Dafür: hoch sollst du leben!

Psalm 76

Welche Namen Gott kennt

„Er stutzt den Übermut der Fürsten,
furchtbar begegnet er den Königen der Erde“.

Eigentlich: was ist ihnen denn geblieben, den „Fürsten“ von Herodes bis Hitler?
Sie haben alles verloren. Ihr Name wurde zum Fluch.
Sie haben die Leben von Millionen ausgelöscht. Unendliches Leid gebracht.
Die Namen dieser werden aber zum Segen.
Der kleine Täufer Johannes oder Anne Frank.
Diese Namen kennt Gott.
Die anderen haben selbst ihren Namen vor Gott verloren. Nichts mehr da.

Psalm 77

KirchenbürgerInnen

„Wie eine Schafherde führtest du dein Volk,
durch Moses`und Aarons Hand“.

Gott – der große Chef im Hintergrund, gelegentliche Wunder, die heute längst wissenschaftlich erklärt, „enttarnt“ sind.
Dann die entsprechenden „Bilder“ – gut 2000 Jahre alt. Wie anders hätte damals die Botschaft an die Menschen gebracht werden können? Die Bezeichnung „KirchenbürgerInnen“ hätte damals niemand verstanden.
Das Bild der Herde – das war. Das Bild der KirchenbürgerInnen, der frei entscheidenden, das ist. Gott will diese Freiheit.

Psalm 78

Was bleibt…

„Er gedachte dessen, daß sie nur Fleisch sind,
ein Hauch,der hinweht und nicht wiederkommt“.

Und das soll alles gewesen sein?
Zu Staub, letztlich werden, geworden sein?
Mit der Generation gegangen und dann allmählich vergessen?
Selbst wenn jede Menge an Macht und Einfluß, Literatur oder Bildern noch da sind – die Person dahinter entschwindet. Unbarmherzig.
Uns bleibt unsere Gegenwart und ein Stück Vorbereitung der Zukunft.
Auch wir sind Natur.
Unbarmherzig.
Unabänderlich.Jammern hilft nicht. Verschwendung von Zeit für was Besseres.

Psalm 79

Eliminierung der Geschichte

„Nicht rechne uns an die Schuld der Vorfahren“!

Wär unfair und ungerecht.
Was aber „anrechenbar“ ist: unser Versagen aus dem möglichen Lernen aus ihren Fehlern. Ihrem Versagen gegenüber der Botschaft. Die Eliminierung der Geschichte. Das darfst Du uns anrechnen!

Psalm 80

Raum schaffen

„Einen Weinstock hobst du aus in Ägypten…
Du schufst ihm Raum, er schlug Wurzeln
und erfüllte das Land“.

Und wem schaffe ich – optimistisch, offensiv – menschlich, mit möglichst wenig Vorurteilen Raum? Raum für Freiheit. Für Wurzeln.Für Heimat.

Psalm 81

Wir werfen uns nicht mehr nieder.Nicht vor denen!

„Kein anderer Gott soll unter dir sein,
wirf dich vor keinem fremden Gott nieder“.

Und vor wieviel fremden Göttern werfen wir uns denn nieder?
Vor wieviel falschen Paradigmen, „gesellschaftlichen Annahmen“ und
Vorurteilen?
Eines lautete einmal: Die Frau sei die Einfallspforte des Teufels. Die Folgen
dieser Wahnsinnsaussage sind bekannt!
Wir werfen uns nieder:
Vor Quantifizierungen und Ratings – obwohl wir wissen, welche Interessen dahinter stehen.
Vor einer Werbung – obwohl wir von ihrer Grenzwertigkeit hinsichtlich Seriosität und Ethik wissen.
Vor sogenannten „Eliten“ – obwohl wir deren oft fehlendes soziales Interesse und
Zusammenhangswissen und das überstark vorhandene irrationale Prestigebewußtsein kennen.
Vor dem festen Glauben, unser Wohlstand sei gerecht verteilt und von uns selber erworben.
Das sind „fremde Götter“. Uninteressant!

Psalm 82

Partei ergreifen

„Gott steht in der Gottesversammlung,
inmitten der Götter hält er Gericht…..“

„Wie lange noch wollt ihr ungerecht richten…“

„Doch wahrlich wie Menschen werdet ihr sterben
und fallen wie irgendein hoher Beamter“.

Der wahre Gott steht auf Seite der Armen und Unterdrückten. Daran erkennt man ihn unmittelbar. Gott ergreift Partei. Er ist keine „objektive Instanz“.
Selig die Parteiergreifenden!

Psalm 83

und Gott ist da!

„Gott, bleibe nicht still,
schweige nicht und bleib nicht ruhig, Gott !“

Aufregung über Unrecht – und Gott ist da.
Aufschrei gegen Unrecht – und Gott ist da.
Kampf gegen Unrecht – und Gott ist da.

Psalm 84

Heiliger Martin Luther

„Glücklich sind, die in deinem Hause wohnen,
die dich immerdar preisen!“

Das „Preisen“, noch dazu „immerdar“, ist so eine Sache!
Wir halten es ja eher mit dem „Bepreisen“. Mit dem Berechnen. Selbst „das Preisen“ Gottes wurde schon berechnet – siehe Ablasshandel. Viel Preisen, viel Geld – viele Chancen bei der letzten Bilanz und danach.Glaubt man.
Martin Luther, ein noch nicht heiliggesprochener Heiliger hat versucht, damit Schluß zu machen.
Vergelt`s Gott!

Psalm 85

Wann Recht zu Recht wird

„Gerechtigkeit geht vor ihm her,
und Heil folgt der Spur seiner Schritte“.

In manchen Interpretationen folgt nach der Gerechtigkeit „das Recht“ der Spur seiner Schritte.
Recht, das Gerechtigkeit folgt – kein Problem, dieses Heil zu nennen.
Das Unheil beginnt mit der Trennung von Gerechtigkeit und Recht.

Psalm 86

Wegweiser Bert Brecht

„Weise mir, Herr, deinen Weg…“

Ich tu das ja dauernd, wird er dem Psalmisten gesagt haben. Ununterbrochen!
Ihr habt Moses und die ProphetInnen, engagierte WissenschaftlerInnen, Alte, die euch viel sagen können, Literaten wie einen Bert Brecht mit seinem Schreiben gegen den Nationalsozialismus. Der Schoß sei fruchtbar noch – dieses Wort könnte von mir sein! Ein Beispiel für das gewünschte Weisen meines Weges.

Psalm 87

Gottes Job

„Herrliches wird von dir erzählt, du Stadt Gottes. Sela.
……Er selbst, der Höchste, hält sie aufrecht“.

Aber warum dann die Zerstörunug von Stadt und Tempel, die Verfolgung und Zerstreuung des Bündnisvolkes, der Holocaust? Wenn doch „er selbst“ sie aufrecht hält?

Ohne uns hält er gar nichts aufrecht! Warum soll er das tun?
Wer Freiheit und Autonomie will, der muß sich auch mit den Konsequenzen herumschlagen.
„Ihr habt Moses und die Propheten !“
Die schicke ich euch – das ist mein Job. Verstanden?
Amen!

Psalm 88

Auslagerung des Sterbens

„Ich zähle zu denen, die hinabsteigen zur Grube,
bin ein kraftloser Mann.
Unter Toten muß ich wohnen…“

Was bringt das Jammern und Flehen – vom Psalmisten und ebenso von uns?
Es ist so.
Und es kommt darauf an, wie wir „Raum um Raum durchschreiten“. Keiner ist ewige Heimat.
Viele haben dieses Gehen nie gelernt – besonders das durch unsere letzten Räume.
Wir kennen diese nicht mehr – das Sterben wurde ausgelagert. Hinter Krankenhaus – und Altenheimmauern. Sollten wir es nicht wiedergewinnen? Das Hinübergehen.

Psalm 89

„Gott ist nicht tot, er fehlt“

„Ich schloß einen Bund mit meinen Erwählten,
schwur meinem Knecht David:
In Ewigkeit gründe ich dein Geschlecht“.

Der – lange – Psalm geht weiter mit den Hauptforderungen – Gerechtigkeit und Recht.
Er beschreibt auch, wie er „seine Söhne“ im Fall des Ungehorsams bestraft – mit dem Stecken. So richtig alttestamentarisch.
Aber er entzieht ihnen nicht seine Huld.
Und dann wird gejammert: „Wie lange,Herr, willst du dich andauernd verbergen, wo sind deine früheren Gnadentaten…“.

„Gott ist nicht tot, er fehlt“, schreibt Martin Walser 2012.
Aber warum fehlt er – hat er am Ende genug von unserem ewigen Jammern, vom Abschieben der Verantwortung auf ihn?

Psalm 90

Wozu haben wir ihn?

„Laß an deinen Knechten sichtbar werden dein Wirken“

Auch das möge er selbst tun. Er wird`s schon machen, ist ja gutmütig.
Alles wird an ihn delegiert, verpackt in untertänig – frommen Sprüchen.
Vom „fairteilen“ der Arbeit – davon wollen wir nichts wissen.
Zu was haben wir ihn?

Psalm 91

„Hier Gott, hast du das gelesen?“

„…denn er kennt meinen Namen.
Ruft er mich an,so antworte ich ihm“.

Und er ruft wirklich an! Im „sollte ich nicht?“ nach Informationen und dem Wissen
über Leid und Katastrophen, Unterdrückung, Mobbing – da steckt er. Fragt, ob wir seine Botschaft nicht umsetzen wollten.
Er ruft wirklich jede und jeden an. Persönlich – die Namen hat er ja.

Psalm 92

Ist es die Musik?

„Um kundzutun, daß der Herr gerecht ist,
mein Fels, an dem kein Falsch ist“.

Der Psalmist greift „zur Zehnsaitigen und zur Harfe“. Schön sei es, dem Namen des Herrn zu singen.

Wie kommen wir an Gott heran – eine ewige Frage. Er ist mit unseren Mitteln nicht greifbar. Nie.
Aber gibt es etwas besseres als seine Eigendefinition – Ich bin der, der da ist?

Wissenschaftlich nicht definierbar, literarisch nicht beschreibbar – vielleicht ist es die Musik, die uns näher an ihn bringt?

Psalm 93

„Lernen Sie Geschichte“

„Deine Zeugnisse sind überaus verläßlich“

Unsere sind immer „relativ“, eingeschränkt, zeitgebunden. Unser Wissen ist wie das Rohr im Wind. Und wir selbst sind „Pendelwesen“.
Würden wir „Geschichte lernen“, wie Bruno Kreisky gefordert hat – wir wüßten um die immerwährende Bedeutung des umfassenden Gebotes der Liebe. Selbst zu den Feinden.

Psalm 94

Die Religion der SS

„Merkt auf, ihr Bestien im Volk,
und ihr Toren – wann werdet ihr klug“?

Deutlicher geht`s wohl nicht!
Bestien im Volk – die sich alles unter ihre gierigen und zugleich abgrundtief – gefährlich – dummen Nägel reißen.
Sie kommen nicht von woanders her, sie sind im Volk. Unter uns. Auch in uns?

Sie leben von den Toren. Die klug und wissend sein könnten. Aber es vielleicht garnicht sein wollen. Glauben, daß Unwissen und Wegschauen das Gewissen schütze.

Eine jüngste Analyse der Biographien der Wiener SS belegt: fast alle kamen aus
katholischen oder evangelischen Häusern. Sie waren unter uns. Sie sind unter uns.
Wo sonst?

Psalm 95

Nur beten ist zuwenig

„Vierzig Jahre widerte mich jenes Geschlecht an.
Ich sprach: Sie sind ein Volk wirren Sinns,
haben meine Wege nicht erkannt“.

Gott frustriert!
Sein Bundesvolk, das besonders geliebte und informierte – es hat seine Wege nicht erkannt. Vierzig Jahre vergebliche Liebes – und Bildungsmüh.
Erkennt sein neues, internationales Bundesvolk seine Wege?
Gottes – und Nächstenliebe, Feindesliebe, Gerechtigkeit und Recht ?
Darum nur zu beten – das ist ihm sicher zuwenig! Ist auch zu bequem!

Psalm 96

Neue Götter – Schnelle Kasse

„Denn groß ist der Herr und hoch zu loben,
furchtbar thront er über allen Göttern“.

Die Götter!
Das goldene Kalb
Die Macht der Legionen
Die unfehlbaren Hierarchien
Die absoluten politischen und wissenschaftlichen Heilsversprechungen
Die Macht des Geldes.

Alle wollen sein wie Gott. Als „Gott“, „Götter“ gelten.
Wenn wir an sie glauben, dann sind sie es auch – für einige Zeit. Eine heillose
Zeit. Dann ist`s aus mit ihnen. Dann kommen neue als Gott, Götter.
Sie sind alle erkennbar und definierbar. Im Gegensatz zu Gott.
Sie wollen letztlich alle an das Geld des Volkes. Mit allen Mitteln. Schnelle Kasse.

Psalm 97

Kein Bild von ihm!

„Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Thrones“

„…da werden zuschanden alle Bildverehrer,
die sich der Nichts – Götter rühmen“.

Ihn charakterisieren Gerechtigkeit und Recht.
Die „Nichts – Götter“ leben von Bildern und deren VerehrerInnen.
Gott verträgt kein einschränkendes Bild, keine Definition.
Was wir von ihm erkennen können sind seine Wege. Eigentlich Wegweiser.

Psalm 98

Die Welt würde schauen!

„Alle Enden der Erde schauten
die Befreiungsmacht unseres Gottes“.

Die Welt, alle ihre Enden: global, vernetzt, gegenseitig abhängig, macht – und vorteilsorientiert, nördlicher Wohlstand auf Kosten des Südens usw.
Die Welt, alle ihre Enden aber auch: viele nachdenkliche,kluge, weise, idealistische Menschen, zukunftsweisende Innovationen, mutige Initiativen usw.
Die Befreiungsmacht Gottes zeigt sich in vielen Beispielen.
Dafür müssen wir aber einen Befreiungsweg gehen. Selbst.

Psalm 99

Hitler im Himmel?

„Ein vergebender Gott warst du ihnen,
doch ein Ahnder ihrer Untaten“.

Also beides: vergeben und ahnden. Oder vielleicht doch umgekehrt?
Ein Stalin – Priesterseminarist, ein Hitler gar – sicher auch traditionell – religiös erzogen, letztlich „im Himmel“? Und auch die vielen anderen Verbrecher ?
Und wenn ihnen einmal das letzte ihrer Opfer verziehen hätte? Was dann?
Was täte er dann?
Was bliebe ihm übrig?

Psalm 100

Kriterien für religiösen Dialog

Erkennet, daß der Herr (allein) Gott ist!“

Ganz pragmatisch und evaluierend!
Erkennet, daß es nur einen gibt. Den mit der Gottes – und Nächstenliebe, mit Gerechtigkeit und Recht, den sogar mit der Feindesliebe, der Bergpredigt überhaupt. Kriterien für religiösen Dialog!

In vielen Ländern genießen Religionen und Wissenschaften grundsätzlich viele Freiheiten. Hart erkämpfte. Die Frage ist stets, ob sie sich dieser Freiheiten würdig erweisen. Benützen sie diese Freiheiten zur Befreiung der Schwächeren?
Oder sind es nur Privilegien?

Psalm 101

Kleine Schritte zu großen Verbrechen

„Ich hasse es, (ruchlose) Übertretungen zu begehen,
sie sollen sich nicht an mich hängen“.

„Ruchlosigkeit“ – auch im sogenannten „Kleinen“ bleibt hängen. Das Gewissen
wird irgendwie „schlecht“, man wird erpressbar.
Außerdem: es waren zunächst kleine, wenig beachtete Verschiebungen der Werte,
die die Verbrechen der Nationalsozialisten erst irgendwie „akzeptierbar“ und dann unterstützbar machten.
Das ist die Raffinesse des Bösen.

Psalm 102

Schöne Freunde

„Geschrieben sei dies für das künftige Geschlecht,
auf daß ein neuerschaffenes Volk den Herrn preise“.

Vorher:
„Verbirg dein Antlitz nicht vor mir
heute, da ich in Not bin“.

Warum eigentlich legen wir soviel Wert auf das Antlitz Gottes und sowenig auf die Umsetzung seiner Botschaft?
Wenn wir glauben, jammern, er verberge sein Antlitz – suchen wir seinen Blick nicht nur dann, wenn wir in Not sind?
„Schöne Freunde“!

Psalm 103

Hier & Jetzt

„Denn er weiß, was für Geschöpfe wir sind,
er denkt daran, daß wir nur Staub sind.
Des Menschen Tage sind wie Gras,
wie die Blume des Feldes, so blüht er.
wenn der Wind darüber fährt, ist sie weg
und kennt ihren Ort nicht mehr“.

Das bombastische Grabmal eines Generals in England. Alle Truppen, alle Titel,
alle Schlachten und Kolonialaufgaben darauf. Dieser Mensch war wirklich wichtig, hat oft über Leben und Tod entschieden.
Und was ist letztlich von ihm geblieben? Selbst bei seinen Nachfahren?
Dürre Daten, Chiffren, vielleicht einige alte Fotos und Briefe, maximal einige Geschichten.
Der Wind der Geschichte ist über ihn weggefahren.
Das einzige, das wir haben, ist das Hier & Jetzt. Mit allem Drum & Dran.
Blühen wir hier und jetzt. Blühen, Licht sein, Salz sein.

Psalm 104

Unternehmen Gott und Mensch

„Sie alle warten auf dich,
daß du ihnen Nahrung gibst zur rechten Zeit“ .

„Mögen die Sünder von der Erde verschwinden
und keine Frevler mehr sein“.

Ohne uns gibt er nicht! Wir sind Gesellschafter in einem Unternehmen, das Verantwortung für die Welt heißt. Haftbar!
Und ohne unser Engagement werden die Sünden und die Frevel inklusive ihrer Folgen nicht von der Erde verschwinden. Fromme Wünsche sind zuwenig!

Psalm 105

Religiöse Fadheit stinkt zum Himmel

„Singet ihm! Spielet ihm!
Redet von all seinen Wundern“.

Und einige Realitäten – am Beispiel christlicher Kirchen:
Eingepackt in stählerne Schränke, Tresore mit Außenschmuck, die wir Tabernakel nennen.
Kopf – und Kniebeugen wie vor mittelalterlichen Fürsten.
Normierte Texte und Lieder.
Würde – und weihevolle Stille.
Andersgewordene Stimmen.
Genauestens vorgeschriebene und eingeübte Liturgie.

Und das soll ihn freuen?
Herrgottnocheinmal – werden wir doch wieder normal. Und behandeln wir ihn wie eine/n von uns. Und die Menschen wie ihn!
Außerdem: Eure Fadheit stinkt zu meinem Himmel – nicht auszuschließen, daß er das denkt!

Psalm 106

Zu Tode definiert

„Und er gedachte für sie seines Bundes…“

Gott sei tot. Eine Chimäre. Ein kollektiver psychologischer Entlastungsversuch.
Dann „Gottesbilder“ – höchst – theologisch kompliziert, machtlegitimierend,
volkstümlich – patriarchalisch, fascinosum et tremendum – alles drin.
Und so ist er wirklich tot – zu Tode definiert, herbeizitiert,verwendet und verwertet.
Der Trost: Das ist nicht Gott, der Bundesgenosse. Das sind Bilder, von Menschen gemacht.
Wenn es uns nichteinmal möglich ist, einen Menschen ganz zu kennen – wie sollen wird denn das bei Gott schaffen?

Psalm 107

Noch Salz und Licht?

„…der sein Wort sandte und sie heilte“.

Wir machen also „Bilder“. Weil wir diese brauchen. Auch „Gußbilder“, wie es im letzten Psalm hieß.
Wir wollen etwas „in der Hand haben“, uns vor etwas niederwerfen können, es anjammern können. Und an „es“ alles Mögliche delegieren, abwälzen können.
So wie an die Heiligen bzw. deren Reliquien im Mittelalter.
Wir brauchen das – nicht er!
Sind wir vor lauter Bilderabhängigkeit schon noch Salz und Licht?

Psalm 108

Vermessungsgrundlagen

„Gott hat gesprochen in seinem Heiligtum:
Frohlocken will ich, will Sichem verteilen,
will die Tiefebene von Sukkoth vermessen“.

Der Psalmist nimmt offensichtlich an, daß sich Gott dem Siegestaumel Israels über eine gewonnene Schlacht anschließt. Und gleich das Land verteilt und vermißt.
Eigentlich müßte es umgekehrt sein. Zuerst vermessen, dann verteilen.
Das Wort Vermessen scheint wichtig! Gerechtigkeit und Recht setzen Messen und Vergleichenkönnen voraus. Nur so können gerechte und rechtlich abgesicherte Strukturen entwickelt werden. Können!
Können setzt unser Wollen voraus.

Psalm 109

Erloschen und verblichen

„(schon) im nächsten Geschlecht sei ihr Name erloschen!“

Ein Fluch – den Wucherern gewidmet. Nichteinmal ihr Name soll ihnen bleiben.
Ein elendes Schicksal – mag es im Moment auch materiell bestens ausgestattet
sein. Erloschen – der Name höchstens noch in Strafakten oder in kriminologischer Literatur. Gott kennt ihn nicht mehr.

Psalm 110

Zu hundsgewöhnlich

„Du bist Priester für immer,
nach der Art Melchisedeks“.

Melchisedek – nach Kurt Marti ein „vorisraelitischer Priesterfürst von Salem“.
Eine früher sehr begehrte, imageträchtige Kombination. Hie und da bei manchem auch heute noch. Einheit von Thron und Altar, der letztere ein bißchen höher.
Damit ist`s vorbei. Zu hundsgewöhnlich sind wir alle – inklusive Priester und Fürsten. Zu sehr in persönliche und strukturelle Sünden verwickelt.

Psalm 111

Parteiergreifen ist Pflicht!

„Die Taten seiner Hände sind Treue und Recht,
verläßlich sind all seine Gebote,
fest stehen sie immer und ewig,
zu vollbringen in Treue und Redlichkeit.“

Wiederum: Treue und Recht.
Es ist ein parteiergreifendes Recht.
„Denn er steht dem Armen zur Rechten,
um ihn vor den Richtern seines Lebens zu schützen“ (Ps. 109).

Also nichts mit einem „neutralen, reinen, äquidistanten Recht“, nichts mit
Verwaltungen,Institutionen und Medien, die die Menschen aus der Vogelperspektive beurteilen. Die nur in Programmen und Festtagsreden Partei ergreifen.
Und die Absage an die selbsternannten „Richter des Lebens“! Da mögen sich auch manche „Kirchenmänner“ vorsehen!

Psalm 112

Gegen die MitläuferInnen

„Ein bleibendes Gedenken wird dem Bewährten zuteil…
Der Frevler…knirscht mit den Zähnen und vergeht“.

Und was haben Anne Frank, Edith Stein und Millionen ermordete Juden vom späten Vergehen der Frevler? Geschichtlich haben sie natürlich gewonnen, die Namen Hitler, Göring, Göbbels sind zu Unnamen verkommen.
Das aber kann nicht genügen!
Der Herr ruft auf zum Kampf gegen den Frevel und zwar schon von Anbeginn.
Schon gegen das Mitlaufen.
Erst dann haben Anne Frank, Edith Stein und die ermordeten Juden was davon.

Psalm 113

Ohne Befreiungstheologie geht`s nicht!

„Der aus dem Staub aufrichtet den Geringen,
aus dem Kot den Armen erhebt“.

Theologie der Befreiung. Ob dies manche hören wollen oder nicht.
Sie ist nicht zu verbieten. Sie möge hineinwirken in Politik, Verwalten, Wissenschaft, Literatur und Wirtschaft und in die Kirchen.
Er will es so. „Ohne“ geht`s mit ihm nicht!

Psalm 114

Privatisierung des Lebenselements Wasser

„…der den Felsen in einen Wasserteich wandelt,
einen Kiesel zum Wasserquell“.

Sagen will der Psalmist wohl, daß bei Gott kein Ding unmöglich sei.
Und daß sich unsere Herzen verwandeln sollen. Das übertriebene Absicherungsbedürfnis in Solidarität, in Teilen übergehen möge.
Die Kostbarkeit des Wassers kommt zum Ausdruck. Der Psalm animiert zum
Ausdruck der Gegnerschaft gegen die Privatisierung auch dieses Lebenselements.

Psalm 115

Leerverkäufer

„Ihre Götzen sind Silber und Gold…
Ihnen werden gleichen, die sie machten“.

„Die Erde aber hat er den Menschen übergeben“.

Gewidmet allen, die aus Leben kaltes Material machen. Den Versilberern.
Speziell denen, die für öffentliches Gut zuständig wären.
Sie schwören auf nackte Zahlen, inhaltsleere Rankings, hohle Werbephrasen.
In der Bankersprache „Leerverkäufer“.

Nachdem er uns die Erde übergeben hat müssen wir uns mit diesen Leerverkäufern befassen.
Seine Tipps haben wir ja. Geschichte vom reichen Prasser und Lazarus. U.v.a.
Er ist damit außer Obligo!

Psalm 116

Er braucht das nicht!

„Dir bringe ich Dankopfer dar
und rufe den Namen des Herrn aus“.

Opfer aller Art – Menschen, Tiere, Gründe und Immobilien, Geld sind eng mit Religionen verbunden. Und damit auch religiösen Strukturen.

Braucht Gott solche Opfer?
Zölibatsvorschriften, Beschneidungen, Kirchenbeiträge, Ablässe usw.
Alles menschlich, von einem bestimmten Gottesbild abhängig. Und ebenso von
menschlichen Interessen.
Er will die Einhaltung des Doppelgebotes. Das genügt ihm – garantiert! Ist ihm Opfer genug.

Psalm 117

Kein heiliges Land

„Preiset den Herrn, alle Völker,
rühmet ihn, alle Nationen“.

Auf einmal lauter „Gottesstaaten“? Mit offiziellen Jubelchören, Beichtbestätigungen, Vorrang für besonders Fromme und Funktionäre, Kirchentreue? Religiöse Interpretation aller Lebensbereiche?

Da ist Gott im Sinne seiner und unserer Freiheit davor! Kollektive, erzwungene Gottgläubigkeit – ein Gräuel. Zu gut kennen wir die Realitäten – was war denn an der „christlichen Seefahrt“ christlich?
Liebe ist nicht verordenbar!

Psalm 118

Karl Marx

„Besser ist`s, sich beim Herrn zu bergen,
als Vornehmen zu vertrauen“.

Beim Herrn bergen heißt mit ihm Partei ergreifen.
Sicher sein, daß dies richtig ist.
Das Sein bestimmt das Bewußtsein – bei fast allen Menschen. Da hat Karl Marx sicher recht. Den Vornehmen trauen – was bringt das für`s Parteiergreifen?

Psalm 119

Wer Geschichte schreibt

„Denn deinen Ordnungen forsche ich nach…“

Die „Zehn Gebote“ seien ausreichend, so die einen.
Naiv, sagen die anderen. Mit den „Zehn Geboten“ kann man diese Welt nicht lebenswert – für alle – gestalten.

Es sind nicht diese zehn allein! Es gibt die Bergpredigt, das Liebesgebot, die Feindesliebe, BotschafterInnen und ProphetInnen, WiderstandskämpferInnen,
QuerdenkerInnen, MinderheitenvertreterInnen. Usw.
Sie schreiben letztlich Geschichte.

Psalm 120 5.12.2013

Feindesliebe – im Programm?

„Ich hielt Frieden,
doch wenn ich nur redete,
so wollten sie Krieg“.

Tatsache ist: die Botschaft fordert auch den Schritt zur Feindesliebe.
Mehr als „Frieden halten“.
Was bringen die Kirchen hinsichtlich der Feindesliebe?

Psalm 121

Schattenspiegel

„der Herr ist dein Schatten…“

„Schatten“ – ein neues Gottesbild? Immer mit uns, überall dabei, alles sofort nachvollziehend. Ein interessanter Gedanke.
Ein Schatten könnte auch wie ein Spiegel wirken – wenn man hinschaut. Und die winzigste Frist zum Überlegen nützt.

Psalm 122

Alle lieben zwar Jerusalem…

„Erbittet Heil für Jerusalem!
Friede sei denen, die dich lieben“

Offensichtlich ist die Liebe der Nachkommen Abrahams zwar eine offizielle aber nicht besonders tiefgehende. Macht, Reichtum, Erhaltung von Strukturen sind immer noch stärker. Offizielle, kollektive „Liebe“ – die bringt nicht den Frieden.
So wird Jerusalem noch auf das Heil warten müssen.

Psalm 123

Demokratie – weil der Mensch Gottes Ebenbild ist!

„…übersatt ist unsere Seele
des Spottes der Sicheren,
des Hohnes der Hochfahrenden“.

Spott? Hohn? Die kulturell „höhere Stufe“ ist heute die „Herablassung“.
Selbsternannte „Eliten“ lassen sich herab, erklären dem Volk ihre Welt.
Und plötzlich kommen Plagiate, Korruption, Mißbrauch von Kindern, Flucht vor Verantwortung und Haftung ans Licht. Welten brechen zusammen.
Und warum jetzt? Mutige hat es doch auch zur Zeit des Psalmisten gegeben?
Was es aber noch nicht gegeben hat – und in weiten Teilen unserer Erde noch immer nicht gibt: neue Informations – und Kommunikationsmöglichkeiten, Bürgerrechte, Gewaltenteilung, Meinungs – und Pressefreiheit, Demokratie.
Demokratie ist Umsetzung der Gottesebenbildlichkeit jedes Menschen.

Psalm 124

Wo bist denn du, Mensch?

„Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat“.

Und der wußte, welche Folgen das Naschen vom Baum der Erkenntnis haben würde,haben könnte. Die Emanzipation aus der vollversorgenden Natur.
Und von ihrem Schöpfer.
Eine „Sünde“ für die Freiheit – aber damit auch zur Selbstverantwortung.
Das in ausweglosen Situationen oft ausgesprochene „Wo bist du, Gott ?“ ist zuerst zu ersetzen durch: „Wo bist denn du, Mensch?“
Die erstere Frage ist natürlich leichter zu stellen.

Psalm 125

So fängt`s an

„…auf daß die Bewährten nicht (auch)
ihre Hände nach Frevel ausstrecken“.

Denn, wenn sie schon kleinlicher Gier folgen, werden sie erpressbar.Benutzbar.
Sind dabei.

Psalm 126

Wie man frei und fröhlich wird

„Und unter den Völkern sagt man:
„Der Herr hat Großes an ihnen getan,
fröhlich sind sie geworden“.

Besagte/besungene Fröhlichkeit dürfte auf die Heimkehr aus dem „babylonischen Exil“ zurückzuführen sein. Auf die Heimkehr, den Bau des Tempels…Jahrhunderte.
Eine lange Zeit der Umkehr, des Lernens, der Kritik am eigenen Versagen.
Wir wissen, wie lange es dauert, um die paar Jahre der Nazizeit und der Verstrickungen unserer Vorfahren auch nur anzugehen. Ebenso die Mißbrauchsfälle, die Ausbeutung der früheren Kolonien usw. Umkehr, Lernen…
unsere Pflicht. Damit wir wieder frei und fröhlich werden können.

Psalm 127

Der Geist im Haus

„Wenn der Herr nicht das Haus baut,
mühen sich umsonst, die daran bauen“.

„Der Geist“ in Häusern, inklusive sog. „Gotteshäusern“ und Institutionen.
Er ist deutlich zu spüren.
Wenn der Geist der Menschlichkeit fehlt, ist alles umsonst.
Es riecht dann dort schon so komisch.

Psalm 128

Akademischer Auftrag

„Was deine Hände erarbeiteten,
wohlan, du (selber) darfst es essen“.

Und wer in unseren „Systemen“ hört diese Worte?
Ist ja keiner mehr verantwortlich für prekäre Arbeitsverhältnisse, Working Poor, unerträglich niedere Mindestpensionen, Kinderarmut, das Ausplündern Afrikas.
Nehmen wir – geht es ums Essen – den Betrug mit Lebensmitteln gleich dazu.

Doch – es gibt Verantwortliche!
Die „Systeme“ werden erdacht und modelliert, probiert, beworben und verkauft, umgesetzt,abgesichert und weiterentwickelt.
Vielfach von Menschen mit universitärer Ausbildung. Die eigentlich zu Kritikfähigkeit ausgebildet wurden. Hier liegt ihre Verantwortung!

Psalm 128

Die Niedabeigewesenen

„Sie gleichen dem Gras auf den Dächern,
das, ehe man`s ausrauft, verdorrt ist“.

Gewidmet natürlich den „Frevlern“, ebenso aber ihren Mitläuferinnen. Und auch denen, die „nirgendwo dabei sind“ und nichts sehen oder hören (wollen).
Keiner von ihnen bekommt den „Segen des Herrn“.

Psalm 130

Das Wort ist da. Zukunftsfähig.

„Ich warte auf dein Wort…
denn nur beim Herrn ist die Huld
und viel Erlösung bei ihm“.

Das erwartete „Wort“ war da, ist da. Inklusive Erneuerung durch Jesus.
Eine zukunftsfähige Botschaft.
Nochmals: Was soll er noch tun? Uns zwingen? Nicht mit ihm.

Psalm 131

Meine Seele gehört mir!

„Vielmehr habe ich meine Seele
besänftigt und gestillt“.

Habe getan, was mir möglich war.
Habe mich einmal in mich zurückfallen lassen.
Habe vielleicht auch erfahren, wieviel Gutes in dieser Welt ist.
Und dazu weder Gott belästigen müssen noch meine Umwelt.
Und auch keinen Psychiater gebraucht.
Das ist meine Seele. Sie vertraut auf Gott – sie gehört ihm aber nicht.
Sondern mir.

Psalm 132

Wohnungszuweisung

„…will meinen Augen den Schlaf nicht gönnen
noch meinen Lidern den Schlummer,
bis ich dem Herrn eine Stätte finde,
eine Wohnung für den starken Jakobs“.

Tempel, Synagogen, Kirchen, Moscheen, Kapellen … der Versuch der Menschen, Gott eine Wohnung zu geben. Natürlich auch mit dem Eigeninteresse: Er soll möglichst nahe da sein. „Wer weiß“? Oft ist es auch ein Danke, Vergelt`s Gott.
Warnung: Gott ist aber nicht räumlich und zeitlich fixierbar! Nie in einer Wohnung
zu halten. Er läßt sie sich auch nicht zuweisen! Das meinen wir nur.

Psalm 133

Neoliberalismus – Antichrist heute!

„Siehe, wie gut und lieblich es ist,
wenn Brüder (einvernehmlich) beisammen wohnen….
denn dahin (an den Ort des Beisammenwohnens)
entbietet der Herr seinen Segen …“.

Wir nehmen die Schwestern natürlich dazu!
Umkehrschluß: der Herr entbietet denen keinen Segen, die das Gemeinsame stören oder verhindern.
Aus Neid, Gier, Goldenem – Kalb – Motiv usw. ein gutes und gerechtes Leben aller im globalen Dorf unmöglich machen. Der „Anti – Christ“!
Die aktuelle Ideologie des Anti – Christen hat einen Namen: Neoliberalismus.

Psalm 134

Segensmonopol gibt`s nicht

„Auf denn, segnet den Herrn,
all ihr Knechte des Herrn,
die ihr steht im Hause des Herrn
in den Nächten“.

Segnet den Herrn, ihr „Kleinen“!
Er soll von jenen gesegnet werden, auf deren Seite er steht.
Was bleibt dann von unserem „Segensmonopol“ werden etliche bedrückt fragen.
Sorry, im Psalm steht von einem Monopol nichts. Kein Wort.
Den KatholikInnen rät Gott, im Sinne ihres Papstes Franziskus zu verfahren.
„Segnet ihn“!

Psalm 135

Sie wissen genau was Gott will

„Denn der Herr hat sich Jakob erwählt,
Israel zu seinem Eigentum“.

Eigentum verpflichtet. Das wußte und weiß Israel.
Israel und seine ebenfalls abrahamitisch geprägten Nachbarn wissen, was Gott
will: Frieden

Psalm 136

Geschichts – und geschichtenbewußte Vorfahren

„denn ewig währt seine Verbundenheit“.

An die zwanzig Beispiele in Litaneiform.
Von der Genesis über die Teilung des Schilfmeeres, die Könige Sihon und Og bis zur Nahrung „für alles Fleisch“.
Unsere Vorfahren waren sehr geschichts – und geschichtenbewußt.
Geschichten – wie lange galten sie doch als „nur subjektiv“ und „nichtwissenschaftlich“. So wurde die Summe der Erfahrungen der „Kleinen“ nicht begriffen. Und Geschichte nur von und für die Großen geschrieben. Caesars Koch war da nicht dabei.

Psalm 137

Vernunft kommt immer nach der Katastrophe

„An den Strömen Babels
saßen wir und weinten,
als wir des Zion gedachten“.

„Wohl dem, der deine Kinder
packt und am Felsen zerschmettert“.

Der letzte Vers – ein Rachevers – könnte in seiner Abscheulichkeit und Dummheit längst überwunden sein. Durch Vernunft – zu der maßgeblich auch die Feindesliebe beiträgt. Die Psalmen wurden von Menschen geschrieben!
Es ist noch lange nicht so weit. Vernunft kommt erst nach den Katastrophen.
Und dann sitzen wir wieder da und weinen. Über die Folgen des Klimawandels usf.
Aber keiner war verantwortlich.

Psalm 138

Fade Gebetsautomatik

„Am Tage, da ich rief, hast du geantwortet…“

Wen und wie rufe ich?
Einen „existenzdefinierten“ Gott? Reduziert auf unser beschränktes Begreifen?
Den gibt es nicht. Und reduzierte Stücke von Gott werden kaum antworten.

Wie rufe ich?
Automatisch – gedankenlos, ritualisiert, formalisiert? Aus einem kollektiven, um – sich – schauenden „Glauben“ heraus? Weil man`s halt so tut, wenn es einmal schlecht geht?
Auch Gott kann es fad werden! Unendlich fad.
Dann geht erhalt.

Psalm 139

Einfacher geht`s nicht!

„Doch wie schwer sind deine Gedanken faßbar für mich, o Gott!
Wie gewaltig ist ihre Summe!“

Er weiß, wie gerne wir dramatisieren. Schwer, gewaltig, unfaßbar.
Und hat deshalb seine Empfehlungen in wenige „Zentralbotschaften“ zusammengefaßt. Liebe, auch gegenüber Feinden, Gerechtigkeit und Recht,
Bergpredigt. Jesus hat noch bestens verständliche Beispiele – auch die brauchen wir ja – beigesteuert. Gute Volkshochschule also.
Mit dem Jammern und Dramatisieren können wir also aufhören.

Psalm 140

Chiune Sugihara, Heiliger

„Ja, nun weiß ich, daß der Herr
die Sache der Elenden führt
und Recht schafft den Armen“.

Nichts da mit Vorrang der „objektiven Sicht“, „reiner“ Sachpolitik und Rechts.
Es ist Partei zu ergreifen. Auch wenn die Hände dreckig werden.
Und Ungehorsam kann zur heiligen Pflicht werden. Wie etwa bei Chiune Sugihara.
Unbekannt? Ein unbekannt gebliebener Heiliger!
Chiune Sugihara war im Zweiten Weltkrieg japanischer Vizegeneralkonsul in Kaunas/Litauen. Gegen die Weisung seines Ministeriums ermöglichte er 6000 Juden die Ausreise nach Japan. Mit „Visa für das Leben“.

Psalm 141

Strukturen schaffen

„Fielen sie (die Frevler) in die harten Hände ihrer Richter,
dann würden sie hören, wie sanft meine Worte sind“.

Ob sanft, hart oder zornig in der „Einstellung“: es muß daraus Recht erwachsen.
Rechtliche Struktur. Sanftheit, Härte oder Zorn sind nicht ausreichend.
Gerechtigkeit und daraus Recht.
Strukturen – eine Konsequenz des Glaubens.

Psalm 142

Bonhoeffer, Heiliger

„Ich spreche: Du bist meine Zuflucht!“

Und so kann ich getrost erwarten, was kommen mag (Bonhoeffer).
Nachdem ich das Meine im Sinne der Botschaft nach besten Kräften getan habe.
Versucht habe.

Psalm 143

Danke!

„Ich gedenke der Tage von einst,
ich sinne nach über all dein Wirken,
erwäge das Werk deiner Hände“.

Gottes Wirken – vom „Barmherzigen Samariter“ über Mahahtma Gandhi, Albert Schweitzer, Martin Luther, Johannes XXIII, die hexenwahnbekämpfenden Jesuiten, die jüdischen Helden des Warschauer Ghettos, die ermordeten GewerkschafterInnen in Südamerika, die Gründer eines Internationalen Strafgerichtshofs.Die NGOs gegen Ausbeutung von Frauen, Dritter Welt und Natur,
mutige Wissenschaftlerinnen mit ihrer Kritik am Neoliberalismus, VertreterInnen von Minderheiten … alles gehört zum Wirken deines Wortes. Alles!
Danke.

Psalm 144

Gib dem Schatten einen Namen.Bitte!

„Herr, was ist der Mensch, daß du Kenntnis nimmst von ihm,
der Menschensohn, daß du ihn beachtest?
Der Mensch gleicht dem Hauch,
seine Tage gleichen vorüberziehenden Schatten“.

Einer wichtiger als der andere! Funktionen, Publikationen, Titel, Prestige,Geld,Macht – alles sichtbar, gern hergezeigt. Inklusive Grabdenkmälern.

Aber: wir sind wirklich ein Hauch, ein vorüberziehender Schatten.
Nichts bleibt für immer. Außer die Hoffnung, daß er uns trotzdem sieht.
Und dem Hauch, dem Schatten einen Namen gibt.
Das schaffen wir selbst nicht!

Psalm 145

Gottes Geschichten erzählen

„Das Gedächtnis deiner großen Güte sollen sie (die Geschlechter) kundmachen…“

Kirchen, Religionsgemeinschaften versteinern ebenso wie andere Institutionen.
Auch für sie gilt die Feststellung von Leopold Kohr: Macht, die keine Gegenmacht zu fürchten hat, wird immer mißbraucht.
Nichts Menschliches ist ihnen fremd – trotz vielfach hehrer Worte. Macht, Verwaltung, Dogmen; fremdgewordene Traditionen und Rituale, Texte und Automatismen prägen den tagtäglichen Umgang.
Nachdenkliche und Jüngere können damit nichts mehr anfangen, anderen – etwa traditionsbetonten – sogar denen wird`allmählich fad.
Ein Grund: über Gott und seine Botschaften wird referiert. Und kaum mehr geschichts – und geschichtenbewußt erzählt. Aus dem Leben erzählt.

Psalm 146

Die „Ideologiefreien“

„Vertraut nicht auf Vornehme,
nicht auf einen Menschen, bei dem keine Hilfe ist!
Führt sein Geist aus, kehrt er wieder zur Erde,
am gleichen Tag noch sind seine Pläne dahin“.

Am gleichen Tag noch sind seine Pläne dahin – die Eintagsfliegen, überall.
In Wissenschaft und Politik, Wirtschaft, Kirchen, Gesellschaft. Einmal wichtig und zurück, Hauptsache Geld und Prestige.
Sie nennen sich gern „ideologiefrei“. Ein anderes Wort für „überzeugungsfrei“.
Dafür mit gut verborgenen persönlichen Interessen.

Psalm 147

Musik: Mehr ist nicht drinnen!

„Ja, gut ist`s, zu musizieren unserem Gott“.

Aus dem Kreis des paradiesischen Lebens herausgetreten strebt der Mensch stets –
nach „Irgendwohin“. Es gibt keinen status quo, kein Zufriedengeben, keine Ruhe.
Ein stetes Darüberhinaus.
Auch bei der „Gottesfrage“. unzählige Versuche der Definition, des Endlich – Handbarmachenwollens des Nie – Definierbaren, Handhabbaren, Verwertbaren.
Der lacht darüber und sagt: Verwendet Eure Zeit lieber zum Lesen und Hören meiner Botschaft. Und lernt endlich Geschichte.
Wenn ihr wirklich auch nur in die Nähe der Unendlichkeit herankommen wollt – es läßt euch ja doch nicht in Ruhe – dann probiert es mit Musik. Mehr ist für euch nicht drinnen!

Psalm 148

DienstleiterInnen

„Hallelujah…Preiset ihn, all seine Boten“.

Wahrscheinlich Franz von Asissis Lieblingspsalm.
All seine BotInnen – da gibt es keinen Unterschied. Keine Ober -, Haupt -, Mittel –
oder „Normalbotinnen“. Gott kennt keine Chargen.
Alle sind DienstleisterInnen – das genügt. Ihm sicher. Uns hoffentlich auch.

Psalm 149

Mut zum Vorrang fehlt

„er krönt die Hilflosen mit Heil“.

Er schon. aber wir?
Die grundlegenden Erfordernisse behinderter Mitmenschen, der Pflegebedürftigen, der in Armut geratenen, der Kinder ohne oder mit wenig Zukunft – sie werden zu oft hintangereiht. Verschoben, minimal dosiert.
Der Mut zur Parteinahme, zum mutigen Vorrang, zum solidarischen Befreiungsschlag fehlt.Diese Mutlosigkeit ist eine Sünde.

Psalm 150

Danke für die Empfehlungen!

„Aller Atem preise den Herrn!“

Wir alle sind nach seinem Bild und Gleichnis. Ein Grundrecht!
Nach dem Auszug aus dem Paradies, nach unserer Emanzipation von Gott und der Natur liegt die Umsetzung dieses Grundrechts in unserer Verantwortung.
Er liefert uns zuliebe das „Grundrecht“ und die Umsetzungstipps. Jetzt sind wir dran. Machen wir unseren Job ohne Jammern!
Gottes Empfehlungen dazu haben wir. Leichter lesbar und verstehbar als so manche Gebrauchsanleitung. Gott hat sich dafür sicher sehr viel angetan.
Dafür ein herzliches Danke!

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